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Arbeitsblatt: Dokumentarfilm, Smartphones und Social Media

Erzählen und Zeigen im Film Einführung: Die Verbindung von Analyse und Praxis in der Filmvermittlung Die Filmeinstellung: Eine Pädagogik der kleinen Einheiten Eine Szene in Varianten Politisches Zeigen, politisches Erzählen Unterichtsmaterial Redaktion

Arbeitsblatt: Dokumentarfilm, Smartphones und Social Media

Dr. Brigitta Wagner

/ 5 Minuten zu lesen

Ready to make some good trouble – Protestierende der Black Lives Matter Bewegung. (© picture-alliance, Amy Harris/Invision/AP)

Klassen: ab 9. Klasse
Fächer: Kunst, Politik, Geschichte, Deutsch, Ethik
Methodisch-didaktischer Kommentar: Interner Link: Download "Hinweis für Lehrende" als pdf-Datei

In einer Zeit, die von Smartphone-Kameras und Social Media geprägt ist, haben wir zu einem potentiell unbegrenzten Bildrepertoire aus der ganzen Welt Zugang. Auch haben wir selbst die Möglichkeit, mit unseren eigenen Kameras Ereignisse zu filmen, eigene Bilder zu produzieren und sie mit einem breiteren Publikum zu teilen. Wo liegen hierbei die Chancen und welche Gefahren gibt es? Inwiefern können diese Technologien informieren und auf Missstände verweisen? Worauf müssen wir achten, um kritisches Material zu erkennen? Um dies zu untersuchen, bietet sich eine detaillierte Videoanalyse von Smartphone-Videos an, die Vorfälle von rassistisch motivierten Übergriffen und Polizeigewalt in den USA dokumentieren. Durch den schnellen Upload oder das Live-Streaming via Social Media erreichen einige dieser Videos eine globale Öffentlichkeit und stärken dadurch politische Bewegungen wie "Black Lives Matter" in den USA. Können diese unmittelbar verbreiteten Smartphone-Videos dazu beitragen, die Ungleichheit und den Rassismus in der Welt sichtbarer zu machen oder gar zu bekämpfen?

Aufgabe 1: Das eigene Nutzungsverhalten

  1. Besprecht im Plenum zunächst die folgenden Fragen und haltet die Antworten auf der Tafel oder dem Whiteboard fest:

    • Wie oft macht ihr Fotos oder Videos mit euren Smartphones?



    • Was fotografiert ihr in eurem Alltag und für welche Zwecke macht ihr das?



    • Habt ihr schon einmal ein interessantes Ereignis auf der Straße aufgenommen? Was hat euch zu diesem Schritt bewogen?



    • Habt ihr je ein politisches Ereignis im öffentlichen Raum erlebt? Wenn ja, welche(s)? Habt ihr Foto- oder Videoaufnahmen davon gemacht und wenn ja, zu welchem Zweck?

  2. Einige rassistische Vorfälle werden heutzutage durch Smartphone-Videoaufnahmen von Amateur*innen und ihre direkte Verbreitung via Social Media einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Was verbindet ihr mit dem Begriff "Rassismus"? Sammelt alle Assoziationen an der Tafel oder auf dem Smartboard.


  3. Diskutiert folgende Frage im Plenum: Was ist "institutioneller" Rassismus (auch: struktureller Rassismus)? In welchen gesellschaftlichen Teilbereichen zeigt er sich? Recherchiert eine Definition für den Begriff, zum Beispiel in Interner Link: diesem Video.


  4. Sammelt euch jetzt in Kleingruppen von 3-4 Personen. Beginnt eine Online-Recherche zu institutionellem Rassismus entweder im deutschen, europäischen oder US-amerikanischen Kontext. Wo und wie zeigt sich struktureller und institutioneller Rassismus? An welchen gesellschaftlichen Strukturen oder Alltagserfahrungen wird dies deutlich? Gibt es bekannte Vorfälle oder mediale Ereignisse? Achtet bei eurer Recherche auf die Seriosität der Quellen. Tragt eure Ergebnisse in der großen Runde zusammen, diskutiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Die Body-Cam eines Polizisten zeigt fünf Personen, die den früheren Polizisten Derek Chauvin filmen während er sieben Minuten lang sein Knie auf George Floyd´s Hals drückt und ihn dadurch tötet. (© picture-alliance, ASSOCIATED PRESS)

Aufgabe 2: Videoanalyse

  1. Fokussiert euch nun auf die amerikanische "Black Lives Matter"-Bewegung als gemeinsames Analysebeispiel. Wie in "Interner Link: Les Sauteurs – Those who jump" gibt es im Fall der Polizeigewalt in den USA oft zwei Arten von Bildmaterial, die eine neue Sichtbarkeit von Rassismus schaffen. Einerseits ist dies Externer Link: Videomaterial von Überwachungskameras und zunehmend auch von Polizei-Bodycams und andererseits sind es private Smartphone-Videoaufnahmen von Zeitzeug*innen oder Betroffenen. Eure Lehrer*innen nennen euch einen konkreten Vorfall eines rassistisch motivierten Übergriffes: Recherchiert dazu in euren Kleingruppen und analysiert das Original-Videomaterial.


  2. Beantwortet dazu folgende Fragen:

    • Welche Videoaufnahmen gibt es zu dem Vorfall?



    • Wer hat das Material gedreht?



    • Was sehen wir? Was sehen wir nicht?



