Beleuchteter Reichstag

Das Wirken der Treuhandanstalt

Im Frühjahr 1990 wurde die Gründung der Treuhandanstalt in der DDR beschlossen. Der ursprüngliche Gedanke war, das Volkseigentum in der Phase der Staatsauflösung zu schützen und in privatwirtschaftliche Strukturen zu überführen. Es gab auch die Idee, Anteilsscheine an die DDR-Bevölkerung auszugegeben. Die Aufgaben der Treuhand änderten sich im Zuge der Einheit und ihrer Vorbereitung jedoch rasant. Mehr und mehr beeinflusste die Bundesregierung die Tätigkeit der Treuhandanstalt, die schließlich zu einer Privatisierungsagentur wurde, die darüber zu entscheiden hatte, ob Betriebe saniert wurden, um sie zu veräußern oder ob sie zu liquidieren waren. Vielen Ostdeutschen gilt sie bis heute als Schuldige für die hohe Arbeitslosigkeit in den 1990er Jahren. Mittlerweile stehen der Wissenschaft Unterlagen der Treuhand zur Verfügung, um ihre Rolle aus Sicht von Zeithistorikerinnen und -historikern zu betrachten. In einer Beitragsserie wird das Deutschland Archiv über die Erforschung unterschiedlicher Aspekte der Arbeit der Treuhandanstalt berichten, darunter mehrere Forschungsprojekte des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin.

Das Foto zeigt mehrere hundert Beschäftigte der damals in Konkurs befindlichen Thüringischen Faser AG  bei ihrem Protestmarsch durch Rudolstadt am 15.10.1993. Die Chemiearbeiter forderten den Erhalt des Industriestandortes und die Rücknahme ihres Unternehmens durch die Treuhandanstalt. Zu dieser Zeit waren in der Faser AG noch etwa 1.146 Mitarbeiter beschäftigt.

Detlev Brunner

„…keine bedeutsame Rolle“? Die Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation

Der Beitrag zeigt, dass die revolutionären Ereignisse in der DDR 1989/90 den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften völlig unvorbereitet trafen. Im Rahmen der wirtschaftlichen Transformation durch die Treuhandanstalt seien die Gewerkschaften nicht angemessen beteiligt worden. Es wird zudem aufgezeigt, welche Aspekte von der zeithistorischen Forschung in den Blick genommen werden sollten.

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Das Foto aus dem Juni 1993 zeigt das BASF-Werk Schwarzheide (vormals VEB Synthesewerk). Zu sehen ist eine moderne Gaserzeugungsanlage für Kohlenmonoxyd und Wasserstoff, zwei wichtige Ausgangsstoffe für die Polyurethan-Produktion.

Wolf-Rüdiger Knoll

Mehr als ohnmächtig? Zur Zusammenarbeit zwischen Treuhandanstalt und Brandenburg

Die Landesregierungen spielten als Akteure der sozioökonomischen Transformation Ostdeutschlands eine nicht unbedeutende Rolle. Ihnen gelang es durch den Aufbau eines dichten, personellen und formalisierten Beziehungsgeflechts mit der Treuhandanstalt immer enger in deren Entscheidungsstrukturen eingebunden zu werden. Am Beispiel einzelner Unternehmensprivatisierungen im Bundesland Brandenburg zeigen sich Möglichkeiten aber auch Grenzen regionaler wirtschaftspolitischer Gestaltungsspielräume zu Beginn der 1990er Jahre.

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Das Foto ist von 1990 und zeigt die Neptun-Warnow-Werft in Rostock. Hier wurden fast nur Schiffe fuer die Sowjetunion gebaut. Eines lag fertig im Hafen und die Sowjets konnten nicht bezahlen.

