Dossier Familienpolitik

Rainer Stadler am 27.02.2017

Die Familie wird wirtschaftskompatibel gemacht

Die Familienpolitik will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Klingt gut. Doch der Politik geht es nicht um die Familien, sondern um die Wirtschaft, findet der Journalist Rainer Stadler. Die Politik versuche die Familien den Bedingungen des Arbeitsmarktes anzupassen – mit der Folge ganztagsbetreuter Kinder. Das gilt vielen als alternativlos – Kritik daran, gilt rasch als reaktionär.

Es gibt immer mehr Angebote für die Ganztagsbetreuung von Kindern. Aber was wünschen sich die Familien: Mehr Betreuungsmöglichkeiten oder mehr Zeit füreinander? - Das Bild zeigt eine Familie beim gemeinsamen Grillen am Feuer.Es gibt immer mehr Angebote für die Ganztagsbetreuung von Kindern. Aber was wünschen sich die Familien: Mehr Betreuungsmöglichkeiten oder mehr Zeit füreinander? (© Damian Longerich/www.cupitronic.net)

Seit mehr als einem Jahrzehnt herrscht in Deutschland parteiübergreifend Konsens, was moderne, familienfreundliche Politik bedeutet: den Ausbau von Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen, sodass die Kinder möglichst den ganzen Tag betreut werden und die Eltern den ganzen Tag arbeiten können. Manche Politiker fordern inzwischen, die Einrichtungen auch nachts zu öffnen, damit Eltern in Nachtschichten arbeiten können. Die Begründung lautet, ähnlich wie bei der Einführung von Hartz IV: Sozial ist alles, was den Menschen hilft, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Diese Denkweise hat sich bei den Familienpolitikern aller im Bundestag vertretenen Parteien durchgesetzt. Niemand kommt mehr auf die Idee zu fragen: Ist es wirklich familienfreundlich, eine Infrastruktur zu schaffen, deren Zweck vor allem darin besteht, die Familie den ganzen Tag voneinander zu trennen? Ist es wirklich sozial, Betreuungseinrichtungen 24 Stunden am Tag zu öffnen, damit alleinerziehende Mütter spätabends an der Supermarktkasse sitzen oder ihre Nachtschicht als Krankenschwester ableisten können?

Die neue Familienpolitik agiert keineswegs ohne Eigennutz



Mehr als 20 Milliarden Euro hat die Bundesregierung bereits in den Bau von Krippen und Ganztagsschulen investiert. Nachdem erst die Alten aus den Familien ausgelagert wurden, sind nun die Kinder und Jugendlichen an der Reihe, die zweite große, unproduktive Gruppe der Gesellschaft. Der Wandel vollzieht sich weltweit. Wir steuern auf eine Gesellschaft zu, stellte die amerikanische Soziologin Arlie Russel Hochschild fest, in der ein Mensch seine ersten Worte zu einer Kinderbetreuerin spricht und seine letzten Worte zu einer Altenbetreuerin.

Während diese Vision bei Eltern immer noch Unbehagen weckt, betont die Politik nimmermüde die Vorteile: Ganztagsbetreuung ermögliche die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, also mehr Wahlfreiheit. Sie sei ein notwendiger Schritt zur Emanzipation der Frau, die sich nun im Beruf verwirklichen könne und nicht länger von ihrem Mann abhängig sei. Und die Kinder würden nun von Experten betreut und gefördert, besser als die Eltern dazu in der Lage seien.

Doch so uneigennützig ist die neue Familienpolitik nicht, und bisher werden ihre Versprechungen im Alltag nicht annähernd eingelöst. Vor allem führt diese Politik nicht zu mehr Wahlfreiheit, sondern zwingt Eltern in ein Lebensmodell, das längst nicht alle anstreben, das aber einflussreiche Kräfte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft als wünschenswerte Norm erachten. Schon jetzt haben viele Eltern keine Wahlfreiheit, sie müssen ganztags arbeiten, erst recht, wenn sie alleinerziehend sind. In den Städten sind die Mieten explodiert. Der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland schrumpfte von sechs Millionen auf heute gerade noch 1,4 Millionen. Dagegen stagnieren die Löhne und Gehälter in vielen Berufsgruppen seit Langem. Es gab Zeiten, da reichte das Gehalt eines Fabrikarbeiters, um eine vierköpfige Familie zu ernähren. Davon können heute selbst viele Akademiker nur träumen. Der Grund für diese Entwicklung ist eine verfehlte Wohnbau- und Lohnpolitik. Doch statt die Ursachen für die Not zu beseitigen, stellt die Politik Betreuungseinrichtungen bereit und spielt den Ball zurück an die Familien: Sie sollen sich selbst aus der misslichen Lage befreien.

Es gilt weiterhin: nur Erwerbsarbeit wird entlohnt



Natürlich gibt es Frauen, die von der Ganztagsbetreuung profitieren; Frauen, die arbeiten wollen und das nun auch können. Gleichzeitig gibt es viele Mütter – und immer mehr Väter –, die die ersten Jahre nach der Geburt gern bei ihrem Kind zu Hause bleiben würden. Während der Staat das eine Lebensmodell mit viel Geld unterstützt – ein Krippenplatz wird monatlich mit mehr als 1.000 Euro bezuschusst –, ist ihm das andere nichts wert: Das Betreuungsgeld, mit 150 Euro ohnehin spärlich bemessen, wurde 2015 unter dem Applaus fast aller Parteien abgeschafft.
Kindererziehung ist von großer Bedeutung. Dennoch gilt sie nicht als gleichwertig zur Erwerbsarbeit. Das hat die Debatte um das Betreuungsgeld gezeigt, das als Herdprämie verspottet wurde. - Das Bild zeigt eine Familie mit zwei Kindern beim gemeinsamen Kochen.Kindererziehung ist von großer Bedeutung. Dennoch gilt sie nicht als gleichwertig zur Erwerbsarbeit. Das hat die Debatte um das Betreuungsgeld gezeigt, das als Herdprämie verspottet wurde. (© Damian Longerich/www.cupitronic.net)

Damit wird aber zementiert, was Frauenrechtlerinnen vor Jahrzehnten beklagten: Die Arbeit von Frauen (und auch Männern) hat nur einen Wert, wenn sie als Erwerbsarbeit erbracht wird. Deswegen forderten zum Beispiel die Grünen in ihrem Gründungsprogramm 1980, Hausarbeit und Kindererziehung als voll entlohnten Beruf mit Rentenanspruch anzuerkennen. Alles längst vergessen. Wer sich heute noch entschließt, mit Rücksicht auf die Kinder allzu lange zu Hause zu bleiben, riskiert, den Wiedereinstieg in den Beruf zu verpassen und spätestens im Alter zu verarmen. Das ist der große Makel der heutigen Familienpolitik: Sie unternimmt wenig, um die Wirtschaft familienfreundlicher zu machen, aber viel, um die Familien wirtschaftskompatibler zu machen.

