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28.7.2014

M 02.03 Rechtsextreme Einstellungen: Revisionismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus

Definition Revisionismus
Revisionismus bedeutet im Zusammenhang mit Rechtsextremismus die Umdeutung und Relativierung der Geschichte des Nationalsozialismus. Rechtsextreme Positionen stehen wegen ihrer Nähe zum NS-Terror unter einem besonderen Rechtfertigungsdruck. Deshalb bestreiten Revisionisten die Schuld der Deutschen an der Vernichtung der Juden und am Zweiten Weltkrieg. Sie werfen seriösen Forschern die "Geschichtsklitterung zum Nachteil Deutschlands" vor. Revisionisten leugnen also die mörderischen Umsetzungen der nationalsozialistischen Ideologie, um ihre eigenen Vorstellungen salonfähig zu machen - wie zum Beispiel die völkische Gesellschaftstheorie der NPD oder den in der Szene verbreiteten Antisemitismus.

Aus: Amadeu Antonio Stiftung: Netz-gegen-Nazis.de. Lexikon: http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/revisionismus (31.10.13).


Die Revisionismuskampagne
Die nationale Frage erschöpft sich nach Auffassung des bundesdeutschen Rechtsextremismus nicht allein in der Wiederherstellung Deutschlands als völkisch-territoriale Einheit und als europäischer Machtfaktor. Es geht ihm zugleich darum, dessen „Niederwerfung“ in ideologischer und propagandistischer Hinsicht zu bekämpfen, um die 1945 von den Siegern vermeintlich gezielt zerstörte nationale Identität der Deutschen wieder freizulegen. Die Zerschlagung des Deutschen Reichs und die Zerstörung der Identität des deutschen Volks wurden vom Nachkriegsrechtsextremismus als die beiden herausragenden Elemente des Bedrohungsszenarios nach 1945 dargestellt. Der Kampf um die „historische Wahrheit“, die Revision der von den Alliierten angeblich dekretierten und von deutschen Helfershelfern besorgten offiziellen Geschichtsschreibung, ist daher ein zentraler Bestandteil der Politik des Rechtsextremismus. Zum einen sollen die Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg geleugnet, der Schuldanteil der Siegermächte und deren Kriegsverbrechen hervorgehoben und die nach 1945 von den Alliierten durchgeführten Kriegsverbrecher- und NS-Prozesse als politische Justiz und als rechtswidrig entlarvt werden („Kriegsschuld-Lüge“). Zum anderen geht es darum, den Holocaust als historische Tatsache in Frage zu stellen, ihn zu relativieren oder die Juden selbst für ihr Schicksal verantwortlich zu machen („Auschwitz-Lüge“). Revisionismus bedeutet im Ergebnis also Verdrängung der historischen Realität, Verharmlosung und Relativierung der Vergangenheit, Ablenkung von eigener Schuld und eigenem Versagen durch Aufrechnung von vermeintlichem oder tatsächlichem Unrecht der Anderen und damit nicht zuletzt auch die Rehabilitierung rechtsextremistischer Großmachtbestrebungen.

Aus: Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Wandel. 2. aktualisierte Ausgabe. Berlin: Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.) 2007, S. 4.

Arbeitsaufträge

Einzelarbeit
  1. Lies den Text und erarbeite dabei die wesentlichen Merkmale der Begriffe Revisionismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus.
Gruppenarbeit in Expertengruppen
  1. Besprecht eure Ergebnisse und ergänzt gegebenenfalls eure Aufzeichnungen.
  2. Legt fest, welche Aspekte eures Themas auf dem Plakat vorhanden sein müssen.
Gruppenarbeit in Stammgruppen
  1. Erstellt ein Plakat mit allen erarbeiteten Einstellungen und gestaltet dieses.


Das Arbeitsmaterial ist PDF-Icon hier als PDF-Dokument abrufbar.


Das Auffliegen der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat gezeigt: In Deutschland sind Strukturen entstanden, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in Frage stellen. Aber nicht nur im Untergrund oder am Rand der Gesellschaft gibt es rechtsextreme Einstellungen wie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und den Glauben an einen starken Führer.

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