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Zahlenwerk: Kinder- und Jugendmigration in Daten | Kinder- und Jugendmigration | bpb.de

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Zahlenwerk: Kinder- und Jugendmigration in Daten

Vera Hanewinkel Christina Mecke

/ 9 Minuten zu lesen

Wie viele Kinder und Jugendliche migrieren? Ein Überblick – nicht nur über das globale Migrationsgeschehen.

Seit jeher sind nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche migriert - zumeist zusammen mit Familienangehörigen, manchmal aber auch alleine. (© picture-alliance/dpa, Sebastian Gollnow)

Wenn von Migration die Rede ist, geht es dabei auch immer um Wanderungen von Kindern und Jugendlichen. Die Erfahrungen, die sie vor, während und nach der Migration machen, sind vielfältig. Einige Kinder sind innerhalb ihrer Herkunftsländer mobil, andere überqueren Staatsgrenzen. Ein Teil dieser Wanderungen ist erzwungen, zum Beispiel durch Krieg, Verfolgung, Gewalt oder Naturkatastrophen. Andere Migrationen erfolgen freiwillig, etwa weil ihre Eltern für den Beruf umziehen. Manche Kinder migrieren in Begleitung von erwachsenen Bezugspersonen, andere allein. Auch die Mobilitätsmuster variieren, also die Dauer des Aufenthalts am Zielort der Migration, die Migrationsformen und -richtungen, Migrationsgründe und -routen. Es gibt Kinder, die durch Migration Handlungsmöglichkeiten gewinnen, beispielsweise durch den Zugang zu Bildung und besseren Zukunftsperspektiven. Andere wiederum werden durch Migration oder Flucht benachteiligt und erfahren eine (massive) Verletzung ihrer Rechte, Interner Link: wenn sie zum Beispiel von Menschenhandel betroffen sind oder anhaltende Diskriminierung im Aufnahmeland erfahren.

Wenn über Kindermigration berichtet wird, so stehen zumeist jene Kinder und Jugendliche im Vordergrund, die zur Migration gezwungen werden. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf leidvolle Migrationserfahrungen; dabei steht oft Abhängigkeit und Vulnerabilität der Mädchen und Jungen und damit ihre passive Rolle im Migrationsprozess im Mittelpunkt. Manchmal geschieht das strategisch. So betonen etwa Hilfsorganisationen die Schutzlosigkeit von Kindern auf der Flucht, um Spenden zu generieren oder Regierungen dazu zu bewegen, sich stärker für die Rechte von geflüchteten Kindern einzusetzen. Umgekehrt nutzen auch Regierungen den Verweis auf die Migration von Kindern und Jugendlichen, um politische Forderungen durchzusetzen. So versuchte etwa die US-Regierung unter Donald Trump wiederholt Regelungen zu kippen, wonach minderjährigen Migrantinnen und Migranten, die etwa zur Vorbereitung ihrer Abschiebung inhaftiert wurden, besondere Schutzrechte zustehen. Demnach würden diese Regelungen eine wirksame Durchsetzung einer restriktiven Migrationspolitik behindern und „illegale“ Einwanderung begünstigen.

Kindheit – ein Konzept im Wandel

Historisch betrachtet hat sich das Externer Link: Verständnis von Kindheit über die Jahrhunderte immer wieder stark verändert. Es variierte je nach Epoche, Weltregion und Gesellschaftsschicht. So wurden beispielsweise Kinder im Mittelalter, sobald sie sich alleine fortbewegen und verständlich machen konnten, Externer Link: als kleine Erwachsene betrachtet. Gleichzeitig galten sie weiterhin als Eigentum ihrer Eltern, vor allem der Väter. Mit Beginn der frühen Neuzeit im 15. Jahrhundert wurde die Kindheit langsam und im Zuge komplexer werdender gesellschaftlicher Veränderungen als Entwicklungsstadium und eigenständige Lebensphase mit eigenen Bedürfnissen verstanden. Erst im 17. Jahrhundert begannen sich in Europa unseren heutigen Vorstellungen entsprechende, moderne Kindheitsvorstellungen durchzusetzen – die allerdings zunächst auf Adel und Bürgertum beschränkt blieben. Nach und nach wurden eigene Externer Link: Institutionen wie Schulen in ihren verschiedenen Formen und später auch Kindergärten aufgebaut, um Kinder zu bilden, ihre altersspezifischen Bedürfnisse zu erfüllen und sie von der Sphäre der Erwachsenen zu trennen. So wurde auch Kinderarbeit im 19. Jahrhundert schrittweise verboten. Vorstellungen, wonach Kinder als besonders schutzbedürftig gelten und eigene Rechte haben, wie etwa ein Recht auf Bildung oder körperliche Unversehrtheit, Externer Link: entwickelten sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts. Die Kindheit, wie wir sie heute verstehen, ist also ein vergleichsweise neues Phänomen.