Die erfreuliche Entwicklung, dass Frauen heute beruflich mindestens so qualifiziert sind wie Männer, würde es ermöglichen, dass sich Mütter und Väter die Erziehung der Kinder gleichberechtigt teilen und sich jeweils ein Elternteil zu Hause um das Kind kümmert – was sich in Umfragen immer noch viele Eltern wünschen. Doch dieses Modell kann sich zunehmend nur noch eine privilegierte Oberschicht leisten. Es war wohl auch nie für die breite Masse vorgesehen: Familienministerin Manuela Schwesig sagte schon vor ihrem Amtsantritt, sie wolle erreichen, dass Frauen möglichst Vollzeit arbeiten. Im Herbst 2016 äußerte sie, mit einer zukunftsorientierten Familienpolitik ließe sich die Erwerbsquote von Müttern weiter erhöhen und deren durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf 31 Stunden steigern. Dadurch würde das Bruttoinlandsprodukt um 69 Milliarden Euro wachsen. Dass die Kinder ihre Eltern dadurch seltener sehen, erwähnt die Familienministerin nicht. Auch Schwesigs – im Grundsatz ja richtiger – Vorschlag, junge Eltern, die ihre Arbeitszeit etwas reduzieren, mit einem Familiengeld von 300 Euro monatlich zu unterstützen, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als wenig familienfreundlich: Das Geld sollen nur Eltern bekommen, die immer noch mindestens 32 Stunden in der Woche arbeiten. Das bedeutet, dass die Kinder täglich sieben bis acht Stunden fremdbetreut werden müssen und weiterhin kaum Zeit für ein gemeinsames Familienleben bleibt.

Kritik an der neuen Familienpolitik gilt schnell als reaktionär und frauenfeindlich



Bereits im Frühjahr 2012 stellten Ökonomen im Auftrag des Familienministeriums fest, auch Alleinerziehende könnten länger arbeiten, wenn es flächendeckende Ganztagsbetreuung für alle Kinder gäbe. Das würde "nicht nur zu einer Einsparung bei den Transferleistungen, sondern auch zu höheren Steuern und Sozialabgaben führen". Und schon vor zehn Jahren betonte der damalige Wirtschaftsweise Bert Rürup angesichts sinkender Geburtenraten und Fachkräftemangel die "Notwendigkeit einer Mobilisierung der sogenannten stillen Reserve, Frauen mit kleinen Kindern". Das macht Ganztagsbetreuung eben so attraktiv. Sie löst so viele Probleme – Probleme der Politik, der Wirtschaft und auf den ersten Blick auch die der Eltern.

Und die Kinder? Sie "dürfen nicht länger ein Hindernis für Beruf und Karriere sein" hielt die schwarz-rote Regierung 2005 in ihrem Koalitionsvertrag fest. Von diesem Weg lässt sich die Politik seitdem durch nichts abbringen. Nicht durch die Warnungen zahlreicher Kinderärzte und -psychiater, die in umfangreichen Studien die Risiken für Kleinkinder durch zu frühe und zu lange Fremdbetreuung nachgewiesen haben. Nicht durch die bisher einzige flächendeckende Untersuchung zur Qualität der Krippen in Deutschland, die nur drei Prozent der Einrichtungen als gut bewertete, aber 85 Prozent als mittelmäßig und zwölf Prozent als schlecht. Nicht durch den Befund im Frühjahr 2016, wonach Schülerinnen und Schüler in deutschen Ganztagsschulen keine besseren Leistungen erzielen als jene in traditionellen Halbtagsschulen.

Der Aufschrei der Öffentlichkeit blieb bisher aus. Das ist wohl der größte Erfolg, den die Verfechter der neuen Familienpolitik verzeichnen können: Es ist ihnen gelungen, ihre Agenda als modern und alternativlos darzustellen, wer sich kritisch äußert, gilt schnell als reaktionär und frauenfeindlich. Dabei beklagen viele Frauen bereits jetzt den gesellschaftlichen Druck, im Beruf perfekt funktionieren zu müssen, obwohl die Last der Haushalts- und Erziehungsarbeit kaum abgenommen hat. Die Familienpolitik muss endlich wieder zu ihrer ureigensten Aufgabe zurückkehren: die Vertretung der Interessen von Familien, und zwar aller Familienmitglieder. Das bedeutet insbesondere den Schutz des Familienlebens vor den Begehrlichkeiten einer auf Effizienz getrimmten, durchökonomisierten Gesellschaft. Das moderne Märchen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, dank flächendeckender Ganztagsbetreuung könnten sich Eltern im Berufsleben verwirklichen und gleichzeitig ein erfülltes Familienleben genießen, mag bei einigen Erwachsenen verfangen. Aber sicher nicht bei der kommenden, ganztagsbetreuten Generation – einer Generation, die in früher Kindheit die Rationierung von Elternliebe und Geborgenheit ertragen musste, und später den Verlust ihrer Freiheit.



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Kommentare anderer Nutzer

Christine Ableidinger-Günther | 01.03.2017 um 15:43 [Antworten]

Familienpolitik

Sie sprechen mir aus der Seele! Meine beiden Töchter sind 1985 und 1988 geboren, damals gab es Kindergarten und Schule v.a. am Vormittag und manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Betreuung gewünscht, aber keinesfalls vor dem 3.-4. Lebensjahr.
Nun sitze ich zwar in der "Teilzeitfalle", weil ich nur ca. 17 Versicherungsjahre aufzuweisen habe und bin darauf angewiesen, dass mein Mann weiterhin seine Rente mit mir teilt - dafür haben unsere Kinder jede Menge schöne Erinnerungen an ihre frühen Jahre und sagen es uns auch deutlich, dass sie froh waren, dass ihre Mutter jeden Tag nachmittags und abends verfügbar war, solange sie in die Schule gingen. Und es ist für sie jetzt ein arges Dilemma, wenn sie sich vorstellen, sie müssten eigene Kinder schon ab 3 Jahren oder gar früher den ganzen Tag über fremdbetreuen zu lassen. Ich finde es ignorant und ärgerlich, dass die Politik so tut, als wäre Fremdbetreuung die bessere Alternative, für die auch eine Menge Geld eingesetzt wird, während die Erziehung der eigenen Kinder nichts gilt - höchstens ein paar Pünktchen auf dem Rentenkonto.

