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Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Julia Davidovski: „Kinder sind unsere Zukunft“ Emma Budge und Margarete Oppenheim: der Kampf um ihre Kunstsammlungen in der Bundesrepublik „Wir sind offen für alle“ Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? 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Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die Rolle(n) und Folgen des Wirkens der Treuhand nach dem Ende der DDR

Marcus Böick

/ 31 Minuten zu lesen

Häufig zeigte Treuhandengagement nur temporäre Erfolge und ostdeutschen Unternehmens-Transformationen erwiesen sich als permanenter Existenzkampf mit vielen Aufs und Abs und Neuprivatisierungen. Das Foto zeigt demonstrierende Beschäftigte der ehemaligen "VEB Baumaschinen Gatersleben" aus dem Landkreis Aschersleben vor dem Magdeburger Landtag. Sie war 1993 als "Vibromax Gatersleben GmbH" reprivatisiert worden. Doch 1995 ging sie in Konkurs und die Zahl der bis dahin verbliebenen Beschäftigten musste von 170 auf 70 reduziert werden. Händeringend wurde ein Kompromiss für eine Neugründung gesucht. Dann übernahm ein britischer Baumaschinenhersteller den Betrieb 2005 und führte die Produktion unter dem Namen JCB Vibromax Gatersleben GmbH fort, verlagerte aber 2014 die Produktion ins Ausland und löste den Betrieb komplett auf. (© picture-alliance/dpa, Peter Förster)

Vorab eine Kurzfassung meiner Thesen für schnelle Leser*innen:

  • 1. Der Wirtschaftsumbau in Osten Deutschlands und die Treuhandanstalt erweisen sich seit Mitte der 2010er Jahre und insbesondere wieder seit 2019 als intensiv umstrittene erinnerungskulturelle Gegenstände.

  • 2. Deren Bewertungen als alternativloses „Erfolgsmodell“ oder neoliberale „Abwicklung“ changieren zwischen Ost und West sowie zwischen liberalkonservativen und linken Zugriffsweisen.

  • 3. Der anhaltende Streit um den „tatsächlichen“ Zustand beziehungsweise objektiven „Wert“ der DDR-Planwirtschaft vor und nach 1990 erscheint als letztlich unauflösbarer Deutungskonflikt.

  • 4. Die seit dem Herbst 1989 in der DDR geführten Diskussionen um eine „Wirtschaftsreform“ innerhalb der DDR verdichteten sich im Februar 1990 auf die Treuhand als „Minimalkompromiss“.

  • 5. Die in Westdeutschland gemachten ökonomischen Vorschläge eines graduellen Übergangs wurden durch kurzfristige bundespolitische Überlegungen einer sofortigen Umstellung abgelöst.

  • 6. Mauerfall und Volkskammerwahl entfalteten als politische Zäsuren auch massive Rückwirkungen auf die ohnehin in einer strukturellen Krise befindliche Planwirtschaft und ihre Betriebe.

  • 7. Als dritte und wirtschaftshistorisch entscheidende Zäsur wirkte die schockartige Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, die eine massive Umstellungskrise in den Betrieben auslöste.

  • 8. Im Sommer 1990 wurde im Kontext der deutsch-deutschen Verhandlungen die noch randständige Treuhandanstalt als neuartiger Grundpfeiler eines improvisierten Sondermodells etabliert.

  • 9. Die Treuhand und ihr rasch rekrutiertes Führungspersonal erfuhren gerade 1990/91 einen regelrechten Praxisschock, als ihr neuer Präsident Rohwedder auf deren massive Expansion setzte.

  • 10. Die Praxis nach 1991 erwies sich als ein auf Beschleunigung gerichteter, unternehmerischer Ausnahmezustand, der als Privatisierungswettstreit die Organisation und ihr Personal erfasste.

  • 11. Mittelfristige Bilanzierungen sowie langfristige Bewertungen prägen die Diskussionen um die Nachwirkungen von Wirtschaftsumbau und Treuhand bis heute, diese fallen sehr gegensätzlich aus.

  • 12. Jenseits gegenwärtiger Re-Politisierungen und Re-Polarisierungen dürfte langfristig eine differenzierte Historisierung des Feldes bevorstehen, die jedoch neue Engführungen vermeiden sollte.

Nach der Wiedervereinigung Zielscheibe der Opposition im Osten: Demonstration gegen die Treuhand auf dem Alexanderplatz am 28. März 1991. (© Robert-Havemann-Gesellschaft / Rolf Zöllner)

1. Wieder-Entdeckungen: Zeitgeschichte, Zeitzeugenschaft, Erinnerungskultur

Der erbitterte Deutungsstreit um den dramatischen Umbau von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Ostdeutschland nach 1990 hat in den letzten Jahren wieder an neuerlicher Aktualität und bemerkenswerter Schärfe gewonnen. Vor allem die Erfolge rechtspopulistischer Kräfte, die runden Jubiläen und Jahrestage sowie veränderte generationelle Perspektiven haben jüngst zu einer intensiven Diskussion über eine erinnerungskulturelle Neubilanzierung des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses geführt. Das lange Zeit gedenkoffiziell dominante (Erfolgs-)Narrativ vom endgültigen „Ende der Geschichte“ beziehungsweise eines deutschen „Sonderweges“ nach 1990 wird dabei zunehmend brüchiger; auch von politischen Zeitzeugen reklamierte Meistererzählungen über vermeintliche Alternativlosigkeiten im Prozess stehen vermehrt zur Disposition.

Die weitgehend asymmetrischen Normalisierungs-, Anpassungs- und Transferprozesse werden stärker kritisch hinterfragt; andererseits scheint eine Historisierung dieser Zeitphase sukzessive auf die wissenschaftliche Agenda zu rücken. Die komplexe Gemengelage aus individueller Zeitzeugenschaft, öffentlicher Erinnerungskultur sowie wissenschaftlichen Aneigungsversuchen prägt dieses Feld in besonderer Weise. Generell scheint dabei das mediale Aufmerksamkeitspendel von einer eher westdeutsch orientierten „Makro-Perspektive“ (einer „nachholenden Modernisierung“ vor allem durch Transfers von West nach Ost sowie Anpassungen von Ost an West) wieder vermehrt auf eine ostdeutsch ausgerichtete „Mikro-Perspektive“ umzuschwenken, die wiederum insbesondere individuelle wie kulturelle Umbruchs- und Verlusterfahrungen thematisiert, die oftmals auch als Opfererfahrungen beschrieben werden. Gerade die letzte Weltwirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2007/08 hat auch auf diesem Feld kapitalismusskeptische Diskussionen angeheizt, inwiefern ein „neoliberales Zeitalter“ (Philipp Ther) in den postsozialistischen Staaten und Gesellschaften Ostmitteleuropas zu entsprechend disruptiven Dynamiken geführt habe, die letztlich langfristig als „Ko-Transformationen“ auch auf Westeuropa zurückwirkten.

Dieser kapitalismuskritische Diskurs hat sich jüngst – insbesondere in emotional geführten wie digital-medial verstärkten Debatten über die globalen Folgen eines wachstumsökonomiebasierten Klimawandels seit 2018 – abermals erheblich verschärft. Dieses vielschichtige erinnerungskulturelle Konfliktszenario vollzieht sich nicht zuletzt auch vor einem sprunghaft ansteigenden zeithistorischen Interesse an diesem Themenkreis, der schließlich durch die Freigabe von weitreichenden Aktenbeständen sowie die Bereitstellung von staatlichen Fördermitteln zusätzlich befeuert wird.

Die besondere Herausforderung für die hiesige Zeitgeschichtsforschung besteht dabei darin, einer klassischen Trias von Hans-Günter Hockerts folgend, sich sowohl von zeitgenössischen Primärerfahrungen (vor allem der Zeitzeugen, Betroffenen und Akteure) sowie von erinnerungskulturellen beziehungsweise geschichtspolitischen Interventionen aus Politik und Öffentlichkeit zu emanzipieren und auf der fachlichen Eigenständigkeit als empirischer, differenzierter Wissenschaftsdisziplin mit eigenen methodischen und theoretischen Standards zu beharren – die etwa mit kritischer Selbstreflexion, umfassender Quellenkritik sowie diskursiver Multiperspektivität und Pluralität zu umschreiben sind. Knapp formuliert gilt es, differenziert-distanzierte zeithistorische Zugänge zu einem stark umkämpften Themenfeld zu entwickeln; die empirischen Hinterlassenschaften, die individuellen Selbst- und Fremdwahrnehmungen sowie die umfassenden Deutungskonfigurationen dieser bewegten wie hochemotionalen Revolutions- und Umbruchszeiten müssen – gerade auch aus kulturhistorischen sowie transnationalen Leitperspektiven heraus – distanzschaffend „verrätselt“ und perspektivisch exotisiert und verfremdet werden. Ein solcher Zugang kann dabei freilich auch mit zeitzeugenschaftlichen Wahrnehmungs- und kollektiven Erinnerungsmustern sowie geschichtspolitischen Erwartungshaltungen in eine gewisse Grundspannung geraten. Ferner gilt es nicht zuletzt, sich methodisch wie theoretisch reflektiert zu den sehr weitreichenden empirischen Ergebnissen einer ausgebauten sozialwissenschaftlichen Transformationsforschung zu verhalten.

