Meine Merkliste Geteilte Merkliste

Inge Deutschkron: „Das müssen alle wissen“

Deutschland Archiv Neu im DA Schwerpunkte Zeitenwende? Der Ukrainekrieg und die Folgen. 42 Analysen & Essays. Was riskieren wir? Ein Sommer der Unentschlossenheit Sieben Monate Krieg Die Waffen nieder? Ungleiche Fluchten? Schwerter allein sind zu wenig „Russland wird sich nach Putin ändern“ Die be(un)ruhigende Alltäglichkeit des Totalitären Vergessene Bomben aus Deutschland Putins Mimikry Schon einmal Vernichtungskrieg Verhandeln, aber wie? Das sterbende russländische Imperium und sein deutscher Helfer Was lief schief seit dem Ende des Kalten Krieges? „Sie haben die Zukunft zerbrochen“ Vertreibung ist auch eine Waffe "Wie ich Putin traf und er mich das Fürchten lehrte" "Wir bewundern sie und sie verschwinden" Mehr Willkommensklassen! Hoffen auf einen russischen „Nürnberger Prozess“ Russische Kriegskontinuitäten Wurzeln einer unabhängigen Ukraine Der erschütterte Fortschritts-Optimismus "Leider haben wir uns alle geirrt" Die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedens- und Sicherheitsarchitektur nicht aufgeben „Ihr Völker der Welt“ Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit China und die „Taiwanfrage“ Transformation und Deutsche Einheit Die sozialpsychologische Seite der Zukunft Zwölf Thesen zu Wirtschaftsumbau und Treuhandanstalt Die andere Geschichte der Umbruchjahre – alternative Ideen und Projekte 30 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen Wiedervereinigt auf dem Rücken von Migranten und Migrantinnen? Film ohne Auftrag - Perspektiven, die ausgegrenzt und unterschlagen wurden Geheimdienste, „Zürcher Modell“ und „Länderspiel“ 50 Jahre Grundlagenvertrag Drei Kanzler und die DDR Populismus in Ost und West Akzeptanz der repräsentativen Demokratie in Ostdeutschland Zusammen in Feindseligkeit? Neuauflage "(Ost)Deutschlands Weg" Ostdeutsche Frakturen Geschichtspolitik von oben? Anpassungsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft Daniela Dahn: TAMTAM und TABU Wege, die wir gingen „Der Ort, aus dem ich komme, heißt Dunkeldeutschland” Unternehmerischer Habitus von Ostdeutschen Teuer erkauftes Alltagswissen Trotz allem im Zeitplan Revolution ohne souveränen historischen Träger Mehr Frauenrechte und Parität Lange Geschichte der „Wende“ Eine Generation nach der ersten freien Volkskammerwahl Unter ostdeutschen Dächern Die de Maizières: Arbeit für die Einheit Schulzeit während der „Wende” Deutschland – Namibia Im Gespräch: Bahr und Ensikat Gorbatschows Friedliche Revolution "Der Schlüssel lag bei uns" "Vereinigungsbedingte Inventur" "Es gab kein Drehbuch" "Mensch sein, Mensch bleiben" Antrag auf Staatsferne Alt im Westen - Neu im Osten Die Deutsche Zweiheit „Ein echtes Arbeitsparlament“ Corona zeigt gesellschaftliche Schwächen Widersprüchliche Vereinigungsbilanz Schule der Demokratie Warten auf das Abschlusszeugnis Brief an meine Enkel Putins Dienstausweis im Stasi-Archiv Preis der Einheit Glücksstunde mit Makeln Emotional aufgeladenes Parlament Geht alle Macht vom Volke aus? Deutschland einig Vaterland 2:2 gegen den Bundestag "Nicht förderungswürdig" Demokratie offen halten Standpunkte bewahren - trotz Brüchen Die ostdeutsche Erfahrung Kaum Posten für den Osten Braune Wurzeln Wer beherrscht den Osten „Nicht mehr mitspielen zu dürfen, ist hart.“ Ein Ost-West-Dialog in Briefen Stadtumbau Ost Ostdeutschland bei der Regierungsbildung 2017 Die neue Zweiklassengesellschaft DDR-Eishockey im Wiedervereinigungsprozess Die SPD (West) und die deutsche Einheit Die Runden Tische 1989/90 in der DDR Die Wandlung der VdgB zum Bauernverband 1990 Transatlantische Medienperspektiven auf die Treuhandanstalt Transformation ostdeutscher Genossenschaftsbanken Demografische Entwicklung in Deutschland seit 1990 Parteien und Parteienwettbewerb in West- und Ostdeutschland Hertha BSC und der 1. FC Union vor und nach 1990 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Ostdeutsches Industriedesign im Transformationsprozess Wende und Vereinigung im deutschen Radsport Wende und Vereinigung im deutschen Radsport (II) Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Europäische Union als Voraussetzung für deutschen Gesamtstaat Welche Zukunft braucht Deutschlands Zukunftszentrum? Ein Plädoyer. Erinnern, Gedenken, Aufarbeiten Wenn Gedenkreden verklingen Zeitenwenden Geschichtsklitterungen „Hat Putin Kinder?“, fragt meine Tochter Wolf Biermann über Putin: Am ersten Tag des Dritten Weltkrieges Der Philosoph hinter Putin „Putin verwandelt alles in Scheiße“ Das Verhängnis des Imperiums in den Köpfen Ilse Spittmann-Rühle ist gestorben Was bedeutet die Liquidierung von Teilen Memorials? Rückfall Russlands in finsterste Zeiten Memorial - Diffamiert als "ausländische Agenten" Die Verteidigung des Erinnerns Russlands Attacken auf "Memorial" Der Fall Schalck-Golodkowski Ende des NSU vor zehn Jahren 7. Oktober 1989 als Schlüsseltag der Friedlichen Revolution Die Geschichte von "Kennzeichen D" Nachruf auf Reinhard Schult Leningrad: "Niemand ist vergessen" Verfolgung von Sinti und Roma Zuchthausaufarbeitung in der DDR - Cottbus Sowjetische Sonderhaftanstalten Tage der Ohnmacht "Emotionale Schockerlebnisse" Ein Neonazi aus der DDR Akten als Problem? Eine Behörde tritt ab Ostberlin und Chinas "Großer Sprung nach vorn" Matthias Domaschk - das abrupte Ende eines ungelebten Lebens Ein Wettbewerb für SchülerInnenzeitungen Totenschädel in Gotha Bürgerkomitees: Vom Aktionsbündnis zum Aufarbeitungsverein Westliche Leiharbeiter in der DDR Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (I) Hohenzollern und Demokratie nach 1918 (II) Auf dem Weg zu einem freien Belarus? Erstes deutsch-deutsches Gipfeltreffen im Visier des BND Neue Ostpolitik und der Moskauer Vertrag Grenze der Volksrepublik Bulgarien Die Logistik der Repression Schwarzenberg-Mythos Verschwundene Parteifinanzen China, die Berlin- und die Deutschlandfrage 8. Mai – ein deutscher Feiertag? China und die DDR in den 1980ern 1989 und sein Stellenwert in der europäischen Erinnerung Stasi-Ende Die ungewisse Republik Spuren und Lehren des Kalten Kriegs Einheitsrhetorik und Teilungspolitik Schweigen brechen - Straftaten aufklären Welche Zukunft hat die DDR-Geschichte? Die Deutschen und der 8. Mai 1945 Jehovas Zeugen und die DDR-Erinnerungspolitik Generation 1989 und deutsch-deutsche Vergangenheit Reformationsjubiläen während deutscher Teilung 25 Jahre Stasi-Unterlagen-Gesetz Kirchliche Vergangenheitspolitik in der Nachkriegszeit Zwischenbilanz Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung Der Umgang mit politischen Denkmälern der DDR Richard von Weizsäckers Rede zum Kriegsende 1985 Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg Nationale Mahn- und Gedenkstätten der DDR Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Die Entmilitarisierung des Kriegstotengedenkens in der SBZ Heldenkult, Opfermythos und Aussöhnung Durchhalteparolen und Falschinformationen aus Peking Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Grenzsicherung nach dem Mauerbau Einmal Beethoven-Haus und zurück Das Bild Walther Rathenaus in der DDR und der Bundesrepublik Alles nach Plan? 1989/90 - Friedliche Revolution und Deutsche Einheit „Die Stunde ist gekommen aufzustehen vom Schlaf“ Mythos Montagsdemonstration Ossi? Wessi? Geht's noch? Es gibt keine wirkliche Ostdebatte Die. Wir. Ossi. Wessi? Wie man zum Ossi wird - Nachwendekinder zwischen Klischee und Stillschweigen 2 plus 4: "Ihr könnt mitmachen, aber nichts ändern“ Blick zurück nach vorn Wem gehört die Revolution? Die erste und letzte freie DDR-Volkskammerwahl Mythos 1989 Joseph Beuys über die DDR Der 9. Oktober 1989 in Leipzig Egon Krenz über den 9. November Die deutsche Regierung beschleunigt zu stark Projekte für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin und Leipzig Deutsch-deutsche Begegnungen. Die Städtepartnerschaften am Tag der Deutschen Einheit Mit Abstand betrachtet - Erinnerungen, Fragen, Thesen. Die frohe Botschaft des Widerstands Mauerfall mit Migrationshintergrund "Wer kann das, alltäglich ein Held sein?" "Es geht um Selbstbefreiung und Selbstdemokratisierung" Kann man den Deutschen vertrauen? Ein Rückblick nach einem Vierteljahrhundert deutscher Einheit Von der (eigenen) Geschichte eingeholt? Berlin – geteilte Stadt & Mauerfall Berliner Polizei-Einheit Die Mauer. 