Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen


"In einer digitalen Gesellschaft macht analoge Schule keinen Sinn"

Verena Knoblauch unterrichtet Tablet-Klassen in der Primarstufe. Sie trifft auf begeisterte Kinder, unsichere Eltern und eine skeptische Gesellschaft. Von ihren Erfahrungen erzählt sie im Interview.

Verena Knoblauch unterrichtet Tablet-Klassen in der Primarstufe. Sie trifft auf begeisterte Kinder, unsichere Eltern und eine skeptische Gesellschaft. Von ihren Erfahrungen erzählt sie im Interview.

Für einen schnellen Überblick:
0:31 - Warum ist es wichtig, dass Kinder in der Grundschule mit digitalen Medien arbeiten?
1:42 - Wie sieht Ihre Arbeit in den Tablet-Klassen aus?
2:30 - Welche Risiken besprechen Sie mit den Kindern?
4:05 - Welche Hürden begegnen Ihnen?
5:27 - Was sind Ihre Forderungen für eine bessere Integration digitaler Medien in der Schule?

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Hintergrundinformationen zum Interview

Das Interview entstand im Rahmen der re:publica 2018 beim Medienpädagogischen Meetup. Gemeinsam mit drei weiteren Bildungsakteurinnen initiierte Verena Knoblauch dort einen Erfahrungsaustausch zwischen Pädagogen, Eltern, Medienberaterinnen, Gamern und Interessierten, um die Medienbildung für junge Menschen voranzubringen.

Verena Knoblauch ist Medienpädagogin und Lehrerin an der Friedrich-Staedtler-Grundschule Nürnberg. Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie zwei Tablet-Klassen aufgebaut, mit denen sie nun im dritten Jahr arbeitet. Außerdem ist sie in der Lehrerfortbildung tätig.


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Kommentare anderer Nutzer

Stefan Padberg | 04.07.2018 um 12:13 [Antworten]

Die Gesellschaft ist nicht digital, Frau Knoblauch!

Die Gesellschaft ist nicht digital! Auf Digitaltechnik beruhende Geräte haben zwar stark zugenommen, aber deshalb ist die Gesellschaft noch lange nicht "digital". Pädagogik braucht einen klugen Mix aus "digital" und "analog". Und das heißt für mich vor allem eine alterstufengerechte Differenzierung.

Im Kindergarten und Grundschulbereich haben digitale Geräte nichts zu suchen, da die Kinder intellektuel noch nicht in der Lage sind, mit ihnen zielgerichtet umzugehen. Die meiste sog. "Lernsoftware" ist manipulativ und fördert nicht die Eigenständigkeit. Sie macht die Kinder zu Knöpfchendrückern und entzieht ihnen auf der anderen Seite sinnliche Erfahrungen, mit denen sie überhaupt erst ein Bewußtsein von der physischen Welt erlangen können. Ein kleines Kind lernt durch 2 Stunden Baum klettern oder Sandkasten spielen mehr als durch 2 Std. Knöpfchen drücken.

In höheren Klassenstufen macht der Einsatz digitaler Medien dann durchaus Sinn, wobei die "analogen" sozialen und künstlerisch-kreativen Fähigkeiten nicht zu kurz kommen dürfen, denn im Gegensatz zu den digitalen Geräten, mit denen die Kinder den ganzen Rest ihres Lebens umzugehen haben, können sie die "analogen" Fähigkeiten fast nur noch in der Schule lernen. Im Elternhaus und im Berufsleben findet das nicht statt und muss dann später mit teuren Workshops und Kursen nachgeholt werden.

Horst Schumacher | 04.07.2018 um 16:54 [Antworten]

Tabletklassen in der Primarstufe

Theoretische Erörterungen bzw. Darstellungen sind ja gut und schön. Sehr gern hätte ich einmal einen Blick über ca. 20 bis 30 Minuten in den konkreten Unterricht geworfen um einmal zu sehen, wie agieren die Schülerinnen und Schüler.

Prof. Dr. Paul D. Bartsch | 04.07.2018 um 17:23 [Antworten]

"In einer digitalen Gesellschaft macht analoge Schule keinen Si

Was für verhängnisvolle Irrtümer in diesem Statement! Die Gesellschaft sei digital, wir könnten nichts dagegen tun, und analoge Schule mache da keinen Sinn?! Gesellschaft ist nicht per se "digital", sondern - im besten Falle - sozial, kulturell, politisch, humanistisch. Das sind zutiefst "analoge" Aspekte, die es zu bewahren gilt. Wir sind nicht das Kaninchen vor der Schlange, das dem Druck internationaler Medienkonzerne hilflos ausgeliefert ist. Die entscheidende Frage, die Richard David Precht in seinem aktuellen Buch "Jäger, Hirten, Kritiker - eine Utopie für die digitale Gesellschaft" stellt, lautet: "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" Darauf kann man nicht mit Tabletklassen antworten; hier ist ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs gefordert, in den sich Bildungsexperten verstärkt einbringen müssen. Dabei ist es keine Frage, ob geeignete Medientechnologien, sofern sie den Bildungsprozess unterstützen und bereichern, angemessen in diesen integriert werden sollen - natürlich! Aber diese technologiezentrierte Debatte, die darauf hinausläuft, der Wirtschaft möglichst passgenaue Schulabgänger zu liefern, stößt meinem aufklärerisch-humanistischen Bildungsverständnis zunehmend auf.

