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RAF Fahndungsplakat

20.8.2007 | Von:
Prof. Dr. Andreas Elter

Die Definition von Terrorismus

Neben den bereits zitierten Autoren haben sich unzählige weitere Wissenschaftler und Publizisten mit den bestehenden Terrorismusdefinitionen auseinander gesetzt oder eigene Ansätze formuliert. Dazu zählen Bruce Hoffmann, Robert G. Picard, Martha Crenshaw, James Adams, David Rapoport, Jochen Hippler, Christopher Daase, Iring Fetscher, Günter Rohrmoser, David Fromkin oder Herfried Münkler, um nur einige wenige zu nennen.

Trotz aller begründeten Unterschiede und verschiedener Schwerpunkte in den Definitionen gibt es in der Forschung inzwischen aber auch einen gewissen Konsens darüber, was unter Terrorismus zu verstehen ist. Aus den angebotenen Definitionen kristallisieren sich übereinstimmende Punkte heraus, die hier mit eigenen Beobachtungen verknüpft werden.

Eine terroristische Gruppe

  • ist nicht staatlich legitimiert oder im Besitz der Macht;
  • ist politisch, ideologisch oder religiös motiviert und hat – wie auch immer definierte längerfristige Ziele;
  • operiert in der Illegalität als klandestine Organisation oder Zusammenschluss loser Zellen;
  • ist oftmals, aber nicht zwangsläufig, hierarchisch geordnet, fast immer jedoch gibt es funktionale Gliederungen für spezifische Aufgaben, wie z. B. die Vorbereitung von Anschlägen;
  • wendet als primäres Mittel physische Gewalt an, auch wenn psychische Wirkungen intendiert sind;
  • will Angst und Schrecken verbreiten, auf gesellschaftliche Verhältnisse aufmerksam machen, Meinungen und Handlungen beeinflussen oder zu Umstürzen und Volksaufständen beitragen, aber niemals längerfristig ein großes Territorium im militärischen Sinne mit eigenen Leuten besetzen;
  • hat immer einen von ihr selbst definierten Feind;
  • zielt bei ihren Aktionen nicht nur auf den Feind, sondern der Tod Unbeteiligter wird geplant oder billigend in Kauf genommen;
  • bedient sich sowohl der "Propaganda der Tat" als auch der "Propaganda des Worts" und bekennt sich zu ihren gewaltsamen Aktionen (Geiselnahmen, Bombendrohungen Attentaten, Flugzeugentführungen, Morden);
  • plant spektakuläre Aktionen, sie sollen eine massenmediale Wirkung erzielen, die breite Öffentlichkeit erreichen und einen langfristigen psychologischen Effekt herbeiführen;
  • verfügt über eine Logistik sowie Finanzierungsquellen;
  • hat in der Regel eine Unterstützer- und/oder Sympathisantenszene.

Von diesen zwölf Kriterien treffen elf ohne Einschränkungen und eines mit geringen Abweichungen (Akzeptanz des Todes Unbeteiligter) auf die RAF zu. Sie war also eindeutig eine terroristische Gruppe und nicht etwa eine Guerilla oder soziale Protestbewegung.

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine gekürzte Fassung des Aufsatzes "Die RAF und die Medien" von Andreas Elter. Erschienen in: Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Hamburger Edition HIS Verlag, Hamburg 2007


Dossier

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