Eva Lütkemeyer

Gezeitenwechsel an der Ostsee. Die Privatisierung des DDR-Schiffbaus

Die Umbrüche nach 1989 brachten auch die DDR-Schiffbauindustrie in turbulentes Fahrwasser. Mit über 55.000 Beschäftigten war sie als industrieller Kern für die gesamte Region des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns strukturbestimmend. Mit den Unternehmensprivatisierungen des ehemaligen Kombinats Schiffbau steht in diesem Beitrag ein Prozess im Fokus, in dem Treuhandanstalt, Bundes- und Landespolitik, Gewerkschaften und Betriebsräte sowie die Europäische Gemeinschaft auf dem Weg von der Plan- in die Marktwirtschaft um die Zukunft der Betriebe an der Ostseeküste rangen.

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Das Foto zeigt die ehemalige Treuhand-Chefin Birgit Breuel (l), die am 23.7.1992 in Berlin mit Loïk Le Floch-Prigent, dem damaligen Präsidenten des Unternehmens Elf-Aquitaine, auf den Vertragabschluss zur Übernahme der Leuna-Werke und der Minol-Tankstellen anstößt.

Rainer Karlsch

Die Leuna-Minol-Privatisierung: Skandalfall oder Erfolgsgeschichte?

Die Leuna-Minol-Privatisierung gehörte zu den besonders umstrittenen, skandalumwitterten und teuren Projekten der Treuhandanstalt. Der Neubau einer Raffinerie, gegen den erbitterten Widerstand der Konkurrenz, war dennoch der entscheidende Schritt für den Erhalt des traditionsreichen Chemiestandorts.

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Das Foto zeigt den CDU-Politiker und Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Lothar Späth, der im Mai 1990 einen Vortrag an der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) hält.

Dierk Hoffmann

Übernahme?

Der Transfer des westdeutschen Modells und die Entstaatlichung der DDR sind zwei Seiten einer Medaille. Eine wichtige Rolle nahmen dabei 1990 die westdeutschen Länder und die Bürgermeister und Räte der Bezirke in der DDR ein. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Zusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und den drei südlichen Bezirken der DDR (Dresden, Karl-Marx-Stadt [heutiges Chemnitz], Leipzig) beim Verwaltungsaufbau während der Friedlichen Revolution 1989/90.

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Das Foto zeigt das Eingangs-Schild der Treuhand-Niederlassung in Chemnitz/Sachsen. Gewerkschafter haben am 11.05.1993 symbolisch den Eingang der Treuhand-Niederlassung in Chemnitz zugemauert. Einen Meter vor der Eingangstür zogen Mitglieder anderer Gewerkschaften aus Solidarität mit den Streikenden der IG Metall eine Mauer hoch. Mit der Aktion soll gegen die Rolle der Treuhand im Tarifstreit protestiert werden.

Christian Rau

Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Eine widersprüchliche Beziehung

Die Treuhandanstalt gilt vielen als Produkt des neoliberalen Zeitgeistes der 1980er Jahre, zu dessen Gegnern die Gewerkschaften zählten. Neu zugängliche Quellen zeigen jedoch das widersprüchliche, von Kontinuitäten und Brüchen geprägte Verhältnis zwischen beiden „Antipoden“.

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Das Foto vom 13.12.1990 zeigt, dass die Opel AG, die Autowerke Eisenach GmbH und die Treuhandanstalt einen Vertrag über den Kauf eines Grundstücks in Eisenach unterzeichneten, auf dem die Opel AG eine neue Produktionsstätte errichten wollte. Diese Milliardeninvestition sollte mittelfristig 5.000 Arbeitsplätze in Thüringen schaffen. (vlnr: L. Hughes, Opel-Vorstandsvorsitzender, H. Haussmann, Wirtschaftsminister, D. Rohwedder, Treuhand-Chef, Josef Duchac, Ministerpräsident des Landes Thüringen, W. Liedke, Autowerk Eisenach).

Andreas Malycha

Im Schlepptau der Bonner Behörden?

