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Dokumentation: Wissenschaftskooperation mit Kolleg*innen aus Russland und Belarus | Russland-Analysen | bpb.de

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Dokumentation: Wissenschaftskooperation mit Kolleg*innen aus Russland und Belarus Russland-Analysen Nr. 422

Dmitrij Dubrowskij

/ 2 Minuten zu lesen

Viele Kooperationen mit Wissenschaftler:innen aus Russland und Belarus sind seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine eingestellt worden. Institutionen der Osteuropaforschung fordern einen differenzierten Ansatz.

Paul Oppermann studierte in Irkutsk am Baikal Russisch. Er wurde von der Kieler Uni nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs aus Russland zurückgerufen. (© picture-alliance/dpa)

Herausgeber der Länderanalysen

Die Russland-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Wir, Institutionen der deutschen Osteuropaforschung, verurteilen in aller Schärfe den Angriffskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt und die Hilfestellung, die Belarus dabei leistet. Unsere Empathie gilt den Menschen, die unter dem schrecklichen Krieg zu leiden haben. Wir setzen uns mit unserer Expertise in den Medien, in politischen Institutionen, der Zivilgesellschaft sowie in der Wissenschaft und Forschungspolitik ein, um zu einem besseren Verständnis der Gesellschaften in der Region beizutragen. In der Wissenschaft und Forschungspolitik beteiligen wir uns aktiv an Programmen zur Unterstützung ukrainischer Wissenschaftler:innnen sowie Wissenschaftler:innen, die in Russland oder Belarus politisch unter Druck stehen.

Als Teil der Reaktion auf den russischen Angriffskrieg wurden Maßnahmen des wissenschaftlichen Austauschs mit Russland und Belarus abgebrochen. Wir betrachten mit Sorge, dass manche dieser Entscheidungen auch Individuen mit russischer oder belarusischer Staatsbürgerschaft treffen. Wissenschaftler:innen und Studierende waren jedoch unter den ersten, die sich trotz drohender Repressionen in offenen Briefen gegen den Angriffskrieg gewandt haben (Externer Link: https://msualumniagainstwar.notion.site/0378ab0a0719486181781e8e2b360180). Andere, darunter auch die Leitungen vieler staatlicher Forschungs-und Wissenschaftseinrichtungen, haben dagegen ihre Unterstützung für den Krieg bekundet (Externer Link: https://www.rsr-online.ru/news/2022-god/obrashchenie-rossiyskogo-soyuza-rektorov1/).

In dieser repressiven Situation sind bereits zahlreiche Wissenschaftler:innen in Nachbarstaaten ausgereist. Andere würden gerne, können es aber aus persönlichen Gründen nicht. Das Feld der Wissenschaft kann nicht zuletzt genutzt werden, um sich der menschenverachtenden und völkerrechtswidrigen Politik der gegenwärtigen Regimes in Belarus und Russland entgegenzustellen. Um Wissenschaftler:innen aus Belarus und Russland, die eine solche Agenda vertreten, nicht zusätzlich durch die Aufkündigung von Kooperation und Förderung pauschal zu bestrafen, werden wir auch in Zukunft gezielt mit ausgewählten Kolleg:innen aus Russland und Belarus kooperieren. Wir werden auf Grundlage von Einzelfallentscheidungen weiterhin den wissenschaftlichen Austausch suchen und für Fachtagungen auch Kolleg:innen aus Russland und Belarus einladen.

Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, die besondere Rolle der Wissenschaft für Kontakte jenseits der politischen Machtlogiken in autoritären Regimen aufrecht zu erhalten. Wir unterstützen daher eine möglichst differenzierte Herangehensweise in der Vergabe von Fördermitteln und der Gestaltung zukünftiger Beziehungen mit russischen und belarusischen Wissenschaftler:innen.

Dieser Aufruf wurde erstellt von

  • European Centre for Minority Issues (ECMI), Flensburg

  • Forschungsstelle Osteuropa (FSO) an der Universität Bremen

  • Institut für Länderkunde (IFL), Leipzig

  • Leibniz ScienceCampus "Eastern Europe – Global Area" (EEGA)

  • Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz

  • Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF), Potsdam

  • Osteuropa-Institut, Freie Universität Berlin

  • Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS), Berlin


Stand: 24.03.2022

Quelle: ZOiS (2022): Wissenschaftskooperation mit Kolleg*innen aus Russland und Belarus. Externer Link: https://www.zois-berlin.de/ueber-uns/aktuelles/aufruf-zu-wissenschaftskooperation-mit-kolleginnen.

Fussnoten

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Dmitrij Dubrowskij, PhD, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Independent Social Research und Fellow am Central and East European Law Initiative in Prag.