1961 bis 2021 The Wall: 1961-2021 - Part One The Wall: 1961-2021 - Part Two "Es geht nicht einfach um die Frage, ob Fußball gespielt wird" Mauerbau und Alltag in Westberlin Der Teilung auf der Spur The Games at the Gate Der Mauerfall aus vielen Perspektiven Video der Maueröffnung am 9. November 1989 Die Mauer fiel nicht am 9. November Mauersturz statt Mauerfall Heimliche Mauerfotos von Ost-Berlin aus Ost-West-Kindheiten "Niemand hat die Absicht, die Menschenwürde anzutasten" Berlinförderung und Sozialer Wohnungsbau in der „Inselstadt“ Wie stellt der Klassenfeind die preußische Geschichte aus? Flughafen Tempelhof Die Bundeshilfe für West-Berlin Christliche Gemeinschaft im geteilten Berlin Amerikanische Militärpräsenz in West-Berlin Das Stadtjubiläum von 1987 in Ost- und West-Berlin Bericht zum Workshop "Das doppelte Stadtjubiläum" Das untergegangene West-Berlin Interview: „Der Zoo der Anderen“ Un-Rechts-Staat DDR Bedrohter Alltag Unrecht, Recht und Gerechtigkeit - eine Bilanz von Gerd Poppe Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau – eine "Totale Institution" Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz Kritik und Replik: Suizide bei den Grenztruppen und im Wehrdienst der DDR Suizide bei den Grenztruppen der DDR. Eine Replik auf Udo Grashoff Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Aufarbeitung und die Erinnerungskultur Die Freiheit ist mir lieber als mein Leben „Nicht nur Heldengeschichten beschreiben“ Wer war Opfer des DDR-Grenzregimes? Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine Recherche Todesopfer des DDR-Grenzregimes - Eine andere Sicht "Begriffliche Unklarheiten" Die Reichsbahn und der Strafvollzug in der DDR "Schicksale nicht Begriffe" Mauerbau und Machtelite Zwangseingewiesene Mädchen und Frauen in Venerologischen Einrichtungen Stasi-Razzia in der Umweltbibliothek Politisch inhaftierte Frauen in der DDR Ein widerständiges Leben: Heinz Brandt Über den Zaun und zurück – Flucht und Rückkehr von Dietmar Mann Die politische Justiz und die Anwälte in der Arä Honecker Geraubte Kindheit – Jugendhilfe in der DDR Haftarbeit im VEB Pentacon Dresden – eine Fallstudie Zwischen Kontrolle und Willkür – Der Strafvollzug in der DDR Suizide in Haftanstalten: Legenden und Fakten Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen in der DDR bei Stellung eines Ausreiseantrages Max Fechner – Opfer oder Täter der Justiz der Deutschen Demokratischen Republik? Die "Auskunftspersonen" der Stasi – Der Fall Saalfeld Geschlossene Venerologische Stationen und das MfS Jugendhilfe und Heimerziehung in der DDR Fraenkels "Doppelstaat" und die Aufarbeitung des SED-Unrechts Alltag und Gesellschaft München 1972: Olympia-Streit um das „wahre Freundesland“ Afrikas Das religiöse Feld in Ostdeutschland Repräsentation Ostdeutschlands nach Wahl 2021 Die Transformation der DDR-Presse 1989/90 Das Elitendilemma im Osten "Affirmative Action" im Osten Ostdeutsche in den Eliten als Problem und Aufgabe Ostdeutsche Eliten und die Friedliche Revolution in der Diskussion Die Bundestagswahl 2021 in Ostdeutschland Deutsch-deutsche Umweltverhandlungen 1970–1990 Der Plan einer Rentnerkartei in der DDR "Es ist an der Zeit, zwei deutsche Mannschaften zu bilden" Deutsch-ausländische Ehen in der Bundesrepublik Verhandelte Grenzüberschreitungen Verpasste Chancen in der Umweltpolitik Der dritte Weg aus der DDR: Heirat ins Ausland Und nach Corona? Ein Laboratorium für Demokratie! Nichtehelichkeit in der späten DDR und in Ostdeutschland 30 Jahre später – der andere Bruch: Corona Mama, darf ich das Deutschlandlied singen Mit der Verfassung gegen Antisemitismus? Epidemien in der DDR Homosexuelle in DDR-Volksarmee und Staatssicherheit „Die DDR als Zankapfel in Forschung und Politik" Die Debatte über die Asiatische Grippe Coronavirus - Geschichte im Ausnahmezustand Werdegänge Familien behinderter Kinder in BRD und DDR Vom Mauerblümchen zum Fußball-Leuchtturm DDR-Alltag im Trickfilm Die alternative Modeszene der DDR Nachrichtendienste in Deutschland. Teil II Nachrichtendienste in Deutschland. Teil I Die Jagd gehört dem Volke Homosexuelle und die Bundesrepublik Deutschland Honeckers Jagdfieber zahlte die Bevölkerung Sicherheitspolitik beider deutscher Staaten von 1949 bis 1956 Frauen im geteilten Deutschland Ostdeutsche Identität Patriotismus der Friedensbewegung und die politische Rechte Rechte Gewalt in Ost und West Wochenkrippen und Kinderwochenheime in der DDR Urlaubsträume und Reiseziele in der DDR Reiselust und Tourismus in der Bundesrepublik Schwule und Lesben in der DDR Die westdeutschen „Stellvertreterumfragen“ Erfahrungen mit der Krippenerziehung „Päckchen von drüben“ Vor aller Augen: Pogrome und der untätige Staat Zwischen Staat und Markt Dynamo in Afrika: Doppelpass am Pulverfass Jüdinnen in Deutschland nach 1945 Julia Davidovski: „Kinder sind unsere Zukunft“ Emma Budge und Margarete Oppenheim: der Kampf um ihre Kunstsammlungen in der Bundesrepublik „Wir sind offen für alle“ Interviews Beiträge Porträts Redaktion "Ungehaltene Reden" ehemaliger Abgeordneter der DDR-Volkskammer Was sollten Wähler und Wählerinnen 2021 bedenken? Ein urdemokratischer Impuls, der bis ins Heute reicht „Als erster aus der Kurve kommen“ Die Rolle des Staats in der Wahrnehmung der Ostdeutschen Die durchlaufene Mauer Interview: Peter-Michael Diestel Interview: Günther Krause Interview: Lothar de Maizière Schülerzeitungstexte Noch Mauer(n) im Kopf? Liebe über Grenzen Ostseeflucht Fluchtursachen Die Frau vom Checkpoint Charlie Mutti, erzähl doch mal von der DDR Staatsfeind Nr.1: DAS VOLK!!! Mit dem Bus in die DDR Ost und West. Ein Vergleich Warum wird der 3. Oktober gefeiert? "Ich wünsch mir, dass die Mauer, die noch immer in vielen Köpfen steht, eingerissen wird" Zeitenwende Ist der Osten ausdiskutiert? Der Mutige wird wieder einsam Das Jahr meines Lebens Basisdemokratie Lehren aus dem Zusammenbruch "Wir wollten uns erhobenen Hauptes verabschieden" Für die gute Sache, gegen die Familie DDR-Wissenschaftler Seuchenbekämpfung Chemnitz: Crystal-Meth-Hauptstadt Europas Keine Ahnung, was als Nächstes passieren wird Allendes letzte Rede Friedliche Revolution Gethsemanekirche und Nikolaikirche Das Wirken der Treuhandanstalt Gewerkschaften im Prozess von Einheit und Transformation Zusammenarbeit von Treuhandanstalt und Brandenburg Privatisierung vom DDR-Schiffbau Die Leuna-Minol-Privatisierung Übernahme? Die Treuhandanstalt und die Gewerkschaften: Im Schlepptau der Bonner Behörden? Treuhand Osteuropa Beratungsgesellschaft "Ur-Treuhand" 1990 Internationale Finanzakteure und das Echo des Sozialismus Soziale Marktwirtschaft ohne Mittelstand? Die Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR Suche nach den Spuren der DDR Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR Der Freundschaftsverein „EFA“ Die Mauer in der französischen Populärkultur DDR als Zankapfel in Forschung und Politik DDR-Geschichte in französischen Ausstellungen nach 2009 Theater- und Literaturtransfer zwischen Frankreich und der DDR Die DDR in französischen Deutschbüchern Kommunalpartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR Regimebehauptung und Widerstand Mut zum Aussteigen aus Feindbildern Für die Freiheit verlegt - die radix-blätter Der Fußballfan in der DDR Jugend in Zeiten politischen Umbruchs Umweltschutz als Opposition Sozialistisches Menschenbild und Individualität. Wege in die Opposition Politische Fremdbestimmung durch Gruppen Ist Antisemitismus vor allem ein ostdeutsches Problem? Antisemitismus in Deutschland Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch War die DDR antisemitisch? Antisemitismus in der DDR Teil I Antisemitismus in der DDR Teil II Als ob wir nichts zu lernen hätten von den linken Juden der DDR ... Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR? Die Shoah und die DDR Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil I Umgang mit jüdischen Friedhöfen und Friedhofsschändungen, Teil II Israel im Schwarzen Kanal Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, I Der Nahostkonflikt in Kinder- und Jugendzeitschriften der DDR, II Das Israelbild der DDR und dessen Folgen Buchenwald und seine fragwürdige Nachgeschichte Macht-Räume in der DDR Wirtschaftspläne im Politbüro 1989 "Macht-Räume in der DDR" Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur Staatliche Einstufungspraxis bei Punk- und New-Wave-Bands Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973) Schwarzwohnen 1968 – Ost und West Der Aufstand des 17. Juni 1953 Interview mit Roland Jahn Der 17. Juni 1953 und Europa Geschichtspolitische Aspekte des 17. Juni 17. Juni Augenzeugenbericht Kultur und Medien Einmal Beethoven-Haus und zurück Heimat ist ein Raum aus Bytes Der Aufbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Ostdeutschland Die Demokratisierung von Rundfunk und Fernsehen der DDR Die Stasi und die Hitler-Tagebücher Ein Nachruf auf Walter Kaufmann Die Tageszeitung »Neues Deutschland« vor und nach 1990 Wie ein Staat untergeht Objektgeschichte antifaschistischer Ausstellungen der DDR Reaktionen auf die Ausstrahlung der Fernsehserie „Holocaust“ „Mitteldeutschland“: ein Kampfausdruck? Gesundheitsaufklärung im Global Humanitarian Regime The British Press and the German Democratic Republic Kulturkontakte über den Eisernen Vorhang hinweg "Drei Staaten, zwei Nationen, ein Volk“ "Flugplatz, Mord und Prostitution" SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg" Frauenbild der Frauenpresse der DDR und der PCI Regionales Hörfunkprogramm der DDR DDR-Zeitungen und Staatssicherheit Eine Chronik von Jugendradio DT64 Die "neue Frau": Frauenbilder der SED und PCI (1944-1950) Lager nach 1945 Ukrainische Displaced Persons in Deutschland Jugendauffanglager Westertimke Das Notaufnahmelager Gießen Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945 Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49 Migration Fortbildungen als Entwicklungshilfe Einfluss von Erinnerungskulturen auf den Umgang mit Geflüchteten Friedland international? Italienische Zuwanderung nach Deutschland Jüdische Displaced Persons Das Notaufnahmelager Marienfelde Migration aus Süd- und Südosteuropa nach Westeuropa Die "Kinder der 'Operation Shamrock'" Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949 bis 1989 West-Ost-Übersiedlungen in der evangelischen Kirche Migration aus der Türkei Griechische Migration nach Deutschland Die Herausforderung der Aussiedlerintegration Die Ausreise aus der DDR Das Spezifische deutsch-deutscher Migration Flüchtlinge und Vertriebene im Nachkriegsdeutschland Interview mit Birgit Weyhe zur Graphic Novel "Madgermanes" Die Migration russischsprachiger Juden seit 1989 Chinesische Vertragsarbeiter in Dessau Arbeitsmigranten in der DDR Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik Deutschlandforschertagung 2016 Eröffnungsreden Panels und Poster Session Grenzgebiete Die Wende im Zonenrandgebiet Der andere Mauerfall Das "Grüne Band" Alltagsleben im Grenzgebiet Außensichten auf die deutsche Einheit Wahrnehmung des geeinten Deutschlands in Serbien Norwegische Freundschaft mit dem vereinten Deutschland Deutschland im Spiegel des Wandels der Niederlande Österreichs Reaktionen auf die Mühen zur deutschen Einheit Israelische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutsche Diplomaten erleben den Herbst 1989 Das wiedervereinigte Deutschland aus Sicht der Slowaken Wahrnehmung der deutschen Einheit in Dänemark Die Perzeption der Wiedervereinigung in Lateinamerika Deutsch-polnische Beziehungen Der Blick junger Schweizer auf Deutschland Bulgarien blickt erwartungsvoll nach Deutschland Vom bescheidenen Wertarbeiter zur arroganten Chefin "Gebt zu, dass die Deutschen etwas Großes geleistet haben." 150 Jahre Sozialdemokratie Wehners Ostpolitik und die Irrtümer von Egon Bahr 150 Jahre Arbeiterturn- und Sportbewegung Die Spaltung der SPD am Ende der deutschen Teilung Willy Brandts Besuch in Ostberlin 1985 Deutschlandforschertagung 2014 Einleitungsvortrag von Christoph Kleßmann Tagungsbericht: "Herrschaft und Widerstand gegen die Mauer" Tagungsbericht: Sektion "Kultur im Schatten der Mauer" Interview mit Heiner Timmermann Interview mit Angela Siebold Interview mit Jérôme Vaillant Interview mit Irmgard Zündorf Interview mit Andreas Malycha Die Mauer in westdeutschen Köpfen Multimedia Zeitreisen mit "Kennzeichen D" Der Anfang vom Ende der DDR: Die Biermann-Ausbürgerung 1976 Wendekorpus. Eine Audio-Zeitreise. 1. Vorboten von Umbruch und Mauerfall 2. Schabowski und die Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 3. Grenzübertritt am 10. November 4. Begrüßungsgeld 100 D-Mark 5. Den Anderen anders wahrnehmen 6. Stereotypen 7. Was bedeutet uns der Fall der Mauer? 8. Emotionen 9. Sprache Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Brecht & Galilei: Ideologiezertrümmerung Die Zweite Generation jüdischer Remigranten im Gespräch Ausgaben vor 2013 Bau- und Planungsgeschichte (11+12/2012) Architektur als Medium der Vergesellschaftung Landschaftsarchitektur im Zentrum Berlins Kunst im Stadtraum als pädagogische Politik Dresden – das Scheitern der "sozialistischen Stadt" Bautyp DDR-Warenhaus? Ulrich Müthers Schalenbauten Medizinische Hochschulbauten als Prestigeobjekt der SED Transitautobahn Hamburg–Berlin Literaturjournal Aufarbeitung (10/2012) "Es geht nicht um Abrechnung ..." "Ein Ort, der zum Dialog anregt" Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Schwierigkeiten mit der Wahrheit Personelle Kontinuitäten in Brandenburg seit 1989 "Geschlossene Gesellschaft" Kulturelite im Blick der Stasi Experten für gesamtdeutsche Fragen – der Königsteiner Kreis Friedrich II. – Friedrich der Große Literaturjournal Deutsch-deutscher Literaturaustausch (8+9/2012) Eine gesamtdeutsche Reihe? Die Insel-Bücherei Versuche deutsch-deutscher Literaturzeitschriften Geschiedene Gemüter, zerschnittene Beziehungen Ein Name, zwei Wege: Reclam Leipzig und Reclam Stuttgart Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das MfS Volker Brauns Reflexionen über die Teilung Deutschlands Die Leipziger Buchmesse, die Börsenvereine und der Mauerbau Die Publikationskontroverse um Anna Seghers' "Das siebte Kreuz" Westdeutscher linker Buchhandel und DDR Die Publikationsgeschichte von Stefan Heyms "Erzählungen" Das große Volkstanzbuch von Herbert Oetke Eine deutsch-deutsche Koproduktion: die "OB" Dokumentation: "Ein exemplarisches Leben – eine exemplarische Kunst" Literaturjournal Nach dem Mauerbau (7/2012) Der ewige Flüchtling Der Warenkreditwunsch der DDR von 1962 Die Entstehung der "Haftaktion" Leuna im Streik? Mit dem Rücken zur Mauer Der Honecker-Besuch in Bonn 1987 Ein Zufallsfund? Literaturjournal Politische Bildung (6/2012) Antikommunismus zwischen Wissenschaft und politischer Bildung Subjektorientierte historische Bildung Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft "Hallo?! – Hier kommt die DDR" Vergangenheit verstehen, Demokratiebewusstsein stärken Keine einfachen Wahrheiten Literaturjournal Sport (5/2012) Sportnation Bundesrepublik Deutschland? Marginalisierung der Sportgeschichte? Dopingskandale in der alten Bundesrepublik Hooliganismus in der DDR "Erfolge unserer Sportler – Erfolge der DDR" Literaturjournal Nachkrieg (4/2012) Jüdischer Humor in Deutschland Die SED und die Juden 1985–1990 "Braun" und "Rot" – Akteur in zwei deutschen Welten Kriegsverbrecherverfolgung in SBZ und früher DDR Die "Hungerdemonstration" in Olbernhau Eklat beim Ersten Deutschen Schriftstellerkongress Workuta – die "zweite Universität" Dokumentation: Die Rehabilitierung der Emmy Goldacker Kaliningrader Identitäten "Osten sind immer die Anderen!" Freiheit und Sicherheit Literaturjournal Wirtschaft und Soziales (3/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Zeitgeschichte im Film (2/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal Nonkonformität und Widerstand (1/2012) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Deutsch-deutsches (11+12/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Öffentlicher Umgang mit Geschichte (10/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 21 Jahre Deutsche Einheit (9/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wissenschaft (8/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau - Teil 2 (7/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal 50 Jahre Mauerbau (6/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Kultur (5/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Innere Sicherheit (4/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Wirtschaftsgeschichte (3/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Ost-West-Beziehungen (2/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Medien (1/2011) Zeitgeschichte/ Zeitgeschehen Dokumentation Forum Literaturjournal Über das Deutschland Archiv Redaktion Nach den Unruhen in Kasachstan: Wendepunkt oder Weiter so?

