Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie | Games zur politischen Bildung | bpb.de

Games zur politischen Bildung Geschichte Valiant Hearts: The Great War 1979 Revolution: Black Friday Svoboda 1945: Liberation Valiant Hearts: Coming Home Mission 1929 – Freiheit unter Druck Pentiment Glasfäden – Aus dem Osten in den Osten Wir leben hier! This War of Mine Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie Nationalsozialismus Attentat 1942 My Child: Lebensborn Through the Darkest of Times The Inner World 2 – Der letzte Windmönch Train To Sachsenhausen Gerda: A Flame in Winter Spuren auf Papier Forced Abroad – Tage eines Zwangsarbeiters Extremismus Leons Identität Hidden Codes Augen auf! Jessika Das Kurierkomplott Wiebkes wirre Welt Politik Suzerain Democracy 4 Democratic Socialism Simulator Deine Stimme Umwelt Imagine Earth Gibbon: Beyond the Trees Beecarbonize Überwachung Beholder 3 Orwell: Keeping an Eye on You Neo Cab Join the Comfortzone Gesellschaft konterBUNT Detroit: Become Human Blackhaven Road 96 Geschlecht A Normal Lost Phone Tell Me Why Medien Headliner: Novinews Bad News

Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie Rezension

Christian Gürtler

/ 5 Minuten zu lesen

Abwägen und aushalten: „Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie“ setzt Schülerinnen und Schüler an den Schreibtisch Friedrich Eberts. An diesem erfahren sie, wie schwer es ist, im Spannungsfeld unterschiedlicher Meinungen und Interessen politische Entscheidungen treffen zu müssen.

(© Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie / Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte / eigener Screenshot)

Zusammenfassung

Richtig eingebettet kann „Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie“ ein großes Potenzial für historisch-politisches Lernen entfalten. Es vereint emotionales Erleben mit analytischer Reflexion, regt zur kritischen Auseinandersetzung mit demokratischen Prozessen an und schärft das Bewusstsein dafür, dass Demokratie kein statischer Zustand, sondern ein fortwährender Prozess der Verständigung und Verantwortung ist.

Im digitalen Serious Game Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie übernehmen die Spielenden die Rolle des späteren Reichspräsidenten und begleiten seinen politischen Weg vom Aufstieg in der SPD bis zu seinem Tod im Jahr 1925. In vier chronologisch aufgebauten Kapiteln erleben sie die Umbruchszeit vom Interner Link: Kaiserreich über den Interner Link: Ersten Weltkrieg und die Interner Link: Revolution bis hin zur Interner Link: Weimarer Republik. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen animierten Szene, die den historischen Rahmen aufzeigt. Kapitel 1 dient als Einführung in die Spielmechanik, die übrigen Kapitel können auch unabhängig voneinander gespielt werden. Die gesamte Spielzeit beträgt etwa 90 Minuten.

Das Spiel ist in vier etwa 15-20 Minuten lange Kapitel unterteilt, die die historischen Phasen vom Kaiserreich bis zur Weimarer Republik abdecken. (© Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie / Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte / Collage eigener Screenshots)

Zentrale Spielfläche ist Eberts Schreibtisch. Dort treffen in jeder Runde neue Briefe von verschiedenen Interessengruppen ein – etwa von der SPD, dem Militär, monarchischen Kreisen oder der Bevölkerung. Jeder Brief steht für ein politisches oder gesellschaftliches Ereignis und übersetzt historische Situationen in fiktive Korrespondenzen zwischen Ebert und seinen Zeitgenossen. So werden politische Konflikte und Spannungen der Zeit in eine persönliche, narrative Form gebracht. Ergänzend ist jedem Brief in der sogenannten Chronik eine Karte mit einem kurzen Sachtext hinterlegt, die den historischen Hintergrund des jeweiligen Ereignisses erläutert. Dadurch verbindet das Spiel erzählerische Immersion mit historischem Kontext.

