Beleuchteter Reichstag

Jüdinnen in Deutschland nach 1945

Weibliches jüdisches Leben nach 1945 im geteilten und vereinten Deutschland – Interviews, Porträts und Beiträge

Um klischeehaften bis antisemitischen Darstellungen jüdischen Lebens und der ungenügenden Abbildung besonders jüdischer Frauen etwas entgegenzusetzen, hat sich die Redaktion des Deutschland Archivs vorgenommen, in den kommenden zwei Jahren jüdische Frauen in den Fokus zu setzen. Dazu wird eine Reihe mit Beiträgen, Interviews und Porträts veröffentlicht. Auch mit Blick auf das Jubiläum „1.700 Jahre jüdisch-deutsche Geschichte“ soll auch das Wirken jüdischer Frauen gewürdigt werden. Mit der Schwerpunktsetzung auf die Zeit nach 1945, nach dem Ende der NS-Herrschaft, soll die Zäsur durch den Holocaust und seine bis heute spürbaren Auswirkungen in Deutschland deutlich gemacht werden.

Interviews

Hetty Berg im Jüdischen Museum Berlin vor der „Hall of Fame“, in der an bedeutende jüdische Persönlichkeiten erinnert wird.

„Wir wollen als Ort der Begegnung und des Austauschs vielfältigen Perspektiven Raum geben“

Mehr als 30 Jahre lang war die Niederländerin Hetty Berg am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam in unterschiedlichen Funktionen tätig. Seit dem 1. April 2020 leitet die Kuratorin und Kulturhistorikerin das Jüdische Museum Berlin. Im Interview mit Sharon Adler spricht sie über jüdisch-deutsche Geschichte, Gegenwart und Zukunft, über kuratorische Pläne und Verantwortung, über Chancen, durch Wissensvermittlung Vorurteilen gegenüber Juden und Jüdinnen entgegenzuwirken, und die Herausforderungen, mit der Geschichte Berlins zu leben.

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Das Foto zeigt Jalda Rebling.

Jalda Rebling: Ich bin einfach gerne jüdisch

Die jüdische Kantorin und Schauspielerin Chasan Jalda Rebling, 1951 in Amsterdam geboren und in Ostberlin aufgewachsen, erzählt über ihr Erbe als Tochter des berühmten Künstlerinnenpaares Lin Jaldati und Eberhard Rebling und wichtige Begegnungen und Stationen – über die DDR-Zeit und die Vereinigung der deutschen Staaten bis ins Jetzt – auf ihrem Weg zu der Persönlichkeit, die sie heute ist: eine international anerkannte Spezialistin für jüdische Musik und Geschichte(n) vom frühen Mittelalter bis zur Moderne. Die Fragen stellte Judith Kessler.

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Das Foto zeigt die Künstlerin Ella Ponizovsky Bergelson bei der Anfertigung ihres Wandbildes in Berlin-Tempelhof.

Ella Ponizovsky Bergelson: Künstlerin und Schöpferin der hybriden Kalligrafie

Die in Moskau geborene und in Berlin lebende Künstlerin Ella Ponizovsky Bergelson nähert sich den Themen Migration und Integration durch Visualisierung von Sprache. Mit großflächigen, farbigen Wandbildern bringt sie auf Häuserfassaden jiddische Lyrik und Prosa als Kalligrafien in Jiddisch, Hebräisch, Arabisch, und Deutsch in den öffentlichen Raum. Über ihre Projekte „Present Figures/Gegenwartsfiguren“ und „Among Refugees/Unter Flüchtlingen – Generation Y“, darüber, was sie in Berlin inspiriert und über ihre familiären Wurzeln in Berlin spricht sie in diesem Interview mit Sharon Adler.

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Das Foto zeigt Rachel Shneiderman, die ihre Recherchen zu der Shoahüberlebenden Charlotte Hermann im Rahmen des AVIVA-Projekts "Writing Girls" vorstellt.

Erinnerungen der früheren Gemeindeschwester und Pflegedienstleiterin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Seit 1984 arbeitete Rachel Shneiderman als Gemeindeschwester bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und hat sich viele Jahre lang um Shoah-Überlebende gekümmert. Besonders das Schicksal einer Auschwitzüberlebenden, die sie in dieser Zeit betreute, hat sie bis heute nicht losgelassen: Charlotte Hermann. 1997 hat die Jüdische Gemeinde einen Ambulanten Pflegedienst eingerichtet, den Rachel Shneiderman bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2011 führte: als Pflegedienstleiterin, als Qualitätsbeauftragte und als Geschäftsführerin.

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Das Foto zeigt Marguerite Marcus in ihrer Praxis.

