Inhaltsbeschreibung
Kindheitserfahrungen prägen Menschen oft lebenslang. Als Kindermediziner und Wissenschaftler sehen Herbert Renz-Polster und Ulrich Renz einen Zusammenhang zwischen einem seelisch belastenden Klima in der Kindheit und der späteren Hinwendung zum Autoritären, zu Verschwörungsmythen oder rassistischen Denkmustern. Deren Attraktivität beruhe auf oft unbewussten Prägungen: Viele Erwachsene blickten auf eine Kindheit zurück, in der – unter welchen Umständen auch immer – ihr Vertrauen beschädigt wurde, indem sie Gefühlen wie Bedrohung, Angst, Ohnmacht oder Zurücksetzung ausgesetzt und damit alleingelassen wurden. Insbesondere Zeiten großer politischer Unsicherheit rührten an solche Traumata, so die Überzeugung der Autoren.
Damit könnten populistische Angebote vermeintlicher Sicherheit und Wahrheit eigene Verletzungen scheinbar kompensieren – ebenso wie Suggestionen von Macht und Autorität, Zugehörigkeit und Stärke. Diese Einsicht habe, so der Tenor dieses Essays, unmittelbare, über die Rolle der Familien und Bildungseinrichtungen hinausgehende Konsequenzen: Wer sich von Lebensbeginn an umsorgt, beschützt und ermutigt fühle und erlebe, dass er oder sie selbstverständlich einen Platz in einer sozial gerechten Gesellschaft habe, sei als Erwachsener weit weniger anfällig für Extremismus, Überlegenheits-, Macht- und Zerstörungsphantasien.