    • Wo ist die Kamera? (Höhe, Kamerawinkel, nah an dem Geschehen, weiter weg)



    • Wie reagiert die Kamera auf das Geschehen? Gibt es Bewegungen, oder ist die Kamera statisch? Wann wird die Kamera bewegt? Gibt es Kamera-Zooms? Falls ja: Warum könnten sich die Filmemacher*innen dafür entschieden haben?



    • Ist die Präsenz einer Kameraperson in dem Smartphone-Video spürbar? Inwiefern?



    • Ist das Geschehen in einer Externer Link: Plansequenz gedreht oder gibt es Schnitte?



    • Welche Besonderheiten fallen euch in Bezug auf den Ton auf? Inwiefern beeinflusst die Tonspur das, was wir sehen?

  3. Recherchiert im Internet, in welchem Kontext das Videomaterial gepostet wurde und wer es veröffentlicht hat. Wie wurde in den traditionellen Nachrichtenmedien und auf Social Media auf das Video reagiert?


  4. Stellt in einer kurzen PowerPoint-Präsentation eure Überlegungen aus der Gruppe euren Mitschüler*innen vor. Erörtert gemeinsam in der Klasse die Vor- und Nachteile von Smartphone-Videos und Social Media bei der Sichtbarmachung von Rassismus und Polizeigewalt in den USA.

Immer mit dabei – das Smartphone hält alle Momente fest. (© nick-fewings_unsplash)

Aufgabe 3: Videodreh

  1. Jetzt seid ihr dran! Ob es die Graffitis sind, die ihr auf dem Schulweg seht, Demonstrationen, die im öffentlichen Raum stattfinden, oder ein anderes lokales politisches Ereignis: Beobachtet eure Umgebung genau und sucht euch dann ein für euch besonderes Ereignis oder Motiv aus, das die Themen "Unrecht," "Ungleichheit" oder "Rassismus" darstellt oder thematisiert und das ihr mit der Smartphone-Kamera festhalten möchtet. Nur wenn ihr eine ganz klare Idee habt, was ihr zeigen wollt, solltet ihr mit diesen beiden Filmaufgaben beginnen:

    1. Kameramobilität und die Erstellung von Zusammenhängen:
      Mittels Kamerabewegungen kann eine Kameraperson Zusammenhänge zwischen Personen oder Motiven innerhalb einer einzelnen Einstellung aufzeigen. Stellt in einer einzelnen kurzen Kamerabewegung einen solchen Zusammenhang zwischen entweder zwei Menschen, Objekten, Gruppen oder Schildern her – je nachdem was auf euer Ereignis bzw. euren Gegenstand zutrifft. Nutzt dafür einen Externer Link: Kameraschwenk. Die Aufnahme sollte maximal 20 Sekunden dauern.




    2. Detaillierte Beobachtung einer Aktion:
      Um Ereignisse festhalten zu können, ist es wichtig einer Aktion rasch und konzentriert mit der Kamera zu folgen. Oft passieren dabei mehrere Dinge gleichzeitig, beispielsweise auf einer Demo, wenn eine Person eine Rede auf der Bühne hält und die Menge darauf reagiert. Um solche Aktionen und darauf folgende Reaktionen aufzunehmen, ist es wichtig, vorausschauend mit der Kamera zu agieren. Beobachtet in dieser Übung ununterbrochen 60 Sekunden lang eine Situation in der Öffentlichkeit und filmt diese. Bei der Kameraführung sind eurer Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt.

    Hinweis: Wenn ihr Menschen aus der Nähe porträtiert und diese voraussichtlich im Bild erkennbar sein werden, müsst ihr diese Personen vor Beginn der Aufnahme um ihr Einverständnis bitten. Nur mit ihrem Einverständnis dürft ihr sie filmen.


  2. Führt eure kurzen Videos der Klasse vor und gebt euch konstruktives Feedback. Folgende Fragestellungen können dabei helfen:

    • Was ist besonders gut gelungen? (beispielsweise die Auswahl des Subjekts, die Einstellungen selbst, das Timing, die Verbindungen, die durch die Kameraarbeit hergestellt werden?)



    • Welche Verbesserungsvorschläge gibt es?

  3. Diskutiert danach im Plenum die folgenden Fragen:

    • Was denkt ihr, mit welchem Ziel oder aus welchem Grund wurde die Aktion aufgenommen? Was wollte die Autorin/der Autor uns zeigen (oder festhalten)? (Wodurch) wird die Haltung der Kameraperson zum Geschehen deutlich?



    • Was hat die Smartphone-Kamera euch erlaubt zu beobachten und aufzunehmen? Was nicht?



    • Wie werden Zusammenhänge der Ereignisse/des Gezeigten deutlich?



    • Was sagen eure Aufnahmen über die Umgebung und Zeit aus, in der sie gemacht worden sind?



    • Inwiefern gewinnt man anhand der Aufnahmen ein besseres Verständnis für andere Menschen und für die eigene Gesellschaft?



    • Welche Rolle könnte die Veröffentlichung der Videos auf Social-Media-Kanälen spielen?

Weitere Inhalte

Dr. Brigitta Wagner ist deutsch-amerikanische Filmhistorikerin und Filmemacherin und lehrt an der MET Film School Berlin. Sie war Juniorprofessorin an der Indiana University mit dem Schwerpunkt deutsche Filmgeschichte. Als Filmvermittlerin arbeitet sie mit Schüler/-innen u.a. zum Erfahrungsraum Kino.