Erwin | 04.07.2018 um 18:02 [Antworten]

Kinder sind keine Versuchskaninchen

Die Kritik an dem Tableteinsatz an Grundschulen ist wissenschaftlich begründet vgl. Prof. Dr. Manfred Spitzer: Digitale Demenz.
Es ist unverantwortlich, Kindern, deren Gehirne noch nicht voll entwickelt sind, Tablets in die Hand zu drücken.
Für Recherche oder kreatives Arbeiten sind Tablets nicht notwendig. Im Gegenteil: wer bei der Google Suche einige Fakten sammelt, lernt genau keine Recherche. Für kreatives Arbeiten gibt es Papier, Schere, Ton und viele andere Materialien die haptisch erfahrbar sind.
Die Forderung, die Wartung der Tablets an einen Servicetechniker zu übergeben, wird oft wiederholt. Gleichwohl meine ich, dass Lehrkräfte für ihr Unterrichtsmaterial verantwortlich sind. Wenn sie digitale Medien einsetzen, dann brauchen sie eben auch entsprechend Zeit, diese für den Unterrichtseinsatz vorzubereiten.

Sebastian Wendt | 05.07.2018 um 20:02 [Antworten]

Digitales Gesellschaft

Das Thema ist sehr komplex und nicht einfach positiv oder negativ zu bewerten. Auch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eins erscheint mir aber wichtig: Der Zeitfaktor ist immens, das heißt: Die Zeit, die mit den Tablets aufgewendet wird, steht nicht für andere Aktivitäten zur Verfügung. Beispiel: die Zeit, die ich mit den Schülerinnen und Schülern vor dem Tablat verbringe, habe ich nicht zur Verfüfung um sinnliche Erfahrungen z.B. im Wald zu machen. Es ist ein Trugschluss zu Glauben, dass alles geht. Am Ende ist aber die Welt nicht digital sondern ganz real. Die Frage muss also immer die sein: was bringt der Einsatz mehr an Nutzen. .... und das ist äußerst schwierig zu beantworten.
Sebastian Wendt

Hartmut Gliemann | 06.07.2018 um 08:03 [Antworten]

In einer digitalen Gesellschaft macht analoge Schule keinen Sin

1. "Die Gesellschaft und das Leben bestehen aus mehr als einer zunehmenden Digitalisierung, sondern das Miteinander – auch in der Schule - findet analog statt.

2. Kinder lernen in der Konfrontation mit dem realen Leben viele Fähigkeiten wie räumliche Wahrnehmung und nicht am tablet. Natürlich sind die Kinder neugierig auf neue Dinge und ein Tablet mit bewegten Bildern zieht sie mehr in den Bann als eine Ritterburg, bei der sie die Figuren selbst bewegen müssen. Jede Minute vor dem Tablet fehlt dem Kind, um in seiner sensomotorischen Entwicklung voranzukommen und diese ist wichtig auch für das weitere Lernen.

2. Frau Knoblauch liefert keinerlei Begründung, warum die Nutzung von tablet und Internet schon für Sechsjährige sinnvoll sein soll. Die Entwicklung von moralischen Haltungen kommt in ihrer Argumentation nicht vor ebenso wenig wie die Fähigkeit nonverbale Signale richtig deuten zu können als Grundlage für soziale Aktivitäten.

3. Kinder sollen die Chancen nutzen können, die ihnen die Gesellschaft bietet – durchaus richtig und Frau Knoblauch weist auch darauf hin, dass die Kinder die Gefahren erkennen sollen, die damit verbunden sind. Sie liefert aber keine Antwort auf die mögliche Frage, ob die Kinder diese Gefahren wirklich realisieren und sich dann an die Hinweise auf den Umgang auch halten oder ob die Neugier auf die Nutzung nicht siegt. "ich habe mal in der 4.Klasse über das Chatten gesprochen" – sehr schön, aber sie nennt nicht, welche Veränderungen dieses Gespräch dann bei den Kindern mit sich brachte.

4. "Wir wollen das echte Leben in die Schule reinholen und da gehört die Digitalisierung dann dazu." Sie konzentriert sich auf die Technologie selbst , unterlässt es aber zu diskutieren, wie uns die intensive Nutzung dieser Technik selbst verändert.

5. Die Kinder arbeiten handlungsorientiert und lernen Probleme zu lösen. Unstrukturiertes Spielen ist notwendig, um Fähigkeiten zur Lösung von Problemen zu entwickeln, aber das gerät nicht in den Blick.

6. Die Hattie-Studie hat gezeigt, dass der Mensch vor der Klasse als Bezugsperson die wichtigste Lernanregung gibt, insbesondere auch für das soziale Lernen – das kommt bei ihr nicht vor. Das die Arbeit mit dem tablet gleichzeitig eine Konditionierung für das Lernen mit der Maschine, gesteuert von Programmen ist, kein Problem für sie.

7. Die Kinder lernen nach ihrer Aussage z.B. zu recherchieren, sie unterlässt es aber sich damit auseinanderzusetzen, dass digitale Medien mit ihrer Geschwindigkeit, Reizüberflutung und Oberflächlichkeit Lernprozesse untergraben können.

8. Aus ihrer Sicht herrschen in der Gesellschaft Vorurteile und Ängste. Dass auch namhafte Wissenschaftler wie Gerald Lembke vor dem frühzeitigen Einsatz des PC warnen, ist für sie keine Erwähnung wert, sondern wertet dies nicht nur mit dem Begriff "unwissenschaftliche Vorurteile" ab, sondern erwartet auch, dass man diesen nicht so viel Platz einräumt.


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