Meine Merkliste

Analyse: Kommunikation mit dem Volk

Russland-Analysen Memorial (16.12.2021) Von der Redaktion: Frohes Fest! Dokumentation: Friedensnobelpreisrede von Dmitrij Muratow dekoder: Memorial Dokumentation: Anträge der Staatsanwaltschaften Interview: Irina Scherbakowa Interview: Swetlana Gannuschkina Kommentar: Die Büchse der Pandora Dokumentation: Der Menschenrechtsrat ist besorgt Dokumentation: Kommentar von Wladimir Putin zu Memorial Kommentar: Wendejahre Kommentar: Angriff des Kreml auf Memorial Kommentar: "Der Westen" als Gefahr für Russlands innere Sicherheit Kommentar: Déjà-vu Kommentar: Memorial als geschichtswissenschaftlicher Akteur Kommentar: Ein Refugium der Freiheit wird zerstört Kommentar: Die Instrumente des Europarats Kommentar: Memorial im Nordkaukasus Kommentar: Einsatz für Religions- und Gewissensfreiheit Kommentar: Ist das russische "Ausländische-Agenten"-Gesetz reformierbar? dekoder: Schlag gegen Deutschland Notizen aus Moskau: Memorial und die Hoffnung Dokumentation: Fokus Memorial der Zeitschrift OSTEUROPA Dokumentation: Stellungnahmen zur drohenden Auflösung von Memorial Chronik: Covid-19-Chronik, 16. November – 03. Dezember 2021 Chronik: 15. November – 03. Dezember 2021 Erdgashandel (24.11.2021) Analyse: Der deutsch-russische Erdgashandel. Chronik: Covid-19-Chronik, 01. – 13. November 2021 Chronik: 01. – 12. November 2021 Sozialverantwortung und Klima in der Landwirtschaft (10.11.2021) Analyse: Landwirtschaftliche Betriebe in Russland für unternehmerische Sozialverantwortung Analyse: Wird die russische Landwirtschaft vom Klimawandel profitieren? Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Oktober 2021 Chronik: 11. – 29. Oktober 2021 Duma- und Regionalwahlen (01.10.2021) Analyse: Die Dumawahlen 2021 und das zunehmend hegemonial-autoritäre Regime in Russland Analyse: Alexej Nawalnyj, "Smart Voting" und die Wahlen zur russischen Staatsduma 2021 Kommentar: Wahlen in der "Protestregion" Chabarowsk in Online- und sozialen Medien dekoder: Die Evolution der Duma Notizen aus Moskau: Wird (all)es nach den Wahlen wieder besser? Chronik: Covid-19-Chronik, 13. – 26. September 2021 Chronik: 13. – 26. September 2021 Wirtschaftliche Schocks (24.06.2021) Analyse: Die Wirtschaft der "Festung Russland" Analyse: Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Corona-Krise  Chronik: Covid-19-Chronik, 03. – 30. Mai 2021 Chronik: 17. Mai – 10. Juni 2021 Arktis (31.07.2021) Editorial: Sommerpause, на дачу Analyse: Arktische Visionen: Die sowjetische Expansion nach Norden Analyse: Russlands Arktis-Strategie bis 2035 – Große Pläne und ihre Grenzen Analyse: Der russische Vorsitz im Arktischen Rat: Prioritäten und Implikationen für den Hohen Norden Russlands Kommentar: Russlands arktischer Balanceakt Dokumentation: Russland und die Arktis: Eine Auswahl aktueller Publikationen Chronik: Covid-19-Chronik, 14. Juni – 17. Juli 2021 Chronik: 16. Juni – 18. Juli 2021 Duma-Wahlen/Repressionen (08.06.2021) Kommentar: Duma-Wahlen 2021 Kommentar: Informationskriege, Oppositionskoordination und die Dumawahl im Jahr 2021 Kommentar: Wird das Putin-Regime überleben? Kommentar: Vorbereitung auf die Parlamentswahlen 2021 Kommentar: Elektronische Stimmabgabe Kommentar: Bedingungen der Wahlbeobachtung Kommentar: Die wirtschaftlichen Folgen autoritärer Politik Kommentar: Michail Mischustin als ambitionierter "Systemadministrator" des Putinismus Kommentar: Bürger:innen und der starke Mann: Erwachen, soziale Klassen und sozialer Niedergang in Russlands Autokratie Kommentar: Fear and Loathing in Russia: Repressionen als Herrschaftsinstrument des Kremls Kommentar: Ausländische-Agenten-Gesetz vor