2. Historische Retrospektiven: Der Wirtschaftsumbau – die „Achillesferse“ der Einheit?

Der in diesem Beitrag thematisierte, beschleunigte Wirtschaftsumbau beziehungsweise konkreter: Der durch die Treuhandanstalt auf Unternehmensebene organisierte Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft in den frühen 1990er Jahren galt und gilt jedoch selbst eher konservativen Historikern schon länger als „dunkles Kapitel“ (Manfred Görtemaker) beziehungsweise „Achillesferse“ (Andreas Rödder) eines an sich (außen-)politisch sehr erfolgreichen Vereinigungsprozesses – vor allem mit Blick auf umfassende gesellschaftliche Krisen- und meist ost-westlich-konfigurierte Konfliktphänomene wie „De-Industrialisierung“, Massenarbeitslosigkeit, Wohlstandsgefälle, Eigentumsumverteilung, Elitenbildung, Abwanderung, Stadt-Land-Gegensätze sowie kulturell verfestigte Konfliktlagen. Während das Thema wissenschaftlich, vor allem in den Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, seit der Jahrtausendwende weitgehend in den Hintergrund gerückt war, als sich nur noch einzelne Forscher wie Wolfgang Seibel für die Treuhand und ihre Arbeit interessierten, ist insbesoondere seit 2015 eine merkliche Re-Polarisierung und auch Re-Politisierung dieses Themenfeldes zu beobachten, die vor allem entlang politischer Rechts-Links-Lager, aber auch überkommener Ost-West-Gegensätze organisiert ist; auch deutet sich eine neuartige generationelle Spannungslage an.

Als exemplarisch kann dabei das von der SPD-Ministerin Petra Köpping vorgelegte Buch „Integriert doch erst mal uns!“ gelten, welches im Jahr 2018 erhebliche Wellen schlug. Der ehemalige Spiegel-Journalist Norbert F. Pötzl hat mit seinem „Treuhand-Komplex“ im vergangenen Jahr dann eine Art „Anti-Köpping“-Sachbuch vorgelegt, welches wiederum den von Köpping reklamierten ostdeutschen „Befindlichkeiten“ und Emotionen aus einer eher auktorialen Makro-Perspektive die „Fakten aus den Akten“ entgegenhalten möchte.

Beide Autoren markieren damit geradezu paradigmatisch die Pole des hier behandelten Diskursfeldes (ostdeutsche Verlust- und Opfersemantiken „von unten“ versus westdeutsche Alternativlosigkeits- und Heldenerzählungen „von oben“), in dem die Treuhand zum hochgradig aufgeladenen, negativen Symbol – ja zu einer regelrechten erinnerungskulturellen „Bad Bank“ avanciert ist, mit der vor allem viele ältere Ostdeutsche ihre individuellen Verlust- und Umbruchserfahrungen nach 1990 emotional verknüpfen. Auch in den Wahlkämpfen des Jahres 2019 suchten politische Parteien aus diesem negativen „Treuhand-Mythos“ entsprechend elektorales Kapital zu schlagen: So beantragte etwa Die Linke im Bundestag die Einrichtung eines neuerlichen Untersuchungsausschusses – eine Initiative, der sich auch die Fraktion der AfD anschloss, die dieses Thema intensiv in den regionalen Wahlkämpfen einsetzte. Man könnte also zuspitzen: Über 25 Jahre nach ihrer wohlinszenierten Selbstauflösung sind die für lange Zeit von der (nationalen) Bildfläche verschwundene Treuhand und der von ihr betriebene Wirtschaftsumbau wieder präsent wie nie. Auch die zeithistorische Forschung muss sich dabei mit diesen wirkmächtigen, geradezu dialektisch aufeinander bezogenen Opfer- und Heldenerzählungen auseinandersetzen. Zentral ist hierfür ein umfassendes, 2016/17 begonnenes Treuhand-Aktenerschließungsprojekt beim Bundesarchiv, das von einem großen Forschungsprojekt am Institut für Zeitgeschichte München/Berlin empirisch begleitet wird. Gerade hier dürften in den kommenden Jahren differenzierte Befunde und Analysen die Diskussionen weiter versachlichen, auch wenn die mancherorts gehegten Hoffnungen auf spektakuläre „Enthüllungen“ oder endgültige „Wahrheiten“ aus den Akten wohl überzogen sein dürften. Es gilt weiterhin die Binsenweisheit: Der Rückblick auf die Treuhand hängt stark von eigenen Perspektiven und den jeweils gewählten Fragestellungen ab, mit denen die Quellen bearbeitet werden.

Hier nun sollen stichwort- beziehungsweise thesenartig einige zentrale Felder und Aspekte der gegenwärtigen Debatten um die Vor-, Praxis- und Nachgeschichte von Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt exemplarisch thematisiert werden. Freilich kann ein solcher thesenartiger Zugriff in keiner Weise einen Anspruch auf Vollständigkeit oder Abgeschlossenheit erheben, sondern will vielmehr zu weiterführenden Diskussionen einladen. Im Zentrum steht dabei ein grundsätzlich zeithistorisches Anliegen, nämlich die Diskussionen, ihre Akteure und jeweiligen Perspektiven und Narrative aus einer distanzierend-differenzierenden Meta-Perspektive heraus in den Blick zu nehmen. Es kann und soll daher gerade nicht um die immer wieder intensiv verhandelte Frage gehen, ob der Wirtschaftsumbau im Allgemeinen oder die Treuhand im Besonderen als alternativloser Erfolg oder neoliberal ideologisiertes Scheitern zu betrachten sind. Das gesamte Feld wird vielmehr als umfassender Kommunikationszusammenhang betrachtet, in dessen Kontext sehr verschiedene Akteursgruppen mit ihren jeweiligen und oft gegensätzlichen Wahrnehmungs- und Deutungsmustern einschlägige Vergangenheitsdeutungen, Gegenwarts- und Zukunftsdiagnosen in oft großer Intensität und Emotionalität aushandeln.

3. Be-Wertungsfragen zur Planwirtschaft: „Schrott“ oder „Milliarden-Vermögen“?

In diesem Konfliktfeld verbinden sich materielle wie symbolische Wertzuschreibungen auf geradezu exemplarische Art und Weise. Während einerseits aus einer übergreifenden, zumeist makro-ökonomischen Perspektive der mangelhafte Zustand einer desaströsen DDR-Planwirtschaft betont wird, werden dem meist anekdotische Einzelbeispiele von auch im „West-Export“ erfolgreichen Produkten und ihren jeweiligen Branchen beziehungsweise Betrieben entgegengehalten. Entsprechende General-Diagnosen von „Sozialismus-Schrott“ und „Volks-Vermögen“ sind damit gleichermaßen auch symbolisch hochaufgeladen, geht es in dieser Diskussion nicht zuletzt darum, wie viel die DDR (und mithin auch die in der DDR individuell geleistete Arbeit) letztlich „wert“ gewesen sei. Ein geradezu exemplarischer Deutungswettstreit wird dabei etwa zum sogenannten „Schürer-Papier“ vom Oktober 1989 ausgetragen, das wiederum je nach Perspektive sehr gegensätzliche Bewertungen und kontrastive Lesarten erfährt: als parteioffizielle Bankrotterklärung oder aber als reformkommunistisches Aufbruchssignal.

Differenzierte wirtschaftshistorische Analysen, wie sie vor allem André Steiner schon vor langer Zeit vorgelegt hat, gelangen demgegenüber zu dem komplexen Befund einer an massiven Strukturdefiziten und politischen Hemmnissen laborierenden Zentralplanwirtschaft, deren überdehnte Großbetriebe mit massiven Innovations-, Koordinations- und Kommunikationsproblemen zu kämpfen hatten (etwa „weichen Plänen“ oder „grauen Märkten“). Insbesondere unter dem sprunghaft wachsenden Einfluss weltwirtschaftlicher Umbrüche (Globalisierung/Ölpreiskrise) sowie technologischer Innovationen (Digitalisierung/Mikroelektronik) geriet diese ohnehin übersteuerte Planwirtschaft im Laufe der 1980er Jahre zunehmend in eine veritable, nur durch westliche Bankkredite abgepufferte Krise, sodass auch die umfassenden, seit den 1970er Jahren aufgelegten sozialpolitischen Programme der Honecker-Regierung in eine dramatische Schieflage gerieten.

Die Ausreisebewegungen und oppositionellen Protestaktionen ab Mitte der 1980er Jahre sind daher auch mit dem sicht- und erfahrbaren wirtschaftlichen Niedergang der Planwirtschaft und ihrem zunehmend prekären Versorgungs- und Konsumniveau – vor allem im deutlichen Kontrast zur medial omnipräsenten westlichen Warenwelt der Bundesrepublik – verknüpft. Die erodierende Output-Legitimität des SED-Regimes besaß damit eine markante wirtschafts- und konsumpolitische Komponente. Auch in den Betrieben der zentral gelenkten Planwirtschaft wuchs die allgemeine Unzufriedenheit über ökologische Umweltbelastungen, andauernde Produktionsausfälle, demotivierende Unterbeschäftigung, wachsende Unfallzahlen und maschinellen Verschleiß, fehlende Leistungsanreize, zurückfallende technologische Standards sowie politische Einflussnahmen sprunghaft an. Nahezu allen involvierten Wirtschaftsakteuren schien am Vorabend der eigentlichen Revolution durchaus bewusst, dass einschneidende Reform- und Umbaumaßnahmen nötig seien, um den „Anschluss“ an globale Entwicklungen wiederzugewinnen.