Obwohl laut Interner Link: UN-Kinderrechtskonvention von 1990 in der Regel Externer Link: alle Personen unter 18 Jahren als Kinder gelten, gibt es Länder, in denen man bereits in jüngeren Jahren als voll geschäftsfähig gilt. In Schottland zum Beispiel dürfen Jugendliche mit 16 Jahren eigenständig Verträge abschließen oder ohne Zustimmung der Eltern heiraten – in den meisten Ländern der Welt ist eine Eheschließung ohne Einverständnis der Eltern erst ab dem 18. Geburtstag erlaubt.

Kinder- und Jugendmigration – weltweit

Auf der Welt lebten 2025 Externer Link: 8,2 Milliarden Menschen, gut Externer Link: 2,4 Milliarden davon oder 30 Prozent der Weltbevölkerung waren unter 18 Jahren alt. Externer Link: 304 Millionen Menschen (3,7 Prozent der Weltbevölkerung) lebten Mitte 2024 den Vereinten Nationen (UN) zufolge außerhalb des Landes, in dem sie geboren worden waren. Entgegen älterer Erhebungen haben die UN für 2024 bislang keine Angaben zur Altersstruktur dieser internationalen Migrantinnen und Migranten veröffentlicht. Externer Link: Schätzungen basierend auf verschiedenen größeren Datensätzen gehen davon aus, dass 2024 zwischen 12 und 14 Prozent der international migrierten Personen unter 18 Jahre alt waren. Das wären weltweit etwa 37 Millionen migrierte Kinder und Jugendliche.

Grafik zum Download: Interner Link: Zahl internationaler Migrant:innen nach Alter

Besonders in ärmeren Weltregionen wird das Migrationsgeschehen stark durch junge Menschen bestimmt, was zum Teil auf die dort oft junge Altersstruktur der Gesamtbevölkerung zurückgeführt werden kann. So waren bei der Externer Link: Erhebung der Zahl internationaler Migrantinnen und Migranten 2020 in weniger entwickelten Regionen (less developed countries) 21,3 Prozent der international migrierten Personen jünger als 20 Jahre alt. In stärker entwickelten Regionen (developed countries) belief sich ihr Anteil an allen Migrierten hingegen nur auf 9,3 Prozent. Ein Beispiel: In Afrika waren 27,4 Prozent der auf dem Kontinent lebenden internationalen Migrantinnen und Migranten unter 20 Jahre alt – in Europa nur 9,7 Prozent.

Hinweis zu den Daten

Informationen zum Alter von Migrantinnen und Migranten sind wichtig, um die Situation von Kindern besser einschätzen und zum Beispiel einen Schutzbedarf erkennen oder Kapazitäten zur Beschulung junger Eingewanderter einplanen zu können. Die aktuelle Datenlage ermöglicht allerdings kein umfassendes Bild der globalen Migrationsbewegungen von Kindern und Jugendlichen und ihrer Situation an den Zielorten ihrer Migration. Das hat verschiedene Gründe:

Länder haben unterschiedliche Erfassungssysteme, teilweise werden Daten zur Ein- und Auswanderung und zur Migrationsbevölkerung, wenn überhaupt, nur lückenhaft erfasst. Häufig werden sie nicht nach demografischen Merkmalen aufgeschlüsselt, sodass sich über Geschlechts- und Altersstruktur keine Aussagen treffen lassen. Wenn Daten zur Kinder- und Jugendmigration vorliegen, beziehen sich diese in der Regel auf Asylsuchende und Flüchtlinge, nicht aber auf Minderjährige, die beispielsweise zusammen mit ihren Eltern wegen deren Arbeit in ein anderes Land gezogen sind. Einige Daten werden nur unregelmäßig erhoben und veröffentlicht. Hinzu kommt, dass die erfassten Daten nur eingeschränkt vergleichbar sind, weil Behörden unterschiedliche Definitionen und Erfassungskriterien anwenden und Konzepte von Kindheit und Erwachsenenalter je nach kulturellem Kontext variieren. Ebenso gibt es teils unterschiedliche Erfassungszeitpunkte und -räume, was die Vergleichbarkeit der Daten ebenfalls einschränkt.