der Duma-Wahl 2021 ausgeweitet Kommentar: Schrumpfende Freiräume für Russlands Medien Kommentar: Russland drosselte Twitter, um Inhalte zu zensieren dekoder: "Hätten wir eine andere Wahl gehabt? Nein." Dokumentation: Repressive Gesetze, die von Wladimir Putin am 30. Dezember 2020 unterzeichnet wurden Dokumentation: April-Chronik der Repressionen: Der Journalist Ilja Asar hat Buch geführt Umfragen: "Haben Sie Angst vor…?" Umfrageergebnisse des Lewada-Zentrums Dokumentation: Hat der Protest einen Anführer? Wie stehen die Protestierenden zu Nawalnyj? Dokumentation: Russische Online-Zeitung Meduza kämpft ums Überleben Dokumentation: Amnesty International: Die Polizei identifiziert friedliche Demonstrierende mit Gesichtserkennungstechnologie Dokumentation: Human Rights Watch: Der Fall des Menschenrechtsanwalts Iwan Pawlow und neue repressive Gesetze Dokumentation: Stellungnahmen zum Beschluss der russischen Generalstaatsanwaltschaft, deutsche Nichtregierungsorganisationen als in Russland unerwünschte Organisationen zu erklären Chronik: 3. – 14. Mai 2021 Atomenergie / Die Botschaft des Präsidenten (14.05.2021) Analyse: Zum 35. Jahrestag von Tschernobyl Analyse: Russische Reaktoren und russischer Atommüll Analyse: Putins Botschaft an die Föderalversammlung dekoder: Warum Putin dem Volk nichts mehr zu sagen hat Chronik: Covid-19-Chronik, 12. April – 02. Mai 2021 Chronik: 13. April – 01. Mai 2021 60 Jahre Gagarin: Raumfahrt / Das russische Strafvollzugssystem (19.04.2021) dekoder: Juri Gagarin dekoder: Raumfahrtprogramm der UdSSR Analyse: Russland im Weltraum: Die 2020er Jahre Analyse: Russlands internationale Raumfahrtstrategie Analyse: Das Strafvollzugssystem der Russischen Föderation Chronik: Covid-19-Chronik, 15. März – 11. April 2021 Chronik: 17. März – 09. April 2021 Übersterblichkeit (27.03.2021) Analyse: Die Übersterblichkeit macht den wahren Opferzoll deutlich Analyse: Russlands Geografie und die Ausbreitung von Covid-19 Analyse: Die Pandemie in Russlands Föderationssubjekten: Gründe für die unterschiedliche Mortalität dekoder: "Die russische Propaganda hat sich selbst besiegt" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. März 2021 Chronik: 1. – 10. März 2021 Stadtentwicklung/Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen (09.03.2021) Analyse: Ausdehnung des Moskauer Wohnraumsanierungsprogramms Analyse: Urbaner Aktivismus in Russland dekoder: Das Moskau-Experiment Dokumentation: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Chronik: Covid-19-Chronik, 15. – 28. Februar 2021 Chronik: 16. – 27. Februar 2021 Digitale Diplomatie (19.02.2021) Analyse: Russlands digitale Diplomatie Analyse: Mittel und Zweck von Public Diplomacy Kommentar: Zusammenarbeit chinesischer und russischer Medien dekoder: "Schau mich gefälligst an!" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. Februar 2021 Chronik: 1. – 14. Februar 2021 Söldner im Dienst von Russland / Elite-Ranking 2020 / Proteste nach Nawalnyjs Rückkehr (08.02.2021) Söldner im Dienst autoritärer Staaten Analyse: Russische PMCs im Nahen Osten und Afrika Kommentar: Die "Wagner-Affäre" in Belarus und ihre Folgen Kommentar: Geopolitik, Waffen, Erdöl: Was Russlands Präsenz in Venezuela bedingt Karte: Söldner im Dienst von Russland Ranking: Das Elite-Ranking der "Nesawisimaja gaseta" Ranking: Die politische Elite im Jahre 2020: Regierungswechsel, Covid-19-Pandemie und Verfassungsreform dekoder: Russlandweite Proteste – wie nervös macht Nawalny den Kreml? dekoder: Nawalnys Schlusswort: "Einen einsperren, um Millionen einzuschüchtern" Notizen aus Moskau: Von 2011 zu 2021. Zehn Jahre danach. Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Januar 2021 Chronik: 11. – 31. Januar 2021 Visadialog zwischen der EU und Russland (21.01.2021) Analyse: Die Visumpflicht in den EU-Russland Beziehungen Analyse: Perspektiven des Visa-Dialogs zwischen der EU und Russland Kommentar: Visafreiheit für russische Jugendliche Kommentar: Illegale Passportisierungspolitik im Donbas Kommentar: Mit Visafreiheit Brücken in Krisenzeiten schlagen dekoder: Arbeitsmigration in Russland Chronik: Covid-19-Chronik, 30. November 2020 – 10. Januar 2021 Chronik: 3. Dezember 2020 – 9. Januar 2021 Die deutsch-russischen Beziehungen nach den Wahlen (15.10.2021) Analyse: Die Bundestagswahl und die deutsch-russischen Beziehungen Analyse: Chancen für eine neue Russlandpolitik nach der Bundestagswahl Kommentar: Die deutsche Russlandpolitik und das russische Gesetz über "ausländische Agenten" Dokumentation: Ausgewählte Publikationen über die deutsch-russischen Beziehungen Dokumentation: Vorschläge und Empfehlungen zu den EU-Russland-Beziehungen dekoder: Novaya Gazeta dekoder: Muratows Krawatte und der Friedensnobelpreis Chronik: Covid-19-Chronik, 27. September – 09. Oktober 2021 Chronik: 28. September – 08. Oktober 2021 30 Jahre Zerfall der Sowjetunion – Generationen (20.09.2021) Kommentar: Nur ein Menschenleben lang Kommentar: Staatenlosigkeit nach dem Zusammenbruch der UdSSR Kommentar: Der Generationenaspekt beim Zusammenbruch der Sowjetunion Kommentar: Dreißig Jahre Transformation des russischen Hochschulwesens Kommentar: Die Jugend und die Generationen im postsowjetischen Russland: Kommentar: Unternehmerinnen in Russland Notizen aus Moskau: 30 Jahre umsonst? dekoder: Das Licht einer enttäuschten Hoffnung dekoder: Misstrauen auf allen Ebenen Chronik: Covid-19-Chronik, 02. August – 12. September 2021 Chronik: 05. – 12. September 2021 Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Von der Redaktion: Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Kommentar: Die Minsker Vereinbarungen als Chance? Kommentar: (Keine neuen) Erkenntnisse gewonnen Kommentar: Alles auf Status. Russlands riskantes Kriegsspiel mit (in) Europa Kommentar: Russlands Motive Kommentar: Die Gründe für Russlands Vorschläge Kommentar: Würde Putin vom eigenen Volk für eine Invasion in die Ukraine abgestraft werden? Kommentar: Kriegsoptimismus im Russland-Ukraine-Konflikt: Grund zum Pessimismus? Kommentar: Desinformation: ein hoch aktuelles Konzept aus dem letzten Jahrhundert Kommentar: Die Russland-Ukraine Krise: Wo steht Deutschland? Kommentar: Russlands Passportisierung des Donbas: Von einer eingeschränkten zu einer vollwertigen Staatsbürgerschaft? Kommentar: Die OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine: Wunsch und Wirklichkeit Umfragen: Meinungsumfragen zu den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Chronik: 01. – 20. Februar 2022 Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Editorial: Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Die sozialen Sorgen der Bevölkerung in der politischen Rhetorik Kommentar: Das Verhältnis zwischen dem Zentrum und den Regionen in der Rhetorik des russischen Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Nationalitätenpolitik: Russländische Nation versus russisches Volk? Kommentar: Russland entdeckt die Energiewende: Ein Sonderweg zur Dekarbonisierung? Kommentar: Die Ukraine in der Rhetorik russischer Präsidenten und der Staatsduma Chronik: 17. Januar 2022 – 29. Januar 2022 Wirtschaftsbeziehungen im Fernen Osten Analyse: Die Bedeutung des russischen Fernen Ostens für die Asien- und Pazifik-Politik Russlands Chronik: Covid-19-Chronik, 06. – 24. Dezember 2021 Chronik: 06. Dezember 2021 – 15. Januar 2022

