Inhaltsbeschreibung
Vielfach ist nach Gründen gesucht worden, um die überwältigende Zustimmung so vieler Deutscher zum NS-Regime zu erklären. Götz Aly betrachtet dessen mentale und materielle Strategien nach der Machtusurpation. Von Beginn an diskreditierten die Nationalsozialisten missliebige politische, gesellschaftliche und ökonomische Eliten und forcierten dabei insbesondere den Ausschluss jüdischer Menschen. In der zunehmend ideologisch durchdrungenen Gesellschaft und Arbeitswelt sahen sich aber auch Ältere beruflicher Marginalisierung durch eine junge, im Geist des Regimes geformte Konkurrenz ausgesetzt. Damit entstanden in einer Zeit großer sozialökonomischer Verwerfungen vor allem in den zahlreichen neuen Organisationen und Institutionen des NS-Staates rasch ebenso willkommene wie unverhoffte Aufstiegsmöglichkeiten für diejenigen, die zur „Volksgemeinschaft“ zählten.
Das Gros seiner rassistisch und antisemitisch motivierten Wirtschafts- und Sozialpolitik die hier inkludierte, dort brutal exkludierte, habe Hitler über Kredite, die Entrechtung und Enteignung der Juden sowie die rücksichtslose Ausplünderung eroberter Gebiete finanzieren lassen, wobei im Osten Europas Hunderttausende Menschen planvoll ermordet, vertrieben oder ausgehungert wurden. Im Gegenzug trugen, so Aly, Vergünstigungen, Wohltaten und Anreize für Deutsche dazu bei, dass deren Zustimmung zu Krieg und Gewalt in Europa auch Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs vielfach kaum gebrochen war. Das Regime stützte sich auf skrupelloses Machtbewusstsein und den hasserfüllten Vernichtungswillen gegenüber seinen Feinden, doch, so Alys Befund, ebenso auf unzählige stille, zufriedene Nutznießer und Profiteure.