Meine Merkliste

Ein Album für Heinrich Stahl - Der Diskriminierung und Entrechtung standhalten

Schicksalsjahr 1938 Das Kinderheim Beit Ahawah Ein Album für Heinrich Stahl - Der Diskriminierung und Entrechtung standhalten Glossar Jüdische Feiertage Georg und Lillian Friedmann "Ab heute heißt du anders" Die Irrfahrt auf der St. Louis Paul Steiner - Ein 25-Jähriger beobachtet den Anschluss Österreichs Transkript Tagebuchauszug Harry Kranner Fiss - Zeuge der Novemberpogrome in Wien Transkript Tagebuchauszug Gerettet aber einsam - Elizabeth Melamid Transkript Postkarten 1938 - Point of no return - Contemporary Testimonies of the German-Jewish Diaspora Leo Baeck Institute New York I Berlin Redaktion

Ein Album für Heinrich Stahl - Der Diskriminierung und Entrechtung standhalten

/ 2 Minuten zu lesen

"Hast im Glanz von siebzig Jahren/Liebe aller Welt erfahren –/Und in ihrem Danke einen sich die Grossen wie die Kleinen!/ Ost und westliches Gelände/Reichen segnend sich die Hände." Kinderheim Ahawah Berlin-Haifa, 13. April 1938. Widmung des Kinderheims an Heinrich Stahl anlässlich seines 70. Geburtstags am 13. April 1938. (Leo Baeck Institute New York | Berlin - Externer Link: Heinrich Stahl Collection AR 7171 ALB 78) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Anlässlich seines 70. Geburtstages erhält Heinrich Stahl, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlins, zahlreiche Würdigungen. Diese Widmung steht auf der ersten Seite eines Fotoalbums. Dahinter erstrecken sich Aufnahmen aus dem Kinderheim Ahawah, die an jüdischen Feiertagen wie Purim, Pessach und Chanukka gemacht wurden, aber ebenso auch Schnappschüsse der Schützlinge während des Unterrichts oder beim ausgelassenen Spielen in den Ferien. Denn trotz der zunehmenden staatlichen Repressalien versuchen deutschsprachige Jüdinnen und Juden in ihrem Alltag eine gewisse „Normalität“ aufrechtzuerhalten. Innerhalb der Gemeinden werden weiterhin Veranstaltungen organisiert und die Mitglieder und deren Sorgen aufmerksam betreut. Auch im Privaten bemühen sich Familien, ihre Hoffnung und Würde zu bewahren, sei es bei den religiösen Feierlichkeiten, die zelebriert werden, oder bei einstmals alltäglichen Dingen wie den gemeinsamen Treffen zu Kaffee und Kuchen.

Auch der 1868 in Berlin geborene Heinrich Stahl gehört zu jenen, die so lange wie möglich der Diskriminierung und Entrechtung standhalten. Er ist langjähriger Direktor der Viktoria Versicherungsgesellschaft in Berlin und leitet in den 1930er Jahren das Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde. Seine Berufung zum Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlins erfolgt erst nach Machtantritt der Nationalsozialisten, was ihn dazu bewegt, die "Jüdische Winterhilfe" zu gründen. Diese karitative Einrichtung soll vor allem jene Gemeindemitglieder unterstützen, die in Folge der rassistischen Gesetzgebung benachteiligt werden und beispielsweise finanzielle Einbußen oder Gehaltsausfälle im Berufsleben zu ertragen haben. Die durch Spenden finanzierte Hilfe umfasst sowohl praktische Unterstützung in Form von Sachmitteln und Nahrung als auch ideelle Förderung durch Einbindung in kulturelle Aktivitäten und seelischen Beistand innerhalb der Gemeinden. Im Juni 1942 wird Heinrich Stahl zusammen mit seiner Frau Jenny nach Interner Link: Theresienstadt deportiert. Dort stirbt er im November 1942 mit 75 Jahren an einer Lungenentzündung.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Artikel

Karte von Fritz Freudenheim

Die meisten der über 500.000 deutschen Juden und Jüdinnen fühlten sich ihrem Heimatland durch Sprache, Kultur und Geschichte so eng verbunden, dass sie die Auswanderung als praktisch undenkbar…

Artikel

Der Anhänger von Karoline Cohn

Dieser Kettenanhänger mit der Inschrift „Masel Tov“ gehörte Karoline Cohn aus Frankfurt. Seine Entdeckung 70 Jahre später in Sobibór gibt Zeugnis von ihrer Ermordung.

Artikel

Puppe von Inga Pollak

Inge Pollak (später Inga Jane Joseph) hatte Trixie im Arm, eine Puppe, die sie von ihrer Mutter bekommen hatte, als sie und ihre Schwester 1939 auf einem Kindertransport das von den Nazis annektierte…

Artikel

Die Betstube von Theresienstadt

Dieser Lagerraum eines früheren Beerdigungsinstituts wurde zu einem jüdischen Gebetsraum mit wertvollen Verzierungen von Artur Berlinger, einem Gefangenen aus Schweinfurt in Bayern, der in Auschwitz…

Artikel

Kapitänsmütze der "MS St. Louis"

Kapitän Gustav Schröder steuerte die St. Louis auf ihrer verhängnisvollen Reise von Hamburg nach Kuba, wo sie abgewiesen und einige Wochen später zur Rückkehr nach Europa gezwungen wurde.