Inge Deutschkron: „Das müssen alle wissen“

David Dambitsch

/ 20 Minuten zu lesen

In diesem Jahr wäre Inge Deutschkron, die große kleine Frau mit Berliner Biss und Humor 100 Jahre alt geworden. Sie hat so lange sie konnte gegen Antisemitismus und Rassismus gekämpft. Sie ist der Shoah entkommen, weil ihr andere geholfen haben und weil sie Mut hatte. Sie ist im hohen Alter noch in die Schulen gegangen, um junge Menschen davon zu überzeugen, dass Antisemitismus, Rassismus, blinder Hass und Rechtsextremismus Gefahren sind, denen man sich entgegenstellen muss. Und sie nannte die Dinge, die sie dabei aufregten, beim Namen, ohne Wenn und Aber und Ansehen der Person.

Der Hörfunkjournalist und Autor David Dambitsch kannte Inge Deutschkron gut, beruflich und privat. Deshalb lässt er die streitbare Kämpferin selbst zu Wort kommen. Aus drei Interviews hat er Passagen ausgewählt, die ausdrücken, worum es Inge Deutschkron wirklich ging und zwar so wie sie es gesehen und auch gesagt hat. Deshalb sind ihre Antworten nicht gegendert, denn das hätte ihr nicht gepasst und wäre nicht ihre Sprache gewesen. Und die Sätze wurden nicht geglättet und mit Euphemismen entwürzt, denn ihre Sätze waren klar, eindeutig und direkt. Es sind zeithistorische Dokumente aus dem Februar 1989 – noch vor dem Fall der Berliner Mauer –, aus dem Jahr 1993 – dem Jahr als der Deutsche Bundestag den Asylkompromiss beschloss und aus dem Januar 2005 – 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Und dabei gilt das gesprochene Wort einer Zeitzeugin, die wusste wovon sie sprach .

Inge Deutschkron (© Margrit Schmdit)

Im Widerstand – überleben

Ella und Martin Deutschkron waren überzeugte Sozialdemokraten. Deshalb wurde in der Familie Deutschkron viel und offen über Politik gesprochen. Inge Deutschkron hat bereits als Kind eine Menge über Politik gewusst und sogar an den Demonstrationen der Kommunisten und Sozialdemokraten gegen die Nationalsozialisten und deren sogenannte Machtergreifung teilgenommen. Interner Link: Doch dass die in Finsterwalde geborene , aber dennoch „waschechte Berlinerin“ für Antisemiten eine Jüdin war, obwohl ihre Familie keine religiösen Traditionen pflegte, erfuhr Inge von ihrer Mutter erst Anfang 1933, als in Berlin die ersten Fensterscheiben in jüdischen Geschäften eingeschlagen wurden.

Wenige Jahre später musste ihr Vater, Martin Deutschkron, nach England fliehen, um sein Leben zu retten. Weil kurze Zeit darauf der Angriffskrieg der Nationalsozialisten begann, konnten Mutter und Tochter nicht folgen. Sie erlitten Zwangsarbeit und Diskriminierung, der Deportation entzogen sie sich durch ein Leben im Untergrund. Freunde und Mitmenschen – einfache Handwerker, Rentnerinnen – ermöglichten Mutter und Tochter, zwei Jahre in Verstecken zu überleben. Anders als Anne Frank entgingen Inge und Ella Deutschkron dem Verrat. Aber nur rund 1.700 von zuvor etwa 200.000 Berlinerinnen und Berlinern mit jüdischem Hintergrund überlebten. In ihrem Buch „Ich trug den gelben Stern“ hat Inge Deutschkron ihre Überlebensgeschichte erzählt. Interner Link: Mehr zur Vita von Inge Deutschkron >> Auf dieser Grundlage erarbeitete das Berliner Grips-Theater unter der Leitung von Volker Ludwig und in Zusammenarbeit mit Detlef Michel das Theaterstück „Ab heute heißt du Sara“, das bis heute deutschlandweit aufgeführt wird. „Ab heute heißt du Sara – ein Stück in 33 Bildern aus dem Leben einer Berlinerin“ wurde am 9. Februar 1989 im Berliner Grips-Theater uraufgeführt. In der Crew des Grips-Theaters fand Inge Deutschkron durch das gemeinsame Engagement die Menschen, die ihr schließlich als erste eine Familie boten. Am Ende ihrer Karriere als Journalistin für die israelische Zeitung Ma'ariv und als Publizistin, die unter anderem das Standardwerk „Israel und die Deutschen. Das schwierige Verhältnis“ (1983) veröffentlichte, fand sie so wieder ein Zuhause in der Stadt ihrer Jugend.

Ich traf Inge Deutschkron im Februar 1989 erstmals in ihrer damaligen Wohnung in Berlin-Grunewald. Beide in der Stadt aufgewachsen; beide in Schicksalsgemeinschaft verbunden. Mein Vater – vier Jahre jünger als Inge Deutschkron – hatte als sogenannter Halbjude die Schrecken der NS-Herrschaft in der ehemaligen Reichshauptstadt überlebt. Wir verstanden uns sofort. Ich fragte sie, warum sie sich im Grips-Theater so sehr engagiert.

Inge Deutschkron: Nun, ich bin nicht jeden Abend da. Ich bin an den Abenden da, wo ich Menschen drin weiß, also Publikum, das mir nahesteht, irgendwie. Also zum Beispiel Leute, die mir geholfen haben, die gibt es ja immer noch. Und da bin ich dann dabei, weil ich auch finde, es ist für sie nicht so ganz leicht, manchmal ihre eigene Rolle plötzlich auf der Bühne zu sehen. Und das ist einer der Gründe. Der andere ist: Es interessiert mich natürlich auch sehr die Reaktion, zum Beispiel der jungen Menschen. Wir hatten schon einmal eine Schülervorstellung, und da war ich nun doch sehr gespannt, wie die Schüler auf dieses Stück reagieren.

