Blick auf den Erdball vom Weltall aus. Im Zentrum des Betrachters ist die nördliche Halbkugel zu sehen. Sie ist kaum von Wolken bedeckt. Im Westen liegt der amerikanisch Kontinent, im Osten liegt Europa. Dazwischen leuchtet blau der Ozean Atlantik.

3.3.2021

3. März: Welttag des Artenschutzes

Seit vielen Jahren nimmt die Zahl der Tier- und Pflanzenarten kontinuierlich ab. Der Welttag des Artenschutzes soll in diesem Jahr vor allem auf die schwindenden Waldbestände aufmerksam machen.

Sonnenstrahlen scheinen durch dichten Rauch auf verbrannte und zum Teil umgestürzte Bäume nach einem Waldbrand oder einer illegalen Brandrodung im Amazonas-Regenwald.Waldbrände und illegale Brandrodungen zerstören jedes Jahr große Flächen des Amazonas-Regenwaldes. (© picture-alliance, ASSOCIATED PRESS | Edmar Barros)

Im Jahr 2013 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, künftig an jedem 3. März den Welttag des Artenschutzes zu begehen. Das Datum selbst wurde gewählt, weil an diesem Tag im Jahr 1973 das Washingtoner Artenschutzübereinkommen unterzeichnet worden war, das den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten einschränkt. Neben der illegalen Jagd stand insbesondere die Zerstörung des Lebensraums bedrohter Gattungen im Vordergrund. Zuletzt waren in dem Vertragswerk, das aktuell von 183 Staaten und Staatenverbünden unterzeichnet ist, über 38.000 Arten aufgeführt. Darunter befinden sich knapp 6.000 Tierarten und über 32.000 Pflanzenarten, die unabhängig von der Roten Liste der Weltnaturschutzunion zusammengestellt werden.

Wälder sind unmittelbare Lebensgrundlage für Millionen von Menschen

Das Motto des Aktionstags wechselt jährlich. 2021 steht die Rolle der Wälder im Fokus des Welttages: Die weltweiten Wald- und Forstgebiete sind nach Schätzungen der UN die direkte Lebensgrundlage für 200 bis 350 Millionen Menschen, darunter auch zahlreiche indigene Völker. Insbesondere die Regenwälder spielen für den Klimaschutz und damit für das Leben aller Menschen eine zentrale Rolle.

Rund vier Milliarden Hektar und damit etwas mehr als ein Viertel der weltweiten Fläche sind noch immer von Wäldern und Forsten bedeckt. Doch Wälder sind in vielen Ländern durch Extremwettersituationen sowie legale und illegale Rodung bedroht, auch wenn das Tempo zeitweise abnahm, in dem sich die weltweite Waldfläche in den vergangenen drei Jahrzehnten verringert hat: Während zwischen 1990 und 2000 jährlich im Durchschnitt 7,3 Millionen Hektar oder 0,18 Prozent des gesamten Waldbestandes verloren gingen, waren es im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015 jährlich 3,3 Millionen Hektar.

Pro Minute wird im Amazonas Waldfläche von der Größe dreier Fußballfelder gerodet

Obwohl es in vielen Ländern mittlerweile Anstrengungen zur Wiederaufforstung gibt, zeichneten sich in den vergangenen Jahren regional auch negativere Trends ab. So hat etwa die Zerstörung des artenreichen und kaum aufforstbaren südamerikanischen Regenwalds seit des Amtsantritts des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der immer wieder Schutzgebiete für Landwirtschaft und Bergbau öffnete, stark zugenommen. Mehr als 600 Millionen Bäume wurden dort zwischen August 2019 und Juli 2020 gerodet. Das entspricht einer Fläche von 11.000 Quadratkilometer Wald und sind fast zehn Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Seit 1990 summiert sich der Flächenverlust auf mehr als 400.000 Quadratkilometer. Expertinnen und Experten fürchten, dass die Vernichtung des Regenwaldes bald einen kritischen Wendepunkt mit schwerwiegenden Folgen für Flora, Fauna und Weltklima erreichen könne.

In Deutschland spielt der Natur- und Artenschutz politisch dagegen eine immer größere Rolle. Vor allem der Insektenschutz polarisierte in den vergangenen Jahren. Das bayerische Volksbegehren "Rettet die Bienen" erreichte etwa mit mehr als 1,7 Millionen Unterschriften eine vergleichsweise hohe Beteiligung, woraufhin das Bundesland eine deutliche Verschärfung des Natur- und Artenschutzes beschloss – unter anderem der Bayerische Bauernverband hatte vor deren wirtschaftlichen Folgen für die Landwirte gewarnt.

Regierung will "Insektenschutzpaket"

Als Ursachen für das Insektensterben gelten etwa Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft. Begleitet von Protesten hat das Bundeskabinett Mitte Februar das "Aktionsprogramm Insektenschutz" beschlossen. Es gilt als das bislang umfangreichste Maßnahmenpaket der Bundesregierung zum Schutz von Insekten und ihrer Artenvielfalt – wenn es im Gesetzgebungsverfahren nicht noch abgeschwächt wird. Die Bundesregierung möchte Insektenbestände unter anderem durch gesetzlich geschützte Rückzugsgebiete stäken. Zudem verbietet der Gesetzentwurf den Einsatz gewisser Schädlingsbekämpfungsmittel in Schutzgebieten. Auch Glyphosat soll beispielsweise nur noch dann verwendet werden dürfen, wenn es keine alternativen Möglichkeiten gibt.