Alexander Grupp | 01.03.2017 um 16:42 [Antworten]

Weiter so!

Endlich mal ein guter Artikel zu diesem Thema. Vielen Dank für den Mut, den "alternativlosen" Weg der Regierung zu hinterfragen und die dahinterstehenden Motivationen aufzudecken. Es tut gut zu sehen, dass es auch noch Journalisten gibt, die bzgl. dieser Thematik eine eigene Meinung vertreten. Weiter so!

Alexander Grupp | 01.03.2017 um 16:44 [Antworten]

Weiter so!

Endlich mal ein guter Artikel zu diesem Thema. Vielen Dank für den Mut, den "alternativlosen" Weg der Regierung zu hinterfragen und die dahinterstehenden Motivationen aufzudecken. Es tut gut zu sehen, dass es auch noch Journalisten gibt, die bzgl. dieser Thematik eine eigene Meinung vertreten. Weiter so!

Fink | 01.03.2017 um 16:45 [Antworten]

Rente für Mütter

Warum erhalten nichterwerbstätige Mütter, die aber zu Hause 3 Kinder großgezogen haben, gerade einmal 100 Euro RENTE !!, wie ich auf dem Rentenbescheid einer von mir wertgeschätzten Bekannten selbst gesehen habe?
Was ist es dem Staat wert, dass Mütter ihr Leben für gesunde, gut gebildete Kinder investieren?

Wo bleibt da die Freiheit zur Lebensgestaltung, wenn jeder GEZWUNGEN wird, erwerbstätig zu sein? Wie kann ich der Frau helfen?

Richard Moritz | 01.03.2017 um 16:55 [Antworten]

Kommentar

Ein Aspekt der hier nicht zur Sprache gekommen ist, ist der rasante Anstieg der Inobhutnahmen seit 2005. In den Koalitionsverhandlungen der großen Koalition wurden die Weichen dazu gestellt. http://kindersindmenschen.com/journale%2016/journal%2030.html In 2013 haben die Landesjugendämter, im Rahmen ihrer Werbekampange „Jugendamt, Hilfe die ankommt“ unverhohlen damit geprahlt, dass die Kinder und Jugendhilfe Branche die höchste Wachstumsrate aller Branchen hat.

Das Herausreißen der Kinder aus ihren Familien hat im Gegensatz zur Außerhaus-Betreuung noch den Vorteil, dass ein riesen Heer von Anwälten und Gutachter Arbeit und Brot erhalten. Der jahrelange Kampf um die Kinder führt nicht selten zum finanziellen Ruin.

Besonders lukrativ ist die Herausnahme kurz nach der Geburt Babyklau. [link[http://kindersindmenschen.com/inobhutnahmen%202015.html[/link] Bild 5 Bild 5.1 Aber die Taktik: „Kind zur Welt bringen, beim Jugendamt abgeben und zurück ans Fließband“ mag für Wirtschaftsexperten und fürs Finanzamt interessant sein, für die Mütter aber gewiss nicht. Welche Frau möchte schon Kinder zur Welt bringen, nur um sie beim Staat abzugeben? Ein Geburtenrückgang ist vorprogrammiert.

Richard Moritz Kinder sind Menschen e.V.

Hannelore Bedal | 01.03.2017 um 22:03 [Antworten]

Familienpolitik

Als Eltern dreier Kinder 1974, 76,78 geboren sehen wir jetzt unsere Enkel heranwachsen, und müssen feststellen, dass die Wertschätzung von Familienarbeit immer stärker sinkt. Musste ich mir in den 70igern noch anhören "wann arbeitest du eigentlich Wieder?", so muss sich heute unsere Tochter mit 3 Kindern große Sorgen machen, ob sie je eine Rente bekommen wird. Obwohl sie die Arbeit einer Mutter, Erzieherin, Managerin z.B. von Arztbesuchen, Krankenpflegerin, oft auch in "Nachtschicht", qualifiziert und hochmotiviert ausübt, muss sie sich auch noch über die Ignoranz der Familienpolitiker ärgern, die meinen, Kinder könne man wie Pakete, wo und wann man will außer Haus, außerhalb der Familie abstellen. Beispiel: die Vorsitzende des BLLV schlägt doch glatt vor, kranke Kinder in der Schule durch eine einzustellende Krankenschwester "betreuen" zu lassen, damit Eltern ja nicht zu oft ihrer Arbeit fernbleiben bzw. um ihren Arbeitsplatz fürchten müssten!

Rolf-Alexander Thieke | 01.03.2017 um 23:25 [Antworten]

Sozialethische Ganzheitsperspektive - eine Wohltat

Herrn Rainer Stadler ist wegen seines Realismus und seiner ethisch langfristig relevanten Darlegungen mit hohem DANK zu antworten!

Im Unterschied zu kurzfristigen, bloß wirtschafts- und beschäftigungs-politischen Interessen und Zielen nimmt er elementar menschliche und sozialethisch ganzheitliche Perspektiven in den Blick, die für die langfristige Zukunftsgestaltung und überhaupt für Zukunftssicherung unverzichtbar sind. In der heutigen Zeit, in der viele und selbst hohe Verantwortungsträger nur noch kurzsichtig und mit "Tunnelblick-Mentalität" leben von "denken" kann kaum noch die Rede sein!, ist dieser Beitrag eine intellektuelle und ethische Wohltat!

Stefanie Weisgerber | 02.03.2017 um 09:50 [Antworten]

Der Aufschrei der Öffentlichkeit blieb bisher aus

Welch ein interessanter Artikel. Vielen Dank dafür.
Hierzu kann ich selbst eine kleine Geschichte beisteuern:

Ich bin Mutter von zwei kleinen Kindern im Alter von 1,5 und 3,5 Jahren und mit beiden noch zu Hause.
Inzwischen hat auch mein Mann Elternzeit in Teilzeit in Anspruch genommen bis zum dritten Geburtstag unseres Sohnes im Mai 2018, sodass der Papa nun noch zwei Tage zusätzlich bei uns verbringen kann.

