Zuflucht Gesucht

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1.9.2017 | Von:
Katharina Reinhold

Juliane aus Simbabwe: Handreichung für Pädagoginnen und Pädagogen

Übung 3: Kinderrechte: Jedes Kind hat das Recht auf Gesundheit

Fächer: Deutsch, Sachunterricht, Politik, Religion/Ethik

Dauer: 45 min. oder mehr

Angestrebte Kompetenzen: Einen abstrakten Text (Kinderrechtskonvention in kinderfreundlicher Formulierung) verstehen und interpretieren, Bezüge zu realen Gegebenheiten herstellen. Vergleich der eigenen Lebensbedingungen mit denen von Juliane in Simbabwe, einem der ärmsten Länder der Welt, Verständnis und Empathie für Menschen mit anderen Lebensumständen entwickeln.

Materialbedarf: Tafel oder großes Papier und entsprechende Kreide oder Stifte

Die Kinder beschäftigen sich mit den Inhalten des Rechts auf Gesundheit der UN-Kinderrechtskonvention (in kindgerechter Sprache). Sie analysieren die Bilder und Inhalte des Films über Juliane auf die Gewährleistung der Rechte hin. Dabei werden sie feststellen, dass bei Juliane in Simbabwe nicht alle aufgeführten Punkte gegeben waren.

Je nach Ihrer Einschätzung der sozialen Hintergründe in der Klasse könnten Sie thematisieren, inwiefern alle Aspekte aus dem Recht auf Gesundheit bei uns in Deutschland gewährleistet sind. Die Kinder werden bei einem Vergleich von Julianes Lebenssituation mit ihrer eigenen vermutlich feststellen, dass sie selbst viel bessere Lebensbedingungen haben. Dass es auch bei uns arme Familien gibt und dass die Kinder dafür nichts können, sollte sensibel thematisiert werden, ohne dabei einzelne Kinder zu stigmatisieren. Es kann im Unterrichtsgespräch auch allgemein thematisiert werden, wie Lebensverhältnisse aussehen sollten, in denen man sich gut entwickeln kann.

Vermutlich werden die Kinder es ungerecht finden, dass manche Menschen auf der Welt arm sind und nicht genug zu essen haben, während die meisten Menschen in Europa relativ gut leben und häufig mehr zu essen haben, als sie brauchen. Sie werden möglicherweise nach den Gründen fragen.

Die Ursachen für Hunger sind sehr vielfältig, zum Beispiel:
  • Missernten oder Vernichtung der Ernte durch Naturkatastrophen oder extreme Wetterverhältnisse
  • zunehmend verstärkt durch die Auswirkungen des Klimawandels.
  • Alternative Verwendung von Nahrungsmitteln, zum Beispiel für Agrartreibstoffe und als Futtermittel.
  • Landknappheit: Kleinbäuerinnen und Kleinbauern haben keinen rechtlichen Anspruch auf ihr Land und es wird ihnen weggenommen.
  • Veraltete Anbaumethoden und geringe Produktivität führen dazu, dass Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nicht genügend ernten, um ihre Familien zu ernähren.
  • Verlust bei Ernte, Lagerung und Transport und Verschwendung von Nahrungsmitteln.
  • Ein unfaires internationales Handelssystem: Durch Agrarsubventionen können unsere Nahrungsmittel billig exportiert werden. Sie zerstören die lokale Produktion in Afrika und verhindern, dass afrikanische Bauern ihre Produkte zu einem fairen Preis verkaufen können.
  • Politische Konflikte, Gewalt und Kriege zerstören die Lebensgrundlage von Menschen
(Quelle: „Armut und Hunger beenden“ von Schulen – Gemeinsam für Afrika, http://www.gemeinsam-fuer-afrika.de/wp-content/uploads/2012/04/UM-GS_Armut-und-Hunger.pdf, S.23)

Oft entsteht bei den Kindern der Wunsch, etwas zu tun und ärmeren Ländern oder Kindern zu helfen. Gemeinsam mit den Kindern (und deren Eltern) können Sie verschiedene Möglichkeiten zusammentragen, wie man helfen könnte.

Beispiele: Spenden an Hilfsorganisationen (etwa über Spendenläufe), Patenschaften für Kinder, mit Aktionen oder Infoständen auf die Lage der Kinder aufmerksam machen, auf Basaren oder dem Schulfest Geld sammeln, Politiker bitten, etwas zu tun, nur fair gehandelte Produkte kaufen etc.

Übung 4: Es ist nicht sofort alles gut (Umgang mit Ängsten und Traumata)

Fächer: Deutsch, Sachunterricht, Religion/Ethik

Dauer: 30 - 45 min.

Angestrebte Kompetenzen: Empathie für Menschen mit Sorgen oder psychischen Problemen (Traumata) entwickeln, Kompetenzen im Umgang mit Angst- oder Panikattacken entwickeln, eigene Problemlösungen entwickeln, Begriffe nach inhaltlichen Kriterien sortieren

Materialbedarf: Pappkärtchen oder Zettel

In der Übung überlegen die Kinder, wie man Kindern mit Ängsten oder Traumata beistehen oder helfen könnte. Sicher kommen sie auf viele gute Ideen. Manche sind möglicherweise „zu viel des Guten“. Wichtig ist, dass den Kindern klar wird, dass sie sehr vorsichtig und sensibel und vor allem geduldig sein müssen. Und dass sie in jedem Fall Erwachsene zu Hilfe holen, wenn es zu einem akuten Angst-Anfall oder einer Panikattacke kommt.