Marguerite Marcus: Kinderärztin, Familientherapeutin, Feministin, Netzwerkerin aus Leidenschaft

In ihrer Arbeit und in ihrem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement beschäftigt sich die 1959 geborene Berlinerin Marguerite Marcus vor allem mit den psychischen Spätfolgen der Shoah. Unter dem Aspekt „Transgenerationale Übertragung von Traumata“ nimmt sie die Vererbung von Traumata auf die Kinder von Holocaustüberlebenden, den Angehörigen der Zweiten, Dritten und inzwischen schon Vierten Generation in den Blick.

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Das Foto zeigt Rabbinerin Esther Jonas-Märtin in Leipzig im Jahr 2020.

Esther Jonas-Märtin – Rabbinerin und Publizistin aus Leipzig. Positionen und Perspektiven

Sie ist assoziiertes Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland und Vorstand des jüdischen Lehrhauses "Beth Etz Chaim". Sie forscht und publiziert zum Judentum, zur Situation der Jüdinnen und Juden in der DDR und zu "Jüdischen Frauen, Organisationen und Bewegungen in Deutschland nach 1945". Über die Herausforderungen im Kontext von Wissenschaft und Religion, den täglichen Spagat jüdischer Menschen zwischen Selbst- und Fremdbestimmung und auch zu ihrer Forderung nach einem Wandel in der Bildungspolitik und Erinnerungskultur erzählt Esther Jonas-Märtin in diesem Gespräch.

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Das Foto zeigt Shelly Kupferberg in Berlin im Herbst 2020.

Shelly Kupferberg: Zwischen Chanukkia und Lametta

Shelly Kupferberg ist 1974 in Tel Aviv geboren und in West-Berlin aufgewachsen. Im Interview erzählt sie von einer Kindheit und Jugend, die geprägt war vom linken Engagement ihrer in Israel geborenen Eltern, von Sommercamps mit der Jüdischen Gemeinde und ihren Erinnerungen an die Zeit als Einzige von zwei Jüdinnen während ihrer Schulzeit. Wie sie 1989 die Öffnung der innerdeutschen Grenzen erlebt hat und wie es später für sie war, von der Anti-Haltung der DDR gegenüber Israel zu erfahren.

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Das Foto zeigt Jessica Jacoby. Im Hintergrund sieht man die frühere Kameratasche ihres Vaters Klaus (Claude) Jacoby. Berlin 2020

Jessica Jacoby: Lebenslanges Engagement für die Sichtbarkeit von Jüdinnen

Die 1954 geborene Filmjournalistin, Dokumentarfilmautorin und Mitherausgeberin der 1994 erschienenen Anthologie "Nach der Shoa geboren. Jüdische Frauen in Deutschland", Jessica Jacoby, gründete 1984 in West-Berlin mit anderen Frauen den lesbisch-feministischen "Schabbeskreis", der sich für die Präsenz und Wahrnehmung jüdischer Frauen in der neuen Frauenbewegung und mit Antisemitismus in feministischen Zusammenhängen auseinandersetzte.

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Das Foto zeigt Lala Süsskind.

Die Unbestechliche, die Unermüdliche - Lala Süsskind

Lala Süsskind gilt als die Unbestechliche, als die quirlige kleine Frau mit großem Herz und ebenso großer Klappe. Sie mischt sich ein und macht öffentlich auf Missstände aufmerksam: Ob auf dem Bebelplatz zur Kundgebung gegen das geplante Verbot der Brit Mila (der Beschneidung von neugeborenen Söhnen am achten Tag nach der Geburt) im Jahr 2012, regelmäßig auf dem Ku'damm gegen den antiisraelischen Al Quds-Tag oder gegen Homophobie und Antisemitismus.

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Porträts

Das Foto zeigt das Buchcover von Ingeborg Rapoport, das 1997 herauskam, erscheint am 22. März 2021 als aktualisierte Neuauflage mit einem Vorwort von Daniel Rapoport.

Daniel Rapoport

Vorwort von Daniel Rapoport zu "Meine ersten drei Leben"

Einleitend zur Neuauflage der Autobiografie seiner Großmutter "Meine ersten drei Leben" beschreibt ihr Enkel in einfühlsamen Worten das liebevolle Wesen Ingeborg Rapoports. Er nennt sie eine außergewöhnliche Frau und das war sie auch. Sie musste mehrfach fliehen: als Jüdin aus Deutschland vor den Nazis in die USA und vor den Häschern McCarthys·schließlich aus den USA in die DDR. Hier lebte die renommierte Kinderärztin mit ihrem Mann Mitja Rapoport und vier Kindern. Das Buch schrieb sie im Jahr 1997, es wurde jetzt neu aufgelegt.

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Vertreter_innen des Komitees "Ärzte der DDR zur Verhütung eines Nuklearkrieges" besuchten das Bezirkskrankenhaus Cottbus. Sie führten Gespräche in verschiedenen Bereichen des Hauses. Das Foto zeigt Prof. Ingeborg Rapoport, die mit  Schwestern der Kinderklinik diskutierte. Anschließend fand ein Friedensmeeting im Krankenhaus statt, 30.10.1985.

