Meine Merkliste

Aus russischen Blogs: Der türkisch-russische Konflikt

Russland-Analysen Memorial (16.12.2021) Von der Redaktion: Frohes Fest! Dokumentation: Friedensnobelpreisrede von Dmitrij Muratow dekoder: Memorial Dokumentation: Anträge der Staatsanwaltschaften Interview: Irina Scherbakowa Interview: Swetlana Gannuschkina Kommentar: Die Büchse der Pandora Dokumentation: Der Menschenrechtsrat ist besorgt Dokumentation: Kommentar von Wladimir Putin zu Memorial Kommentar: Wendejahre Kommentar: Angriff des Kreml auf Memorial Kommentar: "Der Westen" als Gefahr für Russlands innere Sicherheit Kommentar: Déjà-vu Kommentar: Memorial als geschichtswissenschaftlicher Akteur Kommentar: Ein Refugium der Freiheit wird zerstört Kommentar: Die Instrumente des Europarats Kommentar: Memorial im Nordkaukasus Kommentar: Einsatz für Religions- und Gewissensfreiheit Kommentar: Ist das russische "Ausländische-Agenten"-Gesetz reformierbar? dekoder: Schlag gegen Deutschland Notizen aus Moskau: Memorial und die Hoffnung Dokumentation: Fokus Memorial der Zeitschrift OSTEUROPA Dokumentation: Stellungnahmen zur drohenden Auflösung von Memorial Chronik: Covid-19-Chronik, 16. November – 03. Dezember 2021 Chronik: 15. November – 03. Dezember 2021 Erdgashandel (24.11.2021) Analyse: Der deutsch-russische Erdgashandel. Chronik: Covid-19-Chronik, 01. – 13. November 2021 Chronik: 01. – 12. November 2021 Sozialverantwortung und Klima in der Landwirtschaft (10.11.2021) Analyse: Landwirtschaftliche Betriebe in Russland für unternehmerische Sozialverantwortung Analyse: Wird die russische Landwirtschaft vom Klimawandel profitieren? Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Oktober 2021 Chronik: 11. – 29. Oktober 2021 Duma- und Regionalwahlen (01.10.2021) Analyse: Die Dumawahlen 2021 und das zunehmend hegemonial-autoritäre Regime in Russland Analyse: Alexej Nawalnyj, "Smart Voting" und die Wahlen zur russischen Staatsduma 2021 Kommentar: Wahlen in der "Protestregion" Chabarowsk in Online- und sozialen Medien dekoder: Die Evolution der Duma Notizen aus Moskau: Wird (all)es nach den Wahlen wieder besser? Chronik: Covid-19-Chronik, 13. – 26. September 2021 Chronik: 13. – 26. September 2021 Wirtschaftliche Schocks (24.06.2021) Analyse: Die Wirtschaft der "Festung Russland" Analyse: Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Corona-Krise  Chronik: Covid-19-Chronik, 03. – 30. Mai 2021 Chronik: 17. Mai – 10. Juni 2021 Arktis (31.07.2021) Editorial: Sommerpause, на дачу Analyse: Arktische Visionen: Die sowjetische Expansion nach Norden Analyse: Russlands Arktis-Strategie bis 2035 – Große Pläne und ihre Grenzen Analyse: Der russische Vorsitz im Arktischen Rat: Prioritäten und Implikationen für den Hohen Norden Russlands Kommentar: Russlands arktischer Balanceakt Dokumentation: Russland und die Arktis: Eine Auswahl aktueller Publikationen Chronik: Covid-19-Chronik, 14. Juni – 17. Juli 2021 Chronik: 16. Juni – 18. Juli 2021 Duma-Wahlen/Repressionen (08.06.2021) Kommentar: Duma-Wahlen 2021 Kommentar: Informationskriege, Oppositionskoordination und die Dumawahl im Jahr 2021 Kommentar: Wird das Putin-Regime überleben? Kommentar: Vorbereitung auf die Parlamentswahlen 2021 Kommentar: Elektronische Stimmabgabe Kommentar: Bedingungen der Wahlbeobachtung Kommentar: Die wirtschaftlichen Folgen autoritärer Politik Kommentar: Michail Mischustin als ambitionierter "Systemadministrator" des Putinismus Kommentar: Bürger:innen und der starke Mann: Erwachen, soziale Klassen und sozialer Niedergang in Russlands Autokratie Kommentar: Fear and Loathing in Russia: Repressionen als Herrschaftsinstrument des Kremls Kommentar: Ausländische-Agenten-Gesetz