Analyse: Kommunikation mit dem Volk Russlands Politiker online

Natalia Moen-Larsen

/ 9 Minuten zu lesen

Russland hat den größten Internetmarkt Europas und die Nutzung des Internet nimmt schnell zu. Der Einsatz sozialer Medien ist für die Oppositionsbewegung zu einem wertvollen Instrument geworden, während die machthabenden Politiker über eine schnell zunehmende Online-Präsenz verfügen. Der ehemalige Präsident der Russischen Föderation hat das Internet aktiv zu politischen Zwecken eingesetzt und dessen Nutzung durch andere Amtsträger und Politiker in Russland unterstützt. Dieser Beitrag betrachtet die Nutzung des Internet durch die politische Elite Russlands im Allgemeinen und untersucht insbesondere Medwedews offizielles Weblog. Durch eine Betrachtung der Funktion der Nutzerkommentare in diesem Blog analysiert die Autorin die Kommunikation zwischen Regierung und Bevölkerung. Als Schlussforderung steht eine Prognose zur Zukunft dieser neuen Form politischer Kommunikation nun unter Präsident Putin, der im Mai 2012 Dmitrij Medwedew im Amt folgte.

Politikgestaltung in Russland

Es besteht verbreitet die Vorstellung, dass der Staat in Russland zentralisiert und die Macht um das Amt des Präsidenten und die Position des Ministerpräsidenten konzentriert ist. Politik in Russland wird jedoch von einer größeren Gruppe von Akteuren gestaltet, deren Rollen untersucht werden müssen. Die Suche nach Interaktion zwischen Staatsmacht und der Bevölkerung ist wichtig, denn selbst wenn diese Kommunikation choreographiert und kontrolliert wird, kann sie einen Beitrag zu Politik liefern. Der ehemalige Präsident Dmitrij Medwedew hatte die Möglichkeit, über sein Kreml-Blog seine Botschaft(en) an Millionen Bürger in Russland zu richten, und Millionen Bürger konnten ihre Kommentare hinterlassen und direkt mit ihm kommunizieren. Idealerweise sollten diese Kommentare und der Input einer breiteren Öffentlichkeit einen gewissen Einfluss auf Entscheidungsprozesse haben oder zumindest die Regierenden in Bezug auf Tendenzen und Strömungen hellhörig machen. Angesichts der jüngsten Entwicklung in Russland und der gesellschaftlichen und politischen Unruhen nach den Wahlen von 2011/12 könnte das Internet zukünftig an Bedeutung gewinnen. Russland hat, in Nutzerzahlen gemessen, Europas größten Internetmarkt – wegen der großen Bevölkerungszahl des Landes, aber auch wegen der steigenden Beliebtheit des Internet und der zunehmenden Zahl der Menschen mit Online-Zugang. Die Verbreitung des Internet in Russland wächst schnell. Den größten Zuwachs gibt es bei der Anzahl derer, die das Internet täglich nutzen, ein Hinweis darauf, dass das Internet am Arbeitsplatz, in Bildungseinrichtungen und zu Hause zunehmend sowohl vorhanden als auch unentbehrlich ist. 2011 hat die Föderale Agentur für Presse und Massenkommunikation prognostiziert, dass bis 2014 71 % der Erwachsenen in Russland regelmäßigen Zugang zum Internet haben werden. Diese Prognose widerspricht der Vorstellung, dass das Internet ein Elitenmedium ist, das durch gebildete und städtische Nutzer dominiert wird bzw. auf diese beschränkt ist. Sie stützt vielmehr die Ansicht, dass der Staat die Ambition hat, mehr Durchschnittsbürger online zu sehen. Russland verfügt zudem mit RuNet über einen eigenen virtuellen Raum, der auch andere Länder der GUS umfasst. RuNet ist ein sprachlich und kulturell gesondertes Netz mit eigenen populären Webportalen, Websites für soziale Netzwerke und E-Mail-Diensten. Er gehört mittlerweile zu den weltweit am schnellsten wachsenden Internetsegmenten. Bei RuNet-Nutzern genießen soziale Netzwerke und Blogs große Popularität. Bis Ende 2010 haben über 19 Millionen Russen pro Monat eine der Blog-Plattformen besucht, von denen LiveJournal.com, ein Blog-Portal mit rund 14,4 Millionen Nutzern pro Monat und täglich 2,1 Millionen Besuchern, die beliebteste ist. Im Juli 2012 gab es über 55 Millionen Blogs auf RuNet. Allerdings werden nur 10 Prozent von ihnen wenigsten einmal monatlich aktualisiert und können somit als aktiv gelten. LiveJournal.com hat in RuNet sowohl die aktivsten Blogger (beim Verlinken), als auch die größte Anzahl aktiver Blogs.

