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28.7.2014

M 02.02 Rechtsextremismus als politikwissenschaftlicher Begriff nach Richard Stöss

Rechtsextremismus folgt keiner einheitlichen Ideologie. Wir haben es vielmehr mit einem heterogenen Gemisch unterschiedlichster Begründungszusammenhänge und Sichtweisen zu tun, was seinen Niederschlag in der Bundesrepublik auch in organisatorischer Zersplitterung der extremistischen Rechten findet. Die Komplexität des Rechtsextremismus besteht aber nicht nur in der Vielfalt seiner weltanschaulichen Versatzstücke und politischen Zielsetzungen, sondern auch darin, dass er uns im politischen Alltag in verschiedenartigen Erscheinungsformen begegnet.

Zunächst ist zwischen rechtsextremistischen Einstellungen und rechtsextremistischen Verhalten zu unterscheiden. […] Es besteht kein Einvernehmen darüber, wie rechtsextremistische Einstellungen inhaltlich zu definieren sind. In der Regel wird von einem vielschichtigen Einstellungsmuster ausgegangen, das sich in Deutschland aus folgenden Bestandteilen zusammensetzt: Nationalismus, Ethnozentrismus, Antisemitismus und pronazistische, den Nationalsozialismus verherrlichende oder wenigstens verharmlosende Einstellungen. Ob Autoritarismus Bestandteil dieses Einstellungsmusters ist oder eher zu den Ursachen des Rechtsextremismus gerechnet werden muss, ist strittig. […]

Beim Verhalten ist zwischen politisch zielgerichtetem, einem Programm verpflichteten, Verhalten und zwischen Protestverhalten, das primär der Provokation und/oder dem ausleben von aggressiven Persönlichkeitsmerkmalen dient, zu unterscheiden. Aus der Sicht der Opfer dürfte diese Unterscheidung bedeutungslos sein, mit Blick auf die Täter ist die genaue Ermittlung von Motiven und Handlungszielen schon aus rechtlichen und pädagogischen Gründen notwendig. Rechtsextremistische Aktivisten müssen nämlich nicht notwendigerweise unmittelbar rechtsextremistische politische Ziele verfolgen. […] Während beim zielgerichteten politischen Verhalten die Aktionsformen, Stile und Symbole direkt mit dem avisierten Ziel korrespondieren […], dienen Aktionsformen, Stile und Symbole beim Protestverhalten in der Regel dazu, die Öffentlichkeit durch provozierende und schockierende Maßnahmen auf eigene Unzufriedenheiten und Probleme aufmerksam zu machen.[…] Die Grenzen zwischen Protestverhalten und zielgerichtetem politischen Verhalten sind allerdings fließend. Protestverhalten kann (muss aber nicht) eine Vorstufe zu zielgerichtetem politischen Verhalten sein, Protest mündet nicht zwangsläufig in politisch aktiven Rechtsextremismus.

Aus: Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Wandel. 2. aktualisierte Ausgabe. Berlin: Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.) 2007., S. 26ff.


Arbeitsaufträge

Einzelarbeit
  1. Erarbeite den Unterschied zwischen rechtsextremen Einstellungen und Verhalten und stelle diese grafisch dar. (z.B. Tabelle oder Mind-Map) (Einzelarbeit)
  2. Vergleiche deine Ergebnisse mit deinem Sitznachbarn. (Partnerarbeit)
Plenum
  1. Ordnet die Ergebnisse aus der Kartenabfrage den entsprechenden Bereichen nach Richard Stöss zu.


Das Arbeitsmaterial ist PDF-Icon hier als PDF-Dokument abrufbar.


Das Auffliegen der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat gezeigt: In Deutschland sind Strukturen entstanden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen. Aber nicht nur im Untergrund oder am Rand der Gesellschaft gibt es rechtsextreme Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und den Glauben an einen starken Führer.

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