Insgesamt wird man letztlich von dem differenzierten Befund einer mit massiven strukturellen Defiziten wie erheblichen situativen Belastungen kämpfenden Zentralplanwirtschaft ausgehen müssen. Es ist aber sicher zugleich auch notwendig, dieses defizitäre Gesamtbild noch feiner nach einzelnen Betrieben und Branchen zu differenzieren. Wie sich nach 1990 im intensiven „Säurebad“ des Wirtschaftsumbaus (so die Treuhand-Chefin Birgit Breuel) zeigen würde, standen gerade klassische Branchen der sozialistischen Hochindustrialisierung (Bergbau, Chemie, Metallurgie, Maschinen-, Fahrzeug- und Schiffsbau) vor ganz anderen Herausforderungen als in der DDR noch erheblich unterentwickelte Dienstleistungssektoren oder besonders geförderte Unternehmen im Bereich westlicher Gestattungsproduktion. Pauschale wie endgültige Urteile über den Zustand der DDR-Wirtschaft wären hier also stärker als geschichtspolitische Setzungen („sozialistischer Schrott“ versus „führende Industrienation“) zu markieren und zu problematisieren.

Kurzum: An der nach 1990 unablässig geführten Debatte um den „Wert“ des „Volksvermögens“ interessiert weniger ihr (vermutlich nie zu erreichender) Ausgang, als die Tatsache, dass diese in einer Weise geführt wurde und wird, die materielle Bewertungs- mit ideellen Wertfragen untrennbar miteinander verknüpft. Derartige Wertzuschreibungen erweisen sich damit nicht zuletzt als hochgradig deutungs- und kontextabhängig.

4. Reformdebatten Ost: SED-Reformkommunisten versus oppositionelle „Demokratisierer“

Ein ebenso hitziger Grundsatzkonflikt, der mit der Frage nach dem (Un-)Wert des „Volksvermögens“ einhergeht, wird in der Kardinalfrage der „Alternativlosigkeit“ der nach 1989/90 im Bereich der ostdeutschen Wirtschaft letztlich praktisch realisierten Szenarien ausgetragen: Waren die eingeschlagenen Pfade in ihrer Art und Weise wirklich ohne jegliche Alternativen? Oder gab es möglicherweise ganz andere Wege vom Plan zum Markt als diejenigen, die sich letztlich aus den einigungspolitischen Prozessen und Dynamiken des Jahres 1990 ergaben?

Hier wird man aus zeithistorischer Perspektive freilich mit erheblichem Nachdruck auf der prinzipiellen Offenheit von Geschichte beharren müssen: Historische Akteure agieren stets vor grundsätzlich offenen Zukunftshorizonten; eine irgendwie geartete Gerichtetheit oder Teleologie ergibt sich (jenseits von historischen Materialismen oder ökonomistischen Marktuniversalismen) eben gerade nicht. Vielmehr lässt sich vor allem ab dem Herbst 1989 eine dynamische Öffnung, um den Jahreswechsel 1990 eine erhebliche Pluralisierung sowie im Frühjahr dann eine erstaunlich rasche und umfassende Zuspitzung und Verengung der entsprechenden ökonomischen Debatten herausarbeiten.

Im vorliegenden Falle lassen sich intensive Reformdiskussionen auf allen Ebenen der Planwirtschaft und ihrer Betriebe, Verwaltungseinheiten sowie auch der ökonomischen Forschungseinrichtungen konstatieren, die ab dem Spätherbst 1989 zunehmend an Fahrt gewannen. Exemplarisch seien hier nur zwei Akteursgruppen und ihre Reformideen knapp vorgestellt: Einerseits ließ die neue SED/PDS-Regierung unter Hans Modrow ab November unter Federführung der Ökonomin und Wirtschaftsministerin Christa Luft das Konzept einer „Wirtschaftsreform“ ausarbeiten, das einen graduellen, langfristigen Übergang zu einer „sozialistischen Marktwirtschaft“ vorsah.

Dieser „reformsozialistische“ Ansatz griff dabei auf in den 1960er Jahren erprobte und rasch wieder abgebrochene Reforminstrumente zurück und sollte etwa größere Handlungs- und Entscheidungsspielräume für die Betriebsleitungen, ausgedehnte Leistungs- und Innovationsanreize im Betriebsalltag sowie eine verstärkte Öffnung hin zur Kooperation mit westlichen Wirtschaftsakteuren („Joint Ventures“) beinhalten. Andererseits sollten jedoch zentrale Grundpfeiler der Planwirtschaft wie das Staatseigentum oder der prinzipielle Primat der Politik gegenüber der Ökonomie nicht angetastet werden.

Von diesen ersten Planungen, die Anfang Februar 1990 abgeschlossen waren, unterschieden sich die sehr verstreuten, vereinzelten und improvisierten Entwürfe für eine künftige Wirtschaftsreform, die in oppositionellen Gruppen diskutiert wurden. Gerade hier schien allerdings das Thema Wirtschaft kein zentrales zu sein – wie sich auch in den Diskussionen am Zentralen Runden Tisch zeigte. Ein folgenreicher Entwurf wurde dort erst Mitte Februar von Wolfgang Ullmann vorgelegt, der jedoch bereits grundlegend defensiv gedacht war: Ullmann, der sich auf das Papier einer Arbeitsgruppe um Gerd Gebhardt und Matthias Artzt bezog, schlug die Gründung einer neuartigen Treuhand-Stelle vor, die das möglicherweise bald „herrenlose Volksvermögen“ einerseits vor fremden Zugriffen (östlicher „Seilschaften“ beziehungsweise westlicher „Kapitalisten“) „bewahren“ sollte.

Wolfgang Ullmann 1990 (2.v.l.) als anfänglicher Ideengeber einer neuen Treuhand-Stelle, die das möglicherweise bald „herrenlose Volksvermögen“ einerseits vor fremden Zugriffen (östlicher „Seilschaften“ beziehungsweise westlicher „Kapitalisten“) „bewahren“ sollte. Hier Ullmann bei einer Pressekonferenz am 13.2.1990 in Bonn, am Tisch im Hintergrund der westdeutsche Bundeskanzler Helmut Kohl neben dem letzten DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow (4.v.l.). (© picture-alliance, ZB / Peter Zimmermann)

Andererseits sollte – und hier lag die Pointe des Vorschlages – dieses Vermögen umfassend in Form von an die ostdeutsche Bevölkerung kurzfristig ausgegebenen Anteilsscheinen „demokratisiert“ und zugleich auch dezentralisiert werden. „Bewahrung“ und „Demokratisierung“ bildeten damit die beiden Seiten einer Medaille einer anders gedachten Marktwirtschaft, die geradezu volkskapitalistischen oder gar liberalen Vorstellungen entsprach. Über beide Entwürfe – sowohl den reformsozialistischen Plan eines mehrjährigen Übergangs zu einer „sozialistischen Marktwirtschaft“ als auch das kurzfristig vorgetragene Vorhaben einer gesellschaftlichen „Demokratisierung“ durch ausgegebene Anteilsscheine – sollten die weiteren politischen Entwicklungen sehr rasch hinwegfegen.

Dennoch verständigten sich die scheidende PDS-Regierung sowie Oppositionskräfte um Ullmann noch Ende Februar beziehungsweise Anfang März auf eine Art wirtschaftspolitische Minimallösung – der kurzfristigen Gründung einer neuartigen Treuhand-Einrichtung auf dem Verordnungsweg, an die das „Volksvermögen“ mit sofortiger Wirkung übertragen wurde. Als eine Art neuartiges „Staatsnotariat“ explizit ohne „wirtschaftsleitende Funktionen“ sollte diese neue Organisation dann die knapp 8500 Betriebseinheiten zügig in westliche Eigentumsrechtsformen (AGs, GmbHs) umwandeln, um ihnen damit den Eintritt in die Zukunft zu ermöglichen.

5. Reformvorschläge West: ökonomischer Gradualismus versus politischer Marktoptimismus

Die beschriebenen Diskussionen um ökonomische Reformen gingen noch fest von einer mittel- beziehungsweise langfristigen staatlichen Eigenständigkeit der DDR aus, ja sollten deren Erhaltung im Grunde überhaupt erst ermöglichen. Zur gleichen Zeit setzten aber auch in Westdeutschland umfassende Diskussionen über die Zukunft der ostdeutschen Wirtschaft ein. Einen ersten Höhepunkt bildete dabei ein im Januar 1990 der breiten Öffentlichkeit vorgestelltes, im Umfang bereits relativ umfangreiches Sondergutachten der „Wirtschaftsweisen“, also des bei der Bundesregierung angesiedelten Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Dieses Konzept sprach sich deutlich gegen die zu dieser Zeit im Osten auf allen Ebenen betriebenen Suche nach möglichen „Dritten Wegen“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus aus. Vielmehr empfahlen die westdeutschen Spitzen-Ökonomen einen mittel- bis langfristigen Übergang der ostdeutschen Wirtschaft hin zum in der Bundesrepublik bewährten Modell der „Sozialen Marktwirtschaft“ – und insbesondere der ihr zugrunde liegenden freien Wettbewerbs- und privaten Eigentumsordnung. Am Ende des anbrechenden Jahrzehnts könnte dann möglicherweise, hier blieben die Experten freilich noch sehr vage, ein Zusammenschluss der beiden Volkswirtschaften stehen.