vor der Duma-Wahl 2021 ausgeweitet Kommentar: Schrumpfende Freiräume für Russlands Medien Kommentar: Russland drosselte Twitter, um Inhalte zu zensieren dekoder: "Hätten wir eine andere Wahl gehabt? Nein." Dokumentation: Repressive Gesetze, die von Wladimir Putin am 30. Dezember 2020 unterzeichnet wurden Dokumentation: April-Chronik der Repressionen: Der Journalist Ilja Asar hat Buch geführt Umfragen: "Haben Sie Angst vor…?" Umfrageergebnisse des Lewada-Zentrums Dokumentation: Hat der Protest einen Anführer? Wie stehen die Protestierenden zu Nawalnyj? Dokumentation: Russische Online-Zeitung Meduza kämpft ums Überleben Dokumentation: Amnesty International: Die Polizei identifiziert friedliche Demonstrierende mit Gesichtserkennungstechnologie Dokumentation: Human Rights Watch: Der Fall des Menschenrechtsanwalts Iwan Pawlow und neue repressive Gesetze Dokumentation: Stellungnahmen zum Beschluss der russischen Generalstaatsanwaltschaft, deutsche Nichtregierungsorganisationen als in Russland unerwünschte Organisationen zu erklären Chronik: 3. – 14. Mai 2021 Atomenergie / Die Botschaft des Präsidenten (14.05.2021) Analyse: Zum 35. Jahrestag von Tschernobyl Analyse: Russische Reaktoren und russischer Atommüll Analyse: Putins Botschaft an die Föderalversammlung dekoder: Warum Putin dem Volk nichts mehr zu sagen hat Chronik: Covid-19-Chronik, 12. April – 02. Mai 2021 Chronik: 13. April – 01. Mai 2021 60 Jahre Gagarin: Raumfahrt / Das russische Strafvollzugssystem (19.04.2021) dekoder: Juri Gagarin dekoder: Raumfahrtprogramm der UdSSR Analyse: Russland im Weltraum: Die 2020er Jahre Analyse: Russlands internationale Raumfahrtstrategie Analyse: Das Strafvollzugssystem der Russischen Föderation Chronik: Covid-19-Chronik, 15. März – 11. April 2021 Chronik: 17. März – 09. April 2021 Übersterblichkeit (27.03.2021) Analyse: Die Übersterblichkeit macht den wahren Opferzoll deutlich Analyse: Russlands Geografie und die Ausbreitung von Covid-19 Analyse: Die Pandemie in Russlands Föderationssubjekten: Gründe für die unterschiedliche Mortalität dekoder: "Die russische Propaganda hat sich selbst besiegt" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. März 2021 Chronik: 1. – 10. März 2021 Stadtentwicklung/Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen (09.03.2021) Analyse: Ausdehnung des Moskauer Wohnraumsanierungsprogramms Analyse: Urbaner Aktivismus in Russland dekoder: Das Moskau-Experiment Dokumentation: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Chronik: Covid-19-Chronik, 15. – 28. Februar 2021 Chronik: 16. – 27. Februar 2021 Digitale Diplomatie (19.02.2021) Analyse: Russlands digitale Diplomatie Analyse: Mittel und Zweck von Public Diplomacy Kommentar: Zusammenarbeit chinesischer und russischer Medien dekoder: "Schau mich gefälligst an!" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. Februar 2021 Chronik: 1. – 14. Februar 2021 Söldner im Dienst von Russland / Elite-Ranking 2020 / Proteste nach Nawalnyjs Rückkehr (08.02.2021) Söldner im Dienst autoritärer Staaten Analyse: Russische PMCs im Nahen Osten und Afrika Kommentar: Die "Wagner-Affäre" in Belarus und ihre Folgen Kommentar: Geopolitik, Waffen, Erdöl: Was Russlands Präsenz in Venezuela bedingt Karte: Söldner im Dienst von Russland Ranking: Das Elite-Ranking der "Nesawisimaja gaseta" Ranking: Die politische Elite im Jahre 2020: Regierungswechsel, Covid-19-Pandemie und Verfassungsreform dekoder: Russlandweite Proteste – wie nervös macht Nawalny den Kreml? dekoder: Nawalnys Schlusswort: "Einen einsperren, um Millionen einzuschüchtern" Notizen aus Moskau: Von 2011 zu 2021. Zehn Jahre danach. Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Januar 2021 Chronik: 11. – 31. Januar 2021 Visadialog zwischen der EU und Russland (21.01.2021) Analyse: Die Visumpflicht in den EU-Russland Beziehungen Analyse: Perspektiven des Visa-Dialogs zwischen der EU und Russland Kommentar: Visafreiheit für russische Jugendliche Kommentar: Illegale Passportisierungspolitik im Donbas Kommentar: Mit Visafreiheit Brücken in Krisenzeiten schlagen dekoder: Arbeitsmigration in Russland Chronik: Covid-19-Chronik, 30. November 2020 – 10. Januar 2021 Chronik: 3. Dezember 2020 – 9. Januar 2021 Die deutsch-russischen Beziehungen nach den Wahlen (15.10.2021) Analyse: Die Bundestagswahl und die deutsch-russischen Beziehungen Analyse: Chancen für eine neue Russlandpolitik nach der Bundestagswahl Kommentar: Die deutsche Russlandpolitik und das russische Gesetz über "ausländische Agenten" Dokumentation: Ausgewählte Publikationen über die deutsch-russischen Beziehungen Dokumentation: Vorschläge und Empfehlungen zu den EU-Russland-Beziehungen dekoder: Novaya Gazeta dekoder: Muratows Krawatte und der Friedensnobelpreis Chronik: Covid-19-Chronik, 27. September – 09. Oktober 2021 Chronik: 28. September – 08. Oktober 2021 30 Jahre Zerfall der Sowjetunion – Generationen (20.09.2021) Kommentar: Nur ein Menschenleben lang Kommentar: Staatenlosigkeit nach dem Zusammenbruch der UdSSR Kommentar: Der Generationenaspekt beim Zusammenbruch der Sowjetunion Kommentar: Dreißig Jahre Transformation des russischen Hochschulwesens Kommentar: Die Jugend und die Generationen im postsowjetischen Russland: Kommentar: Unternehmerinnen in Russland Notizen aus Moskau: 30 Jahre umsonst? dekoder: Das Licht einer enttäuschten Hoffnung dekoder: Misstrauen auf allen Ebenen Chronik: Covid-19-Chronik, 02. August – 12. September 2021 Chronik: 05. – 12. September 2021 Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Von der Redaktion: Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Kommentar: Die Minsker Vereinbarungen als Chance? Kommentar: (Keine neuen) Erkenntnisse gewonnen Kommentar: Alles auf Status. Russlands riskantes Kriegsspiel mit (in) Europa Kommentar: Russlands Motive Kommentar: Die Gründe für Russlands Vorschläge Kommentar: Würde Putin vom eigenen Volk für eine Invasion in die Ukraine abgestraft werden? Kommentar: Kriegsoptimismus im Russland-Ukraine-Konflikt: Grund zum Pessimismus? Kommentar: Desinformation: ein hoch aktuelles Konzept aus dem letzten Jahrhundert Kommentar: Die Russland-Ukraine Krise: Wo steht Deutschland? Kommentar: Russlands Passportisierung des Donbas: Von einer eingeschränkten zu einer vollwertigen Staatsbürgerschaft? Kommentar: Die OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine: Wunsch und Wirklichkeit Umfragen: Meinungsumfragen zu den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Chronik: 01. – 20. Februar 2022 Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Editorial: Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Die sozialen Sorgen der Bevölkerung in der politischen Rhetorik Kommentar: Das Verhältnis zwischen dem Zentrum und den Regionen in der Rhetorik des russischen Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Nationalitätenpolitik: Russländische Nation versus russisches Volk? Kommentar: Russland entdeckt die Energiewende: Ein Sonderweg zur Dekarbonisierung? Kommentar: Die Ukraine in der Rhetorik russischer Präsidenten und der Staatsduma Chronik: 17. Januar 2022 – 29. Januar 2022 Wirtschaftsbeziehungen im Fernen Osten Analyse: Die Bedeutung des russischen Fernen Ostens für die Asien- und Pazifik-Politik Russlands Chronik: Covid-19-Chronik, 06. – 24. Dezember 2021 Chronik: 06. Dezember 2021 – 15. Januar 2022

