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Irans Opposition im Exil: Organisation, Gruppen, Einfluss

Tareq Sydiq

/ 9 Minuten zu lesen

Irans Diaspora ist vielfältig und politisch zerstritten. Protestforscher Tareq Sydiq schildert die historischen Wurzeln der Exilgruppen wie auch ihre Bedeutung. Dabei wird deutlich, wie groß die Widersprüche zwischen den Gruppen sind und worin sie bestehen.

Die iranische Diaspora ist über die ganze Welt verteilt. Exil-Iranerinnen und -Iraner protestieren immer wieder für einen politischen Wandel in Teheran, wie hier in Paris im September 2023. Wie genau dieser Wandel aussehen soll, wird unter den Exilanten kontrovers diskutiert. (© picture-alliance, Hans Lucas / Xose Bouzas)

Irans Exil-Opposition blickt auf eine lange Geschichte und verschiedenste Traditionslinien zurück, die von transnationalen Bewegungen und Migrationswellen geprägt sind. Die Opposition im Exil organisiert sich nicht allein in der westlichen Diaspora, sondern auch in den Nachbarländern, und wird häufig zum Ziel politischer Repressionen.

Wer sind die wichtigsten Akteure im Exil? Was sind ihre Wurzeln, und wie blicken sie auf die aktuelle Lage? Da Exil-Organisationen in der Geschichte zerschlagen und teils neu gegründet wurden, und Bündnisse ohnehin stetem Wandel unterworfen sind, sollen sie im Folgenden grob nach politischer Ausrichtung aufgeführt werden.

Die iranische Linke: Einfluss im Exil ist heute marginal

Der Einfluss der politischen Linken auf die iranische Diaspora reicht weit zurück. Diese politische Strömung war stets in der Diaspora präsent, denn ihre Wurzeln sind regional und international stark verteilt.

So entstanden iranische linke Bewegungen Ende des 19. Jahrhunderts parallel zu denen der Sowjetunion (Halliday, 2004), insbesondere durch den intensiven Austausch von Exilanten und Arbeitsmigranten im Kaukasus (Atabaki, 2004). Sie wurden mit Entstehung der Sowjetunion von dieser aktiv unterstützt. 1920 riefen Separatisten im Nordiran mit Hilfe bolschewistischer Marineverbände die Sozialistische Sowjetrepublik Iran aus (Walter, 2021). Der Versuch scheiterte. Zahlreiche Protagonisten der iranischen kommunistischen Bewegung fielen später im russischen Exil den stalinistischen Säuberungen der 1930er Jahre zum Opfer (Halliday, 2004). Auch Irans Studentenbewegung war über Ländergrenzen hinaus vernetzt und mobilisierte international. Eine ihrer bekanntesten Organisationen war die Confederation of Iranian Students, National Union (CISNU), die nicht zuletzt in der deutschen Interner Link: 68er-Bewegung eine wichtige Rolle spielte.

Die soziale Basis linker Bewegungen speiste sich aus dieser Historie ebenso wie aus ihrer Bedeutung für inneriranische Debatten. Die britische Historikerin Stephanie Cronin merkt an, dass die politische Linke im Iran zwar einer Machtübernahme nie auch nur nahegekommen sei, ihr intellektueller Einfluss aber dennoch bedeutend war (Cronin, 2004). Ihre politischen Gegner haben sich von der politischen Linken vielfach inspirieren lassen. Zahlreiche ihrer Forderungen fanden Einzug in das Vokabular republikanischer und islamistischer Akteure – während die Linke selbst bekämpft und marginalisiert wurde. Diese Widersprüche spiegelten sich auch im Exil wider, wo Kunstschaffende und Intellektuelle Zuflucht suchen mussten, während ihr Werk auch in der Heimat weiterhin rezipiert wurde.

Nach der Niederschlagung linker Bewegungen in der Folge der Revolution von 1979, in der linke Gruppen und ihre militanten Flügel eine wichtige Rolle spielten, verschwanden diese als organisierte Akteure weitgehend aus dem politischen Alltag Irans (Alaolmolki, 1987). Interner Link: Das Massaker an Gefangenen 1988 traf die verbliebenen Anhänger der organisierten politischen Linken im Iran schwer.