David Dambitsch: Wie haben die Schülerinnen und Schüler auf das Stück reagiert? Waren ihre Reaktionen andere als die der Erwachsenen?

Inge Deutschkron: Zu meiner Überraschung fast noch besser als bei den Erwachsenen, wenn man es überhaupt noch sagen kann. Ich war sehr überrascht. Sie begriffen so schnell, worum es ging.

David Dambitsch: Was kam an Reaktionen?

Inge Deutschkron: Na, erst mal ein irrsinniger Applaus. Der war wirklich unwahrscheinlich stark mit Trampeln und Pfeifen und was Sie wollen, wie junge Menschen das eben tun.

Inge Deutschkron im Grips-Theater, Aufführung "Ab heute heißt du Sarah" (© Margrit Schmidt)

David Dambitsch: Sind Sie vielleicht auch neugierig darauf, wie sich die Deutschen verändert haben, wenn Sie in der Vorstellung sind?

Inge Deutschkron: Das natürlich auch. Ich weiß nicht, ob man das Wort verändern benutzen kann, wie sie überhaupt heute sind, ob sie vielleicht eben doch noch so sind oder wieder so sind wie damals, das kann ja auch sein. Und es ist ja auch leider Gottes so, dass es einige gibt, die heute bereit sind, eine Neo-Nazistische Partei zu wählen, so sehe ich die Republikaner jedenfalls. Ich habe mich neulich furchtbar aufgeregt, als ich in der Abendschau sah, dass dieser Parteivorsitzende sagte, er ist gegen die Kennzeichnung der Polizei, weil man ja doch wüsste, was aus so einer Kennzeichnung alles werden kann, denn das hätte man ja schon in dieser Stadt erlebt. Und dieser Vergleich hier mit dem Judenstern, den finde ich so unerhört. Der zeigt auch so deutlich, dass die Leute nichts kapiert haben oder nichts kapieren wollen. Ich weiß es nicht. Aber diese Banditen – für mich sind es Banditen, und sie sollen mich dafür vor Gericht ziehen, das interessiert mich nicht –, die ziehen nun immerhin 7,8 Prozent der Wähler Berlins an. Und das finde ich sehr schlimm.

David Dambitsch: Fast jeden Abend erleben Sie und begegnen Sie ihrer eigenen Kindheit im Grips-Theater. Was ist das für Sie für ein Gefühl?

Inge Deutschkron: Das war zu Anfang nicht so leicht. Und ich meine, es ist auch jedes Mal, wenn ich es wiedersehe, schwer. Das erste Mal habe ich gedacht, ich würde das nicht überstehen können, denn Sie hören plötzlich Ihre eigenen Eltern sprechen. Sie hören dieselben Sätze, die sie gebraucht haben. Wissen Sie, wenn man das aufschreibt, wie ich es in meinem Buch getan habe, so ist das etwas ganz anderes, als wenn man sich plötzlich selbst hört. Und das war schon sehr schwer. Nun saß ich aber zwischen zwei Menschen, zu denen ich so hundertprozentiges Vertrauen und auch das Gefühl hatte, dass sie mich beschützen – einmal Volker Ludwig, der Mann, der das Theater leitet und der auch den Text geschrieben hat, und sein Partner Detlef Michel, der seinen Anteil daran hatte. Das war erst mal das Gefühl der Sicherheit. Und dann, zum anderen, füg‘ ich immer hinzu: Es kam eine so entsetzliche Wut in mir hoch über das, was damals gewesen ist. Das gibt einem dann die Kraft, wissen Sie, auch die physische Kraft, das zu überstehen und zu sagen, das muss allen bekannt gemacht werden. Das müssen alle wissen. Das müssen heute vor allen Dingen alle jungen Menschen wissen, wie es wirklich war, wie es der Einzelne erlebte.

Inge Deutschkron, 1937 (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand )

David Dambitsch: Wenn man heute Schulbücher aus der Zeit des „Dritten Reichs“ anschaut, stellt man fest, dass ein Gutteil des Antisemitismus/Antijudaismus über die Erziehung transportiert worden ist. Die Täter und Täterinnen von damals sind heute die Groß- und Urgroßeltern der Jugendlichen. Gibt es Reste der NS-Erziehung, die fortwirken? Bemerken Sie so etwas?

Inge Deutschkron: Nein, das kann ich eigentlich nicht sagen. Ich habe es nicht bemerkt bis jetzt, außer mit solchen Leuten jungen Leuten, die eben heute zu den „Republikanern“ gestoßen sind. Ich würde sagen, mir sind sie nicht begegnet, aber es gibt sie sicher. Und ich höre ja manchmal Geschichten, wo junge Menschen nach dem Prinzip Law and Order – also Recht und Ordnung/Recht und Gesetz – reagieren und verlangen, dass man links abbiegt, und zwar ganz scharf in der richtigen Kurve und so weiter. Na, mein Gott, das ist eben von damals übriggeblieben. Das wird man wohl nicht ganz ausrotten können. Ich merke wahrscheinlich andere Dinge als Sie. Zum Beispiel: Ich bin nach Ost-Berlin gegangen, und wenn dann die Polizistinnen, eine junge Polizistin, zu einem Westberliner oder Westdeutschen sagt, als er das Visum haben will: „Jetzt zeigen Sie mal ihr linkes Profil“, dann wird mir natürlich schlecht. Dann weiß ich immer nicht, was ist das? Ist das nun diese entsetzliche Erziehung, die sie da drüben haben, die so ähnlich ist in mancher Hinsicht wie die von den Nazis? Oder ist es in ihnen drin?

David Dambitsch: Seit 1966 sind Sie israelische Staatsangehörige und waren Redakteurin bei Ma'ariv in Tel Aviv. Durch die NS-Justiz wurden Sie als Jüdin diskriminiert und verfolgt, Sie sind nicht religiös. Was bedeutet Ihnen ihre jüdische Identität heute?

Inge Deutschkron: Ich nenne mich eigentlich Israeli. Wissen Sie, für mich ist Judentum immer noch eine Religion und keine Rasse und keine Nation. Aber was immer es ist, ich weiß nicht, wie andere Leute es nennen. Ich habe nie Zugang zum Judentum bekommen, in dem Sinne. Natürlich, Hitler hat mich zur Jüdin gestempelt. Ich habe das akzeptiert. Ich habe die Nase hochgetragen, solange das nötig war. Aber dann fand ich doch, eine Beziehung zum Judentum ist bei mir nicht gewachsen. Das liegt sicher daran: Ich bin als Sozialistin erzogen worden, und wir kannten keine Religion. Für mich ist das Judentum immer noch mehr Religion als alles andere.

David Dambitsch: Es gibt zwei Anlässe, aus denen Sie in Berlin sind im Moment: Zum einen für das Grips- Stück „Ab heute heißt du Sara“, zum anderen für die Recherchen für einen zweiten Teil ihres Buches „Ich trug den gelben Stern“. Wie erleben Sie das Wiedersehen mit Berlin?

Inge Deutschkron: Ich bin natürlich öfter schon in Berlin gewesen nach dem Krieg, und das war immer ein – ich würde sagen – sehr fröhliches Wiedersehen: Einmal, weil ich hier die Sprache höre, die die einzige Sprache ist, die ich richtig kann, nämlich: Berlinisch; und überdies die Atmosphäre, die Kultur, das ist meine Kultur. Und ich habe auch hier sehr viele Freunde. Nur ist es natürlich so: Wenn man eine Woche oder vielleicht auch einen Monat hier ist, dann ist das noch nicht In-Berlin-Sein. Das ist so eine Art Enklave, wenn Sie so wollen, man lebt auf einer Insel, man sieht nur die Dinge, die einen erfreuen, und dann fährt man wieder ab, und man weiß auch, dass man wieder abfährt.