Zur gleichen Zeit waren auch die Beamten der Bonner Bundesregierung in einen intensiven Strategiefindungsprozess eingestiegen. Insbesondere die bundesdeutsche Exekutive war von den Umbrüchen des Herbstes 1989 weitgehend überrascht worden; noch in den 1950er- und 1960er Jahren mit großem Aufwand entwickelte Konzepte zu einer wirtschaftlichen „Rückführung“ der „Zone“ schienen lange nicht mehr aktuell und waren weitgehend in Vergessenheit geraten. Entsprechend vage blieben die Vorschläge der Bundesregierung auf wirtschaftlichem Gebiet in den ersten Wochen nach dem Mauerfall. Eine dramatische Wende wurde schließlich ab Ende Januar eingeleitet.

Auf einer Konferenz des Bundesfinanzministeriums wurde – unter maßgeblicher Beteiligung von führenden Beamten wie Horst Köhler und Thilo Sarrazin – ein vergleichsweise spektakulärer Vorschlag ausgearbeitet: Man wollte der DDR und insbesondere der ostdeutschen Bevölkerung eine sofortige Währungsunion anbieten, die allerdings mit einer vollständigen Übernahme der westdeutschen Wirtschaftsordnung verbunden sein sollte. Dieses „Junktim“ sollte den Ostdeutschen mit der zügigen Einführung der D-Mark vor allem ein starkes „Signal zum Bleiben“ – verbunden mit der Hoffnung auf das schnelle Erreichen westdeutschen Wohlstands – aussenden und damit den als zunehmend drängendes Problem empfundenen Abwanderungsstrom bei geöffneten Grenzen eindämmen.

Im Hintergrund zirkulierten zu diesem Zeitpunkt knappe Strategiepapiere von Ludwig Erhard aus den 1950er Jahren, in denen er für den „Fall X“ einen sofortigen Währungszusammenschluss bei gleichzeitiger Zurückhaltung staatlicher Planung empfahl; freie Unternehmer und neue Marktdynamiken sollten stattdessen den erfolgreichen Übergang vom Plan zum Markt organisieren. In dieser Lesart schien ein zweites deutsches „Wirtschaftswunder“ durchaus im Bereich des Möglichen.

Wenige Tage später, Anfang Februar, unterbreitete die Bundesregierung dann einer verblüfften Öffentlichkeit in Ost und West das spektakuläre „Angebot“, die D-Mark schnellstmöglich in der DDR einzuführen und damit die beiden Volkswirtschaften miteinander zu verschmelzen. Diese politische Offerte stellte einen eklatanten Bruch mit der ökonomischen Lehrmeinung dar, die auch die westdeutschen Wirtschaftsweisen vertreten hatten: Statt eines langfristigen, graduellen Übergangs als gesteuerte Abfolge von sukzessiven Reform-, Anpassungs- und Kontrollmaßnahmen, an dessen Ende erst – als „Krönung“ – ein monetärer Zusammenschluss von Ost und West stehen sollte, brachte die Bundesregierung damit eine sofortige „Schocktherapie“ in die Diskussion und natürlich zugleich auch in den gerade beginnenden Volkskammerwahlkampf ein.

Ökonomen wie Bundesbankvize Karl Otto Pöhl sowie linke Oppositionspolitiker wie SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine kritisierten dieses Angebot scharf und warnten vor den dramatischen wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Folgen; dennoch sollten sich gerade diese politischen Dynamiken am Ende gegen jegliche ökonomische Argumentationen durchsetzen.

6. Politische Zäsuren als ökonomische Impulse: Maueröffnung und Volkskammerwahl

Damit ist das zentrale Spannungsfeld zwischen ökonomischen Konzeptionen und politischen Dynamiken angesprochen, welches gerade diesen Bereich grundsätzlich prägen sollte. An dieser Stelle sollte nochmals herausgestrichen werden, dass die revolutionären Entwicklungen in der Tendenz zu einer radikalen Verknappung von Zeit-, Erwartungs- und Möglichkeitshorizonten führten. Zunächst noch auf Jahre angelegte Übergangsplanungen (Wirtschaftsreformer Ost, Wirtschaftsweise West) verkürzten sich dann binnen weniger Wochen zu situativ-disruptiven Angeboten in Form von weitgehend ungeplanten wie ungesteuerten Sofort- und Gegenmaßnahmen (Gründung der „Ur-Treuhand“, „Schocktherapie“).

Damit ergab sich das Szenario, dass die ohnehin an vielen strukturellen Defiziten leidende zentral gelenkte Planwirtschaft und ihre Betriebe in einem dramatisch gewandelten wie verunsicherten Umfeld agieren mussten. Der Verfall staatlicher Autorität insbesondere auch bei der sich auflösenden Planwirtschaftsbürokratie eröffnete zwar auf der einen Seite neue betriebliche Handlungs- und Gestaltungsspielräume; andererseits zeigte sich schon im Frühjahr 1990 eine zunehmende, bald geradezu paralysierend wirkende Verunsicherung von Betriebsleitungen und Belegschaften. Die betriebliche Zukunft schien vielfach ungewisser denn je.

Dieses Grundspannungsfeld zwischen Politik und Ökonomie lässt sich vor allem an den zentralen politischen Zäsuren der Umbrüche nach 1989/90 festmachen, die ihrerseits jeweils massive Konsequenzen für die wirtschaftliche Sphäre mit sich brachten: Es war insbesondere die Maueröffnung im November, die die ohnehin prekären, aber bis dahin weitgehend abgeschlossenen Wirtschafts- und Warenkreisläufe der DDR-Wirtschaft in erhebliche Unordnung brachten. Während immer mehr junge Fach- und Arbeitskräfte die DDR nun über Nacht problemlos verlassen konnten, strömten umgekehrt unkontrolliert große Warenmengen aus der Bundesrepublik in die DDR; auch westdeutsche Wirtschaftsberater und Investoren wurden bereits nach dem Jahreswechsel zu zunehmend einflussreichen Akteuren.

Als zweite zentrale Zäsur erscheint dann das spektakulär deutliche Resultat der Volkskammerwahl im März 1990: Die konservativ-liberalen Befürworter einer schnellen Einigung in der CDU-geführten „Allianz für Deutschland“ fühlten sich nicht zuletzt auch durch das umfassende Angebot der Bundesregierung zu einer schnellen Währungs- und Wirtschaftsunion im Wahlkampf erheblich beflügelt. Der in dieser Eindeutigkeit nicht erwartete Triumph der „Allianz“ bei höchster Wahlbeteiligung erwies sich nicht nur als (einigungs-)politisches, sondern gerade auch als ökonomisches Plebiszit: Eine langfristig eigenständige DDR schien der absoluten Mehrheit der ostdeutschen Bevölkerung ebenso wenig erhaltenswert wie jede weitere Suche nach möglichen „Dritten Wegen“ zwischen Plan und Markt, die bei SPD, Oppositionsvertretern sowie natürlich der PDS hoch im Kurs gestanden hatte. Die ostdeutschen Wähler schienen sich im Frühjahr 1990 eindeutig für die D-Mark und das hiermit verknüpfte westdeutsche Wachstums- und Wohlstandsversprechen entschieden zu haben.

7. „Schocktherapie“: Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (WWSU) vom 1. Juli 990 als fundamentale ökonomische Schwelle

Nach der Maueröffnung war es also die Volkskammerwahl, die nun im Feld der Wirtschaft eine neue, radikale Perspektive eröffnete und damit andere diskutierte Alternativvarianten praktisch wie endgültig ausschloss. Dementsprechend zügig wurden im April 1990 zwischen Bonn und Ost-Berlin forcierte Verhandlungen aufgenommen, die schließlich die dritte zentrale (wirtschafts-)politische Zäsur vorbereiten sollten: den wirtschaftlichen Zusammenschluss von DDR und Bundesrepublik.

Bürgerinnen und Bürger vor der Genossenschaftskasse in Gera am Tag der Währungsunion am 1. Juli 1990 (© Bundesarchiv, Bild 183-1990-0706-400, Foto: Jan Peter Kasper)

Mit der bis Mai 1990 ausgehandelten Wirtschafts- und Währungsunion, die auf Drängen der ostdeutschen Regierungsdelegation noch um eine die antizipierten gesellschaftlichen Spannungen abfedernde Sozialunion ergänzt wurde (daher die Abkürzung WWSU), schien binnen kürzester Zeit der Weg frei für eine rasche wie vollständige Übernahme der bundesdeutschen Wirtschafts- und Rechtsordnung, insbesondere auch eines exklusiven Primats des Privateigentums gegenüber anderen Eigentumsformen.