Diesen Luxus lassen wir uns gerade viel kosten. Wir verbrauchen dafür all unser Erspartes, schränken uns finanziell sehr ein und bekommen es auch nur deshalb hin, weil mein Mann einen sehr gut bezahlten Job hat, der auch bei 60% noch genug abwirft.

Bereits letztes Jahr im Juni habe ich eine Email an die Zuschauerredaktion des WDR geschickt mit dem Betreff: „Politisch nicht repräsentiert“ in der ich verdeutlicht habe, dass wir im kommenden Super-Wahljahr 2017 (NRW- und Bundestagswahl) nicht wissen, wen wir wählen sollen, da wir uns politisch – gerade im Bereich der Bildungs- und Familienpolitik – überhaupt nicht repräsentiert fühlen. Ob es dem WDR nicht vielleicht mal eine Recherche und gegebenenfalls einen Beitrag wert sei? Darauf hin bekam ich am selben Tag noch einen Anruf von Boris Baumholdt, einem Redakteur der Nachrichtensendung Westpol. Er war sehr interessiert an meinen Überlegungen und wollte tatsächlich einen Beitrag darüber bringen. Hierzu besuchte uns bereits eine Woche später eine weitere Redakteurin von Westpol, Julia Kleechulte mit einem kleinen Kamerateam bei uns zu Hause. Sie führte mit mir ein Interview, dass derart konzipiert war, dass sie einen >>emanzipatorischen Gegenpol "zu meiner" "reaktionären Position" bilden wolle, um so das Thema umfassend zu beleuchten. Dies erklärte sie mir erst im Anschluss an unser Gespräch. Frau Kleeschulte selbst hat übriges keine Kinder.
Zudem war geplant, dass ich mit NRW Familienministerin Christina Kampmann zusammen gebracht werde, die mir zusätzlich noch mal den Wind aus den Segeln nehmen wollte und mich noch einmal darin bestärkt, dass ich natürlich zur Wahl gehen solle.

Als Frau Kleeschulte dann im Verlauf unseres Gespräches feststellte, dass meine Position keinesfalls reaktionär war und auch in keiner Weise anti-emanzipatorisch wurde der Beitrag schließlich nicht gesendet und auch Frau Kampmann verzichtete auf das Zusammentreffen mit mir.
Schön, dass auf diesem Wege jetzt, das Thema doch noch in die Öffentlichkeit findet.

Gerne nenne ich hier kurz und Stichwortartig meine Argumente, die ich auch Frau Kleeschulte nannte:
Wir werden immer älter und arbeiten länger: Warum muss dann ausgerechnet auch noch die Zeit der frühen Elternschaft ausgeschlachtet werden?

Unsere Wirtschaft wird immer produktiver: Industrie 4.0, Lebensmittel werden in Hülle und Fülle weggeschmissen, der Milchpreis beispielsweise ist wegen massiver Überproduktion im Keller: Wer will uns erzählen, dass unsere Gesellschaft auf die viele zusätzliche Erwerbstätigkeit angewiesen ist?

Immer höhere Scheidungsraten deuten daraufhin, dass die Familie vielleicht einmal mehr Pflege und Zeit für sich nötig hätte, anstatt sie immer früher auseinander zu reißen. Auf den Versuch von Frau Kleeschulte mich daraufhin in ein Lager zu überführen, dass dabei nur die klassische Ehe im Blick hat, konnte ich erwidern, dass ich das auch ganz klar für nicht verheiratete Paare und gleichgeschlechtliche Beziehungen beanspruchen wurde. Ich bin ein Mensch, der auch andere Lebenskonzepte sehr gut akzeptieren kann.

Die frühkindliche Fremdbetreuung ist nicht gerade unumstritten, die seelische Entwicklung betreffend aber auch die viel-gepriesene frühe Bildung darf vielen Experten nach durch aus in Frage gestellt werden.

Mein Hauptanliegen war es, zum Ausdruck zu bringen, wie unfair ich es finde, dass eine recht gut-situierte Familie wie wir, die Möglichkeit hat, es anders zu leben (was auch uns schon nicht leicht fällt).
Für viele, viele andere Familien stellt sich dies aber als schier unmöglich dar.
Wunderbar wäre es doch – finanziell wie auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz - die Wahl zu haben.
Dies würde sicherlich auch der Qualität von Krippen und Kitas zu gute kommen, für die sich eben jene Menschen entscheiden, deren individuelles Lebenskonzept wirklich darauf ausgelegt ist, die Kinder frühbetreuen zu lassen.

Mein Fazit ist jedenfalls, dass ich 2017 voraussichtlich keiner Partei meine Stimme geben kann. Schade.

Markus | 02.03.2017 um 11:51 [Antworten]

"Arbeit macht frei!"

Wow, Danke für diesen Artikel!
"Es gab Zeiten, da reichte das Gehalt eines Fabrikarbeiters, um eine vierköpfige Familie zu ernähren. Davon können heute selbst viele Akademiker nur träumen. Der Grund für diese Entwicklung ist eine verfehlte Wohnbau- und Lohnpolitik."
Wie wahr. Weitere Gründe sind:
-das jahrzehntelangen Leben auf Pump der EU
-eine Steuer- und Sozialpolitik, die Kinderlosigkeit besserstellt.
Pro Kopf haben Familien die höchste Steuerquote sowohl bei Einkommens- als auch bei den Verbrauchssteuern und obwohl sie die zukünftigen Rentenzahler mit hohem zeitlichen und finanziellen Aufwand stellen, werden diese weder bei den Sozialabgaben noch bei der Rentenberechnung ernsthaft berücksichtigt.
"Unsere Gesellschaft hat grob ungerechte Sozial- und Steuergesetze geschaffen, welche die Kinderlosigkeit im Laufe eines Lebens mit netto ca 300.000 Euro belohnen und das Aufziehen von Kindern mit ca 200.000 Euro Strafe belegen." http://familiengerechtigkeit-rv.info/?p=77.
Siehe auch http://elternklagen.de/

Petra | 02.03.2017 um 14:13 [Antworten]

BGH Entscheid zum Betreuungswechselmodell

Passend dazu hat ja nun sehr aktuell der BHG entschieden, dass zukünftigt ein Betreuungswechselmodell bei Eltern in Trennung einfacher durchgesetzt werden kann.

