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Aus russischen Blogs: Der Krieg in der Ukraine

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Januar 2022 Wirtschaftsbeziehungen im Fernen Osten Analyse: Die Bedeutung des russischen Fernen Ostens für die Asien- und Pazifik-Politik Russlands Chronik: Covid-19-Chronik, 06. – 24. Dezember 2021 Chronik: 06. Dezember 2021 – 15. Januar 2022

Aus russischen Blogs: Der Krieg in der Ukraine

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Vor dem Hintergrund des Militäreinsatzes im Gebiet Donezk, der anhaltenden Schießereien in Slawjansk, Dutzender Opfern auf Seiten der "Föderalisten" und der Militärangehörigen der ukrainischen Armee sowie der Tragödie in Odessa diskutiert Russland über den Krieg in der Ukraine. Die staatlich kontrollierten Medien in Russland verkünden pausenlos die Stellungnahmen des Kreml und von prorussischen Kräften in der Ukraine und bieten keine Möglichkeit für eine Darstellung anderer Meinungen zur Ukraine-Krise. Das ist seit Wochen das Thema Nummer Eins auch in der russischen Blogosphäre, die im Moment die wichtigste Plattform für freie Meinungsäußerung in Russland darstellt. Prominente Journalisten, Kulturschaffende, Oppositionelle, die nicht selten auf den Schwarzen Listen führender Fernsehsender stehen, diskutieren in den Blogs von Echo Moskwy, snob.ru und livejournal.com über den Kriegszustand im Nachbarland. Darunter der bekannte russische Science Fiction-Autor Dmitrij Gluchowskij, die Journalistin und Prominente Xenia Sobtschak und der ultralinke Politiker und Anführer der "Linken Front" Sergej Udalzow, der seit Monaten wegen "Anstiftung von Massenunruhen" unter Hausarrest steht.

Ukrainische Volksrepublik



"Furchtbare Ereignisse sind in der Ukraine geschehen. Dutzende Menschen wurden in Odessa, Slawjansk, Kramatorsk getötet. Die schrecklichste Tragödie ist natürlich in Odessa geschehen. Das war eine unmittelbare Folge der Untätigkeit lokaler Behördenvertreter, die durch Kiew ernannt worden waren. Die Polizei tat praktisch nichts und schaute bloß zu, als die Neonazis friedliche Anhänger der Föderalisierung verprügelten und anschließend im Gewerkschaftshaus verbrannten. […] Und nun tragen eben Kiewer Favoriten die volle Verantwortlichkeit für das Blut im Südosten. Statt einen elementaren Dialog mit Donezk, Luhansk und Charkow aufzubauen, demonstrieren sie unverschämt den Wunsch, die Macht zu usurpieren, und tun alles, um den Südosten aufzuwachen und zu verärgern. Und das haben sie auf ganzer Linie geschafft. Diejenigen, die die Hand Russlands in diesem Prozess hochspielen, irren sich heftig. Putin ist längst kein Revolutionär. Er fürchtet sich vor einem ernstlichen Konflikt mit dem Westen, deswegen haben alle Maßnahmen zutiefst Antwort-, vielfach verzögerten Charakter. Bei der Krim gab es keine andere Option, denn die Bevölkerung dort ließ Putin praktisch keine andere Wahl (soviel dazu, wer den Hauptverdienst am Krim-Beitritt hat). Im Südosten ist es nicht so eindeutig, deswegen zögert unsere Macht vor Unbestimmtheit. Kiew will das Genfer Abkommen offensichtlich nicht umsetzen. Ihre [Die Kiewer] Aufgabe heißt, die Wahlen um jeden Preis am 25. Mai durchzuführen und die oligarchische Junta durch die Wahl Poroschenkos zum Präsidenten zu legitimieren. Unter diesen Umständen hängt das Schicksal des Südostens in erster Linie von dem Engagement seiner Bevölkerung ab, das um ein vielfaches höher sein sollte als jetzt. Russland sollte nicht direkt eingreifen und Truppen schicken (darauf warten unsere Gegner nur), die Unterstützung kann und muss indirekt geleistet werden (aber energisch!). Wenn die Einwohner von Donezk, Luhansk und Charkow genug Kraft und Mut haben, sollte man die Wahlen am 25. Mai boykottieren, umgehend ein Referendum durchführen und eine unabhängige Ukrainische Volksrepublik verkünden (nach dem Beispiel von Abchasien oder Transnistrien). Die Macht ergreifen, Rohstoffe und Großindustrie verstaatlichen und deren Oligarchen à la Achmetow zum Teufel jagen. Danach kann man um die Entsendung von Friedenstruppen bitten, um der Aggression durch Kiew zu entgehen. Meiner Ansicht nach wäre dies eine optimale Lösung. Sollte alles klappen, können dieser Republik dann Odessa, Nikolajew, Cherson und eine Reihe von anderen Gebieten beitreten. Vor diesem Hintergrund kann auch die Junta nicht lange überleben. So könnte man sich mit Kiew wiedervereinigen, dann aber unter Berücksichtigung der Meinung aller Seiten. Und danach können alle gemeinsam eine neue Union aufbauen, wobei man sich parallel um die hiesigen Gauner und Dieben kümmert. Das wäre richtig!"
Sergej Udalzow im Blog von Echo Moskwy vom 3. Mai 2014Externer Link: http://echo.msk.ru/blog/udaltsov/1312690-echo/