Die Reste der politisch organisierten Linken finden sich heute vereinzelt innerhalb der Diaspora wieder. Wirkmächtiger ist jedoch ihre Rolle als intellektuelle Taktgeber in Debatten, die im Austausch mit linken Intellektuellen innerhalb und außerhalb Irans vorangetrieben werden.

Liberale Republikaner: Zwischen Monarchie und Theokratie

Die Ära Mossadeghs prägte zahlreiche politische Strömungen in Iran. Der Republikaner Mohammad Mossadegh wurde 1951 Irans Premierminister. Seine „Nationale Front“ war ein breites Bündnis liberal-demokratischer und linker Kräfte, das unter anderem die Verstaatlichung der Ölindustrie vorantrieb. Mossadegh selbst trat vor allem für Irans nationale Souveränität in einem konstitutionellen, rechtsstaatlichen Rahmen ein und grenzte sich damit von Vertretern eines absolutistischen Nationalismus ab. Mossadegh wurde 1953 gestürzt. Die Nationale Front zerfiel. Dennoch arbeiteten liberale, republikanische und nationalistische Lager weiterhin zusammen. Einen Höhepunkt erlebten die liberal-republikanischen Kräfte in den Folgejahren und damit der Übergangsphase von der Monarchie zur Islamischen Republik.

Bereits 1978 zeichnete sich der Sturz des Schahs Mohammad Reza Pahlavi ab. Die Monarchie ging ihrem Ende zu. Pahlavi ernannte den Oppositionellen Shapour Bakhtiar zum Premierminister. Interner Link: Anfang 1979 floh Pahlavi ins Exil und Ajatollah Ruhollah Chomeini kehrte aus dem Exil zurück: Er wurde zur prägenden Figur und zum geistlichen Oberhaupt der Islamischen Republik Iran. Chomeini ernannte einen eigenen Premierminister, der Bakhtiar jedoch ideologisch nahestand: Mehdi Bazargan. Bakhtiar ging ins französische Exil, wo er später einem iranischen Attentat zum Opfer fiel. Bakhtiar und Bazargan waren wichtige Stimmen der liberal-republikanischer Kräfte.

Interner Link: Im November 1979 besetzten Studierende in Teheran die US-Botschaft und nahmen Geiseln. Premierminister Bazargan trat zurück und wandelte sich zunehmend zum Kritiker der neuen Islamischen Republik. Er wurde zum Ziel von Repressionen. Als dritter prominenter Vertreter dieser politischen Strömung wurde Abdolhassan Banisadr 1980 zum Präsidenten gewählt. Doch auch er forderte zunehmend die Islamisten heraus und wurde schließlich abgesetzt. Kurz versuchte er, mit den Volksmojahedin (siehe nächsten Abschnitt) und linken kurdischen Gruppen einen Widerstand zu organisieren. Schließlich ging auch er ins französische Exil. Das Bündnis zerfiel kurz darauf.

Die verbliebenen Gruppen um Bazargan wurden ebenfalls zum Ziel von Repressionen und sie wurden von der politischen Macht ausgeschlossen. Ihr Einfluss im Land ging stark zurück. In der Diaspora traten ihre oft prominenten Figuren als Intellektuelle auf. Sie waren publizistisch tätig und erschienen in westlichen Medien.

Ähnlich der iranischen Linken ist die liberal-republikanische Strömung in der Diaspora heute vor allem intellektuell prägend. Dissidenten berufen sich auf dieses Erbe und bringen sich in Bündnissen wie dem Iran Transition Council ein (siehe unten). Das Erbe der Nationalen Front Mossadeghs wirkt bis heute in der Brückenfunktion nach, die dieser Strömung zukommt: Sie macht demokratische Ideale auch rechts der Mitte anschlussfähig.