Inge Deutschkron mit dem früheren Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (© Margrit Schmidt)

Diesmal ist es natürlich auch so, es ist nur ein sehr viel längerer Besuch. Aber dennoch. Ich habe immer noch das Gefühl, ich bin nicht hier, direkt in Berlin. Ich sage sehr ehrlich, dass es sehr viele Straßen gibt, zu denen ich nicht gehe, weil dort Dinge passiert sind, die ich einfach nicht noch einmal innerlich erleben möchte. Dazu gehört zum Beispiel die Innsbrucker Straße 58. Dort ist die erste Deportation gewesen, die ich miterlebt habe, und das ist etwas, was sehr tief sitzt, und das vermeide ich gern. Und so gibt es auch andere Orte hier in Berlin. Und ich versuche nun, so auf die Weise zurechtzukommen, wissen Sie. Aber ich weiß ja auch, dass ich wieder abfahre. Also, ein Wiedersehen mit Berlin ist es sicher, aber dennoch kein tieferes Erlebnis.

Unbequem – die Zeitzeugin

Ella Deutschkron gab ihrer Tochter eine wichtige Empfehlung mit auf den Weg, als sie ihr erzählte, dass sie Jüdin sei, und ihre halbwüchsige Tochter nicht wusste, was sie mit dieser Information anfangen sollte. Die Mutter sagte: „Lass‘ Dir nichts gefallen, wenn du angegriffen wirst. Wehr‘ dich!“ Was in den Jahren des Überlebens eher als ein Abwehren aller Bedrohungen und Verfolgungen begann und sie dann in den unmittelbaren Jahren nach dem Krieg in England und später bei ihren Auslandsaufenthalten als Reiseberichterstatterin in dem alltäglichen Existenzkampf einer jungen, freien Journalistin in einer Männerwelt weiter herausforderte, sollte schließlich zum Leitgedanken ihres Engagements gegen das kollektive Vergessen in Deutschland werden. „Lass‘ Dir nichts gefallen, wenn du angegriffen wirst. Wehr‘ dich!“ wurde bis ins hohe Alter zum Leitgedanken ihrer Arbeit mit Jugendlichen in Deutschland gegen Antisemitismus.

Mit 70 Jahren veröffentlichte sie als Resümee dieser selbstgewählten Aufgabe als Überlebende der Shoah ihr autobiografisches Werk „Unbequem – mein Leben nach dem Überleben“ . Wieder besuchte ich Inge Deutschkron in ihrer Wohnung, und als Journalistin, also Tagesberichterstatterin, ging es ihr in dem Gespräch im Februar 1993 auch längst nicht nur um die Schlachten, die sie in ihrem Leben als Korrespondentin in der jungen Bundesrepublik auszutragen hatte. Auch in ihrem 71. Lebensjahr war sie noch ganz und gar ein Gegenwartsmensch.

David Dambitsch: Sie haben in Ihrem neuen Buch „Unbequem“ zahllose Beispiele für direkte Kontinuitäten zwischen dem Hitler-Regime und der jungen Bundesrepublik genannt. Inwieweit hat die Faszination vieler Jugendlicher in diesem Land für den Rechtsextremismus etwas mit diesen von Ihnen beschriebenen Tatsachen zu tun?

Inge Deutschkron: Erst einmal ist die Vergangenheit in diesem Adenauer-Staat überhaupt nicht aufgearbeitet worden, also die verschiedenen Generationen haben ja eigentlich alle „von nichts gewusst“ oder auch nichts wissen wollen. Und es wurden keine Informationen gegeben und es wurde auch nichts weitergegeben, sodass diese Zeit, die Nazizeit, eigentlich so wie ein Unfall, wie ein Betriebsunfall, in der Geschichte steht und die jungen Menschen eigentlich darüber nichts Vernünftiges gehört haben.

Und ich glaube, das hat natürlich seine Folgen, seine Konsequenzen auch für die heutige Generation, die gar nicht kapiert, dass es nicht etwas – na, sagen wir mal – Harmloses war, dass es nicht nur der Krieg war, den sie verloren hatten, sondern dass da mehr war. Das haben sie eben nicht erfahren. Und das erfahren sie auch heute kaum. Also da liegt die Schuld für meine Begriffe. Hätte man das aufgearbeitet, wäre es weitergegeben worden. So sehe ich das.

David Dambitsch: Unbequem halten Sie in Ihrem neuen Buch auch der Partei den Spiegel vor, der Sie sich von Kindesbeinen an verbunden fühlen, der SPD. Die SPD, so schreiben Sie sinngemäß, habe den Kampf gegen die alten Nazis und die Restauration in der Bundesrepublik nicht lange genug und viel zu oberflächlich geführt. Wie bewerten Sie denn heute den Kampf der SPD im Zusammenhang mit derInterner Link: Änderung des Grundgesetzartikels 16, der das Asylrecht neu regelte?

Inge Deutschkron: Ich finde das schändlich. Ich meine, dieser Artikel 16 war eigentlich auch ein Beweis, dass es ein anderes Deutschland gibt oder geben wird. So haben es jedenfalls die Väter (und Mütter d. Red.) des Grundgesetzes damals gesehen. Und so sehe ich das auch. Und ich finde, dass sie daran rütteln, ist ungeheuer und eine sehr gefährliche Geschichte. Wenn man nämlich damit erst anfängt, dann gibt es auch kein Aufhören. Und wissen Sie, politisches Asyl: Jeder von den alten Sozialdemokraten weiß, was das bedeutet hat, wie wichtig das war und wie schlimm es war, wenn Länder ihre Tore schlossen. Mein Gott, davon wissen wir eine Menge. Und gerade diese Partei will das nun irgendwie abändern und die Leute daran hindern, Asyl zu bekommen. Und man muss sich mal darüber klar sein, und ich sage das immer wieder und weiß das eben aus meiner Erfahrung und der Erfahrung meines Vaters: Es geht niemand aus seinem Land weg, so einfach und leichtfertig. Gut, es mag Ausnahmen geben. Es gibt sicher auch Abenteurer, aber der größte Teil der Menschen, die aus ihrem eigenen Heimatland weggehen, die gehen aus irgendeiner Not. Und darum ist diese Asyl-Begrenzung eine ganz schlimme Geschichte. Ich finde, gerade die Sozialdemokraten hätten alles tun müssen, um da einen Weg zu finden, dass man diesen Artikel 16 erhält, wie er ist.

David Dambitsch: Wie hat sich die Stimmung an den Schulen seit der deutsch-deutschen Vereinigung verändert?

Inge Deutschkron: Wenn ich ein Ostpublikum vor mir habe, ob es Erwachsene sind oder Kinder, dann ist das eine ganz eigenartige Erfahrung. Ich habe einmal ein Experiment gewagt, indem ich versucht habe, sie zu fragen, ihnen zu sagen, wir wissen so wenig über euch, erklärt mir doch mal, wie habt ihr es zum Beispiel mit der Bewältigung der Vergangenheit gehalten? Und was habt ihr gemacht? Da ist es mir einmal gelungen, eine Diskussion hervorzurufen. Aber es war eigentlich keine Diskussion. Sie haben sich untereinander gestritten. Der eine hat gesagt: Wir haben alles über den Antifaschismus gewusst und gelernt gehabt, jedes Kind musste die KZ-Gedenkstätten besuchen und das sehen und die Filme und so weiter. Und dann ist ein anderer aufgestanden und hat gesagt: Aber was redest du da? Wir haben doch die falschen Informationen bekommen. Man hat uns auch immer nur die Kommunisten als die großen Widerstandshelden vorgeführt. Das ist doch alles nicht wahr. Und dann, das war für mich wahnsinnig interessant, ich brauchte überhaupt nicht mehr zu reden, denn sie redeten untereinander.

Und dann kam eine Frau und sagte: Ich bin Lehrerin. Man hat uns in den 50er-Jahren gesagt, wie wichtig Anne Frank war, in jeder Stunde, und plötzlich durfte der Name nicht mehr erwähnt werden. Das war die Zeit, wo man in der DDR antisemitisch war.

David Dambitsch: Das Zentrum für Antisemitismusforschung hat ermittelt, dass der Rechtsradikalismus unter Jugendlichen in der ehemaligen DDR bereits eine Dominanzerscheinung sein soll. Man spricht immer häufiger von einem „1968 von rechts“. Wie sehen Sie das, wenn Sie zum Beispiel an die Ereignisse von Rostock zurückdenken?

Inge Deutschkron: Ich weiß nicht, ob dieser neue Staat da wirklich genug tut. Da brauchen wir Sozialarbeiter, da brauchen wir Jugendclubs. Da brauchen wir Diskussionen mit ihnen, da brauchen wir natürlich auch den Kontakt zum Westen. West-Jugendliche, Ost-Jugendliche, Austausch und so weiter. Und wenn es nur in Spiel und Sport ist, aber da muss etwas passieren. Also, ich weiß nicht, vielleicht bin ich zu optimistisch. Aber ich glaube, da kann man noch was bewirken. Man muss es aber schnell tun.