Diese Richtungsentscheidung würde sich, dies schien auch den in Ost und West aktiv beteiligten Politikern und Beamten durchaus bewusst, als innenpolitisch irreversibler Schritt erweisen, der eine deutsche Einigung gerade auch mit Blick auf eine als labil beziehungsweise volatil wahrgenommene außenpolitische Situation (insbesondere was die UdSSR betraf) innenpolitisch weiter absichern würde.

Aus diesem Blickwinkel erschien die Wirtschafts- und Währungsunion im Grunde als eigentliches Einigungsdatum. Sie würde sich als fundamentale Schwelle erweisen, bei der innen- und außen- sowie wirtschafts- und gesellschaftspolitische Motive miteinander aufs Engste verknüpft und aufeinander bezogen waren; demgegenüber erschienen der spätere Einigungsvertrag im August beziehungsweise die rechtlich vollzogene Auflösung der DDR sowie der Beitritt der gerade neugegründeten fünf neuen Bundesländer zum Geltungsbereich des Grundgesetzes nach Artikel 23 im Oktober als eher bürokratische Verwaltungs- beziehungsweise Vollzugsschritte.

Mit der WWSU war der politökonomische Rahmen zwar einerseits abschließend vorgezeichnet; andererseits stellte sich im Verlauf des Frühjahrs mehr und mehr auch bei den deutsch-deutschen Verhandlungspartnern die Frage, wie denn der konkrete Übergang beziehungsweise die eigentumsrechtliche Umgestaltung der über 8000 noch von der Treuhand-Stelle verwalteten Staatsbetriebe konkret zu organisieren sei. Diese Problematik wurde zwar bereits im Kontext der Verhandlungen zum ersten Staatsvertrag erörtert, aber dort noch nicht explizit aufgegriffen.

Erst nach dessen Unterzeichnung suchte man nun kurzfristig eine pragmatische Lösung. Im Dreieck Bonn, Ost-Berlin und Frankfurt a. M. kristallisierte sich ein neuartiges Modell heraus: Es sollte eben kein eigenes Bundesministerium, eine mögliche Föderalisierung des Wirtschaftsumbaus in Landeskompetenz oder aber eine kollektive Vermögensverteilung an die Bevölkerung oder die Belegschaften über Holding-Gesellschaften geben. Im Kern verlegte man sich in den beiden deutschen Hauptstädten auf die kurzfristig realisierbare Variante, die bereits seit März bestehende und mit knapp 100 einstigen Planwirtschaftskadern besetzte „Treuhand-Stelle“ fortzuführen, diese aber in Aufgabe, Struktur und Personal gravierend zu verändern.

8. Treuhand als Idee: ein improvisiert-staatsfernes Sondermodell

Vor allem das neue Aufgabenspektrum der Treuhandanstalt stand im Mai und Juni im Mittelpunkt der politisch-parlamentarischen Auseinandersetzungen, die durch ihre Kurzfristigkeit, Intensität und Emotionalität bestimmt waren. Festzuhalten bleibt jedoch, dass das politische Themenfeld Wirtschaftsumbau/Treuhand nur eines von zahlreichen und sehr vielfältigen Politikfeldern darstellte, die die postrevolutionäre Polit-Landschaft und die verschiedenen Öffentlichkeiten im Sommer 1990 in Beschlag nahmen.

Die beabsichtigte Neuorientierung wurde durch ein von einer (unter anderem mit westdeutschen Beratern besetzten) Arbeitsgruppe entworfenes Treuhand-Gesetz vollzogen, das zunächst sehr kritisch in der Volkskammer aufgenommen und diskutiert wurde. Nach einigen Anpassungen passierte dieses „Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des Volkseigenen Vermögens“ am symbolpolitisch hochaufgeladenen 17. Juni 1990 schließlich das ostdeutsche Parlament.

Grundsätzlich schrieb dieses neue Treuhand-Gesetz nun nicht mehr – wie noch die ursprüngliche Verordnung im März – die Bewahrung, sondern eine möglichst rasche Restrukturierung der DDR-Staatsbetriebe insbesondere im Modus von Privatisierungen vor. Man schätzte den Zustand der DDR-Wirtschaft unmittelbar vor der Wirtschafts- und Währungsunion regierungsseitig etwa dreiteilig ein: Ein Drittel der Unternehmen galt als sofort privatisierbar und wettbewerbsfähig; die hierbei zu diesem Zeitpunkt noch erwarteten Milliardenerlöse in drei- oder gar vierstelliger Höhe sollten sodann in die Sanierung eines weiteren Drittels angeschlagener, aber prinzipiell sanierungsfähiger Unternehmen investiert werden. Jedoch ging man bereits davon aus, dass ein letztes Drittel der Betriebe letztlich eben nicht mehr zu retten sei.

Die hierfür nun zuständige Treuhandanstalt sollte als „Anstalt öffentlichen Rechts“ zunächst der Aufsicht des DDR-Ministerpräsidenten, später dann des Bundesfinanzministeriums unterstellt sein. Formal war sie damit eine Bundesbehörde; praktisch sollte sie aber insbesondere durch ihr künftiges Führungspersonal jedoch eher wie ein unabhängiges Unternehmen agieren.

Die Entscheidung, die Treuhand-Spitzenpositionen künftig maßgeblich durch erfahrene westdeutsche Unternehmer und Manager zu besetzen, die diese dann in großer Eigenständigkeit beim Wirtschaftsumbau um- und ausbauen sollten, erwies sich letztlich als der eigentliche Clou dieses deutsch-deutschen „Sondermodells“: nicht Beamte, Politiker oder Fachökonomen sollten die (Privatisierungs-)Praxis auf dem Weg vom Plan zum Markt in der Praxis lenken und gestalten, sondern eben erfahrene westdeutsche Wirtschaftsexperten, denen man sogleich möglichst große Staatsferne und unternehmerische Eigenständigkeit in Aussicht stellen würde.

9. Die Treuhand als Praxis(-Schock): rascher Um- und Ausbau unter Detlev Rohwedder

Der 1. Juli 1990 erwies sich wirtschaftshistorisch als fundamentaler Einschnitt für die ostdeutsche Betriebslandschaft. Die gravierenden Folgen der – auf Wunsch vieler Ostdeutscher – weitgehend paritätisch gestalteten Währungsumstellung offenbarten sich sehr rasch in den folgenden Sommerwochen; die US-amerikanischen Ökonomen Janet Yellen und George Akerlof hatten diesen „Aufwertungsschock“ kurze Zeit später effektiv auf knapp 200 bis 300 Prozent geschätzt.

Es waren nun insbesondere die im Laufe des Juli neu bei der Treuhand eintreffenden ersten westdeutschen Führungskräfte wie der vormalige Bundesbahn-Chef Rainer Maria Gohlke sowie der Hoesch-Vorstandsvorsitzende Detlev Karsten Rohwedder, denen das ganze Ausmaß der sich nun einstellenden Umstellungskrise in den Betrieben plötzlich vor Augen stand: Allein in den Monaten Juli und August meldeten die Treuhand-Unternehmen einen enormen Liquiditätsbedarf von jeweils knapp 20 Milliarden D-Mark an, um lediglich die laufenden Geschäfte fortzuführen (vor allem auch: die Löhne weiterzuzahlen).

Für die neuen Führungskräfte markierte diese Entwicklung den Beginn eines veritablen Praxisschocks, der nicht zuletzt auch den ersten Präsidenten Gohlke rasch zur Aufgabe zwingen sollte: Fehlende Informationen, mangelhafte Kommunikation sowie unzureichendes Personal ließen die Situation im Osten regelrecht unlösbar erscheinen.

Es war dann insbesondere Rohwedder, Gohlkes kurzfristiger Nachfolger im Präsidentenamt, der ab September auf eine massive Expansion der bislang noch kaum veränderten DDR-Organisation drängte. Unter ihm fand die Treuhand mithilfe westlicher Berater nicht nur rasch eine neue, unternehmerisch ausgerichtete Organisationsstruktur, auch das kulturelle Selbstverständnis transformierte sich durch die umfassende Rekrutierung westdeutscher Spitzenkräfte grundlegend.

Die Personalgewinnung nahm jedoch erst an Fahrt auf, nachdem Rohwedder bei Bundeskanzler Kohl im Oktober massiv intervenierte und diesen zu einem Appell an den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nötigte. Diese „Leihmanager“-Aktion brachte im Spätherbst dann kurzfristig eine erhebliche Zahl an neuen Führungskräften in die Treuhand, die vor allem von den führenden westdeutschen Industrie-Unternehmen entsandt wurden. Mit dem raschen Personalzuwachs – so zählte die Treuhand um den Jahreswechsel 1990/91 bereits knapp 1.000, drei Monate später sogar über 2.000 Mitarbeiter*innen – nahm nun auch das Privatisierungstempo deutlich an Fahrt auf.

