Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

How-to: Vielfalt in Texten erzählen

Worte haben Gewicht. Umso bedeutsamer ist ein bewusster und diskriminierungssensibler Sprachgebrauch, gerade in Bildungskontexten. Drei exemplarische Angebote geben Empfehlungen, wie dies gelingen kann.

Für eine vielfaltssensible Sprache.Die richtigen Worte zu finden, ist nicht immer leicht. (Skitterphoto / bearbeitet / pexels.com / Lizenz: CC0)

Ob gesprochen oder geschrieben: Sprache ist weder wertfrei noch neutral – egal, ob Aussagen getroffen, Inhalte vermittelt oder Informationen transportiert werden sollen. Sprache erzielt Wirkungen und Handlungen, Worte tradieren Meinungen, normative Denkmuster, Werte und (Welt)Anschauungen. Oftmals schließt Sprache auch aus und reproduziert Rassismen, Diskriminierungen und Stereotype.



Verschiedene Initiativen sensibilisieren in diesem Zusammenhang für sprachliche Machtmechanismen und Ausgrenzungen und haben Leitfäden für einen gendersensiblen und nichtdiskriminierenden Sprachgebrauch veröffentlicht. Mit Hilfe dieser Leitfäden können Medienberichte und Textbeiträge in Bildungskontexten kritisch geprüft werden: Wer richtet sich an wen? Wer wird angesprochen und wer nicht? Welche Wirkung entsteht durch eine bestimmte Wortwahl in Bezug auf eine bestimmte Gruppe?

Die folgenden drei Beispiele bieten Handreichungen und Begrifflichkeiten für eine vielfaltssensible Sprache.

Glossar: Neue Begriffe für die Einwanderungsgesellschaft

Bereits nach Bekanntwerden der rassistisch motivierten Mordserie des NSU machten die Neuen deutschen Medienmacher auf den strukturellen Rassismus in der medialen Berichterstattung aufmerksam. Ihre Formulierungshilfen für die Berichterstattung über die Neonazi-Mordserie des NSU stießen auf große Resonanz bei Medienvertreterinnen und Medienvertretern und mündeten in einem zweitägigen Workshop zur Erarbeitung einer "Sprache der Vielfalt". Gemeinsam mit Expertinnen und Experten erarbeiteten die Neuen deutschen Medienmacher ein umfassendes und kostenloses Glossar mit Anregungen, Alternativbegriffen und Empfehlungen. Das thematisch und alphabetisch sortierte Glossar gibt es nicht nur online, als PDF und als Broschüre, sondern auch direkt als App für das Smartphone.


Leitfaden: "Auf Augenhöhe"

Der Leitfaden "Auf Augenhöhe" zur Darstellung von Menschen mit Behinderung richtet sich primär an Medienschaffende. Er basiert auf der Überzeugung, dass Medien zu einer besseren Sichtbarkeit beitragen und somit aktiv zu einem inklusiven Leben von behinderten und nicht behinderten Menschen beitragen können. Neben konkreten sprachlichen Tipps und alternativen Formulierungen, bietet der Leitfaden Tipps für die Interviewführung und schärft den Blick und die Perspektiven für eine Berichterstattung, die Ausgrenzungen vermeidet. So sensibilisieren die Herausgebenden auch für die thematische Darstellung:

  • Der Umstand, dass eine Person mit einer Behinderung lebt, könnte irrelevant für den Beitrag sein.
  • Meist ergeben sich "Behinderungen" eher durch die Umwelt, beispielsweise durch mangelnde Barrierefreiheit, Vorurteile im Bekanntenkreis, Arbeitslosigkeit und vieles andere.
  • Behinderte Menschen haben auch eine Meinung zu anderen Themen als zu ihrer Behinderung.
  • Das Thema Inklusion benötigt einen vielseitigen Blick, man sollte also verschiedene Perspektiven für ein umfassendes Meinungs- und Stimmungsbild nutzen.


  • An der von der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen 2015 herausgegebenen Broschüre wirkten auch das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, leidmedien.de und Fachleute aus anderen Verbänden sowie dem Medienbereich mit.

    Leitfaden: "ÜberzeuGENDERe Sprache"

    Sprachwissenschaftliche Studien belegen hinreichend, wie durch die Verwendung des generischen Maskulinums Geschlechter ausgegrenzt und somit Rollenzuschreibungen reproduziert und verfestigt werden. So zeigte etwa Dries Verveckens und Bettina Hannovers Studie Yes, I Can! (2015), welch großen Unterschied Berufsbezeichnungen auf die Wahrnehmung von Kindern haben: Werden für "typische Männerberufe" auch die weiblichen Bezeichnungen verwendet, können mehr Mädchen sich vorstellen, diesen Beruf auszuüben. Der Leitfaden ÜberzeuGENDERe Sprache der Universität Köln liefert weitere Argumente sowie rechtliche Hinweise für einen diskriminierungs- und gendersensiblen Sprachgebrauch und erklärt die zentralen linguistischen Strategien des "Neutralisierens" geschlechtlicher Zuschreibungen in Begrifflichkeiten und des "Sichtbarmachens" geschlechtlicher Vielfalt. Antworten darauf, was gendersensible Sprache genau bedeutet und welche Formulierungshilfen dabei helfen, gibt es in diesem online verfügbaren und 2017 überarbeiteten PDF.

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