David Dambitsch: Was kann mit dem Wichtigsten passieren, mit Erziehung und Bildung?

Inge Deutschkron: Wissen Sie, da müssen wir erst mal die Lehrer dafür ausbilden. Ich glaube, auch bei denen hinkt es ja doch nach. Sehen Sie, ich habe neulich in Ostdeutschland eine Geschichtslehrerin kennengelernt. Ich war bei ihr im Haus, und sie sagte: „Sehen Sie sich doch mal an, das ist meine Bibliothek da drüben. Die kann ich wegschmeißen, jedes Buch darin ist falsch.“ Daran sehen Sie, wie schwierig das ist. Das sind ganz große Probleme, die wir haben. Wissen Sie, wir müssen auch verhindern, dass die Rechtsradikalen oder die Neonazis aus dem Westen – die ja ganz genau wissen, was sie wollen, die haben ja eine Ideologie, das ist ja der Unterschied, die haben eine feste Ideologie, was die im Osten noch nicht haben –, wir müssen verhindern, dass sie einen Einfluss auf diese Jugend im Osten bekommen.

Inge Deutschkron und André Schmitz (© Margrit Schmidt)

Analytisch – die Ereignisse beobachten

Inge Deutschkrons Bücher – so erinnerte es Volker Ludwig vom Grips-Theater bei ihrer Beerdigung – haben die Eigenschaft, dass kaum ein Kapitel, ein Absatz, einzukürzen ist. Denn als durch und durch analytisch arbeitende und unabhängige Zeitzeugin und Publizistin entging ihr kein wesentliches Detail, und alles, was sie aufschrieb, diente der Erklärung der Abläufe und Ereignisse.

Sie schrieb über das Elend und die Not der Kinder in den Ghettos, über ihr Leben in Israel und die „Stillen Helden“, die Menschen, die während des NS-Regimes anderen die Tür und das Herz geöffnet hatten, um ihnen beizustehen. Ihr selbst stand zeitlebens die Berliner Familie Gumz sehr nahe. Von ihrem christlichen Glauben geprägt, ließen sich die Wäschereibesitzer von der Unmenschlichkeit der Jahre nicht anstecken und gaben Obdach, wo andere denunzierten. Zum Standardwerk wurde Inge Deutschkrons politischer Essay von 1983 „Israel und die Deutschen: Das besondere Verhältnis“. Als 90-Jährige hielt sie eine vielbeachtete Rede im Deutschen Bundestag zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz. Aus dem gleichen Anlass hatte ich sie acht Jahre zuvor, im Januar 2005, über ihre Prozessbeobachtungen beim ersten Auschwitz-Kriegsverbrecherprozess in Frankfurt befragt.

David Dambitsch: Wenn Sie heute zurückdenken an Ihre Tätigkeit als Prozessbeobachterin beim ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess Anfang der 1960er-Jahre – was sind die ersten Eindrücke, die Ihnen da ins Gedächtnis kommen?

Inge Deutschkron: Mir kommt zuerst ins Gedächtnis, dass da 21 Angeklagte saßen, von denen ich wusste, dass sie schreckliche Verbrechen begangen hatten – und zur gleichen Zeit, dass da Zeugen auftreten mussten, Menschen, die das durchlitten haben, und die nun ihren ehemaligen Peinigern gegenüberstanden. Das war mein schrecklichstes Gefühl eigentlich.

Wobei ich das noch verstärken muss: Was mich ganz fürchterlich entsetzte, war, dass ein großer Teil der Angeklagten nicht in Haft war, sondern im Hotel wohnte, zusammen mit den Zeugen. Nun stellen Sie sich vor, die frühstücken zusammen. Das ist alles vollkommen unglaublich. Und das hat die deutsche Justiz zustande gebracht. Anders kann man es nicht sagen. Denn die Leute, die aus Israel kamen, die kannten keine Hotels, die wurden ihnen zugewiesen. Da saß auch der Herr Mulka, wie der Hauptangeklagte hieß, und frühstückte. Das sind Dinge, die mir nie aus dem Gedächtnis gehen werden.

David Dambitsch: Bei dem Prozess in Frankfurt saßen diejenigen auf der Anklagebank, die vor Ort in Auschwitz selektiert, gefoltert und gemordet haben. Also die, die gesehen worden sind von den überlebenden Zeugen, standen vor dem Richter. Dennoch gab es Freisprüche und milde Urteile. Welche Erklärung gab es damals dafür?

Inge Deutschkron: Man zog sich zurück auf die Strafprozessordnung, die verlangte, dass ein Angeklagter unschuldig ist, solange seine Schuld nicht nachgewiesen ist. Und die nachzuweisen, war ja nun in Auschwitz furchtbar schwierig, denn die Morde geschahen ja nicht vor allen Leuten. Im Gegenteil, ich würde sagen, wenn jemand wagte, diesem Mord oder diesen Verbrechen nachzugehen, dann wurde er sofort auch abgeknallt. Also, die Zahl der Zeugen war denkbar klein. Und damit war es sehr schwierig, diesen Beweis zu erbringen. Zum Beispiel in dem Fall Kaduk, das ist einer der schlimmsten Verbrecher gewesen, der Leute in die Gaskammer geführt hat und dessen Verteidiger mit Erfolg darlegen konnte: Das hat ja keiner gesehen. Und es wurde tatsächlich aus dem Urteil rausgenommen, dass er Leute in die Gaskammer gebracht hat. Aber jeder von uns war überzeugt davon, dass er es getan hat. Bloß, wie gesagt, es konnte nicht bewiesen werden, weil keiner das sehen durfte oder konnte.

David Dambitsch: Wie haben Sie persönlich darüber gedacht? Wie haben die Zeugen, die teilweise aus Israel nach Frankfurt kamen, um dort vor einem deutschen Gericht auszusagen, über die ganze Verhandlung gedacht?

Inge Deutschkron: Einige, die gute Zeugen hätten sein können, sind ja gar nicht erst gekommen, weil sie einem deutschen Gericht das nicht zutrauten, dieses schreckliche Verbrechen irgendwie zu sühnen. Aber die, die gekommen waren, waren natürlich sehr zögerlich und sehr verängstigt. Und zu Anfang, auch das war so furchtbar: Sie hatten keine Betreuung. Das heißt also, sie kamen in den Gerichtssaal, sie mussten ihre schreckliche Zeugenschaft abliefern, auch ihre Erlebnisse, die so schrecklich waren, nun noch einmal durchleben, um sie erklären und erzählen zu können. Und dann gingen sie aus dem Gerichtssaal. Da war keiner da, der sie, na, vielleicht in den Arm nahm oder überhaupt zu ihnen sprach. Das war zu Anfang. Es hat dann Freiwillige gegeben, eine Bonhoeffer-Gesellschaft, wenn ich mich nicht irre, die haben sich ihrer auch angenommen. Es ist alles so unmenschlich. Und das ist ja überhaupt, was ich gegen diesen Prozess habe. Mag sein, dass er der Strafprozessordnung Genüge getan hat, das kann ich nicht beurteilen. Ich bin kein Jurist. Aber die Menschlichkeit stand höchstens an dritter Stelle.

David Dambitsch: Trotz aller Problematik hat einer wie Eugen Kogon in den Frankfurter Heften über den Prozess sinngemäß geschrieben, der die Taten abwägende Richter habe für die Zeitgeschichte einen gewaltigen Dienst geleistet. Wie sehen Sie das?

Inge Deutschkron: Ja, das war natürlich eine Aufgabe, die ihm eigentlich nicht zugewiesen worden war. Er hatte, wie gesagt, die Prozessseite zu bearbeiten, die geschichtlich-politische, die kam zufällig zustande und die ist meines Erachtens nur ungenügend gewürdigt worden. Wahrscheinlich war es auch gar nicht möglich. Aber für meine Begriffe: Natürlich, ganz konnte man das nicht vom Tisch wischen, aber so, wie dieser Hintergrund, dieser politisch-historische, war, hätte der natürlich ganz anders aufgearbeitet werden müssen. Aber das ging eben in diesem Rahmen des Prozesses nicht.

David Dambitsch: Sie haben die Täter Auge in Auge gesehen. Was kann man den Nachgeborenen am schwierigsten vermitteln?