Aus russischen Blogs: Der türkisch-russische Konflikt

/ 10 Minuten zu lesen

Am 24. November 2015 ist ein russischer Bomber von türkischen Abfangjägern im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossen worden. Im folgenden Meinungen aus russischen Blogs zu dem Vorfall.

Beerdigung des russischen Piloten Oleg Peschkow. Dieser ist infolge des Abschusses eines russischen Kampfjets durch die Türkei gestorben. (© picture-alliance/dpa)

Am 24. November 2015 ist ein russischer Bomber vom Typ Su-24 von türkischen F-16 Abfangjägern im türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossen worden. Ein Pilot wurde getötet. Laut offizieller Erklärung des türkischen Militärs sei das russische Kampfflugzeug in den türkischen Luftraum eingedrungen und dann nach wiederholten Warnungen abgeschossen worden. Das russische Militär hingegen streitet dies ab. Präsident Wladimir Putin bezeichnete den Vorfall als "Dolchstoß in den Rücken, der von Helfershelfern der Terroristen verübt wurde", verlangte von der türkischen Regierung eine Entschuldigung und drohte mit wirtschaftlichen Sanktionen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan forderte zunächst selbst Entschuldigungen vom Kreml für die Verletzung des türkischen Luftraums, drückte aber einige Tage später sein Bedauern über den Abschuss des Flugzeugs aus. Die kargen Worte Erdoğans konnten Putin jedoch nicht zufriedenstellen. Wenige Tage nach dem Abschuss unterschrieb er den Erlass "Über Maßnahmen zur Wahrung der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation und zum Schutz der Bürger der Russischen Föderation vor kriminellen und sonstigen gesetzeswidrigen Aktivitäten sowie über die Ergreifung besonderer wirtschaftlicher Maßnahmen gegen die Türkei". Die Sanktionen reichen von einem Importverbot türkischer Waren bis zu Beschränkungen für türkische Unternehmen und die Beschäftigung türkischer Angestellter und Arbeiter in Russland. Auch soll die Visafreiheit zwischen beiden Ländern ab dem 1. Januar 2016 eingestellt werden. Russische Reiseagenturen dürfen darüber hinaus keine Türkeireisen mehr anbieten. Bereits vor der Veröffentlichung des Erlasses hatten einige Bürger der Türkei den Ärger Putins persönlich zu spüren bekommen. 39 türkische Geschäftsmänner wurden während einer Landwirtschaftsmesse im südrussischen Krasnodar angeblich wegen Verletzung der Migrationsregeln von der Polizei festgenommen und in die Türkei abgeschoben. Gerüchten in sozialen Netzwerken zufolge seien einige türkische Studenten aus einer Fachhochschule in Woronesch exmatrikuliert worden. Präsident Erdoğan empfahl seinen Bürgern, vorläufig auf Reisen nach Russland zu verzichten.

Inwieweit die Eskalationsspirale zwischen dem türkischen und russischen Machthaber sich weiter entwickeln wird und wie ein Ausweg aus der zu erwartenden Krise zwischen Ankara und Moskau aussehen kann, wird im russischen Netz heftig diskutiert. Der kremlnahe Journalist Sergej Shurawljow sowie der Politologe Sergej Markow schieben der Türkei die Schuld zu und drohen Erdoğan mit noch schärferen Konsequenzen. Der Menschenrechtler Pawel Tschikow und der Oppositionelle Alexej Nawalnyj warnen vor einer gefährlichen Entwicklung, da sowohl mit Putin als auch mit Erdoğan Hardliner an der Macht seien. Der Oppositionelle Sergej Dawidis fragt sich, warum Russland immer wieder als Folge eines Konflikts eine teilweise verdeckte Sanktionspolitik betreibt. Der Publizist Wiktor Schenderowitsch schildert anhand der "Technologie der Katastrophe", wie sich Kriege aus kleinen Zwischenfällen entwickeln können.

Shurawljow: Die Familie Erdoğans bereichert sich durch illegale Erdölgeschäfte mit dem "IS"

"[…] Die Position der Türkei hat bereits seit langem bestimmte Fragen aufgeworfen. Einerseits trat sie als NATO-Verbündete der westlichen Länder scheinbar gegen den "IS" auf. Andererseits gibt es bereits seit langem Berichte, in denen die türkische Regierung und Erdoğan persönlich beschuldigt werden, den internationalen Terrorismus zu unterstützen und mit dem Verkauf von Öl, das sie vom "IS" erhalten, Geld zu verdienen. Zunächst kämpften westliche Länder in Syrien gegen den "IS", ohne das Öl der Islamisten anzurühren. Dann hat sich Russland eingemischt und bei der Unterstützung Assads von Terroristen besetzte Bohrtürme bombardiert, da Russland klar wurde, dass man den Terroristen den ökonomischen Nährboden entziehen muss.

Nach dem Eingreifen Russlands war die türkische Regierung selbstverständlich unzufrieden. Durch den Ankauf von "schwarzem" Öl vom "IS" zu Billigpreisen und den Weiterverkauf zu Marktpreisen, hat sich vor allem die Familie von Präsident Erdoğan bereichert. Erdoğans Sohn Bilal ist bekanntermaßen eine wichtige Figur in der türkischen Ölindustrie. Mehr als einmal ist er ertappt worden, Kontakte zu Anführern der Terroristen zu unterhalten – es gelangten sogar Fotos in die Medien, auf denen er mit ihnen in inniger Umarmung zu sehen ist. Sobald die ersten Öl-Laster, die in Richtung Türkei unterwegs waren, in Flammen aufgingen, begann Erdoğan mit seinen Protesterklärungen […].