Die Treuhandanstalt wurde am 1. März 1990 durch einen Beschluss der SED-geführten DDR-Regierung unter Hans Modrow gegründet. Bis zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März und der Regierungsbildung unter Lothar de Maizière (CDU) am 12. April fristete sie ein Schattendasein. Die neue Regierung setzte andere Schwerpunkte und die Bonner Bundesregierung schaltete sich ein. Hiermit befasst sich der folgende Beitrag.

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Das Foto zeigt das Hauptgebäude der Treuhandanstalt in der Leipziger Straße in Berlin-Mitte. Dort begann Anfang 1992 die Geschichte der Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft (TOB). Sie sollte in Osteuropa bei Privatisierungsvorhaben beratend tätig sein.

Eva Schäffler

Zwischen Staat und Privat: Die Treuhand in Osteuropa

Allgemein bekannt ist, dass die Treuhandanstalt gegründet wurde, um die ostdeutsche Wirtschaft zu privatisieren. Kaum bekannt ist hingegen, dass sie ihre Fühler noch deutlich weiter in Richtung Osten ausstreckte.

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Das Foto zeigt eine Demonstration, bei der rund 2.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie aus den Ländern Berlin und Brandenburg  vor dem Gebäude der Treuhandanstalt die Sanierung der Betriebe in der ehemaligen DDR und damit die Erhaltung von Arbeitsplätzen forderten.

Marcus Böick

Die „Ur-Treuhand“ im Jahr 1990

Der Beitrag befasst sich mit der Vorgeschichte der Treuhandanstalt, deren Gründung im Frühjahr 1990 und ihrer Frühgeschichte bis zum Spätsommer 1990. Zudem geht es um den ursprünglichen Zweck der Einrichtung, deren Auftrag zunächst vor allem die Sicherung des Volksvermögens und dessen Erfassung war.

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Das Foto von 1991 zeigt den früheren Vorstandsvorsitzenden der Treuhandanstalt Detlev Rohwedder, und das Vorstandsmitglied Birgit Breuel.

Keith R. Allen

Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus

Archivbestände offenbaren, wie Finanzberater aus dem englischsprachigen Raum und Vertreterinnen und Vertreter der planwirtschaftlich geprägten DDR-Nomenklatura die Arbeit der Treuhand prägten.

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Das Foto zeigt ein Gespräch in der Dr. Quendt Backwaren GmbH in Dresden zwischen dem Firmeninhaber Hartmut Quendt (M) und seinen Mitarbeiterinnen Antje Nowakowski (l) und Ines Habich über die Qualität des "Russisch Brot". Der 124 Jahre alte mittelständische Familienbetrieb ist nach eigenen Angaben zwischen Kap Arkona und dem Fichtelberg Marktführer beim Verkauf dieses Gebäcks.

Max Trecker

Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand?

Mittelstand und soziale Marktwirtschaft gehören eng zusammen. Wenn in Deutschland von „Hidden Champions“ die Rede ist, bezieht sich dies auf kleine und mittlere Unternehmen, die zumeist im süddeutschen Raum beheimatet sind. Dies war jedoch nicht immer so. Mit der Wiedervereinigung bot sich in Ostdeutschland die Chance, dem Mittelstand zu alter Stärke zu verhelfen und gleichzeitig die Akzeptanz von Marktwirtschaft und Demokratie zu stärken.

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Illustration, die Kathrin und Ereignisse rund um den Mauerfall 1989 zeigt.
Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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Ausgebombt! Eine Zeitreise ins kriegszerstörte Berlin

31 Bildmontagen des Berliner Fotografen Alexander Kupsch, aus historischen Fotos vom zerstörten Berlin und Aufnahmen aus dem Jahr 2015, rücken die zerstörerische Kraft des Krieges erneut ins Bewusstsein, indem sie die Ruinen aus dem Mai 1945 ins Berlin von heute übertragen.

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NEU: Videoreportagen

Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

Rund um den 7. Oktober 1989 herrschte Ausnahmezustand in mehreren Städten der DDR. Polizei, Betriebskampfgruppen und Stasi gingen gewaltsam gegen Demonstranten vor, die friedlich für Reformen, Demokratie und Reisefreiheit eintraten - und sich mit Kerzen, Worten und Zivilcourage gegen die Staatsmacht durchsetzten. Ein filmischer Überblick.

