Afrika

15.1.2007 | Von:

"Gleichzeitig in Afrika..."

Gallery, Harare (Zimbabwe)

  • PDF-Icon Interview mit Derek Huggins (PDF-Version 46 KB)

    Gallery, Harare (Zimbabwe), Nummer 6, Rashid Jogee, © GalleryGalerie: Gallery, Harare (Zimbabwe)


    Zur Bildergalerie

    Die Kunstzeitschrift Gallery wurde 1995 von Derek Huggins, dem Leiter der Galerie "Delta" in Harare, und der Kunstkritikerin Barbara Murray gegründet. Ihr Anliegen war zu dokumentieren, was in Simbabwes Kunstszene passierte, Interesse und Diskussionen zu stimulieren und überhaupt darauf aufmerksam zu machen, dass es in Simbabwe eine bemerkenswerte Kunstszene gibt. Kritik sollte auch einem breiteren Publikum Zugang und Verständnis von Kunst ermöglichen.

    Derek Huggins´ 20-jährige Galerietätigkeit hatte einen Zirkel von Künstlern und Kunstliebhabern heranreifen lassen, die den Kern der Zeitschrift bildeten. Sie schufen ein Forum und eine Plattform für Kunstkritik und ermutigten gerade auch junge Leute, die für Kunst empfänglich waren, über Kunst zu reflektieren und zu schreiben. Mit der Zeitschrift Gallery sollte sich eine Schreib-, Denk- und Kritikkultur entwickeln, für die Simbabwe sonst keinen Ort oder keine Institution hatte, keine Hochschule oder ähnliches.

    Die regelmäßige Herausgabe einer simbabwischen Kunstzeitschrift ist auch als Reaktion darauf zu verstehen, dass Kritik und Bewertung afrikanischer Kunst üblicher Weise so genannten Experten aus Europa und den USA überlassen bleibt, die sich in Afrika in kürzest möglicher Zeit ihr Bild von afrikanischer Kunst machen und dann in Europa und den USA Bücher darüber publizieren. Gallery war eine Initiative, um sich eine Stimme zu verschaffen und etwas zu tun für die Künstler, die Stadt, das Land und für Afrika.

    Tatsächlich wurde Gallery zu einer wichtigen Informationsquelle über afrikanische Kunst für Galerien und Interessierte auch in Europa und den USA.
    In der Geschichte der simbabwischen Kunst, ist die kritische Stimme schwarzer Simbabwer etwas neues. Schwarze Künstler hatte es zwar aufgrund von Initiativen engagierter Personen bereits in der Kolonialzeit gegeben, aber ihr Publikum, die Käufer und die Kritiker waren immer ausschließlich Weiße geblieben. Auch die Aufmerksamkeit der simbabwischen Öffentlichkeit gegenüber Kunst ist bis heute gering. Die koloniale Verwaltung Rhodesiens hatte Kunst eher als etwas Überflüssiges, einen dekorativen Luxus, angesehen, den sie allenfalls manchmal für politische Rhetorik nutzen konnte; und auch heute wird Kunst von offizieller Seite lediglich als lukrative Einkommensquelle aus dem Tourismus ernst genommen.
    Die erste Nummer von Gallery finanzierte sich über 100 Abonnements, die vorab verkauft worden waren; einige weitere Ausgaben wurden von lokalen Förderern unterstützt. Obwohl der Verkaufspreis gerade die Produktionskosten deckt, ist er für die meisten Leute zu hoch, auch für Schulen und Bibliotheken. Selbst Harare Ply, die einzige Kunstschule in Zimbabwe, die ein Diplom vergibt, kann sich ein Gallery Abonnement nicht leisten.

    Nach zwei Jahren Sponsorensuche fand sich schließlich die holländische Organisation HIVOS (Humanist Institute for Cooperation with Developing Countries), die den Versand der Zeitschrift innerhalb Simbabwes an alle höheren Schulen, Kunstschulen, Lehrerseminare und Bibliotheken finanzierte, während UNESCO die Verteilung der Zeitschrift an 28 weitere Kunstinstitutionen in Afrika übernahm.
    Gallery ist in diesen Institutionen besonders wichtig und wird von Studenten und Kunsterziehern häufig verwendet, da z.B. in den Teacher´s Training Colleges, kaum Lehrmaterial über Kunst vorhanden ist, geschweige denn über afrikanische Kunst. Neben der aktuellen Kunst thematisiert Gallery auch die Geschichte moderner Kunst in Simbabwe. Für die Künstler bietet Gallery eine Möglichkeit sich zu äußern und Resonanz zu finden; sie bietet ihnen auch eine professionelle Herausforderung, da ihre Kunst über die Zeitschrift in Beziehung gesetzt wird zu künstlerischen Positionen in den Nachbarländern und in Übersee.