Die Volksmojahedin flohen in den 1980er Jahren ins Exil in den Irak. Von dort kämpften sie mit Diktator Saddam Hussein gegen Iran. Das Foto von 2003 zeigt Kämpferinnen der Volksmojahedin im Lager Camp Ashraf, 60 Kilometer nördlich von Bagdad. 2005 sollen dort noch rund 3.400 Volksmojahdein gelebt haben. Das Lager wurde später aufgelöst. (© picture-alliance/AP, Kevin Frayer)

Volksmojahedin: Widerstand aus dem Irak

Eine besondere Rolle innerhalb der iranischen Opposition kommt den islamisch-marxistisch orientierten „Volksmojahedin“ (pers. Mojahedin-e Khalq, kurz: MeK) zu. Diese Gruppe war bereits in der Opposition zum Schah aktiv und wandte sich zunehmend gegen die neue Islamische Republik, bis ihre Mitglieder unter ihrem damaligen Anführer Massoud Rajavi nach dem Sturz von Präsident Banisadr im Jahr 1981 ins Exil gingen.

Die in Iran verbleibenden Anhänger wurden bald darauf verfolgt. Unter dem irakischen Diktator Saddam Hussein siedelte die Organisation sich im irakischen Camp Ashraf an: Sie ging mit ihm inmitten des Krieges gegen den Iran, der seit 1980 tobte und bis 1988 anhalten sollte, ein Bündnis ein und verübte zahlreiche Anschläge in Iran. Das Massaker von 1988 des Regimes an Gefangenen in Iran richtete sich, neben zahlreichen Linken, vor allem gegen Anhänger der MeK.

Nach der US-amerikanischen Invasion im Irak im Jahr 2003 wurden die MeK entwaffnet und 2016 nach Albanien umgesiedelt. Die Gruppe unterhält weiterhin Netzwerke sowohl in Iran als auch in der Diaspora. Außerdem gelingt es ihr immer wieder, Kontakte zu westlichen Politikern, auch in Deutschland, aufzubauen. Diese Kontakte sind umstritten, weil den MeK in zahlreichen Berichten sektenähnliche Praktiken wie die Indoktrination von Mitgliedern und die Rekrutierung von Kindern vorgeworfen werden (Hommerich, 2021). So soll die Gruppe beispielsweise in den 1990er Jahren Dutzende Kinder und Jugendliche von Deutschland aus in den Irak geschleust und dort festgehalten haben (Hommerich, 2021).

Der „Nationale Widerstandsrat Iran“ (NWRI) wurde einst gemeinsam mit Banisadr und linken kurdischen Gruppen gegründet, welche sich jedoch später daraus zurückzogen. Heute gilt der von der im Pariser Exil lebenden Maryam Rajavi geführte NWRI als politischer Arm der MeK. Seit dem Bruch mit Banisadr ist der Einfluss außerhalb der Anhängerschaft der MeK gering. Die Methoden der MeK delegitimieren den NWRI bei zahlreichen oppositionellen Gruppen, denen die starke Zuspitzung auf die Person Rajavi, die Ideologie und der Anspruch einer eigenen Vormachtstellung innerhalb der Opposition suspekt sind. In Ermangelung einer breiten Verankerung in der iranischen Diaspora pflegt der NWRI besonders seine Kontakte zu westlichen Politikern sowie Medien. Der Rat versucht sich als potenzielle Alternative zur Islamischen Republik in Stellung zu bringen. Eine besondere Feindschaft verbindet ihn weiterhin mit Anhängern der Pahlavi-Monarchie, deren Sturz die Volksmojahedin 1979 mit herbeigeführt hatten.

Monarchismus: Der Sohn des Schahs will mitgestalten

Eine Besonderheit des Monarchismus besteht darin, dass seine Anhänger vor 1979 Vertreter der Staatsmacht waren und im Gegensatz zu linken und liberaldemokratischen Kräften erst nach der Revolution ihren Widerstand zum Staat formulierten.

