Inhaltsbeschreibung
Wem gehört der Boden, wer darf ihn nutzen und verwerten? Sowohl in Städten als auch am Meeresgrund erfolgt die Verwertung von Boden über die rechtlichen Grundlagen des Privateigentums. Ozeanboden und Stadtboden werden dadurch in Kapitalanlagen transformiert, so die Juristin Isabel Feichtner, und dadurch sei das Recht unmittelbar an der Zerstörung des Gemeinsamen beteiligt. Sie analysiert unter anderem die Kampagne „Deutsche Wohnen und Co. Enteignen“ in Berlin und den Protest indigener Küstenbewohner auf Jamaica gegen die wirtschaftliche Nutzung des Ozeangrundes und arbeitet heraus, inwiefern sich diese und andere geografisch weit voneinander entfernten Initiativen und Rechtsstreite im Kern ähneln. Der Boden falle weltweit nicht nur der Versiegelung und dem Ausbau von Infrastruktur zum Opfer, Böden werden auch zum Zwecke der Rohstoffgewinnung abgegraben sowie für die Land- und Forstwirtschaft ausgelaugt und teilweise vergiftet. Dadurch würden sie ihre Funktion als Lebensraum, Kohlendioxid- und Wasserspeicher verlieren. Gerechtere Eigentumsverhältnisse und ein nachhaltigerer Umgang mit dem Boden als Teil ökologischer Systeme würden entscheidend davon abhängen, ob zunächst die juristische Logik geändert werden könne.
Feichtner plädiert deshalb für eine andere Sicht auf den Boden und für eine transformative Rechtswissenschaft, die sich einer Sozialwertlogik zuwendet. Mit dieser könne die ökonomische Verwertungslogik, die oftmals vor allem die Rechte großer Konzerne gegenüber Individuen und Gemeinschaften bevorzuge und Umwelt- und Klimaschäden auf andere abwälze, vielleicht überwunden werden.