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Einführung: Die Verbindung von Analyse und Praxis in der Filmvermittlung

Erzählen und Zeigen im Film Einführung: Die Verbindung von Analyse und Praxis in der Filmvermittlung Die Filmeinstellung: Eine Pädagogik der kleinen Einheiten Eine Szene in Varianten Politisches Zeigen, politisches Erzählen Unterichtsmaterial Redaktion

Einführung: Die Verbindung von Analyse und Praxis in der Filmvermittlung

Dr. Bettina Henzler Stefanie Schlüter

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Ein Filmstreifen in Schwarz-Weiß. (© picture-alliance, Ralf Hirschberger_dpa-Zentralbild_ZB)

Filme erzählen Geschichten. Filme können aber auch etwas aufzeichnen, zeigen und zur Anschauung bringen. Die Gesten des Zeigens und des Erzählens bilden ein Spannungsfeld, das nahezu jeden Film kennzeichnet. Dokumentarfilme zeigen uns (fremde) Wirklichkeiten. In der Art und Weise, wie sie Bild- und Tonmaterial strukturieren und unsere Aufmerksamkeit lenken, erzählen sie auch Geschichten. Spielfilme inszenieren Handlungen, bringen darüber hinaus Aspekte der Realität zur Anschauung – seien es Schauplätze, Menschen, Ereignisse oder Stimmungen. Beide Pole – das Zeigen und das Erzählen – sind grundlegend für die filmische Konstruktion von Realitäten. Sie in ihrer Wechselwirkung zu begreifen hilft, die Logiken des filmischen Erzählens zu verstehen, die Wahrnehmung für die Eigenheiten der filmischen Ästhetik zu sensibilisieren und ihrer Faszinationskraft auf die Spur zu kommen.

Das Erzählen und das Zeigen sind auch grundlegend für die Vermittlung: Jemand zeigt mir etwas, das ich anschauen und verstehen kann. Ich erzähle Geschichten, um mir die Welt zu erklären und meine Erfahrungen zu verarbeiten. In diesem Sinne sind Filme bildend und können Lernprozesse initiieren. Filmbildung kann dort ansetzen, indem sie das Zeigen und das Erzählen als (filmische) Handlungen begreift, die Prozesse des Wahrnehmens und des Verstehens miteinander verbinden. Dazu bietet dieses Online Spezial konkrete Anregungen. Es entstand im Rahmen der Externer Link: Autumn School für Lehrer*innen im Externer Link: Arsenal – Institut für Film und Videokunst in Berlin.

Ausgangspunkt ist der Vermittlungsansatz des französischen Filmkritikers und -vermittlers Alain Bergala. In seinem Buch Interner Link: Kino als Kunst (2006) schlägt er vor, Filmanalyse und Filmpraxis miteinander zu verzahnen. Einerseits wird die Filmanalyse praxisorientiert gestaltet: Die intensive Auseinandersetzung mit Filmausschnitten und kurzen Filmen soll durch verschiedene aktivierende Herangehensweisen unterstützt werden und zum Nachdenken darüber einladen, wie Filme entstehen. Andererseits wird auch die Filmpraxis in ihrer forschenden und reflexiven Dimension vermittelt: Mit ihr kann die Aufmerksamkeit geschult und die uns umgebende Wirklichkeit ebenso wie die filmische Ästhetik erkundet werden. Ziel ist es, die Wahrnehmung von Lernenden zu schulen und sie zur kreativen Arbeit anzuregen. Darüber hinaus soll ein Bewusstsein für die Vielfalt möglicher Standpunkte – auch für die politische Dimension der filmischen Ästhetik – vermittelt werden.

In diesem Sinne schlägt das Online-Spezial "Erzählen und Zeigen im Film" drei beispielhafte methodische Zugänge vor, die sich mit Filmen aus unterschiedlichen historischen Kontexten beschäftigen. Die ersten Filme der Kinogeschichte der Brüder Lumière regen zu einer analytischen und praktischen Auseinandersetzung mit der Interner Link: filmischen Einstellung ein. Anhand des Märchenmusicals "Eselshaut" ("Peau d'âne", Jacques Demy, F 1971) werden praxisorientierte Analysemethoden vorgeschlagen, um die Interner Link: Auflösung einer Szene in Einstellungen zu thematisieren: Wie kann eine minimale Handlung in ganz unterschiedlicher Weise gefilmt, gezeigt und gedeutet werden? Schließlich werden die vergleichende Analyse verschiedener Szenen aus dem Dokumentarfilm "Les Sauteurs - Those who jump" (Abou Bakar Sidibé, Moritz Siebert, Estephan Wagner, DK 2016) sowie Praxisübungen mit dem Smartphone vorgeschlagen, um die Interner Link: Politiken des filmischen Erzählens und Zeigens in der zeitgenössischen Mediengesellschaft zu reflektieren. Viele der Übungen lassen sich jahrgangsübergreifend durchführen. Die Materialien sprechen heterogene (Lern-)Gruppen an und sind für verschiedene Unterrichtsfächer geeignet.

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Dr. Bettina Henzler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Bremen mit Schwerpunkt Filmwissenschaft und Filmvermittlung. Sie leitet das Forschungsprojekt "Filmästhetik und Kindheit" und ist freiberuflich als Projektleiterin, Referentin und Beraterin der Filmvermittlung tätig.

Stefanie Schlüter ist ausgebildete Gymnasiallehrerin für Philosophie und Deutsch und arbeitet als Filmvermittlerin. Sie ist Mitglied der Gruppe "Arsenal Filmatelier", die Filmreihen für Kinder und Filmworkshops an Schulen anbietet. Zudem publiziert sie zu Experimental- und Künstler/-innen-Filmen.