    Nachdem Barbara Murray 2000 nach London emigrierte übernahm Murray McCartney die Redaktion der Zeitschrift. Seit der Nummer 31 im Jahr 2002 ist keine Ausgabe von Gallery mehr erschienen. Hinter diesem Ende stehen eine Reihe von schwierigen Entwicklungen: in den letzten Jahren hat Simbabwes Kunstszene mehrere Künstler durch die Aids Epidemie verloren; aufgrund der politischen und ökonomischen Krise Simbabwes haben viele Künstler und Kritiker, weiße und schwarze, das Land verlassen. Kunstliebhaber und -käufer sind ebenfalls emigriert, so dass sich die Galerie "Delta" heute in einer prekären Gesamtsituation befindet. Derek Huggins weiß zur Zeit nicht, ob und wie Gallery weiter herausgegeben werden kann, obschon sich die Zeitschrift nach jahrelangem Überlebenskampf ein gutes Verteilernetz aufgebaut und große Anerkennung verdient hat. Mit ihren 31 Nummern, die im Laufe von 8 Jahren herausgekommen sind, hält Gallery einen Rekord für eine in Afrika erscheinende Kunstzeitschrift.

    Surprise Art-Centre, Shurugwi (Zimbabwe)

    Surprise Art-Centre, Shurugwi (Zimbabwe), Foto: Manfred SchererGalerie: Surprise Art-Centre, Shurugwi (Zimbabwe)

    Zur Bildergalerie

    Tapfuma Gutsas "Surprise Art-Centre" hat in seiner ländlichen Umgebung in Zimbabwe auch ganz praktische Funktionen, wenn Nachbarn telefonieren müssen, dringend ein Auto brauchen oder einfach nur ein Glas Bier trinken wollen. Nachdem seine Arbeiten auf vielen internationalen Ausstellungen gezeigt und hauptsächlich ins Ausland verkauft wurden, hatte er den Wunsch, seine Kunst auch "seinen" Leuten, denen er sich verpflichtet fühlt, zugänglich zu machen. Zu dem "Surprise Art-Centre" gehören sein Atelier, eine Ausstellungshalle, Gästeateliers und ein Skulpturengarten mit Grillplatz und Kneipe. Gutsa betrachtet das Projekt als ein postmodernes Experiment: die Besucher aus unterschiedlichen sozialen Schichten sollen nicht nur Kunstobjekte besichtigen, sondern in ein Gesamtkonzept einbezogen und Teil eines Environments werden.

    Recherche und Fotos Surprise Art Centre: Manfred und Christine Scherer, Bayreuth

    www.surpriseartcentre.org/


  • Die Geschichte des Kolonialismus und seiner Folgen wird immer wieder neu ausgehandelt. Welche Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte gibt es, die im Kampf um "historische Wahrheiten" häufig an den Rand gedrängt wurden? Wie wirkt das koloniale Zeitalter in ehemaligen Kolonialstaaten und anderen Gesellschaften nach?

    Mehr lesen

    Dossier

    Afrikanische Diaspora in Deutschland

    In Texten und Bildern spiegelt dieses Dossier eine eigenständige Schwarze Geschichte wider, die einen integralen Bestandteil der deutschen Vergangenheit und Gegenwart darstellt.

    Mehr lesen

    Dossier

    Innerstaatliche Konflikte

    Vom Kosovo nach Kolumbien, von Somalia nach Süd-Thailand: Weltweit schwelen über 280 politische Konflikte. Und immer wieder droht die Lage gewaltsam zu eskalieren.

    Mehr lesen

    Eine Farm im Nordosten Kenias im Jahre 1938. Die aus Deutschland von den Nazis vertriebene Jüdin Jettel Redlich steht vor der unscheinbaren Wellblechfarm ihres Mannes. Kinofenster.de bietet passende filmpädagogische Begleitmaterialien für den Schulunterricht.

    Mehr lesen auf kinofenster.de