Auch das passt wunderbar zu dem Artikel.
Der bisher betreuende Elternteil verliert mit Einführung eines Wechselmodells also die Woche-Woche Betreuung bei beiden Eltern den Anspruch auf Unterhalt als auch Unterhaltsvorschuss.

Kosequenz ist, dass beide Elternteile mindestens Vollzeit arbeiten müssen um Miete und andere Kosten zu finanzieren.

Die SPD unterstützt das Anliegen öffentlich.
Der Nachwuchs kann dann neben der Verarbeitung der Trennung auch bis abends in die Betreuung gehen. Kaum ein Elternteil ist so flexibel, dass es eine Woche 60 Stunden, die andere nur 20 Stunden arbeiten kann..

Annett | 02.03.2017 um 22:02 [Antworten]

Miebach

Gibt es Vereine oder Organisationen, die sich mit dieser Thematik befassen, die wir unterstützen könnten? Dieser Artikel spricht uns aus der Seele und wir möchten uns gerne engagieren. Mit der klassischen Konstellation, zwei Kinder + zwei berufstätige Eltern fühlen wir uns weit entfernt von dem, was wir als "gutes" und "gesundes" Familienleben erachten.
Annett + Thomas

Christian | 02.03.2017 um 22:25 [Antworten]

Das sinkende Schiff

Ein Schiff, dass zu sinken droht, verlässt man möglichst beizeiten: Über`s Rettungsboot oder ggf. Springen... Wer`s zu spät schafft, läuft Gefahr, vom Strudel in die Tiefe gezogen zu werden....

Liebe Grüße, Christian mit der FreilernFamily

Bettina Gerlinger | 03.03.2017 um 08:48 [Antworten]

Endlich!

Ich bin dem Autor so dankbar, das ENDLICH jemand schreibt, was ich seit Jahren denke und damit bin ich nicht alleine ich kenne einige Mütter, vor allem die Akademikerinnen unter ihnen die ähnlich denken.
Diese Meinung von doch nicht wenigen Müttern oder Vätern in Elternzeit und Beurlaubung die es ja mittlerweile auch gibt wird komplett ignorniert von der Politik.
Warum erhält eine Tagesmutter oder Kinderbetreuuerin für die Betreuung von 4 Kinder sonundsoviel arbeitslohn, ich hingegen erhalten für die Betreuung meiner 4 Kinder wovon eines noch besonders ist gekürzte Rentenansprüche?
Ich habe meine Kinder nicht in die Welt gesetzt um sie ab der GEburt in die 24 Stunden Krippe abzugeben. Ich habe vor den Kindern lange genug gearbeitet um versichern zu können, dass die 24 Stundenbetreuung von Kinder sehr viel mehr Arbeit bedeutet als ein normaler 40 Stunden job.
Bedingt dadurch dass eins meiner Kinder ein besonderes Kind ist, an dem diverse Einrichtungen bei den Betreuungsversuchen komplett gescheitert sind, habe ich in den langen Jahren die Einrichtungen auch angefangen kritisch zu sehen und nachzufragen und bin zum Schluss gekommen, dass Mütter vielleicht selten schlechter ausgebildet sind, als die Hortbetreuerinnen oder Kindergarten betreuerinnen, dafür aber ihre eigenen Kinder mit LIEBE erziehen oder unterrichten.
Dass Mütter nicht jedes Jahr wechseln. Kinder brauchen eine nicht ständig wechselnde Bindungsperson um lernen zu können.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung. Ich musste suchen um eine Hortbetreuung zu finden, die die Rechtschreibung beherrschte. Die die die Rechtschreibung beherrschten hatten jedoch die Deutsch Hausaufgaben von bis zu 30 Kindern zu betreuuen. Für jedes einzelne Kinder daher überhaupt keine Zeit.
Ich halte die Aussage dass die Kinder in Fremdbetreuung viel besser gefördert werden als bei einem ihrer Eltern für eine fürchterliche Elterndiskriminierende Lüge der Politik.
Ich gehöre nicht zu den Frauen, die die Herdprämie kassiert um sie dann zu versaufen. Ich habe mich bewußt für die Rentenkürzung und eine weitere Beurlaubung in meinem festen sicheren Job entschieden, weil ich meinen Kindern ein menschenwürdiges Großwerden unter menschenwürdigen Bedinungen - wie Anwesenheit der Hauptbindungsperson, Schwimmenlernen usw. schulde!
Wie viele Schulkinder können heute nicht schwimmen? Viele. Warum? kann eine Kindergrippe mit den ganzen Kindern oft ins Schwimmbad? Nein, sind zu viele.
Eine Mutter, egal wie ausgebildet kann dies.
Der Blanke Neid dann wenn mein Sohn mit 4 Jahren sicher schwimmt und die Krippenmütter bei verzweifelten Schwimmversuchen ihres 10 Jährigen im Schwimmkurs zusehen.
Am fürchterlichsten finde ich dies Förderlüge der Politik.
Kein Mensch kann 12 Kinder gleichzeitig so fördern, wie das ein Elternteil mit wenigen eigenen Kindern machen kann.
Und die vorgehaltene schlechte Ausbildung der selbst betreuenden Elternteile - was soll ich dazu sagen, als Jurist - der sich bewusst für Wärme und Bindung für seine Kinder enscheidet? Ich hab es leicht, aber Wärme und Bindung kann JEDE Mutter egal wie ausgebildet geben und keine fremde ständig austauschbares und ausgetausche Kinderbetreuerin, die da Billiglohnsektor von vorn herein ja eine schlechte Ausbildung haben. Wer macht denn einen Job auf niedrigstem Lohnniveau freiwillig? Der der keine anderen Möglichkeiten hat. Ich fürchte es ist sogar umgekehrt. Durch das Lohndumping im öffentlichen Betreuungssektor werden die Weichen gerade in der öffentlichen Förderung für schlechte Fördung gestellt, was die Politik vertuscht.

Bitte lieber Autor: Weiter so, Du bist das Sprachrohr von relativ vielen - von der Politik gnadenlos ignorierten Elternteilen die Ihre Kinder und Ihre Familie lieben und den ganzen Kindern die gesund aufwachsen wollen!

Petra Höflinger | 03.03.2017 um 12:01 [Antworten]

Die Familie wird.....