Politischer Einsatz des Internet

In den vergangenen Jahren hat das Internet in Russland eine machtvolle Watchdog-Funktion ausgeübt. Oppositionspersönlichkeiten wie beispielsweise Alexej Nawalnyj haben ihre Profile in sozialen Netzwerken dazu eingesetzt, um Korruption und anderen Machtmissbrauch durch Staatsbeamte aufzudecken. Darüber hinaus hat sich das Internet nach den Parlamentswahlen im Dezember 2011 als ein wichtiges Instrument zur Organisierung und Koordinierung politischer Proteste und anderer Aktionen erwiesen. Diese Entwicklung könnte mit der Zeit das Regime zu einer stärkeren Kontrolle greifen lassen, doch gibt es bisher nur wenige Anzeichen, dass in Russland eine strengere Internetzensur unternommen wird. Andererseits ist der virtuelle Raum in Russland oft von Cyber-Attacken betroffen gewesen, die Online-Communities tagelang außer Gefecht setzen können. Diese Angriffe treffen gewöhnlich oppositionelle Websites zu einem kritischen Zeitpunkt, vor allem im Umfeld von Wahlen oder Demonstrationen. Sie sind eine wichtige Strategie zur Kontrolle der Meinungsfreiheit im Internet. Darüber hinaus ist im November 2012 ein neues Gesetz in Kraft getreten, das vorgeblich dazu dient, Kinder vor Informationen zu schützen, die "gefährlich für ihre Gesundheit oder Entwicklung" sind. Das Gesetz erlaubt die Sperrung von Websites, wenn diese "rechtswidrige" Inhalte aufweisen. Diese jüngsten Entwicklungen in Russland weisen auf eine zukünftig strengere Regulierung des Internet hin. Noch ist das Internet in Russland sowohl erreichbar und relativ frei von Filtern. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Internet rein ein Instrument für kritische Stimmen und Personen ist, die sich dem offiziellen Diskurs entgegenstellen wollen. Verschiedene politische Akteure und Offizielle des Staates, unter anderem Dmitrij Medwedew, Dmitrij Rogosin, Wladimir Schirinowskij, Sergej Mironow, Dmitrij Gudkow sind online sehr aktiv geworden, meist über Blogs bei LiveJournal.com oder anderen Websites. Diese Blogs können als persönliche politische Räume verstanden werden. Dort können einzelne Politiker Themen, die sie interessieren, diskutieren und die Idee offener und echter Kommunikation fördern – und das Vertrauen der Wähler erhöhen. Seit seinem Artikel "Vorwärts, Russland!", der 2009 erschien, wurde Dmitrij Medwedew fest mit den Versuchen einer "Modernisierung" Russlands assoziiert. Er ist eine treibende Kraft bei der Förderung der Internetnutzung durch Staatsbeamte und Politiker gewesen und errang 2011 den Titel "RuNet-Blogger des Jahres". Sein Internetauftritt kann in vielerlei Hinsicht als Teil eines Versuchs der politischen Elite gelten, durch direkte Kommunikation ihren Einfluss auf die Wählerschaft auszubauen – als eine Form politischer Werbung. Andererseits kann dieser Auftritt im Netz auch als ein Weg verstanden werden, potentiellen politischen Bedrohungen durch wirksame Gegeninformation zu begegnen, als Mittel, mehr Kontrolle im digitalen Raum zu gewinnen. Politisches Blogging ist ein bislang zu wenig beachteter Forschungsgegenstand, der jedoch zum Verständnis der politischen Kommunikation in Russland von großer Bedeutung ist

