Inhaltsbeschreibung
Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 begann eine historisch beispiellose Entrechtung und Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich. Doch wohin konnten die zur Ausreise Gedrängten fliehen? Die Historikerin Susanne Heim schildert eindringlich und beispielreich, wie schwierig es für die Betroffenen von Anfang an war, Deutschland zu verlassen. Während sie in ihrer Heimat sukzessive enteignet und systematisch aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurden, gab es kaum Länder, die dazu bereit waren, sie aufzunehmen.
Die Autorin legt dar, welchen bürokratischen, finanziellen und politischen Hürden sich Ausreisewillige und Flüchtlinge ausgesetzt sahen: Visaauflagen, Einwanderungsquoten, Vermögensnachweise und weitere Vorgaben machten ihre Emigration voraussetzungsvoll und oftmals unmöglich. Auch nach erfolgter Auswanderung machten die Zielländer den Flüchtlingen ihren Aufenthalt meist alles andere als einfach, verboten etwa die Arbeitsaufnahme, forderten weitere Nachweise, drohten mit Ausweisung und wollten ihre dauerhafte Ansiedlung mit allen möglichen Mitteln verhindern. Internationale Konferenzen wie jene von Évian 1938 scheiterten am Unwillen der allermeisten Regierungen, ihre Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Ob Jüdinnen und Juden sich retten konnten, hing häufig von finanziellen Ressourcen, aber auch vom Zufall, von privaten Netzwerken oder einzelnen Helferinnen und Helfern ab. Heim schildert, wie internationale Solidarität versagte, als sie am dringendsten gebraucht wurde.