Hallo ,
nun zu diesem Thema war ich bisher Einzelkämpferin in meiner Umgebung mild belächelt, weil ich mich nicht dieser Politik bzw. Gesellschaft angepasst entwickelt habe. Ich sehe Erziehungsarbeit als Leistung an. Meine 3 Söhne durften immer spielen zuhause oder eben auf der Straße und sie kennen noch die bedingungslose Liebe ihrer Eltern. Ich bin nicht bildungsfern oder sonstiges, sondern ich habe mich bewusst für Kinder entschieden, meine Kinder die ich selbst erziehe und nicht vom Staat erziehen lassen will. Kinder brauchen ein Nest, egal ob Mutter, Vater oder Oma etc. aber Familie .Viele meinen ich hätte nichts zu tun oder mache Urlaub zuhause, ich für mich möchte nur nicht die Belastung von Arbeit die bezahlt wird und Arbeit die nicht bezahlt wird. Ich liebe meine Kinder viel zu sehr insofern ich sie fremd erziehen lassen möchte oder dem Staat überlassen will. Ich denke es wird soviel Geld heute ausgegeben für die Ganztagesbetreuung und wir die unsere Kinder zuhause erziehen oder erzogen haben, gehen leer aus und werde noch milde belächelt. Nur Kinder, nur Erziehung zuhause, wir hatten noch nie so viele Kinder die angeblich gefördert werden müssen wie jetzt. War es vielleicht doch besser die Kinder in ihren Familien aufwachsen zu lassen? Sonst bin ich in Zukunft für Gebärfabriken und dann die sofortige Abgabe in Einrichtungen ohne Elternschafft.

Bärbel Fischer | 04.03.2017 um 10:09 [Antworten]

Stadler: Wirtschaftskompatible Familie

Ich habe soeben alle Kommentare gelesen - alle unterstreichen das Anliegen von Herrn Stadler, der übrigens mit seinem Buch VATER-MUTTER - STAAT die Ganztagsghetto.Misere beleuchtet.
Viele Kommentare fragen nach Initiativen zum Thema FAMILIE.
Hier einige Vorschläge:

www.johannes-resch.de
www.familienarbeit-heute.de
www.rettet-die-familie.de
www.elternklagen.de
www.forum-familiengerechtigkeit.de
www.familienschutz.de

Bitte verbreiten Sie diese Kontaktadressen, damit wir aus der Vereinzelung herauskommen und lauter werden.

Vielleicht dämmert es der Bundeszentrale für politische Bildung auch so langsam, dass unsere Familienpolitik Eltern und Kinder in die Armut treiben.

Übrigens: eine erwerbslose Mutter müsste 15 Kinder großziehen, damit sie eine Durchschnittsrente bekommt !!!!

Johanna Schmidt | 04.03.2017 um 11:11 [Antworten]

ein super Artikel

Da ich langjährig als Erzieherin tätig war kenne ich die Probleme vieler Eltern. Es ist so, dass einige diese Wahlfreiheit, die Ihnen versprochen wurde einfach nicht nutzen können. Es gibt Vorgesetzte, die Müttern oder Vätern ganz deutlich machen, dass diese nach einem Jahr wieder voll in Arbeit kommen sollten, man hätte ja den rechtlichen Anspruch. Die Mütter und Väter der Kinder würden zu einem sehr großen Teil lieber weniger Arbeiten und mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen. Natürlich, sollte es für jedes Lebensmodell auch das richtige Betreuungsmodell geben, die Wahlfreiheit scheint mir hier jedoch eher eine einzige Richtung zu gehen.

Wiltraud Beckenbach | 04.03.2017 um 13:52 [Antworten]

Familienfeindliche Politik

Wenn unsere Kinder einmal so mit uns umgehen, wie wir es derzeit machen, dann können wir uns warm anziehen. Eine Gesellschaft, in der sich Kinder und Alte nur noch als Betreuungsproblem gezeichnen lassen müssen, verarmt menschlich und geht letztendlich zugrunde.

Sigrid Schonard | 05.03.2017 um 08:39 [Antworten]

Kommentar zum Artikel: Die Familie wird wirtschaftskompatibel g

Danke, für diesen Artikel. Familie erfüllt viele Aufgaben im sozialen Bereich. Gerade Kinder kriegen, Kindererziehung ist eines ihrer Hauptaufgaben. Aber auch die Altenpflege, die Krankenpflege, Behindertenpflege. Der Artikel beschreibt meines Erachtens genau die Ursachen, die unseren sozialen Problemen zu Grunde liegen. Für mich gehört da ein totaler Umbau hin, der auch die Geburtenraten steuert. Statt Kindergeld ein Muttergehalt, das den Familienanspruch auch steuert und deckelt. So dass derzeit Familien mit mehreren Frauen und einer ganzen Kinderherde eben nicht gefördert werden.

Brigitte Steitz | 05.03.2017 um 11:11 [Antworten]

Artikel

Sehr geehrter Herr Stadler,
ich gebe Ihnen in allem Recht, mit dem was Sie schreiben. Am schlimmsten finde ich die Fremdbetreuung vor dem 3. Lebensjahr. Weiß man doch, dass die ersten drei Jahre im Leben eines Menschen die Wichtigsten sind.
Und Ganztagsschulen, wenn dann nur mit gesundem Essen und Bio-Lebensmitteln.
Das heutige Kindergarten-, Schulessen-weils billig sein muss- ist eine einzige Katastrophe. Es kümmert sich niemand darum. Die Kinder werden wie Objekte "verwaltet". Der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag.
Viell. hat es mit den Pegida-Anhängern zu. tun. Im Osten wurden die meisten Kinder schon nach einem Jahr in Krippen gesteckt, weil die Eltern arbeiteten....
Das hängt den Kindern ihr ganzes Leben nach. Aber wer fragt schon nach den Kindern, wo es um Geld geht?

Melanie | 05.03.2017 um 18:41 [Antworten]

Stalner

Vielen Dank für den Artikel! Sie sprechen mir aus der Seele. Als alleinerziehende arbeitende Mutter sehe ich meine Kinder kaum. Die Erzieherin aus der Kita verbringt mehr Zeit mit meinem Kind als ich. Ich habe aber leider keine Wahl... Die Familienpolitik hat versagt und die Kinder rechte werden weiter massiv verletzt BGH Urteil zum Wechselmodell.

C. Burkhardt | 05.03.2017 um 19:07 [Antworten]

Vielen Dank!

Danke für diesen Artikel, der es wagt, die "Einheitsfront" der angeblich so alternativlosen modernen "Familienpolitik" in Frage zu stellen! Gut so! Weiter so! Familienpolitik soll es um das Wohl von Eltern und Kindern gehen, nicht um Ideologie oder Wirtschaftsförderung.