Mit politischen Akteuren, deren Oppositionstätigkeit länger zurückreicht als die Gründung der Islamischen Republik, verbindet sie ein beidseitiges tiefes Misstrauen: Es war die Monarchie, die lange Zeit Strukturen der Opposition zerschlagen hatte, und es waren wiederum Oppositionelle, die zum Sturz der Monarchie beigetragen hatten. Der Slogan „Tod den drei Korrupten – den Mullahs, den Linken, den Mojahedin“ (Rezaee, 2026), der heute häufig auf Demonstrationen der Pahlavi-Anhänger zu hören ist, beruht auf diesem Antagonismus.

Zahlreiche Anhänger der Monarchie verließen nach 1979 Iran. In der Diaspora spielen nicht nur sie eine Rolle, sondern auch die erheblichen finanziellen Ressourcen, die der abgesetzten Königsfamilie zur Verfügung standen und die 1979 auf zwei bis vier Milliarden US-Dollar geschätzt wurden (Crittenden, 1979).

Im April 2026 besuchte Reza Pahlavi Berlin, hier seine Anhänger während einer Demonstration vor dem Reichstag. Der iranische Oppositionspolitiker und Sohn des letzten Schahs lebt in den USA. Seine politische Rolle ist in der Exilgemeinde umstritten. (© picture-alliance, Middle East Images | Babak Bordbar)

Der in den USA lebende Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, tritt in den vergangenen Jahren zunehmend als politischer Akteur auf. Dies wird gestützt durch seine Bekanntheit sowie durch Netzwerke und finanzielle Mittel. Zwei Auslandssender symbolisieren zudem eine Veränderung der Medienlandschaft zu seinen Gunsten. Der TV-Sender Manoto, gegründet 2010 von einem britisch-iranischen Paar, erreichte neue Zielgruppen durch seine Unterhaltungssendungen. Dabei verbreitet Manoto auch nostalgische Erinnerungen an die Monarchie vor der Revolution (Messager, 2025).

Der TV-Sender Iran International, gegründet 2017, wurde durch seine 24/7-Berichterstattung bekannt. Der Sender tritt offen gegen die Islamische Republik auf und gibt Positionen Pahlavis Raum. Laut Recherchen der britischen Tageszeitung Guardian soll der Sender von Saudi-Arabien finanziert werden (Dehghan, 2018) – während Iran International selbst seine inhaltliche Unabhängigkeit betont und angibt, dass sich sein Mutterkonzern im Besitz einer Saudi-britischen Privatperson befindet (Ebrahim & Lawati, 2022).

Infolge der Interner Link: „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste ab September 2022 in Iran kündigte Pahlavi mehrfach neue Bündnisse und Programme im Exil an, die wieder zerbrachen oder von denen er sich kurz danach distanzierte. Zuletzt veröffentlichte er mit dem Iran Prosperity Project (IPP) einen Plan zum Übergang nach einem Sturz der Islamischen Republik. Zentral ist darin die Rolle Pahlavis selbst, der weitreichende Gestaltungsrechte in einer Übergangsperiode erhielte. Während seine Anhänger in westlichen Regierungen um Unterstützung für diesen Plan werben, und prominente Figuren wie die Menschenrechtsanwältin Interner Link: Shirin Ebadi (sie lebt selbst im Exil in Großbritannien und erhielt 2003 den Friedensnobelpreis) sich bereit erklärten, einem Komitee für eine Übergangsjustiz beizutreten, bleiben Kritiker skeptisch ob der Machtfülle, die ein solcher Plan für Pahlavi selbst vorsieht.

Wie viel Rückhalt Pahlavi in Iran selbst hat, lässt sich nicht seriös beantworten. Er kann insbesondere in der Diaspora auf eine aktive und mobilisierbare Anhängerschaft zählen. Gleichzeitig bestehen Widerstände gegen ihn innerhalb der iranischen Opposition angesichts des autokratischen Erbes seines Vaters fort.

