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Sorgen um Heizung und Strom

Politik aktuell Krieg gegen die Ukraine

Sorgen um Heizung und Strom

Rita Vock

/ 5 Minuten zu lesen

In den Nachrichten geht es zur Zeit viel um Energie. Energie brauchen wir zum Beispiel, um unsere Wohnungen zu heizen und für alle elektrischen Geräte. Politikerinnen und Politiker machen sich Sorgen, ob es in diesem Herbst und Winter genug Energie gibt.

Viele Menschen heizen jetzt zuhause weniger und ziehen sich wärmer an. (© picture-alliance, Vanessa Meyer)

Seit einiger Zeit sind Erdgas und Erdöl deutlich teurer geworden. In vielen Städten kostet das Erdgas für die Heizung jetzt doppelt oder dreimal so viel wie vor einigen Monaten. Besonders für Menschen mit wenig Geld ist das ein großes Problem: Sie haben Angst, dass sie sich das Heizen nicht mehr leisten können. Ohne Hilfe müssten sich viele Menschen entscheiden, ob sie Essen kaufen oder die Heizung anmachen.

Die Interner Link: Bundesregierung plant deshalb verschiedene Hilfen. Im September gab es schon einmal das neue Energiegeld für viele Menschen in Deutschland. Das waren 300 Euro. Die meisten Menschen mit Arbeit haben das Geld zusammen mit dem Arbeitslohn bekommen.

Das Energiegeld sollte vor allem helfen, die höheren Benzinpreise zu bezahlen. Denn im Sommer waren die Preise an den Tankstellen stark gestiegen. Und auch das Bus- und Bahnfahren wurde wieder teurer, als es das Neun-Euro-Ticket nicht mehr gab.

Familien mit Kindern haben im Sommer beim Kindergeld einmal 100 Euro extra bekommen. Auch Menschen, die Hartz Vier bekommen, haben in diesem Jahr einmal mehr Geld erhalten. Für sie gab es 200 Euro mehr.

Viele arme Menschen sagen aber: Es reicht nicht, wenn man einmal extra Geld bekommt. Denn die Preise für Energie sind jetzt jeden Monat höher. So ist das Extrageld sehr schnell aufgebraucht. Deshalb fordern auch Expertinnen und Experten: Arme Menschen brauchen jetzt jeden Monat mehr Unterstützung. Dafür gibt es in verschiedenen Städten auch Interner Link: Demonstrationen.

Als Schutz vor zu hohen Heizkosten soll es bald eine neue Regel geben: Die Gaspreisbremse. Dadurch sollen die Preise nicht so stark steigen. Die Gaspreisbremse wird aber erst im nächsten Jahr wirken. Im Dezember sollen alle, die mit Gas heizen, deshalb erst einmal eine weitere Hilfe bekommen.

Aufrufe zum Energiesparen

Erdgas ist aber nicht nur teuer – es könnte in diesem Winter auch knapp werden. Deshalb sagen viele Expertinnen und Politiker: Alle sollten möglichst wenig Erdgas verbrauchen.

In diesen Leitungen kommt Erdgas aus Russland in Deutschland an. (© picture-alliance, Jens Büttner)

Das bedeutet zum Beispiel: Nicht so stark heizen und weniger warmes Wasser verbrauchen. Denn auch das Wasser zum Beispiel zum Duschen wird meistens mit Erdgas aufgewärmt.

Die Bundesregierung hat in diesem Herbst neue Regeln gemacht. Viele Gebäude werden in diesem Winter weniger warm beheizt. Dazu gehören viele Arbeitsplätze, aber auch Ämter, Schulen und Schwimmbäder. Außerdem wird in vielen öffentlichen Gebäuden das warme Wasser abgestellt. Die Gebäude dürfen abends und nachts auch nicht mehr von außen beleuchtet sein.

Einige neue Regeln zum Energiesparen gelten seit September, andere seit Oktober. Alle diese Regeln sollen für zwei Jahre gelten.

Warum wird das Erdgas knapp?

Deutschland fördert selbst nur sehr wenig Erdgas aus dem Boden. Das meiste kaufen die Energieunternehmen aus dem Ausland. Bis vor wenigen Monaten kam das meiste Erdgas aus Interner Link: Russland. Unternehmen aus Russland, Deutschland und anderen Ländern hatten für die Lieferungen lange Gasleitungen gebaut. Diese Leitungen nennt man auch Pipelines.

Im Februar 2022 hat die Armee von Russland das Nachbarland Interner Link: Ukraine angegriffen. Seitdem ist dort ein großer Krieg.