Im Frühjahr 1991 verkündete der inzwischen mehrheitlich mit westdeutschen Industrie-Managern besetzte Treuhand-Vorstand um Rohwedder zahlreiche Stilllegungs- und Entlassungsbeschlüsse, die nun unmittelbar zu massiven Protesten und Demonstrationen in ganz Ostdeutschland führten und im März einen ersten Höhepunkt mit zahlreichen Massenkundgebungen erreichten, die vor allem von der PDS und den Gewerkschaften organisiert wurden. Insbesondere der noch kurz zuvor als Hoffnungsträger oder gar „Wirtschaftswunderdoktor“ begrüßte Rohwedder wurde zu einem regelrechten Feindbild.

Warnschild für Mitarbeiter der Treuhand 1992. In der Erinnerungskultur ist die Treuhand bis zur Gegenwart zu einer regelrechten "Bad Bank" geworden, mit der viele ältere Ostdeutsche bis heute die Schattenseiten und Enttäuschungen der Zeit nach 1990 verbinden. (© picture-alliance/dpa, Heinz Hirndorf)

In dieser angespannten Situation bestätigte der Präsident den zunehmend verunsicherten Mitarbeiter*innen den Kurs der Organisation, indem er auf ein höheres Tempo drängte: Privatisierung sei, wie er in einem Rundschreiben formulierte, immer „die wirksamste Form der Sanierung“, weshalb ein langfristiger Verbleib von Unternehmen im Treuhand-Bestand kaum wünschenswert erschien; die Treuhand selbst könne eine langfristige Sanierung in Eigenregie gar nicht leisten. Wenige Tage nach dieser prägnanten Formulierung wurde der Treuhand-Präsident am 1. April 1991 in seinem Düsseldorfer Wohnhaus ermordet; die Rote Armee Fraktion (RAF) hinterließ am Tatort ein Bekennerschreiben.

10. Die Treuhand als Ausnahmezustand: „Privatisierungswettstreit“ unter Birgit Breuel

Detlev Rohwedder, Vorstandsvorsitzender der Treuhandanstalt, und Birgit Breuel, Vorstandsmitglied der Treuhandanstalt 1991. (© picture-alliance)

Rohwedders Tod markierte einen tiefen Einschnitt für die Treuhand, aber auch für das soeben vereinte Land insgesamt. Die euphorischen Erwartungen der Jahre 1989/90 waren nicht einmal binnen Jahresfrist in ernüchternde Enttäuschungen umgeschlagen – vor allem in der ostdeutschen Umbruchsgesellschaft, die sich nun mit umfassenden Entlassungswellen, hart umkämpften Betriebsschließungen, anschwellender Massenarbeitslosigkeit sowie anhaltenden Abwanderungsbewegungen konfrontiert sah.

Die Treuhand avancierte, wie Wolfgang Seibel bereits zeitgenössisch treffend urteilte, zu einem regelrechten „Blitzableiter“ für das politische System, in dem die christliberale Bundesregierung im fernen Bonn bewusst einigen Abstand zur Treuhand in Berlin wahrte – man beließ dieser in der konkreten Alltagspraxis des Wirtschaftsumbaus zwar gerade 1991/92 weite Gestaltungs-, Handlungs- und Entscheidungsspielräume, aber entledigte sich zugleich auch einer unmittelbaren Verantwortungszuschreibung für die nun massiv aufbrechenden Krisen und Konflikte in der Transformationsgesellschaft, die sich in Tausenden Streiks und Protestaktionen sowie intensiven industriepolitischen Debatten um den langfristigen Erhalt „Industrieller Kerne“ entluden.

Unter der neuen, ab Mitte April 1991 amtierenden Präsidentin Birgt Breuel, der ordnungspolitisch profilierten einstigen CDU-Finanz- und Wirtschaftsministerin von Niedersachsen, forcierte die Treuhand ihren Privatisierungskurs, auch und gerade weil sich die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe durch den fast vollständigen Zusammenbruch der osteuropäischen Märkte im Gefolge des Kollaps der UdSSR weiter verschärfte und auch die bereits 1990 eingebrochene Binnennachfrage nur sehr zögerlich wieder anzog.

Der Vorstand um Breuel versuchte, das Tempo von Privatisierungen und Schließungen weiter zu forcieren und rief einen regelrechten internen Wettstreit zwischen Direktoraten, Abteilungen und Niederlassungen aus, die sich so schnell wie möglich „selbst überflüssig“ machen sollten, wie die Präsidentin auf einer zentralen Mitgliederversammlung Ende 1991 in Berlin deutlich formulierte. Materielle Anreiz- und Bonussysteme für Führungskräfte, ein geringes Ausmaß an Kontrolle und „Bürokratie“ sowie forcierte Entscheidungsfindungsprozeduren führten tatsächlich zu einer erheblichen Steigerung des Privatisierungstempos insbesondere in den Jahren 1991 und 1992, als die Organisation im Durchschnitt nun zwischen 300 und 500 Privatisierungen pro Monat vermelden konnte.

Ende 1992 verkündete die Treuhand-Spitze schließlich mit merklichem Stolz ihre 10.000ste Privatisierung; über 80 Prozent des ursprünglichen Firmen-Bestandes waren damit in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren verwertet worden. Die Treuhand schien, so hoffte es der Vorstand, nach diesem harten Ritt doch auf einem guten Weg ins Ziel sowie letztlich auch in die Geschichtsbücher zu sein.

Doch statt allgemeiner Anerkennung prägten in den Folgejahren 1993 und 1994 spektakuläre Skandale (um ein enthülltes Korruptionsnetzwerk in der Niederlassung Halle), dramatische Proteste (der Hungerstreik von Bischofferode) sowie hitzige parlamentarische Debatten (des Treuhand-Untersuchungsausschusses des Bundestages) die weiteren politischen, medialen wie gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Treuhand.

Gerade der industrie- beziehungsweise strukturpolitische Streit um den Erhalt fortbestehender „Restfälle“ in Form zumeist strukturbestimmender regionaler Großbetriebe erwies sich aus Sicht der Treuhand-Führung von wachsenden politischen Einflussnahmen überlagert, während der Charakter einer eigenverantwortlich und unternehmerisch agierenden Privatisierungsagentur zunehmend verblasste. Insbesondere auch die Bundesregierung führte die Treuhand mehr und mehr an einer kurzen Leine; die Intensität der internen, externen sowie juristischen Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen nahm immens zu, was führende Treuhand-Privatisierungsexperten ab 1992 als unerträgliche „Bürokratisierung“ ihrer Arbeit empfanden.

Mit Blick auf das soziale wie kulturelle Innenleben der Organisation hatte sich im Laufe der Zeit eine Art kollektiv-korporative Abwehr-Identität entfaltet, die zwischen Avantgarde und Wagenburg schwankte. Viele Mitarbeiter in den Reihen der Treuhand empfanden sich angesichts der heftigen öffentlichen wie politischen Kritik immer mehr als ungeliebte „Sündenböcke“ für die Politik, die die grundsätzlichen Weichenstellungen im Jahr 1990 vorgenommen hatte. Diese Selbstwahrnehmung prägte die Treuhand letztlich auch von innen: Beim sozial wie kulturell heterogenen Personal besetzten ältere westdeutsche Wirtschaftsexperten die Spitzenfunktionen und jüngere westdeutsche Nachwuchsführungskräfte die mittleren Positionen, während mehrheitlich mittelalte bis jüngere ostdeutsche Mitarbeiter*innen aus den einstigen Ministerien und Behörden der Planwirtschaftsbürokratie das personelle Rückgrat der Organisation bildeten.

Die Motivlagen der verschiedenen Gruppen unterschieden sich dabei ähnlich wie die bei der Treuhand gesammelten Erfahrungen: Während die älteren West-Führungskräfte ursprünglich aus patriotischen sowie professionellen Motiven zur Treuhand gekommen waren, trieb die jüngeren Nachwuchskräfte vielmehr die Vorstellung eines gut bezahlten „Karrieresprungbretts Ost“ an; beide erlebten ihre Treuhand-Zeit dann meist als abenteuerlich-anspruchsvolles Engagement im „Wilden Osten“ – einem frontier-artigen, historisch einmaligen wie fast exotischen Erlebnisraum, in dem sich Chancen und Risiken einander die Waage hielten.

Der ostdeutschen Mehrheit des Personals stand hingegen vor allem die drohende Arbeitslosigkeit vor Augen, wobei das Treuhand-Engagement zu erheblichen Konflikten im Freundes- und Verwandtenkreis führen konnte. Markante Ost-West-, professionelle sowie generationelle Konfliktlinien ließen sich dabei auch innerhalb der Treuhand konstatieren. Insgesamt zeigt ein Blick auf das Personal, wie sehr diese Organisation und ihre Mitarbeiter zugleich Treibende wie Getriebene des von ihnen in der Praxis gestalteten Wirtschaftsumbaus gewesen sind – nicht zuletzt waren es die subjektiven Erfahrungen einer dramatischen Beschleunigung, die die diversen Gruppen und Ebenen teilten. Die Treuhand agierte, so ließe sich an diesem Punkt festhalten, vor allem in den Jahren 1991 und 1992 de facto als eine Art unternehmerische Wirtschaftsregierung des Ostens.

Nach dem Schock über Rohwedders Ermordung wurden mögliche Gegenspieler wie die Gewerkschaften oder die ostdeutschen Ministerpräsidenten zunehmend kooptiert und in entsprechende Konsultationsgremien einbezogen; andererseits forcierte der Vorstand um Birgit Breuel die Geschwindigkeit der Privatisierungen in dramatischer Weise.

