Inhaltsbeschreibung
Der Zeithistoriker Wolfgang Benz untersucht die Erfahrungen von Exil und Emigration zwischen 1933 und 1945 in ihrer Komplexität und Vielfalt. Den wenigen Aufsehen erregenden Schicksalen von Künstlern, Politikern und Berühmten stellt er das Leid und das Elend der viel zahlreicheren unbekannten Exilanten gegenüber. Benz richtet den Fokus auf die Lebenswelten der gewöhnlichen Menschen, die Deutschland verließen oder verlassen mussten. Er schildert die Orte, an denen sie Zuflucht fanden, und beleuchtet die Frage nach dem Ende des Exils. Die Lehre aus der Geschichte von Vertreibung, Flucht und Emigration, so Benz, liege im Bekenntnis zu Demokratie, Toleranz, Humanität und dem Recht auf politisches Asyl.
Flucht und Emigration aus Deutschland begannen nicht erst mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Doch die NS-Vertreibungspolitik unterschied sich grundlegend von den Bedingungen, unter denen etwa Oppositionelle dem deutschen Kaiserreich vor und während des Ersten Weltkriegs den Rücken gekehrt hatten. Die Emigration erreichte nach 1933 zudem neue Ausmaße: Bis 1939 verließen etwa 30.000 Menschen Deutschland aus politischen Gründen, bis 1941 flohen etwa 270.000 Juden und Jüdinnen vor rassistischer Verfolgung.