Lügen tut nicht weh



"Unser Fernsehen ist wie ein geplatztes Eitergeschwür. Die einst von mir geschätzten ›Gazeta‹ und ›Lenta‹ sind nun glasäugige Bälge ihrer selbst geworden. Im Lande gibst es keinen Journalismus mehr. Die scheinbar normale vernünftige Menschen haben alles vergessen und lügen, lügen, lügen! Es lügen geschminkte Tussis in [der Nachrichtensendung] ›Westi‹ und im ›Ersten‹, es lügen Korrespondenten, es lügen im Kleinen die Redakteure, es lügen im Großen die Chefredakteure. […] Und dann lesen wir: Wladimir Putin hat mehr als dreihundert Journalisten für ihre ›objektive Berichterstattung von den Ereignissen auf der Krim‹ mit Orden ausgezeichnet. Von den Ereignissen generell in der Ukraine. Orden und Medaillen für Korrespondenten, Moderatoren, Showmaster, Chefredakteure… ›Alexander Newski‹[-Orden], ›Für Verdienste um das Vaterland‹ und ›Ehrenorden‹. Na gut, die Korrespondenten sind wohl auf Befehl in die Hölle gegangen. Wofür aber an Kulistikow und Solowjow? Das erste, was einem einfällt: das waren keine Arbeits-, sondern Kampfverdienste. Denn es sind ja irgendwie Kriegszeiten. Und das heißt, die auf der anderen Seite sind Feinde. Das heißt, die Feder gleicht dem Bajonett. Krieg ist Krieg. Aber dann kommt man ins Grübeln: Wer hat diesen Krieg begonnen? Wer hat die Bandera-Leute, Faschisten und UNA-UNSO beschworen? Wer hat diese Hysterie unter den russischsprachigen Ukrainern und ukrainischen Russen angefächert? Wer hat ihnen ein halbes Jahr zum Frühstück über das Lemberger Massaker und zum Mittagessen über Massenerschießungen bei Charkow erzählt? Wer hat den ›Rechten Sektor‹ aus einer Handvoll Randfiguren vom Maidan, die nicht mal einen Namen hatten, in einen zentralen Akteur des ukrainischen Nationalismus verwandelt? Und wer hat vor allem diesen Nationalismus mit Wachstumshormonen gemästet, als Monat für Monat über die ganze Ukraine verschossen wurden? Ja, nun haben wir Krieg. Auf beiden Seiten gibt es nun Tote. Nun gibt es weder die, die recht haben, noch schuldige. Nun steht der Ameisenhaufen im Flammen, man kann sich die Hände ausschütteln, zur Seite treten und eine "unparteiischer Haltung" einnehmen. Denn ihr habt das angestellt, Jungs. Im Kreml wurde es ausgedacht, und ihr habt es angestellt. Jeder von euch. Wer den Job nicht wechseln wollte. Wer vor Gehaltskürzungen Angst hatte. Wer einfach nicht wusste, wie er dem Vorgesetzten widersprechen sollte. Wer sich selbst überzeugt hat, er habe recht. Die ›höflichen Menschen‹ – die Sondereinheit des GRU [mil. Nachrichtendienst] – mögen wohl niemanden getötet haben. Ihr aber habt getötet. Es wird nicht leicht für euch, damit zu leben. Besser sich selbst zu belügen, als so, wie ihr die anderen belogen habt. Besser fixen und sich vergessen. Eure Medaillen sind keine Auszeichnungen. Da teilt euch Putin Morphium aus. Begießt es heute und gedenkt derer, die ihr begießt."
Dmitrij Gluchowskij im Blog von snob.ru vom 5. Mai 2014 Externer Link: http://www.snob.ru/profile/25578/blog/75800