Die Treuhand und ihr Personal erschienen mithin als ein auf Dauer geschalteter Ausnahmezustand im ostdeutschen Wirtschaftsumbau, der nun in kürzester Zeit den Übergang vom Plan auf den Markt praktisch in die Tat umsetzte. Im Dezember 1994 sollte dieses ökonomische Sonderregime schließlich an sein (scheinbares) Ende gelangen.

11. Bilanz & Erbschaften: materielle Folgen und erinnerungskulturelle Vermächtnisse

Als Birgit Breuel am 31. Dezember 1994 unter großem Medienandrang das präparierte Firmenschild am Detlev-Rohwedder-Haus in Berlin abmontierte, schien die „heiße“ Phase des Wirtschaftsumbaus endgültig abgeschlossen. Die Treuhand löste sich als zentrale Akteurin des Wirtschaftsübergangs endgültig auf.

Ein Großteil ihres Personals wechselte unterdessen nahtlos zur neu gegründeten Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS), die ab 1995 die restlichen Unternehmen betreute sowie die langfristige (und oft spannungsreiche) Kontrolle der abgeschlossenen Privatisierungsverträge übernahm. Die „Selbstauflösung“ kam daher durchaus einer „Scheinauflösung“ gleich, wie schon Wolfgang Seibel argumentierte. Dennoch war mit der Treuhandanstalt ein zentrales Referenzobjekt der Umbruchs- und Transformationszeit nach 1990 zunächst von der Hauptbühne verschwunden. Spätestens 1994 hatten umfassende Versuche eingesetzt, entsprechende Bilanzen des von der Treuhand verantworteten Wirtschaftsumbaus zu ziehen. Das betriebswirtschaftlich orientierte Entscheidungsmodell, in diskreten Verhandlungen aussichtsreiche Investoren für die eigenen Betriebe zu gewinnen, spiegelte sich auch in den materiellen Dimensionen. Da die Treuhand gerade keine Betriebe verkauft, sondern vielmehr „Investoren eingekauft“ habe, wie Birgit Breuel formulierte, blieben die Privatisierungserlöse mit knapp 70 Milliarden D-Mark weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.

Massive Aufwendungen für Altschulden, Umweltaltlasten, Sozialpläne sowie Personalmittel schlugen am Ende in einem Gesamtdefizit von rund 260 Milliarden D-Mark zu Buche. Dafür reklamierte die Treuhand für sich, über eine Million Arbeitsplätze gesichert und knapp 170 Milliarden D-Mark an Investitionszusagen durch die neuen Eigentümer erhalten zu haben. Insgesamt waren zwei Drittel der Unternehmen privatisiert oder re-privatisiert worden, ein Drittel wurde abgewickelt beziehungsweise stillgelegt. Bei den Industrie-Unternehmen stammten rund 80 Prozent der neuen Eigentümer aus den alten Bundesländern, ostdeutsche Bewerber stellten knapp fünf Prozent sowie ausländische Investoren rund 15 Prozent der Käufer.

Während das immense Treuhand-Defizit auf erhebliche Kritik vor allem in Westdeutschland sowie unter Ökonomen stieß, monierten linke Kritiker vor allem die Einseitigkeit und Intransparenz einer überhasteten Privatisierungspraxis vor allem zugunsten westdeutscher Unternehmen als Haupterwerber, die oft als vorschnelle Ausschaltung ostdeutscher Konkurrenten kritisiert wurde und wird. Auch langfristig wird der Einfluss der Treuhandanstalt und ihrer Privatisierungspraxis auf die ostdeutsche Volkswirtschaft kritisch diskutiert. Diese erscheint nach wie vor beispielsweise deutlich kleinteiliger und oft von westdeutschen Unternehmens-Zentralen abhängig; auch entsprechende Ost-West-Differenzen bei ökonomischen Spitzenpositionen sowie der Verteilung von Eigentum, Wohlstand und Vermögen sind häufig diskutierte Streitgegenstände.

Noch heute liegen umgewandelte DDR-Produktionsflächen brach und harren ihrer Zukunft. Hier im brandenburgischen Fürstenberg/Havel. (© bpb / Holger Kulick)

Neben den materiellen Bilanzierungen der betriebswirtschaftlich ausgerichteten Treuhand-Praxis werden schließlich die kulturellen Langzeitfolgen des Wirtschaftsumbaus sehr kontrovers diskutiert. Die sozialen wie kulturellen Folgewirkungen erscheinen letztlich mit dem umfassenden Verschwinden der realsozialistischen Betriebslandschaften und der hiermit aufs Engste verknüpften Lebens- und Arbeitswelten verbunden.

Die von der Treuhand in großem Tempo um- und zurückgebauten Großbetriebe erwiesen sich dabei als eigene soziale Gebilde, deren dramatischer Verlust in etlichen Städten und Regionen ganz besonders schwer wog. Die individuellen Erfahrungen, scheinbar von anonymen West-Managern radikal wie rücksichtslos „abgewickelt“ worden zu sein, befeuern eine erinnerungskulturelle Konstellation, in der die Treuhand in den Retrospektiven zahlreicher Ostdeutscher als negativer Gründungsmythos aufscheint. Die dramatischen und bisweilen traumatisierenden persönlichen Übergangs- und Umbruchsfolgen – allen voran Abwicklungen, Arbeitslosigkeit und Abwanderung – werden dabei nicht, wie von einigen Autoren wie Richard Schröder stets scharf kritisiert, der SED-Planwirtschaft zugeschrieben, sondern häufig ausschließlich und abstrakt auf die Aktivitäten der Treuhandanstalt bezogen. Diese avancierte auf diese Weise zu einem regelrechten erinnerungskulturellen Wiedergänger, der als Sinnbild für eine nachgerade als „kolonial“ gedeutete Konstellation zwischen Ost und West steht.

Diese spannungsreiche Konstellation der Anfangszeit wird nicht zuletzt auch zunehmend mit einer tendenziell geringer ausgeprägten Identifikation zahlreicher Ostdeutscher mit dem westlichen Demokratie- und Wirtschaftsmodell in Verbindung gebracht, die sich seit einigen Jahren in wachsenden Stimmenzahlen für rechtspopulistische Parteien in den vom Wirtschaftsumbau oft massiv betroffenen ländlichen Regionen Ostdeutschlands manifestiert.

12. Fazit: Wirtschaftsumbau und Treuhand – und (k)ein Ende in Sicht?

Die gegenwärtig wiederaufbrechenden und nur durch die Corona-Pandemie 2020/21 und den Ukrainekrieg unterbrochenen Diskussionen um Treuhand, Wirtschaftsumbau sowie deren langfristige Nach- und Folgewirkungen verweisen damit im Kern auf tieferliegende gesellschaftliche Krisen- und Konfliktkonstellationen, die durch die Umbrüche und Transformationen in den frühen 1990er Jahren freigelegt wurden.

Der fortgesetzte wie beständige Streit um den „Wert“ der DDR-Industrie sowie die Alternativlosigkeit, die Geschwindigkeiten oder die (Miss-)Erfolge des nach 1990 umgesetzten Wirtschaftsumbaus vom Plan zum Markt markiert dabei ein komplexes erinnerungskulturelles wie geschichtspolitisch stark aufgeladenes Diskussions- und Debattenfeld, in dem nicht zuletzt um post-nationale beziehungsweise post-sozialistische Identitäten auf individuellen wie kollektiven Ebenen gerungen wird. Die umfassenden Re-Politisierungen und Re-Polarisierungen in den politischen wie medienöffentlichen Arenen haben dabei einerseits dem Thema wieder erhebliche Aufmerksamkeit verschafft; andererseits stellt gerade diese Konstellation für wissenschaftliche sowie zeithistorische Aneignungen eine besondere Herausforderung dar. Und auch das Jahr 2020 hielt mit neuerlichen Diskussionen um eine „Corona-Treuhand“ für Lockdown-bedingt notleidende Unternehmen eine abermalige Weiterung in diesem Feld bereit.

In einer distanziert-differenzierenden zeithistorischen Perspektive ließen sich die Treuhand, ihr Personal sowie die Praxis insbesondere in ihren Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten besser ergründen. Vor allem über facettenreiche Alltagssituationen in einzelnen Betrieben, Regionen oder Branchen liegen noch kaum empirisch abgesicherte Analysen vor. Quellengestützte Studien, wie sie auch das IfZ-Projekt auf Grundlage der Akten des Bundesarchivs anstrebt, können dabei helfen, das Bild der Umbruchs- und Übergangszeiten nach 1990 jenseits erinnerungskultureller wie geschichtspolitischer Setzungen entscheidend zu differenzieren.