Tipps, die Sie Kindern zum Umgang mit belasteten oder traumatisierten Kindern geben können
  • Geduld haben und einfach für sie da sein
  • Angebote machen, mitzuspielen, damit sie sich nicht allein oder ausgeschlossen fühlen
  • immer wieder versuchen, Kontakt aufzunehmen, vielleicht trauen sie sich am Anfang noch nicht und brauchen erst ein bisschen Zeit
Wenn ein Kind einen schlimmen Angst-Anfall bekommt:
  • Erwachsene zu Hilfe holen (!)
  • das Kind nicht allein lassen
  • ruhig mit ihm sprechen, mit Namen ansprechen
  • sagen, wo ihr seid und dass es sicher ist
  • versuchen, dem Kind das Gefühl zu geben, dass es sicher und geborgen ist.
  • genau auf die Reaktionen achten: ob das Kind z.B. nicht berührt werden möchte
  • etwas zu essen oder zu trinken anbieten. Das hilft ihm möglicherweise, wieder aus der schlimmen Erinnerung ins Hier und Jetzt zu kommen
  • ein Ortswechsel kann auch helfen (zum Beispiel an die frische Luft gehen)
Falls traumatisierte Kinder in der Gruppe sind

Wenn in der Klasse oder Gruppe traumatisierte Kinder sind, besprechen Sie mit diesen (und ggf. den Schulpsychologen) vorher, wie sie mit dem Thema umgehen sollen und was ihnen selbst am besten hilft. Fragen sie das Kind, ob es etwas dagegen hat, wenn sie in der Klasse über das Thema sprechen und ob es selbst etwas über sein Trauma oder seine Ängste erzählen möchte. Betroffene Kinder sollen nicht das Gefühl bekommen, anders zu sein und sich schämen zu müssen. Vielmehr sind ihre Reaktionen aufgrund ihrer Erfahrungen ganz normal. Dies sollte auch den Mitschülerinnen und Mitschülern deutlich werden. Eine professionelle psychologische Betreuung kann langfristig helfen, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

Weiterführende Informationen zum Umgang mit Traumatisierten finden Sie z.B. hier:

Zur Filmarbeit mit traumatisierten Jugendlichen: http://www.kinofenster.de/themen-dossiers/aktuelles-dossier/dossier-filmarbeit-flucht-traumata/

Birgit Kracke - Umgang mit traumatisierten Kindern: www.refugee-trauma.help/fileadmin/downloads/pdf/de/refugee-trauma-help-professioneller-umgang-in-der-schule.pdf

Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit traumatisierten Kindern. Ein Interview mit Dr. Marianne Rauwald: www.willkommen-bei-freunden.de/themenportal/artikel/umgang-mit-traumata-ein-interview-mit-dr-marianne-rauwald/

Barbara Preitler - Was sollen FreizeitanbieterInnen in der Begegnung mit traumatisierten Menschen beachten? www.umweltbildung.at/publikationen-materialien/publikationen-detailansicht.html?tx_hetopublications_pi1%5Bid%5D=178, S. 18 f.

Übung 5: Hoffnung: ein leuchtender Stern

Fächer: Deutsch, Sachunterricht, Religion/Ethik, Kunst

Dauer: 30 - 45 min.

Angestrebte Kompetenzen: Stärkung eines positiven Selbstkonzepts, Entwicklung von Empathie und Teamfähigkeit, Umsetzung realer Situationen in Bilder, Schreibkompetenz, ggf. Präsentation vor der Gruppe

Materialbedarf: Papier (mind. A3) und Stifte/Farben

Die Kinder denken an eine Situation, in der sie sich schon einmal wie ein leuchtender Stern gefühlt haben, ein Sprachbild, das Juliane im Film verwendet. Sie gestalten in Partnerarbeit gemeinsam ein Bild, in dem sie ihre zwei Stern-Momente zusammenbringen. Sie stärken so ihr positives Ich-Gefühl und lernen einander noch besser kennen. Sie erkennen, wie wichtig es ist, einander so zu akzeptieren wie sie sind.

Sie können die Aufgabe noch erweitern und die Kinder bitten, eine kleine Geschichte zu ihrem Bild zu schreiben.

Sie können eine Ausstellung der Bilder (und ggf. Geschichten) im Klassenraum oder an anderer Stelle organisieren und einen Rundgang durchführen, bei dem die Kinder etwas zu ihren Bildern erzählen.

Weiterführende Unterrichtsvorschläge und Arbeitsmaterialien

Zum Thema Armut und Hunger und zum bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln, Arbeitsmaterialien „Armut und Hunger beenden“ von Schulen – Gemeinsam für Afrika: http://www.gemeinsam-fuer-afrika.de/wp-content/uploads/2012/04/UM-GS_Armut-und-Hunger.pdf

Zum Thema Fairer Handel: www.fairtrade-schools.de/ideenpool/unterrichtsmaterialien/

Ideen für die Grundschule: https://www.fairtrade-schools.de/fileadmin/ft-schools/fairtrade_ideen_grundschule.pdf

Zum Thema Waisenhaus, Kinderrechte: Arbeit mit dem Animationsfilm „Mein Leben als Zucchini“(2017): http://www.kinofenster.de/download/kf1702-mein-leben-als-zucchini.pdf

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-SA 4.0 - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Katharina Reinhold für bpb.de

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