Zu internationalen Migrantinnen und Migranten zählen auch Flüchtlinge, also Menschen die aus ihren Herkunftsländern geflohen sind und in einem anderen Land Schutz erhalten haben. 2025 gab es Externer Link: nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) weltweit 35,6 Millionen Flüchtlinge. Rund 13,9 Millionen davon waren jünger als 18 Jahre. Der Anteil Minderjähriger an der Flüchtlingsbevölkerung (39 Prozent) ist damit höher als ihr Anteil an der Weltbevölkerung (30 Prozent). Weltweit stammten die meisten Minderjährigen, die aus ihren Herkunftsländern geflohen waren, aus Ländern südlich der Sahara (4 Millionen), gefolgt vom Nahen Osten und Nordafrika (3,9 Millionen), Lateinamerika (2 Millionen) und Zentralasien (1,75 Millionen). Die meisten geflüchteten Kinder und Jugendlichen bleiben in Ländern in ihren Herkunftsregionen. Die Türkei war 2025 das wichtigste Aufnahmeland von geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die vor allem aus dem Nachbarland Syrien kamen. Deutschland war Externer Link: 2025 das einzige europäische Land unter den zehn Hauptaufnahmeländern geflüchteter Minderjähriger.

Grafik zum Download: Interner Link: Hauptaufnahmeländer minderjähriger Flüchtlinge

Das UN-Flüchtlingshilfswerk Interner Link: schätzt, Externer Link: dass zwischen 2018 und 2025 mehr als 2,4 Millionen Kinder in einer Flüchtlingssituation geboren wurden, also rund 305.000 Kinder pro Jahr. Nicht einberechnet sind Minderjährige, die mit der Geburt automatisch die Staatsangehörigkeit des Aufenthaltslandes erhalten haben. Bei einer Geburt in Fluchtkontexten besteht die Gefahr, dass die Geburt nicht in Personenstandsregistern erfasst wird, die Kinder keine Staatsangehörigkeit erhalten und somit als Interner Link: staatenlos gelten.

Nicht alle Kinder, die etwa durch Krieg und Gewalt aus ihren Herkunftsorten vertrieben werden, fliehen über Grenzen. Viele suchen innerhalb ihrer Herkunftsländer Schutz – sogenannte Interner Link: Binnenvertriebene. Berechnet man diese Kinder und Jugendlichen mit ein, erhöht sich die Zahl der Minderjährigen, die weltweit auf der Flucht sind. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF waren 2025 global Externer Link: 45,3 Millionen Kinder und Jugendliche in ihren Ländern vertrieben oder über Landesgrenzen geflohen. Damit hat sich ihre Zahl gegenüber 2010 (16,3 Millionen) Externer Link: fast verdreifacht. Die Zahlen setzen sich wie folgt zusammen: 1,7 Millionen palästinensische Kinder unter dem Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), 14 Millionen geflüchtete Kinder unter UNHCR-Mandat, 2,8 Millionen asylsuchende Kinder und 27,5 Millionen minderjährige Binnenvertriebe.

Grafik zum Download: Interner Link: Minderjährige auf der Flucht

Kinder und Jugendliche sind in Gewaltkonflikten, während und nach der Flucht besonderen Gefahren ausgesetzt – etwa sexualisiertem Missbrauch, Arbeitsausbeutung, Diskriminierung und Inhaftierung. Viele werden traumatisiert. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie ohne für sie verantwortliche erwachsene Begleitpersonen unterwegs sind – entweder, weil sie allein geflohen sind oder auf der Flucht von sorgeberechtigten Angehörigen getrennt wurden und so als Interner Link: unbegleitete minderjährige Geflüchtete gelten. Auf wie viele geflüchtete Kinder und Jugendliche das weltweit zutrifft, ist nicht bekannt. Hilfswerke wie UNICEF gehen davon aus, Externer Link: dass drei bis fünf Prozent aller Menschen auf der Flucht unbegleitete Minderjährige sind. Das Risiko, dass Kinder in Gewaltkonflikten ihrer Rechte beraubt werden, ist besonders hoch. So schätzt Interner Link: UNICEF, dass zwischen 2005 und 2022 rund 105.000 Mädchen und Jungen in 20 verschiedenen Ländern als Interner Link: Kindersoldaten rekrutiert und ausgebeutet wurden.