Als treibende und getriebene Organisation dieses Übergangs vom Plan zum Markt ist es eben gerade das umfassende Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren, das die kumulative Dynamik der sich ab 1989/90 entfalteten ökonomischen Umbruchsprozesse zu erklären und verstehen hilft. Das sich vor allem nach 1991 eröffnende Krisen- und Konfliktszenario erweist sich dann vielmehr als eine komplexe Kombination aus nach langjähriger Zentralsteuerung überkommenen planwirtschaftlichen Strukturen, schocktherapeutischen Disruptionen sowie forcierten Eruptionen durch eine in der Folge massiv beschleunigte Privatisierungspraxis. Zum Abschluss scheint schließlich eine Warnung angebracht:

Die intensive Beschäftigung mit dem ostdeutschen Wirtschaftsumbau nach 1990 droht, gerade auch in ihrer Fixierung auf das skandalträchtige wie spektakuläre Wirken der Treuhandanstalt, neue perspektivische Engführungen und Einseitigkeiten zu produzieren. Andere Bereiche der postsozialistischen Übergangs- und Umbruchsgesellschaft geraten damit möglicherweise tendenziell aus dem Blick – etwa die umfassenden Transformationen des Bildungs- und Hochschulwesens, der Verwaltung oder der Kultur- und Medienlandschaft.

Auch scheint ein exklusiver Fokus auf den ostdeutschen „Sonderfall“ in räumlicher Hinsicht weiterführende beziehungsweise transnationale Vergleichs- und Transfer-Perspektiven – etwa (aber nicht nur) nach Mittelosteuropa – zu verstellen; fürderhin bleiben auch die Geschichten des „alten“ Westens so möglicherweise unterbelichtet. Ferner drohen auch zeitlich übergeordnete Kontexte und Kontinuitäten aus den 1980er Jahren als Vor- beziehungsweise den späten 1990er Jahren als Folgegeschichten vom zeithistorischen Radar zu verschwinden.

Zitierweise: Marcus Böick, "Zwöf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt - Die Rolle(n) und Folgen des Wirkens der Treuhand nach dem Ende der DDR“, in: Deutschland Archiv, 22.09.2022, Link: www.bpb.de/513279. Der Text ist dem Schriftenreiheband SR 10676 (Ost)Deutschlands Weg entnommen.

Ergänzend:



Externer Link: Themenschwerpunkt Treuhand im Deuschlandarchiv der bpb 2020/21.

Jarina Kühn, Anna Schwarz, Anna Steinkamp, Externer Link: "Eigentlich musst Du jetzt dabei sein. Motivationsarten für Unternehmensgründungen in der postsozialistischen Transformation in Ostdeutschland"; Deutschlandarchiv, 21.9.2022

Christoph Links, Externer Link: Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte, Deutschlandarchiv vom 21.9.2022

Und über die (Plan)Wirtschaft in der DDR vor 1990: Daniel Meis, "Externer Link: Alles nach Plan? Die Planwirtschaft der DDR – Konzept, Umsetzung und Scheitern", Deutschlandarchiv 23.9.2022

Fussnoten

Fußnoten

  1. Im Folgenden wurde zur besseren Lesbarkeit auf eine dichtere Belegstruktur, vor allem auch bei Quellen und im darstellenden Teil, verzichtet. Diese sind alle detailliert nachgewiesen in: Marcus Böick, Die Treuhand. Idee – Praxis – Erfahrung, Göttingen 2018.

  2. Vgl. hierzu Ilko-Sascha Kowalczuk, Die Übernahme. Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde, München 2019; Steffen Mau, Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft, Berlin 2019; Wolfgang Engler und Jana Hensel, Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein, Berlin 2018.

  3. Philipp Ther, Das andere Ende der Geschichte. Über die Große Transformation, Berlin 2019; Ivan Krastev und Stephen Holmes, The Light that Failed. A Reckoning, London 2019.

  4. Hans Günter Hockerts, Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 28 (2001), S. 15-30.

  5. Vgl. exemplarisch die Beiträge in: Raj Kollmorgen, Wolfgang Merkel, Hans-Jürgen Wagener (Hg.), Handbuch Transformationsforschung, Wiesbaden 2014.

  6. Hierzu Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland. Die Geschichte der Wiedervereinigung, München 2009, S. 300-314; Manfred Görtemaker, Die Berliner Republik. Wiedervereinigung und Neuorientierung, Bonn 2009, S. 87-95.

  7. Wolfgang Seibel, Verwaltete Illusionen. Die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt und ihre Nachfolger 1990-2000, Frankfurt a. M. 2005; Wolfram Fischer, Herbert Hax und Hans Karl Schneider (Hg.), Treuhandanstalt. Das Unmögliche wagen. Forschungsberichte, Berlin 1993.

  8. Petra Köpping, „Integriert doch erst mal uns!“ Eine Streitschrift für den Osten, Berlin 2018; jüngst auch Yana Milev, Das Treuhand-Trauma. Die Spätfolgen der Übernahme, Berlin 2020; Olaf Jacobs (Hg.), Die Treuhand – ein deutsches Drama, Leipzig 2020.

  9. Norbert Pötzl, Der Treuhand-Komplex. Legenden. Fakten. Emotionen, Hamburg 2019.

  10. Marcus Böick und Constantin Goschler, Wahrnehmung und Bewertung der Arbeit der Treuhandanstalt, Bochum 2017 (= Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie).

  11. Vgl. Die AfD entdeckt die Treuhand für den Wahlkampf, in: Der Tagesspiegel, 2.5.2019.

  12. Maria von Loewenich, 45 km ungeordnetes Schriftgut, und was nun? Die Bewertung der Überlieferung der Treuhandanstalt bzw. der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, in: Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. (Hg.), Massenakten – Massendaten. Rationalisierung und Automatisierung im Archiv. 87. Deutscher Archivtag 2017 in Wolfsburg, Fulda 2018, S. 67–74.

  13. Dierk Hoffmann, Im Laboratorium der Marktwirtschaft. Zur Geschichte der Treuhandanstalt 1989/90 bis 1994, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 66 (2018) 1, S. 167-185.

  14. André Steiner, Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR, Berlin 2007.

  15. Ilko-Sascha Kowalczuk, Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR, München 2009.

  16. Marc Kemmler, Die Entstehung der Treuhandanstalt. Von der Wahrung zur Privatisierung des DDR-Volkseigentums, Frankfurt a. M. 1994.

  17. Dazu und in den folgenden Abschnitten vgl. v.a. das zweite Kapitel in: Marcus Böick, Die Treuhand. Idee – Praxis – Erfahrung, Göttingen 2018, in dem sich auch die detaillierten Verweise und Belege finden.

  18. Dazu und in den folgenden Abschnitten vgl. v.a. das zweite Kapitel in: Marcus Böick, Die Treuhand. Idee – Praxis – Erfahrung, Göttingen 2018, in dem sich auch die detaillierten Verweise und Belege finden.

  19. Vgl. Dieter Grosser, Das Wagnis der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Politische Zwänge im Konflikt mit ökonomischen Regeln, Stuttgart 1998.

  20. Dazu Wolfgang Jäger, Die Überwindung der Teilung. Der innerdeutsche Prozess der Vereinigung 1989/90, Stuttgart 1998.

  21. Vgl. auch zur „Selbstauflösung“ und zur weiteren Treuhand-Nachgeschichte, Wolfgang Seibel, Verwaltete Illusionen. Die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt und ihre Nachfolger 1990-2000, Frankfurt a. M. 2005

  22. Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (Hg.), „Schnell privatisieren, entschlossen sanieren, behutsam stilllegen.“ Ein Rückblick auf 13 Jahre Arbeit der Treuhandanstalt und der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, Berlin 2003.

  23. Rudolf Hickel und Jan Priewe, Nach dem Fehlstart. Ökonomische Perspektiven der deutschen Einigung, Frankfurt a. M. 1994; Ulla Plener (Hg.), Die Treuhand – der Widerstand in Betrieben der DDR – die Gewerkschaften (1990-1994), Berlin 2011.

  24. Richard Schröder, Die wichtigsten Irrtümer über die deutsche Einheit, Freiburg 2007; Karl-Heinz Paqué, Die Bilanz. Eine wirtschaftliche Analyse der Deutschen Einheit, München 2009.

  25. Marcus Böick und Constantin Goschler, Wahrnehmung und Bewertung der Arbeit der Treuhandanstalt, Bochum 2017 (= Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie).

  26. Henrik Müller, Eine Corona-Treuhand-Anstalt gegen den Crash, Spiegel Online, https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/coronavirus-eine-corona-treuhand-anstalt-gegen-den-crash-kolumne-a-8d22edac-6598-40c9-9637-46253777d91b, letzter Zugriff am 22.9.2022.

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Marcus Böick ist derzeit (2022) John F. Kennedy Fellow am Minda de Gunzburg Center for European Studies an der Harvard University, Cambridge, MA., und bis September 2022 Gastprofessor beim BMBF-Forschungsverbund "Biographische Verarbeitungen und gesellschaftliche Repräsentationen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2021/22 war er Joint Visiting Postdoctoral Research Fellow am Institute of Advanced Studies des University-College London und am German Historical Institute London. Zuvor war er Akademischer Rat und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Deutsche und Europäische Geschichte im 20. Jh., Geschichte von Transformationen & Umbrüchen n. 1989, Wirtschafts- und Kulturgeschichte, Sicherheits- und Gewaltgeschichte und Theorien der Geschichtswissenschaften. Er hat mehrfach zum Thema Treuhand publiziert, unter anderem: Marcus Böick, Die Treuhand. Idee – Praxis – Erfahrung, Göttingen 2018.