Die fiktiven Briefe machen Konflikte und beteiligte Interessengruppen greifbar. (© Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie / Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte / eigener Screenshot)

Pro Runde kann nur ein Brief beantwortet werden – eine Entscheidung, die stets unterschiedliche Konsequenzen für den weiteren Spielverlauf mit sich bringt. Gespielt wird über eine Kombination aus Point-and-Click- und Drag-and-Drop-Elementen. Zu Beginn jeder Runde öffnen die Spielenden zwei Briefe und entscheiden, welchen sie bearbeiten. Nach jeder Entscheidung erhalten sie sogenannte Einflussmarken – die zentrale Währung des Spiels. Diese können eingesetzt werden, um die Unruhe auf dem Spannungsmesser einer Interessengruppe zu senken, einen Brief zurückzulegen oder auf Meilensteinkarten einzuzahlen, die das Fortschreiten der Demokratie symbolisieren. Sind alle Meilensteine erfüllt, kann der „goldene Brief“ geöffnet werden, der den Abschluss des Kapitels markiert und einen neuen Abschnitt in Eberts politischer Laufbahn einleitet.

Auf dem Schreibtisch laufen Korrespondenzen und zu treffende Entscheidungen zusammen. (© Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie / Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte / eigener Screenshot)

Jede Entscheidung hat ihren Preis: In jeder Runde steigt die Spannung aller Interessengruppen automatisch um einen Punkt. Wird der Schreibtisch überfüllt – also liegen mehr als fünf Briefe einer Gruppe aus –, kann kein neuer Brief mehr abgelegt werden, und die Spannung dieser Gruppe erhöht sich zusätzlich. Erreicht eine Gruppe den Maximalwert 10, ist das Kapitel verloren. So entsteht ein permanenter Entscheidungsdruck: Welche Konflikte dulde ich, welche beruhige ich? Welche Themen treibe ich voran, und wo riskiere ich Stillstand? Auf diese Weise zwingt das Spiel die Spielenden zu einer Balance zwischen kurzfristigem Krisenmanagement und langfristiger Demokratieförderung – ein Prinzip, das den Kern politischer Aushandlungsprozesse erfahrbar macht.

Die Botschaft des Spiels: Demokratie bleibt ein Prozess des ständigen Aushandelns, der Beteiligung und der Verantwortung aller. (© Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie / Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte / eigener Screenshot)

Das Spiel endet mit Eberts Tod im Jahr 1925. In einer abschließenden Szene verweist es auf die Fragilität der jungen Demokratie, die sich in der Interner Link: Wahl Paul von Hindenburgs – eines „Monarchisten und erklärten Antidemokraten“ – zum Reichspräsidenten zeigt. Zugleich schlägt das Spiel den Bogen zur Gegenwart: Demokratie, so die Botschaft, bleibt ein Prozess des ständigen Aushandelns, der Beteiligung und der Verantwortung aller. Damit endet Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie nicht mit einem klassischen „Sieg“, sondern mit einem Impuls über den fortdauernden Anspruch demokratischer Mitgestaltung.

KurzinfosFriedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie

  • Genre: Adventure, Simulation

  • Herausgeber: Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte

  • Plattform: Browser – nicht optimiert für Smartphones

  • Erscheinungsjahr: 2023

  • USK: nicht geprüft

  • bpb-Empfehlung: ab 8. Klasse

Pädagogische Beurteilung

Das Serious Game Friedrich Ebert – Der Weg zur Demokratie verbindet historisches Lernen mit strategischem Denken und eröffnet einen vielschichtigen Zugang zu politischen Entscheidungsprozessen in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. Im Zentrum steht das Erleben, dass Politik immer ein Aushandeln unterschiedlicher Interessen bedeutet. Die Spielenden erfahren, dass politische Entscheidungen selten eindeutig sind und häufig sowohl Fortschritt als auch Konflikt erzeugen. Durch die wiederkehrenden Dilemmata, die das Spiel in Form von Briefen präsentiert, werden Urteilskompetenz, Perspektivübernahme und die Fähigkeit zum Abwägen geschult – Kompetenzen, die im Geschichtsunterricht ebenso zentral sind wie für politisches Denken im Allgemeinen.

Das Spiel eröffnet lebendige Einblicke in die Zeit zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik und übersetzt abstrakte historische Entwicklungen in konkrete Entscheidungssituationen. Durch die konsequente Erzählung aus der Perspektive Friedrich Eberts werden historische Handlungsspielräume nachvollziehbar und emotional zugänglich. Die Spielenden erleben die Zwänge, Loyalitäten und Konflikte, denen politische Akteure in Krisenzeiten ausgesetzt waren, und entwickeln so Verständnis für historische Entscheidungsprozesse. Zugleich verdeutlicht das Spiel, dass Stabilität und Fortschritt immer Ergebnis von Kompromissen sind – eine Einsicht, die sich auch auf gegenwärtige demokratische Aushandlungsprozesse übertragen lässt.

