Geschichte begreifen

13.11.2008 | Von:
Christine Kindt

Schülerausstellungen

Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung


Überlegungen zu den Arbeitsformen

Vor Beginn der inhaltlichen Arbeit sollte die Lehrkraft die Arbeitsformen zusammenstellen, die sich für das entsprechende Thema anbieten.

Ist es möglich, mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu arbeiten, sollte die ausführliche Vorbereitung und Nachbereitung eines solchen Gesprächs eingeplant werden. Dazu gehört neben der Wiederholung von Kenntnissen zu den historischen Zusammenhängen unter denen der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin lebte, auch die Erarbeitung eines Fragenkatalogs und die Planung des Gesprächs.

Sehr wichtig ist es, den Schülerinnen und Schülern zu einem kritischen Blick auf die Darstellungen von Zeitzeuginnen sowie Zeitzeugen zu verhelfen. Sie sollen erkennen, dass die Erlebnisse und Erfahrungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen teilweise unreflektiert wiedergegeben werden und auch von den historischen Zusammenhängen abweichen können. Die Schülerinnen und Schüler lernen durch das Gespräch mit Zeitzeuginnen oder Zeitzeugen, das Einzelschicksal in die große Geschichte einzuordnen.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Familiengeschichte der Schülerinnen und Schüler einzubeziehen. Für den einzelnen Schüler oder die einzelne Schülerin ist es interessant, welche Geschichten und Anekdoten in der Familie weitergegeben werden, auch wenn zu vielen Themenbereichen des Nationalsozialismus in Deutschland die Familienangehörigen, die diese Zeit erlebten, nicht mehr selbst erzählen können. Außerdem wird der ganzen Klasse beim Vorstellen von Familienbefragungen bewusst, welche ähnlichen Erfahrungen unterschiedliche Familien machten.

Wenn sich ein Bezug zur regionalen Geschichte anbietet, sollte er unbedingt genutzt werden. Dadurch erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass Geschichte nicht nur in weit entfernten Orten stattfand, sondern dass sich ähnliche Ereignisse auch in der eigenen Stadt/ Gemeinde ereignet haben, zum Beispiel, in einem Haus, das man fast nie wahrnahm. So werden Ereignisse aus der Zeit des Nationalsozialismus, die für die Schülerinnen und Schüler in einer weit zurückliegenden Zeit stattfanden, emotional fassbarer und vorstellbarer.

Einbeziehung von Quellen

Die Arbeit mit und in Bibliotheken kennen Schülerinnen und Schüler seit der Grundschulzeit. Der Hinweis, bei der Materialsammlung auch auf Bibliotheken zurückzugreifen, ist trotzdem wichtig. Schülerinnen und Schüler nutzen schon seit mehreren Jahren besonders gern und möglichst ausschließlich die neuen Medien. Dies kann auch Anlass sein, einen kritischen Umgang mit Informationen aus dem Internet zu üben.

Der Lehrer oder die Lehrerin sollte außerdem im Vorfeld abklären, inwieweit die Archivarbeit für das Anlegen der Materialsammlung hilfreich ist. Vor allem in Oberstufenklassen ist die Recherche in Archiven zu empfehlen, da neben selbstständiger Tätigkeit auch die Analyse von Quellen und ihre Einordnung in historische Kontexte geübt und gefestigt werden.

Wenn erstmals in einem Archiv gearbeitet wird, müssen mehrere Stunden für eine Einführung ins Archiv und seine Arbeitsweise sowie Übungen zum Umgang mit den dort zu findenden Quellen eingeplant werden.

Arbeitsphase

Der Beginn der Arbeitsphase dient der Wiederholung der Grundkenntnisse und der Schaffung einer gemeinsamen Ausgangslage für alle Beteiligten. Anschließend sollte innerhalb der ganzen Klasse/Projektgruppe gemeinsam beraten werden, welche Teilthemen für die umfassende Darstellung des gewählten Ausstellungsthemas bearbeitet werden müssen.

Die Teilthemen machen dann schon eine Grundstruktur der Ausstellung sichtbar. An dieser Stelle ist eine gemeinsame Besprechung der Recherchemöglichkeiten in Archiven, Bibliotheken, bei Zeitzeugen sowie Zeitzeuginnen oder auch im Internet wichtig. Gegebenenfalls folgt dann die Einführung in die Archivarbeit und/oder die Vorbereitung der Zeitzeugengespräche.

Die Arbeitsgruppen werden nach den gemeinsamen Vorbereitungen gebildet. Die Mitglieder einer jeden Kleingruppe müssen sich zunächst darauf verständigen, welches Teilthema sie gemeinsam bearbeiten wollen. Der Lehrer oder die Lehrerin muss vermeiden, dass zwei Gruppen die gleiche Arbeit leisten wollen.

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