Kritik wurde von verschiedenen Seiten geäußert; während der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND e.V.) das Vorhaben grundsätzlich begrüßte, forderte er, dass solche Ansätze "verpflichtend zum dauerhaften Verzicht des Pestizideinsatzes bis 2024 führen" müssen. Landwirtschaftsinitiativen beklagten hingegen, dass durch die geplanten Verbote von Insektiziden und Herbiziden in manchen Gebieten große landwirtschaftliche Nutzflächen ohne finanziellen Ausgleich verloren gingen.

Hälfte der Korallenarten bereits verschwunden

In Deutschland sind die Bestände zahlreicher Tierarten stark gefährdet – neben Insekten- auch viele Vogel- oder Fledermausarten oder der einst hierzulande schon einmal ausgerottete Luchs. Von den heimischen Wildpflanzenarten ist beinahe ein Drittel gefährdet.

In Europa nimmt die Biodiversität, ebenso wie in Zentralasien, stetig ab. So hat sich etwa die Fläche an Feuchtgebieten seit 1970 um die Hälfte verringert. Zugleich verschwanden viele naturnahe Grünlandflächen, Torfmoore sowie Küsten- und ozeanische Lebensräume. Das geht aus einem Bericht der IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) hervor.

Dem Bericht zufolge sind in den kommenden Jahrzehnten rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Das Artensterben sei aktuell bis zu mehrere hunderte Male größer als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre. Seit 1870 ist bereits gut die Hälfte der lebenden Korallen verschwunden.

Zahl der bedrohten Pflanzen in einem Jahrzehnt mehr als verdoppelt

Die Roten Listen der bedrohten Arten werden immer länger: Bei den Pflanzen hat sich ihre Zahl von 2010 bis 2020 von 8.724 auf 20.360 mehr als verdoppelt. Bei den Wirbeltieren fiel der Anstieg der bedrohten Arten im gleichen Zeitraum mit 44 Prozent von 6.714 auf 9.677 ebenfalls deutlich aus – die Zahl der bedrohten wirbellosen Tierarten hat sich sogar auf rund 5.500 beinahe verdoppelt.

Gut drei Viertel der Landoberfläche und etwa zwei Drittel der Meeresfläche sind laut dem IPBES-Bericht stark verändert. So seien weltweit in den vergangenen drei Jahrhunderten 85 Prozent der einstigen Feuchtgebiete verschwunden. Die weltweite Waldfläche sei im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um ein Drittel geschrumpft. Zudem werden in vielen Ländern immer mehr Flächen versiegelt –Umweltverschmutzung, Klimawandel, Überfischung und Wilderei setzen der Artenvielfalt ebenfalls massiv zu.

Allein der Verlust von Bestäuberinsekten habe "ungeahnte Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion", so die IPBES-Experten. Der Mensch drohe "als Verursacher des sechsten Massensterbens in die Geschichte einzugehen". Bereits 2016 hatte ein Bericht des UN-Ablegers mit dem Schwerpunkt auf Bestäubung und Nahrung konstatiert, dass in vielen Regionen seit einigen Jahren "dramatische Verluste" der Blütenbestäuber wie etwa Bienen beobachtet wurden.

Internationale Maßnahmen

Die Staatengemeinschaft ist nicht untätig: Das Washingtoner Artenschutzabkommen ist nur eine von einer Reihe von weltweiten Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt. So ist das von über 190 Staaten unterzeichnete Übereinkommen über die biologische Vielfalt CBD das umfassendste verbindliche internationale Abkommen im Bereich Naturschutz und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Hinzu kommen ein Klimarahmenabkommen namens UNFCCC und die Wüstenkonvention UNCCD. Das CBD etwa setzt auf Nachhaltigkeit und eine gerechte Aufteilung der Ressourcen.

Aichi-Ziele verfehlt

2010 haben 193 Staaten im Rahmen einer UN-Biodiversitätskonferenz in der japanischen Region Aichi den "Strategischen Plan für Biodiversität 2011–2020" beschlossen. Darin definierten sie Ziele, die bis 2020 die Ökosysteme widerstandsfähiger machen sollten. Der Verlust an natürlichen Lebensräumen sollte so mindestens halbiert und die Überfischung der Weltmeere gestoppt werden. Den Plänen zufolge sollten 17 Prozent der Landfläche und ein Zehntel der Meere unter Schutz gestellt werden. IPBES kritisierte jedoch bereits 2019, dass diese nicht erfüllt wurden.

Auch einige der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen, die 2016 mit einer Laufzeit von 15 Jahren bis 2030 in Kraft traten, beziehen sich auf Artenschutz und Nachhaltigkeit. Hier ist insbesondere Ziel 15 zu nennen, mit dem die teilnehmenden Staaten anstreben, "Landökosysteme zu schützen, wiederherzustellen und ihre nachhaltige Nutzung zu fördern, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, Wüstenbildung zu bekämpfen, Bodendegradation zu beenden und umzukehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende zu setzen". Der SDGs-Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2020 bilanzierte, dass bei der Erhaltung der Landökosysteme Nachhaltigkeit noch nicht in Sicht und Arten weiterhin vom Aussterben bedroht seien. Gleichzeitig betonte er, dass die Länder zunehmend Programm-, Gesetzgebungs- und Rechnungslegungsgrundsätze anwenden, um die biologische Vielfalt und die Ökosysteme zu schützen.

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