Minderheiten: Kurdische Gruppen spielen eine zentrale Rolle

Interner Link: Eine besondere Rolle innerhalb der Opposition kommt den ethnischen Minderheiten zu, welche sich sowohl in den oben genannten Strömungen als auch parallel zu diesen organisieren. In der westlichen Diaspora sind vor allem kurdische Gruppen aktiv. Diese wurden nach zwei Aufständen – im Anschluss an die Revolution 1979 und Anfang der 1990er Jahre – niedergeschlagen und im Konflikt zwischen konkurrierenden kurdischen Gruppen zusätzlich geschwächt.

Ihre bekanntesten Vertreter dürften die „Demokratische Partei Kurdistans-Iran“ (KDPI) und die von Abdullah Mohtadi geführte „Komalah“ sein. Zuflucht fanden sie vor allem im Nordirak, wo sie teils bis heute Basen haben. Ihre Aktivitäten haben sich seit den 1990er Jahren zunehmend von militärischen auf politische Aktionen verlagert. So unterhalten sie eigene Medienkanäle und Netzwerke, insbesondere in den kurdischen Provinzen Irans. Ihre Situation ist prekär, da sie schnell zum Ziel iranischer Vergeltungsangriffe jenseits der Grenzen werden. In Deutschland bekannt ist vor allem das Mykonos-Attentat von 1992, bei dem im gleichnamigen Restaurant in Berlin vier iranisch-kurdische Exilpolitiker im Auftrag des iranischen Geheimdienstes getötet wurden.

Kurdische Akteure wie Mehran Barati und Abdollah Mohtadi waren am Iran Transitional Council beteiligt, welches einen Übergangsplan nach einem möglichen Ende der Islamischen Republik formuliert. Dieser gründete sich 2019 als politisch breites Bündnis (Iranjournal, 2022), es gelang ihm aber nicht, eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Mehrere kurdische Parteien gründeten kurz vor dem Irankrieg 2026 mit der Alliance of Political Forces of Iranian Kurdistan ein neues Bündnis, das zahlreiche vorher konkurrierende Gruppen umfasst (Rudaw, 2026). Es ist zu früh, die Wirkung dieser Allianz bewerten zu können.

Auch andere ethnische und religiöse Minderheiten unterhalten Netzwerke nach Iran hinein und formieren sich auch in der Diaspora. Sie organisieren sich häufig jenseits der Landesgrenzen und dokumentieren Menschenrechtsverletzungen. Ihnen ist gemein, dass sie sprachliche und religiöse Minderheitenrechte betonen und staatliche Gewalt verurteilen. Während der „Frau, Leben, Freiheit“- Bewegung waren es nicht zuletzt sunnitisch-belutschische Netzwerke, die in der Stadt Zahedan mobilisierten. Durchlässige Grenzen insbesondere zum Irak ermöglichen teilweise einen Informationsaustausch nach außen und die Flucht vor Repressionen durch iranische Sicherheitskräfte, während diese gleichzeitig in Provinzen ethnischer Minderheiten besonders hart vorgehen.

Opposition zwischen Einigkeit und Widerspruch

Die skizzierten politischen Strömungen verdeutlichen die Heterogenität der iranischen Exil-Opposition. Ihr wechselseitiges Misstrauen, das oft historisch gewachsen ist, sowie die Drohung des iranischen Staates mit Repressionen innerhalb und außerhalb des Landes erschweren ihre Aktivitäten.

Dass zahlreiche konkurrierende Pläne für einen möglichen Übergang in Iran existieren, ist in diesem Kontext als Wunsch nach Einheit bei gleichzeitig anhaltendem Misstrauen und der Sorge zu lesen, im Falle eines Machtwechsels (erneut) marginalisiert zu werden. Der Widerstand gegen die Islamische Republik vermag es, diese Differenzen temporär zu überdecken. Doch sobald dieser nachlässt, treten politische und persönliche Widersprüche wieder in den Vordergrund.

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Tareq Sydiq ist Politikwissenschaftler und Protestforscher. Er arbeitet am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg. Sydiq promovierte zu iranischer Innenpolitik und beschäftigt sich mit Protestbewegungen weltweit. 2024 erschien sein Buch „Die neue Protestkultur“.