Nadine | 05.03.2017 um 22:33 [Antworten]

Aus der Seele gesprochen

Vielen Dank für den tollen Artikel und endlich mal Mut zur Wahrheit!
Ich bin Mutter einer 15 Monaten alten Tochter und arbeite 9 Std die Woche in der Zeit wird meine Tochter von meinem Mann oder ihren Großeltern betreut. Ich hab mich bewusst gegen eine frühe Betreuung entschieden, weil die Zeit einfach zu kostbar zwischen Kind und Mama ist. Ich sehe es jeden Tag an meinem Mann der erst, wenn er nicht auf unsere Kleine aufpasst um 18 Uhr nach Hause kommt. Die Kleine ist nocht 1 Std wach und geht dann schon ins Bett, Er selber beklagt selber jeden Tag wieviel er verpasst. Ich kenne in meinem Freundeskreis leider einige Mütter die die Kinder schon früh über 30 Std abgeben, was mir in der Seele weh tut. Ich habe mich um einen Kita Platz mal informiert, da unsere Tochter mit 3 Jahren nur vormittags in den Kindergarten soll sowie ich es als Kind hatte und gut fand. Das schlimme ist man bekommt überall nur 35 bzw 40 Std Plätze angeboten, in meinem Bezirk Leverkusen ist es sowas von teuer. Man kann das Kind zwar früher abholen, was manche Kitas nicht gerne sehen weil das Kind sich dann angeblich nicht an die Kita gewöhnt -Schwachsinn. Aber man zahlt die vollen 35-40 Std, bei einem U2 Platz bspw. zahlt man je nachdem 600€ im Monat dazu. Das heisst man würde entweder nur für die Kita arbeiten gehen oder sogar noch drauf zahlen. Da kann doch was nicht stimmen am System. Man müsste sich eigentlich mit vielen Leuten zusammen tun und eine Großdemo organisieren, damit man finanziell unterstütz wird beim betreuen seines Kindes, als das man anderen Leuten das Geld in den rachen schiebt unseren netten Politikern!
Ich werde mich von dem System nicht uterkriegen lassen - besonders leid tun mir die zahlreichen alleinerziehenden Mütter oder die szialschwachen Familien den am Ende nicht weiter übrig bleibt.
Ich hoffe das man Gehör findet auf das Problem und das dies System wach gerüttelt wird. Das wäre wirklch mal an der Zeit.

Kerstin Götze | 06.03.2017 um 10:55 [Antworten]

Artikel von R. Stadler

Vielen Dank für diesen Artikel. Er spricht mir aus der Seele.

KINDERZEIT | 09.03.2017 um 20:16 [Antworten]

Danke für diesen Artikel!

Schön, was hier mal so alles auf den Punkt gebracht wird!

Wer mehr zu den Risiken der frühen Fremdbetreuung erfahren will und zudem vielleicht Entscheidungshilfe bzgl. einer Alternative sucht oder Ermutigung braucht, sei au unsere Seite hingewiesen:
www.bindungsstark-wachsen.de

Eulenkind | 10.03.2017 um 14:15 [Antworten]

Ins Schwarze getroffen

Pegida hat natürlich noch ein paar mehr Ursachen. Viele "Ossis" haben ja die Wende psyschich nicht verkraftet. Aber mir fällt insbesondere im Osten auf, dass es wenig Menschen gibt, die Wärme, Liebe und vor allem Stärke ausstrahlen und Rückgrat haben. Und das führe ich unter anderem auch auf die Fremdbetreuung zurück, welche wenig Rückversicherung und Nestwärme gibt.

Ich persönlich habe die Vereinbarkeit von Beruf, Haushalt und Kind versucht. Ich kann nur jedem davon abraten. Ihr tut euch selbst, eurer Partnerschaft und euren Kindern nichts gutes. Meine Mutter erzählt heute noch davon, wie hart es zu OstZeiten war! Soetwas muss nicht mehr sein. Die heutige Gesellschaft sollte mehr für die Menschen tun anstelle die Menschen für die Industrie auszuquetschen.

Dr. Peter Walz | 21.03.2017 um 19:30 [Antworten]

Es lohnt sich doch zu kämpfen

Als Kinderarzt sehe ich mit großer Sorge die Entwicklung mit zunehmender frühkindlicher Betreuung ab 1 Jahr und früher. Es tut mir in der Seele weh die Kinder bei der U6 mit 12 Monaten zu sehen, die intensiv beginnen, ihre Bindungen aufzubauen, die sich an die Mutter oder den Vater klammern, eigentlich keinen Fremden zulassen wollen und zu wissen, dass diese Kinder demnächst nebst anderen 10 Kindern in eine Gruppe gezwungen werden sollen, in der sie von mehreren, wechselnden Erzieherinnen betreut werden. Von Personen, die sich Eltern nicht aussuchen können. Nein sie müssen froh sein, dass sie überhaupt einen Platz gefunden haben. Krippenkinder sind viel häufiger krank und das nicht nur mit Schnupfen, sondern eben auch mit schweren Bronchitiden, ständigen Mittelohrentzündungen und und und. Das liegt nicht daran, dass es in der Krippe mehr Keime gibt sondern weil die Kinder unter massivem Stress stehen. Wir züchten uns die "Burnoutler" der Zukunft. Wir können uns heute noch gar nicht ausmalen, welche psychischen Probleme in Zukunft auf und zukommen werden durch diese Entwicklung

Ernst Jauernik | 25.03.2017 um 23:49 [Antworten]

Unternehmer

Den "endlich...." Reaktionen kann ich nur beipflichten. Der wichtigste Aspekt jedoch wird von den meisten übersehen: Es ist Absicht und Programm, Kinder zu instabilen, bindungslosen und leicht lenkbaren Stimmsubjekten zu formen, die blindlings jedem, der ihnen das Gefühl von "Wärme" vermittelt, nachlaufen im Medienmund "Populisten" genannt. Die bedingungslose Liebe und Akzeptanz, die in der Familie gelebt wird und den Kindern die Sicherheit gibt, trotz abweichender Meinungen als Personen geliebt zu werden, muss unbedingt gestört und zerstört werden nachzulesen bei Marx, und zwar nicht dem Bischof. Für eine sozialdemagogische Kleptokratie ist es unerlässlich, dass das "Volk" blöde gehalten wird, damit "Eliten" die Schulzen stellen können, die ihre ausgemerkelten Bürger weiter hinters Licht führen....
Die Familie "wirtschaftskompatibel" zu machen, ist ja nur ein Vorwand! In Wahrheit geht es darum, die Familie als Keimzelle des Staates zu vernichten, damit ja keine "reaktionäre" Meinung mehr entstehen kann. Wehret den Anfängen!