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Themenseite

30 Jahre Mauerfall

Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Wir präsentieren ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.

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Deutschlandarchiv bei Twitter

Ausstellung + Film

Die Mauer. Sie steht wieder!

Was wäre, wenn die Mauer Berlin erneut halbieren würde? 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert das Deutschland Archiv der bpb mit 30 Bildmontagen und einem Film von Alexander Kupsch an das Bauwerk, das die Stadt über 28 Jahre lang teilte.

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Chronik der Mauer

Es erwartet Sie eine Fülle von multimedial aufbereiteten Informationen über Mauerbau und Mauerfall - und über die Opfer der Grenze.

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Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart. In der DDR überwanden couragierte Bürgerinnen und Bürger allerdings 1989 ihre Angst vor der "Staatssicherheit". Vor 30 Jahren wurde sie gänzlich entmachtet.

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Online-Angebot der bpb und der Robert-Havemann-Gesellschaft

jugendopposition.de

Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Texten, Videos, Audios, Fotos und Dokumenten.

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Online-Archiv

www.wir-waren-so-frei.de

Fast 7.000 private Filme und Fotos aus der Umbruchzeit 1989/90 sowie über 100 begleitende Erinnerungstexte. Dazu ost- und westdeutsche Medienberichte. Die persönlichen Erfahrungen der Fotografen und Filmemacher bieten zusammen mit der öffentlichen Berichterstattung vielfältige Blicke auf die historischen Ereignisse und deren Auswirkungen auf den Alltag in Ost und West.

Mehr lesen auf wir-waren-so-frei.de

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

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Zu dem Thema "Children of Transition, Children of War, the Generation of Transformation from a European Perspective" diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der Deutschlandforschertagung 2016 vom 3. bis 5. November 2016 in der Universität Wien. Die Tagungsdokumentation gibt Einblick in die Themen und Ergebnisse.

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Messenger-Projekt

Der Mauerfall und ich

Es ist Leipzig im Spätsommer des Jahres 1989. Die Studentin Kathrin und ihre Freundinnen und Freunde erleben eine Zeit des Umbruchs in der DDR. Im November fällt die Mauer und damit die Grenze, die Deutschland und die Deutschen viele Jahrzehnte trennte. Über ihre Erlebnisse hat Kathrin von August bis November 2019 im bpb-Messengerprojekt "Der Mauerfall und ich" berichtet.

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Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren, Mahnmale, Online-Angebote - zahlreiche Einrichtungen und Initiativen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, bieten Bildungsangebote zur Geschichte des Nationalsozialismus und engagieren sich für Überlebende und Jugendbegegnungen. Wo Sie welche Erinnerungsorte mit welchem pädagogischen Angebot finden, erfahren Sie in der Datenbank.

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Der Tag in der Geschichte

  • 7. August 1952
    In der DDR wird die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) gegründet. Sie dient als »demokratische Massenorganisation« vor allem der paramilitärischen Ausbildung von Jugendlichen. Zuständig ist das Ministerium des Innern. Weiter
  • 7. August 1981
    Das 19. Strafrechtsänderungsgesetz hebt die mit Wirkung vom 1. 5. 1976 eingeführten »Gewaltparagraphen« 88 a und 130 a Strafgesetzbuch (verfassungsfeindliche Befürwortung von Straftaten und die Anleitung dazu) auf, da sie sich in der Praxis als weitgehend... Weiter
  • 7. August 1996
    Das neue Arbeitsschutzgesetz verpflichtet private und öffentliche Arbeitgeber, die notwendigen Schutzmaßnahmen gegen Gefährdungen im Betrieb zu treffen. Die Beschäftigten können dazu Vorschläge unterbreiten und sich bei unzureichendem Arbeitsschutz notfalls... Weiter