Kommunikation auf Dmitrij Medwedews Videoblog

Am 7. Oktober 2008 veröffentlichte Dmitrij Medwedew seinen ersten Videoblog-Eintrag auf blog.kremlin.ru; genau ein Jahr später wurde sein Blog mit LiveJournal verknüpft. Medwedew gab zwar zu, dass er nicht als tatsächlicher Autor hinter den Videos steht, erklärte aber, dass er den Inhalt persönlich kontrolliere. Durch die Verbindung zu Russlands aktivstem Blog-Portal versuchte Medwedew sein Publikum auszubauen und größere Teile der Wählerschaft zu erreichen. Mit Stand vom Juli 2012 enthielt sein Blog 224 kurze Videoclips von zwischen zwei und vierzehn Minuten Länge. Das Internet ist jedoch ein dynamisches Medium und die Zahl der Blogeinträge ist mit der Aktualisierung stetig gewachsen. Medwedews Botschaften sind über einen Link unter dem jeweiligen Video auch in schriftlicher Form abrufbar. Über einen Link rechts vom Video können die Besucher einen Kommentar hinterlassen. Die Nutzer können auf zweierlei Art einen Kommentar abgeben: über die Links neben jedem Video oder per Klick unter einem der sechzig verschiedenen Themen, zu denen direkte Kommentare abgegeben werden können. Die Blogsphäre mag vielleicht als ein Ort freier Meinungsäußerung und unzensierter Diskussion betrachtet werden, doch wie sieht es mit der Idee der freien Meinungsäußerung und der Vermischung von Öffentlichem und Privatem aus, wenn es sich bei dem Blogger um Russlands öffentlichste Figur handelt, nämlich den Präsidenten selbst? Wenn Blogs als Bühne eingesetzt werden können, auf der Menschen Informationen austauschen und gleichberechtigt kommunizieren können, so ist das bei Medwedews Blog nicht unbedingt der Fall. Dieses Blog versorgt die Nutzer mit sorgfältig bearbeiteten Clips des jetzigen Ministerpräsidenten, mit deren Hilfe sich die Regierung über die hinterlassenen Kommentare über bestehende Haltungen und Meinungen in der Bevölkerung informieren kann. Dem Leser bietet das Blog eine womöglich bearbeitete Version der öffentlichen Meinung und projiziert somit eine bestimmte Version der Realität. Um in dem Blog einen Kommentar zu hinterlassen, muss ein Nutzer sich registrieren. Das erweitert jedoch die Möglichkeiten, dass sich Nutzer zurückverfolgen lassen, was wiederum zu Selbstzensur führen kann. Darüber hinaus bestehen in dem Blog einige Regeln, unter anderem in Bezug auf Grammatik und sprachliche Pflege des Russischen, was den Administratoren weite Handhabe bietet, unerwünschte Kommentare zu entfernen. Es gibt erste Hinweise, dass das in großem Umfang praktiziert wird. Mit Stand vom 29. Juni 2012 hatte das Blog auf Medwedews offizieller Website 149.000 aktive Nutzer gehabt, von denen 33.000 einen Kommentar hinterlassen haben. Insgesamt wurden über 155.500 Kommentare auf der Website veröffentlicht. Das Blog selbst ist allgemein zugänglich, und die Videos und Kommentare können ohne vorherige Registrierung eingesehen werden, eine Registrierung ist nur erforderlich, um einen Kommentar zu verfassen. Es bleibt jedoch die wichtige Frage – und zwar eine, die auf eine verbreitete Löschung von Kommentaren hindeutet –, warum 116.000 Nutzer sich mit ihrem Profil registrieren ließen, wenn sie nicht die Absicht hatten einen Kommentar zu hinterlassen. Für eine Einschätzung der Kommunikation zwischen Bevölkerung und Regierung auf Medwedews Blog hat die Autorin eine Probe von 456 Nutzerkommentaren und 20 Videoblog-Einträge analysiert. Die Materialien stammen aus dem Zeitraum von März 2008 bis März 2011, als Medwedew noch Staatsoberhaupt war. Die eingehende Analyse hat ergeben, dass es im Großen und Ganzen eine nur schwache Verbindung zwischen dem Diskurs in Medwedews Videos und den Nutzerkommentaren gibt, was nicht auf eine gut funktionierende wechselseitige Kommunikation hindeutet. Die Besucher des Blog scheinen den Blog als Briefkasten zu nutzen, durch den eher Medwedew erreicht werden soll, als dass ein Kommunikationsraum gesucht wird, in dem sich die Nutzer zunächst anhören, was der Präsident zu sagen hat, und dieses dann kommentieren. Diese Einschätzung wird zudem durch den Umstand untermauert, dass nur 82 Kommentare direkt unter einem bestimmten Video-Eintrag abgegeben wurden, während die übrigen 374 direkt in der thematischen Kommentarsparte hinterlassen wurden. Allerdings hat es in den Materialien ein Beispiel für wechselseitige Kommunikation gegeben, das eine Auswirkung auf das Leben außerhalb der virtuellen Welt gehabt haben könnte. Es handelt sich um das Föderale Gesetz Nr. 343-FZ "Über die Pflichtversicherung im Falle zeitweiliger Behinderung oder im Falle eines Mutterschaftsurlaubs", das nach beträchtlichen negativen Reaktionen im Blog revidiert wurde. Das bedeutet, dass trotz der schwachen Anzeichen für wechselseitige Kommunikation, die in dem Material zu finden sind, diese dennoch nicht gänzlich fehlt. Die Nutzerkommentare wurden tatsächlich gelesen und wahrgenommen; darüber hinaus ergibt sich, dass das Blog und das Internet als Ganzes wenigstens in einem gewissen Maße dazu genutzt werden, die öffentliche Meinung zu erfahren. Das resultierte sogar in Veränderungen, mit denen die Wähler beruhigt werden sollten.

