Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Stefan Mentschel

Iran

Fußball und Politik: FIFA gegen WM-Ausschluss Irans

Einen noch gewaltigeren Schock in Iran würde allerdings der WM-Ausschluss der Nationalmannschaft auslösen. In den vergangenen Monaten hatten westliche Politiker immer wieder darauf gedrängt, das Land wegen seines umstrittenen Atomprogramms und nach zum Teil völkerrechtswidrigen Äußerungen von Staatschef Mahmud Ahmadinedschad auch im Sport zu isolieren.

Was war geschehen? Im Juni 2005, kurz bevor die iranischen Fußballer die Qualifikation für die Weltmeisterschaft perfekt machten, fanden in Iran Präsidentschaftswahlen statt. Für die meisten Beobachter überraschend, konnte sich Ahmedinedschad, zu dieser Zeit Bürgermeister Teherans und Kandidat der Konservativen, deutlich gegen den Pragmatiker Akbar Haschemi Rafsandschani durchsetzen. Unterstützt wurde und wird der 49-Jährige vor allem von den so genannten kleinen Leuten, die ihn als einen der ihren betrachten. Gottesfurcht und Umverteilung sei das Programm, das ihn bei den Armen beliebt gemacht habe, so ein politischer Beobachter. Und die Sprache, in der er sein politisches Ziel vertritt: "In der islamischen Regierung brauchen wir keine oberen Zehntausend, die sich für was Besseres halten, von feiner Herkunft sind und die damit rumprotzen."

Auch außenpolitisch verschärfte Ahmedinedschad den Ton. So verkündete er kurz nach der Wahl, dass sein Land an einem eigenen Atomprogramm festhalten wolle. Die meisten der iranischen Nuklearanlagen befinden sich zwar noch im Bau oder in der Planung. In Betrieb sind allerdings drei Forschungsreaktoren. Die iranische Führung rechtfertigt ihre Bemühungen mit einem gestiegenen Energiebedarf. Die im Land vorhandenen Gas- und Ölreserven sollten nicht zur Elektrizitätsgewinnung eingesetzt, sondern exportiert werden. Internationalen Verträgen zufolge habe Iran das Recht, ein Atomprogramm zu betreiben und für friedliche Zwecke Uran anzureichern, so der ehemalige UN-Waffeninspekteur Hans Blix in einem Interview. Es gibt aber Vermutungen, dass Iran sein Atomprogramm nicht nur zur Stromproduktion nutzen will. Speziell die USA und Israel verdächtigen die Regierung in Teheran, heimlich Nuklearwaffen entwickeln und bauen zu wollen. Beweise wurden dafür bislang aber nicht vorgelegt. Ahmedinedschad betonte dieser Tage: "Wir sind bereits ein Atomstaat, aber wir werden unsere Atomtechnologie nur für friedliche Zwecke einsetzen." Derzeit beschäftigt sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit dem Problem.

Unbestritten völkerrechtswidrig sind indes die Äußerungen des Präsidenten gegenüber Israel. So hatte Ahmadinedschad wiederholt – erstmals im Oktober 2005 – den Holocaust an den europäischen Juden in Frage gestellt. Zudem drohte er Israel unverhohlen mit Vernichtung und forderte, das Land müsse "von der Landkarte getilgt werden". Die Aussagen hatten weltweit für Empörung gesorgt. Und sollte der iranische Staatschef seiner Nationalmannschaft tatsächlich einen Besuch in Deutschland abstatten, würde die politische Brisanz des Ereignisses alles Sportliche in den Hintergrund drängen.

Ob mit oder ohne Ahmedinedschad im Gefolge: Fifa-Präsident Joseph Blatter hat sich inzwischen deutlich gegen einen WM-Ausschluss Irans aus politischen Gründen ausgesprochen. "Das ist für mich undenkbar. Wir würden nie auf Grund irgendwelcher politischen Aussagen einen Verband ausladen", sagte der Präsident des Welt-Fußballverbandes in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Seine Organisation sei in politischen und religiösen Fragen "absolut neutral".

Auf der anderen Seite fürchtet Irans Regierung nach Medienberichten um die Sicherheit der Nationalmannschaft in Deutschland. Innenminister Mostafa Purmohammadi habe gegenüber seinem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble Ende Februar bei der Sicherheitskonferenz in Katar von einer "terroristischen Bedrohung" gesprochen. Der deutsche Innenminister sicherte Purmohammadi daraufhin zu, das Team in seinem WM-Quartier in Friedrichshafen am Bodensee und an den Spielorten ganz besonders schützen zu wollen.