Die russischen Bomben haben in der Ukraine viele Häuser zerstört, wie hier in der Hauptstadt Kiew. (© picture-alliance, Maca Vojtech Darvik)

Deutschland und viele andere europäische Länder sind gegen den Krieg. Sie unterstützen die Armee der Ukraine dabei, ihr Land gegen Russland zu verteidigen. Deutschland liefert der Ukraine dafür auch Waffen. Und die deutsche Regierung fordert Russland immer wieder auf, den Krieg zu beenden.

Seit dem Krieg machen deutsche Firmen weniger Geschäfte mit Russland. Ein Beispiel: Kurz vor dem Krieg sollte eigentlich eine neue Pipeline für Erdgas fertig werden. Durch die Leitung sollte noch mehr Gas von Russland nach Deutschland kommen.

Aber wegen dem Krieg hat die deutsche Regierung entschieden: Wir erlauben nicht, dass die Leitung benutzt wird. Russland liefert jetzt auch durch die anderen Leitungen weniger oder gar kein Erdgas.

Politikerinnen und Politiker aus der Bundesregierung sagen: Das ist einerseits gut. Denn wir wollen nicht mehr so abhängig sein vom Erdgas aus Russland. Aber es ist auch schwierig. Denn nun müssen wir sehr schnell Ersatz organisieren. Deutschland bekommt inzwischen mehr Erdgas aus verschiedenen Ländern, zum Beispiel aus Norwegen und den Niederlanden. Auch mit weiter entfernten Ländern wie Katar und Aserbaidschan hat die Bundesregierung über Gas verhandelt.

Strom wird auch teurer

Auch der Strom ist in diesem Jahr deutlich teurer geworden. Das hat direkt mit dem Gaspreis zu tun: Denn ein Teil von unserem Strom wird in Gaskraftwerken erzeugt. Das heißt: Man verbrennt Erdgas, um daraus Strom zu machen.

Gegen die hohen Strompreise wollen die Länder der Europäischen Union gemeinsam neue Regeln machen. Energieunternehmen sollen dann einen Teil von ihren Gewinnen abgeben. In Deutschland soll es auch eine Strompreisbremse geben. Wann und wie steht aber noch nicht fest.

Aus Sonne und Wind wird Strom gemacht (© picture-alliance, Hanns-Peter Lochmann)

Zur Zeit wird Strom in Deutschland vor allem aus Kohle, Windkraft, Erdgas und Sonnenenergie gemacht. Manche Stromquellen sind klimaschädlich, andere nicht: Kohle und Erdgas werden verbrannt. Das schadet dem Klima und trägt zur Erderwärmung bei. Wind- und Sonnenenergie tun das nicht. Es sind erneuerbare Energien. Das bedeutet, man kann sie auf Dauer nutzen, ohne der Erde und dem Klima zu schaden.

Bis vor einigen Jahren hat Deutschland auch noch viel Atomkraft genutzt. Aber die Atomkraftwerke wurden nach und nach abgeschaltet. Das hat die Bundesregierung entschieden, weil Atomkraft bei einem Unfall sehr gefährlich werden kann. Heute hat die Atomkraft deshalb in Deutschland keinen großen Anteil mehr. Zum Ende des Jahres sollten auch die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Wegen der hohen Energiepreise gibt es darüber aber wieder eine neue Diskussion. Manche Politikerinnen und Politiker fordern, wieder mehr Atomkraft zu nutzen. Die Bundesregierung berät darüber, einige Atomkraftwerke noch etwas länger als geplant laufen zu lassen.

Energie für die Zukunft

Alle Energiequellen zusammen nennt man auch: Energiemix. Das bedeutet: Wir nutzen viele verschiedene Energiequellen. Dieser Energiemix verändert sich. In Zukunft brauchen wir mehr erneuerbare Energien wie Sonnen- und Windkraft. Damit können wir den Interner Link: Klimawandel bremsen.

Ein Beispiel:

Die meisten Häuser werden heute mit Gas oder Öl beheizt. Es gibt aber auch neuere Heizungen, die zum Beispiel eine Wärmepumpe haben. Die Wärmepumpe kann man mit Sonnenenergie betreiben. Zur Zeit werden sehr viele von diesen neuen Heizungen gebaut.

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Rita Vock ist Redakteurin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie hat Journalismus und Politische Wissenschaften in Dortmund, Paris und Mexiko-Stadt studiert. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Vermittlung aktueller politischer Inhalte in Einfacher Sprache.