Die Zukunft unter Putin

Dmitrij Medwedew war ein technisch versierter Präsident mit einer Leidenschaft für eine Diskussion über Modernisierung und für Apple-Produkte. Wie wird es mit der Internet-Kommunikation weitergehen, wo jetzt Wladimir Putin das Präsidentenamt inne hat? Putins Haltung zum Internet ist immer ambivalent gewesen, auch wenn er 2006 als erster Führer Russlands eine direkte Interaktion mit einem Internet-Publikum einging, als er bei einer Veranstaltung der russischen Firma Yandex auf Fragen des Publikums antwortete. Später, im Jahre 2010, trat er bei einer Sitzung des Staatsrates mit kritischen Äußerungen zum weltweiten Netz auf: Er erklärte, dass ja bekannt sei, dass 50 Prozent aller Materialien, die online zu finden sind, aus Pornografie bestünden. In seinem Artikel "Russland in einer sich wandelnden Welt" (Moskowskije Nowosti, 27. 01. 2012), den er für den Präsidentschaftswahlkampf veröffentlichte, schrieb Putin dann über das Internet, dass es ein wirksames Instrument in der Innen- und Außenpolitik sei. Bislang hat Putin weder ein eigenes Videoblog für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit eingerichtet, noch gibt es Anzeichen, dass er das in der unmittelbaren Zukunft tun wird. Ein moderner Blogger zu sein ist dermaßen ein Teil von Medwedews politischem Image gewesen, dass es für Putin als ungünstiger Schritt gelten könnte, in der gleichen Weise aktiv im Internet aufzutreten wie sein Vorgänger. Medwedew seinerseits ist weiterhin – nun als Ministerpräsident – eine wichtige Figur in der politischen Elite Russlands, und die Zahl der von der Regierung gestützten Internet-Initiativen wächst ständig. Medwedews Blog ist immer noch auf LiveJournal und auf der offiziellen Website des Ministerpräsidenten (premier.gov.ru) aktiv. Das schnelle Anwachsen des Internet in Russland bedeutet, dass dieses neue Kommunikationsinstrument unwiderruflich Einzug gehalten hat und ernst genommen werden sollte. Medwedews Initiativen – das Entwicklungsprogramm für e-Government, das Open Government-Projekt und das Projekt "Russland ohne Dummköpfe" – zeigen, dass dem so ist. Die Auswirkungen dieser vom Staat geführten Kommunikation bedürfen noch einer weiteren Analyse. Wir brauchen Studien, die untersuchen, in welchem Maße Politik zu Themen Veränderungen erfahren hat, die in den Blogs angesprochen wurden. Damit ließe sich feststellen, ob ein in der virtuellen Welt vorherrschender Diskurs in der realen Welt überhaupt eine Relevanz hat. Übersetzung aus dem Englischen: Hartmut Schröder

Lesetipps

:

  • Internet Blogs. Russian Analytical Digest 69/2009

  • Alexanyan, K., V. Barash, B. Etling, R. Faris, U. Gasser, J. Kelly, J. Palfrey, H. Roberts: Exploring Russian Cyberspace. Digitally-Mediated Collective Action and the Networked Public Space (= Berkman Center Research Publication Nr. 2012-2), Cambridge, MA: Berkman Center for Internet & Society, 2012

  • Deibert, R., J. Palfrey, R. Rohozinski, J. Zittrain (Hg.): Access Controlled: The Shaping of Power, Rights, and Rule in Cyberspace. Cambridge, MA: MIT Press 2010.

Fussnoten

ist wissenschaftliche Assistentin am Norwegischen Institut für Internationale Fragen (NUPI).