Charlotte Misselwitz

„Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.“

Charlotte Misselwitz porträtiert die Wissenschaftlerin für Kinderheilkunde, Inge Rapoport, die 1952 als linke Jüdin gemeinsam mit ihrer Familie ganz bewusst in die DDR reimmigrierte. Die Autorin wuchs quasi mit der Familie Rapoport auf, deren Kinder waren mit ihren Eltern gut bekannt. Inge Rapoport nannte sie gern „meine adoptierte Tochter“, weil die beiden immer im Gespräch geblieben sind, auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren. Inge Rapoport verstarb 2017 im Alter von 104 Jahren in Berlin-Pankow.

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Beiträge

Das Foto vom 17.11.1952 zeigt zum Monat der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft 1952 die Literaturstunde im Haus der Freundschaft in Berlin-Pankow mit Hedda Zinner. Die bekannte Schriftstellerin Hedda Zinner liest aus ihrem Buch "Alltag eines nicht alltäglichen Landes" vor und berichtet aus dem Leben der Sowjetmenschen.

Sonia Combe

„Hier können die Faschisten nichts unternehmen“

Die französische Historikerin Sonia Combe hat in den 1980er-Jahren unter anderen sechs Jüdinnen in der DDR interviewt. Für die Reihe „Jüdinnen in Deutschland nach 1945“ hat sie sich die Interviews noch einmal angehört und daraus einen Beitrag verfasst. Es ging ihr darum herauszufinden, warum diese Frauen ins Land der Täter zurückgegangen sind.

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Das Foto zeigt einen israelischen und deutschen Reisepass in einem Kosmetiktäschchen. Viele Israelinnen, Israelis und Israeli*innen haben die deutsche und die israelische Staatsangehörigkeit.

Dani Kranz

Israelinnen und Israeli*nnen in Deutschland

Israelis in Deutschland werden immer wieder in den Medien thematisiert. Aber was ist mit den Israelinnen? Welche Rolle spielen Sex (biologisches Geschlecht) und Gender (soziales Geschlecht) in der Migration und welche Dynamiken lassen sich im Zeitverlauf erkennen? Basierend auf historischen, qualitativen und quantitativen Quellen stellt dieser Essay von Dani Kranz die Lebenswelten von Israelinnen und Israeli*nnen, die in Deutschland leben, vor.

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Das Foto zeigt den Vorstand und das Aktiv der WiGB bei der Erörterung des Programms des Berichtsseminars WiGB-2002.V. l. n. r.: Dr. Fenja Kropman, Dr. Bella Lurik, Vorsitzende der WiGB, Dipl. Ing., Alla Kochergina, Dipl.Ing. Genrietta Liakhovitskaia, Prof. Dr. Victor Mairanowski, Leiter des Seminars, Dipl. Ing. Ari Kropman.

Alina Gromova

Narrative jüdischer Frauen mit sowjetischer Erfahrung in Deutschland nach 1990

Der Artikel behandelt die Situation der Frauen in der russischsprachigen jüdischen Community nach 1990 in Deutschland. Die Autorin geht den Fragen nach den Entwürfen des Berufslebens, dem Engagement in den jüdischen Communities und der spezifisch weiblichen Erinnerungskultur nach. Hier werden Erzählungen, Erinnerungen und Positionen russischsprachiger Jüdinnen sichtbar und bieten einen neuen Blick auf die jüdische Geschichte und Gegenwart aus der Frauenperspektive.

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Das Foto zeigt, jüdische Displaced Persons, die 1946 aus Polen geflohen sind, in einem Lager im Amerikanischen Sektor in Berlin.

Angelika Königseder/Juliane Wetzel

Die Frauen in den Lagern für jüdische Displaced Persons

Angelika Königseder und Juliane Wetzel werfen einen gezielten Blick auf den Alltag und die Rolle jüdischer Frauen, für die nach 1945 in den Lagern für sogenannte Displaced Persons (DP) das Leben nach der Shoah begann. Etwa 40 Prozent der DPs waren Frauen, die das Leben in den Lagern mitgestalteten.

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Hier wird das Logo des Projekts "Jüdinnen in Deutschland nach 1945" abgebildet. Es zeigt eine stilisierte Menora (Kerzenleuchter) mit einem Davidstern in weiß auf blauem Grund und den Namen des Projekts.

Sharon Adler

Jüdinnen in Deutschland nach 1945. Erinnerungen, Brüche, Perspektiven

Als Auftakt zur DA-Reihe zum weiblichen jüdischen Leben in Deutschland nach 1945 stellt dieser Überblicksartikel von Sharon Adler exemplarisch wegweisende Protagonistinnen und deren Arbeits- und Forschungsfelder sowie Frauenorganisationen im 20. Jahrhundert vor. Der Rückblick schlägt den Bogen über die Nachkriegszeit und die Situation der Überlebenden zum gesellschaftspolitischen Engagement und den Forschungsfeldern jüdischer Frauen von heute.

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Deutschland Archiv

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