Weitere Aspekte ihrer Vulnerabilität betreffen beispielsweise ihren stark eingeschränkten Zugang zu Bildung: Nur etwas mehr als die Hälfte der geflüchteten Kinder besucht nach UN-Angaben die Schule. Weltweit gab es 2025 Externer Link: fast sechs Millionen geflüchtete Kinder, die nicht zur Schule gingen. Regelmäßig gibt es Berichte über geflüchtete Kinder, die auch deshalb keine Schule besuchen, weil sie mit ihrer Arbeitskraft zum Überleben ihrer Familien beitragen müssen. Auch das Verheiraten minderjähriger Kinder, insbesondere Mädchen, kann eine Existenzsicherungsstrategie in Fluchtkontexten sein. Gesicherte Zahlen dazu gibt es nicht. Allgemein Externer Link: schätzen die UN, dass weltweit 12 Millionen Mädchen jährlich vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet werden.

Kinder- und Jugendmigration – Europa

In der Europäischen Union wurden 2024 insgesamt 540.561 neu zugewanderte Kinder Externer Link: registriert (bezogen auf die Zahl der an Minderjährige ausgestellten erstmaligen Aufenthaltserlaubnisse). Die meisten von ihnen (66 Prozent) kamen aus familiären Gründen nach Europa, vor allem nach Deutschland, Spanien und Italien. Im gleichen Jahr stellten Externer Link: 234.825 Minderjährige bzw. unter 18-Jährige einen Erstantrag auf Asyl in den 27 EU-Mitgliedstaaten; dabei waren 173.410 von ihnen jünger als 14 Jahre. Die Mehrzahl der jungen Asylsuchenden war in Begleitung erwachsener Familienangehöriger. Doch es gab auch Externer Link: 33.160 unbegleitete minderjährige Schutzsuchende, die meisten davon wurden in Deutschland (13.345), Griechenland (4.710) und den Niederlanden (3.930) erfasst. Zwischen 2014 und 2025 wurden in der EU insgesamt 380.000 Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen zwischen 14 und 17 Jahren gestellt.

Grafik zum Download: Interner Link: Unbegleitete minderjährige Geflüchtete in den fünf Hauptaufnahmeländern in der EU

Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022 haben rund Externer Link: 4,3 Millionen von dort geflüchtete Menschen (größtenteils, aber nicht nur, mit ukrainischer Staatsangehörigkeit) einen Schutzstatus in der EU erhalten – darunter 1,3 Millionen Minderjährige. Die größte Zahl dieser minderjährigen Geflüchteten hat Polen aufgenommen (453.000), gefolgt von Deutschland (327.000).

Viele andere minderjährige Schutzsuchende wiederum gelangen über das Meer auf den europäischen Kontinent. Alleine 2025 kamen mehr als Externer Link: 154.500 Menschen über den Seeweg in den EU-Staaten an. Unter allen seit Januar 2025 in diesen Ländern Angekommenen waren etwa 20 Prozent Kinder und Jugendliche, für die der gefährliche Weg über das Meer besonders riskant ist: Allein 2025 kamen Externer Link: 2.185 Menschen bei der Überfahrt ums Leben oder werden seither vermisst, unter ihnen waren 106 tote oder vermisste Kinder. Seit 2014 sind mindestens 1.470 Kinder und Jugendliche auf dem Weg nach Europa gestorben oder vermisst gemeldet worden. Hinzu kommt die laut UNICEF und Interner Link: Internationaler Organisation für Migration (IOM) deutlich erhöhte Gefahr, Opfer von Menschenhandel zu werden, wenn die Reise ohne Visum auf unsicheren Migrationsrouten und ggf. mithilfe von Schleppern erfolgt.

Kinder- und Jugendmigration – Deutschland

Auch in Deutschland zeigt sich: Unter Geflüchteten gibt es überproportional viele junge Menschen. So stammten rund Externer Link: 45 Prozent aller Asylerstanträge, die im Laufe des Jahres 2025 beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestellt wurden, von Minderjährigen (50.866 von insgesamt 113.236 registrierten Asylerstanträgen). Externer Link: 9,3 Prozent der 2024 gestellten Asylerstanträge entfielen auf Kinder unter einem Jahr, die in Deutschland geboren wurden. Fast drei Viertel aller männlichen und weiblichen Asylantragstellenden (Externer Link: 72,6 Prozent) waren 2025 jünger als 30 Jahre.