Inge Deutschkron: Am schwierigsten ist zu vermitteln, dass diese Angeklagten aussahen wie normale Deutsche. Sie sahen nicht aus wie Verbrecher, sie machten nicht den Eindruck von schlechten Menschen oder so, sie sahen aus wie Buchhalter oder irgendwelche kleinen Angestellten. Da konnte der Eindruck nicht vermittelt werden, was sie wirklich taten. Und ich erinnere mich noch sehr genau, dieser Schreckliche, der Schlimmste eigentlich, würde ich sagen von meinem Standpunkt aus: Boger, dieser Verbrecher, da habe ich mal eine Handschrift von ihm gesehen und sie einer Graphologin gegeben und gesagt: Was für ein Mensch ist das? – ohne zu sagen, wer es wirklich war. Und die hat zu mir gesagt: Sagen Sie, es ist eben ein Buchhalter. Und als ich dann sagte, wer es wirklich war, da ist sie fast vom Stuhl gefallen. Man konnte also selbst an der Handschrift nicht feststellen, was für ein Schweinehund das war.

Und darum ist das schwer zu vermitteln, es nicht zu sehen, die sehen da so einen Menschen, ist ja gar nicht zu glauben, was der Mensch angerichtet hat. Das finde ich schwierig. Wobei ich eben sagen muss: Das Gute an dem Prozess während der langen Dauer, der war ja von Dezember 1963 bis August 1965, war, dass in dieser langen Zeit etwa 15.000 Jugendliche ins Gerichtsgebäude gekommen sind, um dem zuzuhören, was da verhandelt wurde. Und das ist schon schrecklich wichtig gewesen. Und ich glaube, es wäre gut gewesen, wenn man diese Kinder damals befragt hätte – ich weiß nicht, ob das geschehen ist –, was sie daran besonders beeindruckt hat. Aber Eindruck muss es hinterlassen haben.

Inge Deutschkron führt Schülerinnen und Schüler durch das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt (© Margrit Schmidt)

David Dambitsch: Für Sie selbst, Frau Deutschkron, war der 27. Januar 1945 noch kein Befreiungstag. Welche Erinnerung haben Sie an den Winter 1945?

Inge Deutschkron: Der Winter war eigentlich schwerer als die anderen, aber nicht, weil es kälter war oder so. Aber die Front kam immer näher, und damit wurden auch die Dinge immer schwieriger, zum Beispiel Ernährung. Es gab weniger Lebensmittel und wir, die wir versteckt lebten, kriegten natürlich immer noch weniger. Unsere Freunde konnten uns nicht mehr so viel geben; dann natürlich auch die Bombardierungen. Dadurch wurden natürlich sehr viele unserer potenziellen Unterkünfte zerbombt. Die Zeit wurde sehr viel schwieriger. Obwohl, ich war ja immer eine Optimistische, sonst hätte ich es auch wahrscheinlich nicht durchgestanden.

Interner Link: Zur Vita von Inge Deutschkron >>

Zitierweise: „Inge Deutschkron: „Das müssen alle wissen“, aus Interviews mit Inge Deutschkron, David Dambitsch, in: Deutschland Archiv, 7.7.2022, Link: www.bpb.de/510389

Fussnoten

Fußnoten

  1. Inge Deutschkron, Ich trug den gelben Stern, Köln 1978.

  2. Interview von David Dambitsch mit Inge Deutschkron, 25.2.1989.

  3. Gesendet im RIAS-Berlin, Kulturzeit Sendung, vom 27.2.1989.

  4. Die 1983 gegründeten „Republikaner“ zeichnen sich durch eine abwehrende Haltung zur Zuwanderung aus. Ein Schwerpunkt der Partei ist heute die Kritik an den Corona-Maßnahmen und der Migrationspolitik. Sie fordert u.a. den Ausbau von Polizei und Feuerwehr und die Abschaffung des Antidiskriminierungsgesetzes Siehe: https://www.bpb.de/themen/parteien/wer-steht-zur-wahl/berlin-2021/338331/die-republikaner-rep/, zuletzt aufgerufen am 6.6.2022.

  5. Regionale Fernseh-Nachrichtensendung des damaligen Sender Freies Berlin, heute Rundfunk Berlin-Brandenburg.

  6. Inge Deutschkron, Unbequem – Mein Leben nach dem Überleben, Köln 1992.

  7. Interview von David Dambitsch mit Inge Deutschkron, 15.2.1993.

  8. Gesendet im RIAS-Berlin, Kulturzeit Sendung vom 16.2.1993.

  9. Das Ehepaar Emma und Franz Gumz, Inhaber einer Wäscherei in Berlin-Charlottenburg, zählte zu den „Stillen Helden“, die Ella und Inge Deutschkron freiwillig ein Versteck anboten und beiden uneigennützig halfen, zu überleben. Siehe: Inge Deutschkron, Wir entkamen. Berliner Juden im Untergrund, in: Gedenkstätte Deutscher Widerstand – Beiträge zum Widerstand 1933 – 1945, S. 38, Berlin 2007, S. 38.

  10. Deutschlandfunk, Corso – Kultur nach 3, Sendung vom: 27. 1. 2005.

  11. Robert Mulka (Jg. 1895), SS-Hauptsturmführer, Kompanieführer einer Wacheinheit und Adjutant des Lagerkommandanten Rudolf Höß von Anfang 1942 bis März 1943, hat sich der „Verwirklichung des nationalsozialistischen Vernichtungsprogramms […] an den auf die Tötung von Häftlingen gerichteten Maßnahmen beteiligt“, er hat insbesondere Befehle zum Transport des Gases Zyklon B nach Auschwitz und zur Verbringung von Deportierten zu den Gaskammern gegeben. Fritz Bauer Institut/Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hg.) Der Auschwitz-Prozess. Tonbandmitschnitte, Protokolle, Dokumente. Siehe Booklet, S. 3-5 [DVD-ROM], Berlin, 2004.

  12. Oswald Kaduk (Jg. 1906), SS-Hauptscharführer, Angehöriger des Wachsturmbanns, Block- und Rapportführer in der Zeit von 1941 bis Januar 1945, hat Selektionen im Stammlager durchgeführt und eigenmächtig eine Vielzahl von Einzeltötungen begangen. Siehe: Ebenda.

  13. Wilhelm Boger (Jg. 1906), SS-Oberscharführer, Ermittlungsbeamter der Politischen Abteilung in der Zeit von Dezember 1942 bis Januar 1945, hat sich an Selektionen auf der Rampe und im sogenannten Zigeunerlager (BIIe) beteiligt, an Aussonderungen von Häftlingen aus Block 11 des Stammlagers (»Bunkerentleerungen«) mitgewirkt, eine Vielzahl von Erschießungen an der sogenannten Schwarzen Wand durchgeführt, bei Verhören (»verschärfte Vernehmungen«) Häftlinge zu Tode gefoltert. Siehe: Ebenda

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: David Dambitsch für Deutschlandarchiv/bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 und des/der Autors/-in teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

Weitere Inhalte

geboren 1959 in Westberlin, ist Journalist und Publizist, Redakteur und Moderator, Buch- und Hörbuchautor. Nach seiner Zeit als junger Journalist bei RIAS Berlin arbeitete er bis zu dessen vereinigungsbedingter Auflösung zwischen 1985 und 1994 in der Redaktion und als Moderator der täglichen Sendereihe Kulturzeit. Politische Fernsehdokumentationen wie 10 Tage im November (10 Teile) für den SFB und Mitarbeit in Fernsehkulturmagazinen der ARD folgen. Gleichzeitig Mitarbeit in den Kulturprogrammen der ARD (Hörfunk). Nach Gründung des Deutschlandradios 1994 bis 1998 Redaktion und Moderation der wöchentlichen Sendereihe Notizen aus der jüdischen Welt. Seit 1998 Berliner Korrespondent der Sendereihe Schalom - Jüdisches Leben heute im bundesweit ausgestrahlten Programm des Deutschlandfunks. In Büchern wie „Im Schatten der Shoah - Gespräche mit Überlebenden und deren Nachkommen“ und in Hörbüchern wie „Stimmen der Geretteten – Berichte von Überlebenden der Shoah“; „Innen und Außen – Der Historiker Saul Friedländer“; „Auf den Einzelnen kommt es an – W. Michael Blumenthal und sein Lebenswerk“; „Weil ich überall auf der Welt zu Hause bin – Das Leben des Berliner Philharmonikers Hellmut Stern“ spiegelt er jüdisches Leben in Deutschland und weit darüber hinaus.