Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion | Theresa Samuelis am 27.07.2017

Sponsoring in der Schule: Ein Praxisbeispiel

Sponsoring, Werbung, Wirtschaftskooperationen – in den Schulgesetzen der Länder ist klar geregelt, wie so etwas in den Schulen aussehen darf und wie nicht. Wie kommt es zu einer Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, welche Entscheidungsprozesse sind nötig und was kommt in den Klassenzimmern davon an? Ein Interview mit Ulrike Gemein, Grundschullehrerin und Initiatorin einer vom Cornelsen Verlag finanzierten Tablet-Klasse.

Sponsoring in der Schule: Ein PraxisbeispielRegelungen für das Sponsoring in Schulen legt das Schulgesetz des jeweiligen Bundeslandes fest. ( jeonghwaryu0 / bearbeitet / pixabay / Lizenz CC0 )

werkstatt.bpb.de: Wie ist Idee der Tablet-Klasse entstanden?

Ulrike Gemein: Wir arbeiten an unserer Schule bereits seit einigen Jahren mit Tablets, die sich die Klassen für Projekte in die Klassen holen dürfen. Hierbei habe ich gemerkt, dass das Ausleihen und Teilen von Geräten etwa bei der Erstellung von Trickfilmen erhebliche logistische Schwierigkeiten bietet. Durch den Einsatz von Tablets für jede Schülerin und jeden Schüler erhoffe ich mir nun eine bessere Möglichkeit zur Differenzierung und Individualisierung.

Wie kam es zur Kooperation mit dem Cornelsen Verlag, der die Tablets finanziert?

Die Klasse muss offen sein für Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten. Der Schulbesuch ist natürlich kostenlos und die Eltern dürfen für den Besuch der Tablet-Klasse nicht zusätzlich zahlen. Aus diesem Grund brauchten wir einen Sponsor für die Geräte. Da Digitalisierung in der Schule zurzeit in aller Munde ist, hatte ich eigentlich erwartet, dass die Sponsorensuche einfach wird. Die Schulpflegschaft, der Förderverein und andere Vertreter der Schule haben sich auf Sponsorensuche begeben und zahlreiche Stiftungen sowie kleine und große Firmen angeschrieben. Leider bekamen wir nur Absagen. Der Cornelsen Verlag kam eigentlich durch Zufall auf uns zu. Mit ihm haben wir einen Sponsor gefunden, den auch die Entwicklung der Tablet-Klasse interessiert und der sehr gut zu uns passt. Der Verlag besucht uns regelmäßig und ist sehr an der Entwicklung der Klasse interessiert. Personenbezogene Daten der Kinder, wie etwa die schulischen Leistungen, werden natürlich nicht erhoben.

Sponsoring-Kooperationen für Schulen basieren auf bestimmten rechtlichen Grundlagen. Wie sah der rechtliche Prüfungsprozess aus beziehungsweise in welchen Gremien wurde über die Zusammenarbeit entschieden?

Es gibt in jedem Bundesland klare Vorgaben, unter welchen Voraussetzungen eine Kooperation von Schule und Wirtschaft möglich ist. Diese Vorgaben haben wir eingehalten und die Verträge mehrfach juristisch prüfen lassen. Es war ein langer Weg, denn viele Stellen mussten und sollten mit eingebunden werden: Wir haben Rücksprache mit dem Schulträger, der Schulaufsicht und vielen weiteren Ansprechpartnern gehalten. Zum Schluss tagte die Schulkonferenz und hat die Tablet-Klasse beschlossen.


Hier finden Sie die Regelungen zu Sponsoring und Werbung an Schulen in den entsprechenden Schulgesetzen der Bundesländer

  • Baden-Württemberg
    Bayern
    Berlin
    Brandenburg
    Bremen
    Hamburg
    Hessen
    Mecklenburg-Vorpommern
    Niedersachsen
    Nordrhein-Westfalen
    Rheinland-Pfalz
    Saarland
    Sachsen
    Sachsen-Anhalt
    Schleswig-Holstein
    Thüringen


  • Welche Aspekte standen bei der Auswahl der Tablets im Vordergrund?

    Wir haben bei der Produktauswahl die Aspekte Intuitivität der Bedienung, Verfügbarkeit geeigneter Apps, Anpassungsmöglichkeiten an besondere Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler, Akkulaufzeit, Gewicht, Administrationsmöglichkeiten und Unterrichtserfahrungen betrachtet. Die Wahl fiel auf kleine Tablets mit einem relativ geringen Gewicht und einer guten Bildschirmauflösung. Die Geräte wurden vorher von Kindern mehrerer Klassen getestet und für gut befunden.

    Wie sieht die Implementierung der Tablets vor dem Hintergrund datenschutzrechtlicher und technischer Anforderungen im Klassenzimmer aus?

    Die Tablets werden durch ein Mobile Device Management (MDM) verwaltet. Die Kinder haben somit keine Möglichkeit, Apps selbst zu installieren und ich kann bei Bedarf bestimmte Funktionen auf den Tablets sperren. Apps sind den Tablets individuell zugewiesen, also an die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder angepasst. Es gibt zum Beispiel Apps zum Deutschlernen aber auch eine App mit mathematischen Knobelaufgaben. Wir arbeiten auch mit Lernportalen. Hier haben die Kinder eigene Zugänge und bekommen individuelle Aufgaben.

    Infokasten

    Ulrike Gemein ist Grundschullehrerin und Medienberaterin im Auftrag des Kompetenzteams des Landes NRW. Im Schuljahr 2016/17 startete auf ihre Initiative hin die erste Grundschulklasse, die ab der 1. Klasse mit iPads im Verhältnis 1:1 arbeitet. Im Unterricht werden dabei die Arbeit mit Buch und Tablets abgewechselt und Tablets dort eingesetzt, wo es einen pädagogischen oder didaktischen Mehrwert bietet.




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