Diese starke Fokussierung auf Ebert als Leitfigur ist didaktisch reizvoll, verlangt jedoch eine kritische Einordnung. Geschichte erscheint zunächst aus einer personenzentrierten Perspektive – ein bewusst gewählter Zugang, der im Externer Link: auf der Webseite des Spiels bereitstehenden Begleitheft thematisiert und pädagogisch aufgegriffen wird. Lehrkräfte werden dort angeleitet, auch die Sicht anderer Akteure – etwa der Revolutionäre, des Militärs oder der Bevölkerung – einzubeziehen. So wird aus der Fokussierung auf Ebert kein unkritischer Heldenmythos, sondern ein Ausgangspunkt für multiperspektivisches historisches Lernen. Die Lernenden setzen sich dabei mit der Frage auseinander, wie politische Verantwortung in Krisenzeiten wahrgenommen wird und welche Spannungen zwischen Ideal und Realität entstehen können.

Ein didaktischer Mehrwert ergibt sich zudem aus der engen Verzahnung von Narration und Information: Jedem Brief ist in der Chronik eine Karte mit einem kurzen Sachtext hinterlegt, die den historischen Hintergrund erläutert. Diese Verbindung von erzählerischem Erleben und sachlicher Kontextualisierung erleichtert das historische Verständnis und eröffnet zugleich Möglichkeiten zur Reflexion über Geschichtsdarstellung. Lernende erkennen, dass Geschichte erzählte und gedeutete Wirklichkeit ist, und schulen damit ihre narrative Kompetenz.

Das Spiel spricht damit zentrale Kompetenzen historischen Lernens an und fördert ebenso politisches Denken. Es entfaltet sein volles Potenzial vor allem in der Mittelstufe, insbesondere in den Jahrgangsstufen, in denen die Inhalte Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Revolution und Weimarer Republik im Lehrplan behandelt werden. Durch seine modulare Struktur lässt es sich flexibel einsetzen: als Einstieg, Vertiefung oder Wiederholung. Mit dem umfangreichen Begleitmaterial können ganze Unterrichtssequenzen gestaltet werden, die Spiel, Chronik und Quellenarbeit sinnvoll verbinden.

Fehlt jedoch das entsprechende Vorwissen, besteht die Gefahr, dass Lernende das Spiel strategisch „durchspielen“, anstatt sich mit den historischen Hintergründen auseinanderzusetzen. Dies zeigte sich zumindest beim Einsatz in den Testklassen. Auch die Vielzahl an Inhalten, Akteuren und Mechaniken kann bei unzureichender Vorbereitung zu kognitiver Überlastung führen. Eine strukturierte Einführung in zentrale Personen, Parteien und Konfliktlinien sowie eine gezielte Auswertung im Anschluss sind daher unerlässlich, um das Spielerlebnis in reflektiertes historisches und politisches Lernen zu überführen.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Weitere Inhalte

Video Dauer
Dokumentarfilm

Die Weimarer Republik 1918-1925

Die Kurzdokumentation von 1968 schildert detailliert die ersten Jahre der Weimarer Republik von der Revolution bis zum Tode Friedrich Eberts.

Erklärfilm

Politische Partizipation 1848-1933

Wenn es um deutsche Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert geht, ist selten davon die Rede, wie deutsche Jüdinnen und Juden die wechselhafte Geschichte dieses Landes entscheidend mitprägten.

Video Dauer
Erklärfilm

Kampf gegen Antisemitismus

Der jüdische Kampf gegen den Antisemitismus und später den Nationalsozialismus beginnt schon in den Emanzipationsbestrebungen des 18. und 19. Jahrhunderts.

Christian Gürtler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FAU Erlangen-Nürnberg und promoviert dort zum Thema „Bildungspotentiale von Spielen in pädagogischen Kontexten“ mit dem Fokus der Entwicklung eines sogenannten „Pen and Paper Exit Games“ für den Einsatz im Schulunterricht. Zuvor hat er das Staatsexamen für das Gymnasiallehramt mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Darstellendes Spiel erworben.