Jenniffer Ehry | 03.04.2017 um 20:02 [Antworten]

Traurige Fakten

So traurig, so wahr. Besonders der Aspekt, dass die Politiker doch im Interesse der Bürger handeln sollten und nicht im Interesse des Staates, hat mich weiterhin nachdenklich gestimmt.

Dieser Weg ist steinig und hart. Aber ich bin davon überzeugt, je mehr Menschen nachdenken, umdenken, aufstehen und rebellieren, desto mehr können wir erreichen!

Danke, Herr Stadler, für Ihre so wichtige Arbeit!
Ihre Jenniffer Ehry Überzeugte Vollzeit-Mama

Micaela Bals | 04.04.2017 um 11:05 [Antworten]

Artikel Wirtschaftskompatible Familie

Endlich! Ich dachte schon, Familie und Muttersein seien inzwischen verboten. Als Mutter von 3 Kindern hab ich Unsägliches erlebt, was ich niemandem wünsche. Gebärmaschine ist das richtige Wort. Aber bitte SOFORT wieder arbeiten! Ich bin so traurig gewesen, nirgends Rückhalt. Auch nicht bei Verwandten. Asozial durfte ich mich schimpfen lassen. Und heute, wo ich privat ein Familienzentrum betreibe, um Müttern den Rückhalt zu geben, den ich so vermißt habe: Da kommt niemand. -
Mit den meisten Kommentaren bin ich TOTAL d'accord!

Martin Weilandt | 06.04.2017 um 21:45 [Antworten]

Die Familie wird wirtschaftskompatibel gemacht

Das sind interessante Informationen in diesem Bericht und man sieht mal wieder in der Politik geht es nur ums Geld, nicht um die Mensch, die Natur und die Tiere. Man mag es kaum glauben aber wir leben in einer Demokratie und wir dürfen frei wählen, leider haben das noch ca. 30% nicht erkannt, die größte Partei der Nichtwähler, über die sich alle großen Parteien freuen, denn die Nichtwähler halten die großen Parteien an der Macht. Man kann aber die großen Parteien auch abwählen und wenn dann alle Nichtwähler plötzlich die Familienpartei wählen dann werden sich die anderen Parteien schon umsehen. Geht zu Wahl, macht die etablierten Parteien klein, wählt nicht die AfD die keine Alternative ist, wählt eine andere Partei die Euch am meisten entgegen kommt, dann werden sich die anderen Parteien schon umschauen, wenn die CDU/CSU bei nur noch 18% ist und die SPD bei 12 und die Familienpartei bei 30% Das ist unsere einige Chance, ansonsten müssen wir weiterhin als Sklaven leben. Als Sklaven der Fußballspieler die Millionen von uns bekommen, aber das reicht nicht, Sie müssen auch noch Werbung für Chips machen. Oder ein Herr Jauch dessen Vermögen auf 45 Millionen geschätzt wird. Die Tartortkommissare, die bis zu 250.000 € für einen Tartort haben wollen und noch weitere Einnahmen wenn die Filme nochmal gezeigt werden, all das bezahlen wir. Warum haben einige Menschen sehr viel Geld, weil viele Menschen ganz weinig haben. Die 8 reichsten Menschen haben die Hälfte des Geldes auf der Welt aber Sie helfen nicht den Armen! In Afrika, Haiti...

Marciniak | 22.04.2017 um 18:45 [Antworten]

Die Familie....Stadler

Der Autor beklagt zu Recht die Ökonomisierung der Erziehung und ihre Folgen. In dieser oekonomisch durch organisierten Gesellschaft hat der Großteil der Familien keine wirkliche Wahl von familiären Lebensentwürfen. Die Gesellschaft fällt dabei vom einem Extrem Hausfrauenehe ins andere Erwerbsfamilie. Wie so oft werden Kinder die Leidtragenden sein. Mit pluralen Lebensformen hat das wenig zu tun.

Richter Romy | 25.04.2017 um 10:25 [Antworten]

Von Herzen Dank für diesen gelungenen Artikel

Es gelingt selten, so sachlich und richtig über dieses Thema zu schreiben- vielen Dank im Namen aller betroffenen Eltern, die sich in punkto Kinderbetreuung betrogen, unfrei und entrechtet fühlen! So sehr sich die familienpolitische Situation an der Basis zuspitzt, wird es über kurz oder lang ? eine Veränderung geben müssen. Ich freue mich drauf.w

Barbara | 22.05.2017 um 21:23 [Antworten]

Kindertageseinrichtungen

Herrn Stadler ist zu danken, dass er als wesentlichen Punkt der Diskussion das Kindswohl identifiziert, aber es gibt keine seriösen Studien, die das belegen, was er sonst sagt.

Die Forscher sind sich einig: Die Wirkung von Kindertageseinrichtungen auf das Verhalten und die Leistungen der Kinder ist sehr komplex, sie hängt unter anderem ab von der Qualität der Einrichtung, den Kindern und der Qualität der elterlichen Fürsorge.

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass alle Einrichtungen für alle Kinder schlecht sind. Im Gegenteil, eine gute Qualität der Kindertageseinrichtungen kann sogar die Leistungen von Kindern aus Elternhäusern mit wenig Fürsorge verbessern und schadet den Kindern von fürsorglichen Eltern nicht. Schlechte Qualität der Tageseinrichtungen geht dagegen einher mit mehr Verhaltensschwierigkeiten und schlechterer Leistung der Kinder.

In diesem Punkt stimme ich mit Herrn Stadler überein: eine schlechte Qualität der Kindertageseinrichtungen ist stark abzulehnen, ihre negativen Konsequenzen sollten publik gemacht werden.

Aber es stimmt einfach nicht, wenn er behauptet, dass alle Kindertageseinrichtungen schlecht sind. Wir sollten von der Politik fordern, die schlechten Einrichtungen so zu unterstützen, dass sie zu guten werden, damit Eltern, die arbeiten möchten, einen Platz für ihre Kinder in einer guten Einrichtung finden.


 

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