Odessa in Flammen



Als ich gestern und heute Schlagzeilen gelesen habe, ist mir schlecht davon geworden, wie unsere Patrioten sich auf diese schreckliche Nachricht über die Toten in dem Gebäude gestürzt haben, als ob die Taten der Einen die Taten der anderen rechtfertigten. Der Schrecken aller Kriege besteht darin, dass sich alle in "die unseren" und die "die anderen" aufteilen, in "Maidan" und "Wattejacken" [spött. Bezeichnung für Russen], in jeden, jeden Quatsch. Mit einigem Befremden beobachte ich vollkommen bolschewistische Klammern: sind Sie für oder gegen den Einmarsch der Truppen? Also wirklich, entscheiden Sie sich, ja, direkt hier! Zur gleichen Zeit lügt Timoschenko aus irgendeinem Grund heftig und hässlich über die "Befreiung administrativer Gebäude" und die "Attacke mit Molotow-Cocktails", und bezeichnet die Ereignisse an diesem Tag als eine "friedliche Aktion". Schuster spricht aus irgendeinem Grund von getöteten Russen [hier: Bürger der Russischen Föderation] (wobei weder das Außenministerien Russlands noch der Ukraine bisher Nachnamen und Staatsangehörigkeit der Toten veröffentlicht haben), die Polizei lügt, die Protestierenden hätten "sich selbst angezündet". Was unser föderales Fernsehen lügt, traut man sich kaum zu zitieren. Die Wahrheit interessiert niemanden. Denn die Wahrheit – nicht nur die Wahrheit über diese Tragödie, sondern jede Wahrheit über Krieg und Konflikt – ist komplizierter, hat viele interessierte Beteiligte, Akteuren und läuft nicht auf ein debiles "bist du für die Roten oder für die Weißen?" hinaus. Ein vernünftiger Mensch wäre "für die Weißen", wenn die "Weißen" gerecht handeln, und er wäre für die "Roten", wenn die "Roten" gerecht handeln. Mir scheint es hier keinen Widerspruch zu geben. Die Komplexität der Situation besteht aber darin, dass es weder "Rote" noch "Weiße" mehr gibt. Sie wurden durch Bandera-Leute, GRU-ler, zufällige Passanten, Fanatiker des Rechten Sektors, Patrioten der Ukraine, reale Befürworter der Föderalisierung abgelöst. Und all diese Vielfalt lässt sich auf keinem Fall auf das simple Schema "Bandera-Leute" gegen "Wattejacken" herunterbrechen.
Xenia Sobtschak im Blog von snob.ru vom 4. Mai 2014 Externer Link: http://www.snob.ru/profile/24691/blog/75771

Die Blogs, auf die verwiesen wird, sind in russischer Sprache verfasst.
Ausgewählt und zusammengefasst von Sergey Medvedev, Berlin

Fussnoten