Insgesamt hielten sich Ende 2025 Externer Link: rund 852.000 minderjährige Schutzsuchende in der Bundesrepublik Deutschland auf. Viele von ihnen sind zusammen mit erwachsenen Familienangehörigen oder über den Familiennachzug ins Land gekommen. Von den minderjährigen Asylantragstellenden in 2025 waren 4.926 unbegleitet. Externer Link: Die meisten von ihnen waren Jungen (88 Prozent) und kamen aus Syrien, gefolgt von Interner Link: Afghanistan und Interner Link: Somalia. Nicht alle unbegleiteten Minderjährigen stellen jedoch einen Asylantrag. Ende 2024 befanden sich Externer Link: rund 42.900 unbegleitete Minderjährige und junge Volljährige in der Zuständigkeit der Jugendhilfe. Allein im Jahr 2024 wurden 16.777 Minderjährige von der Jugendhilfe vorläufig in Obhut genommen.

Wer zählt zur Gruppe der Schutzsuchenden?

Unter ‚Schutzsuchenden‘ Externer Link: versteht das Statistische Bundesamt ausländische Staatsangehörige, die sich „unter Berufung auf völkerrechtliche, humanitäre oder politische Gründe in Deutschland aufhalten und mit entsprechendem aufenthalts­rechtlichem Status im Ausländer­zentralregister (AZR) erfasst sind“. Hierzu zählen Menschen, die sich noch im Asylverfahren befinden, Menschen, denen ein Schutzstatus und damit ein Aufenthaltsrecht in Deutschland gewährt worden ist sowie jene, deren Asylantrag abgelehnt oder deren Schutzstatus ausgelaufen ist.

Laut Mikrozensus lebten in Deutschland 2025 Externer Link: 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche, die in einem anderen Land geboren worden waren. Rund die Hälfte von ihnen (804.000) gab als Hauptmotiv für die Zuwanderung die Zusammenführung mit bereits in Deutschland lebenden Familienmitgliedern an. Weitere 540.000 von ihnen waren auf der Suche nach Schutz nach Deutschland gekommen.

2025 bis Mitte 2026 wurden Externer Link: 54.882 Visa für den Nachzug von Kindern unter 18 zu einem deutschen oder ausländischen Elternteil erteilt – 42,8 Prozent aller für den Nachzug von Familienangehörigen ausgestellten Einreisgenehmigungen. Von allen 16,4 Millionen eingewanderten Menschen, die 2025 in Deutschland lebten, waren rund Externer Link: 5,2 Millionen als Minderjährige nach Deutschland gekommen.

2025 hatten knapp Externer Link: 21,8 Millionen der insgesamt 82,7 Millionen Menschen umfassenden Bevölkerung Deutschlands eine Interner Link: Einwanderungsgeschichte und damit mehr als jede vierte in Deutschland lebende Person – darunter etwas mehr als vier Millionen Minderjährige. Zur Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte werden alle Menschen gezählt, die nach Deutschland eingewandert sind oder die zwei Elternteile haben, auf die dies zutrifft. Gut 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche sind selbst eingewandert, 2,5 Millionen haben zwei eingewanderte Elternteile. Unter jungen Menschen ist der Anteil der Personen mit Einwanderungsgeschichte besonders hoch: In der Bevölkerung der bis 17-Jährigen hatten 2025 28,5 Prozent eine Einwanderungsgeschichte.

Die Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte verteilt sich ungleich über das Bundesgebiet. In Westdeutschland (einschließlich Berlin) haben 30,7 Prozent aller Minderjährigen eine Einwanderungsgeschichte, in Ostdeutschland 14,7 Prozent.

Grafik zum Download: Interner Link: Anteil der Minderjährigen mit Einwanderungsgeschichte an der gesamten minderjährigen Bevölkerung

Die junge Migrationsbevölkerung ist heterogen, ihre Lebenslagen und -erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Das zeigt sich zum Beispiel im Schul- und Ausbildungssystem, das für die gesellschaftliche Interner Link: Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine wichtige Rolle spielt. Trotz zahlreicher Bemühungen, mehr Chancengleichheit für Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher (sozialer) Herkunft zu schaffen, hängt der Bildungserfolg in Deutschland immer noch stark vom Elternhaus ab. Insbesondere geflüchtete Kinder bekommen häufig erst viele Monate nach ihrer Einreise Zugang zum Schulsystem. Dies soll sich durch das neue Interner Link: Gemeinsame Europäische Asylsystem, das seit dem 12. Juni 2026 in Kraft ist, ändern. Gemäß der neuen Aufnahmerichtlinie haben alle Kinder in Interner Link: Erstaufnahmeeinrichtungen – um das Mindestmaß gleicher Teilhabechancen für alle sicherzustellen – das Recht, Externer Link: innerhalb von drei Monaten nach Einreise eine reguläre Schule zu besuchen.

Weitere Inhalte

Vera Hanewinkel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.

ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.