Erdoğan scheint nicht verstanden zu haben, dass ein abgeschossenes russisches Flugzeug in erster Linie der Türkei selbst schaden würde. Diese äußerst dreiste Provokation gegen die russischen WKS [die Luft- und Weltraumstreitkräfte Russlands] dürfte zu einer Abkühlung der Beziehungen zu gerade jenem Land führen, aus dem ein Riesenstrom von Touristen kommt und mit dem ein reger Handelsverkehr besteht, was nun gekappt werden könnte. Darüber hinaus hat sich Zypern mehrmals an Russland mit der Bitte gewandt, auf der zur Hälfte durch die Türkei besetzten Insel eine Militärbasis zu errichten. Somit könnte der Türkei das Leben nicht nur leicht, sondern sehr leicht schwergemacht werden […]."

Sergej Shurawljow am 24. November 2015 auf Echo Moskwy; Externer Link: http://echo.msk.ru/blog/blackspot/1664604-echo/

Markow: Erdoğan soll sich entschuldigen

"[…] Der Angriff auf das russische Flugzeug erfolgte nicht zufällig und entsprang der Psychologie Erdoğans. Eben erst hatte er die Parlamentswahlen gewonnen. Dazu hat er eigens den Frieden mit den Kurden zerstört und einen Krieg gegen sie begonnen – und das im Grunde nur, um sich die Mehrheit im Parlament zu sichern. Er hat Spaß am Bombardieren gefunden und den Sinn für die Realität verloren. Jetzt erklärt er, er wolle keine Eskalation des Konflikts.

Auch Russland will keine Eskalation, aber den heimtückischen Mord an unserem Piloten kann Russland gleichwohl nicht verzeihen. Erdoğan muss das verstehen. Er hat die Chance, sich zu entschuldigen. Hierzu muss die Türkei eingestehen, das russische Flugzeug über syrischem Hoheitsgebiet abgeschossen zu haben. Erdoğan soll sich bei der Familie des russischen Piloten entschuldigen und ihr lebenslang eine riesige Hinterbliebenenrente zahlen. Er muss zudem den Befehl erteilen, die militärische Unterstützung der IS-Terroristen einzustellen, und er muss all diejenigen vor Gericht bringen, die den Angriff auf das russische Flugzeug organisiert haben.

Falls diese Bedingungen erfüllt werden, wäre Russland womöglich befriedigt. Sollte Erdoğan jedoch auf das Recht der türkischen Militärs bestehen, jeden russischen Bürger töten zu können, wann immer sie das wollen und wo immer sie das wollen, so muss Russland seine Position hinsichtlich aller für Erdoğan sensiblen Fragen drastisch ändern. Die Antwort Russlands muss asymmetrisch sein. Es muss der empfindlichste Nerv Erdoğans getroffen werden, wobei vor allem negative Folgen für die Bevölkerung Russlands und nach Möglichkeit für die Bevölkerung der Türkei verhindert werden sollten. Vorrangig sollte diese Antwort in einer veränderten Haltung Russlands zu den kurdischen Rebellen und ihrem Kampf gegen die Türkei bestehen. Bereits geringe Anstrengungen Russlands in dieser Richtung können das Regime Erdoğan gefährden, und werden aller Wahrscheinlichkeit nach zu seinem Sturz führen.

Vor allem aber brauchen wir keine antitürkische Hysterie. Weder Russland noch die Türkei als Staat haben ein Interesse daran, in einen gegenseitigen Konflikt hineingezogen zu werden. Russland und die Türkei gegeneinander aufzuhetzen, nützt nur unseren strategischen Gegnern […]."

Sergej Markow am 26. November 2015 auf izvestia.ru; Externer Link: http://izvestia.ru/news/597265#ixzz3sslwaRyH

Tschikow: Fast hundertprozentige Eskalation

"Konfliktherde in den russisch-türkischen Beziehungen, bei denen eine Eskalation zu erwarten ist:

  • Die Unterstützung der Krimtataren durch die Türkei, Reaktion auf den Druck Russlands auf sie.

  • Russische Anerkennung des Völkermords an den Armeniern.

  • Unterstützung der Türkei durch Aserbaidschan, also das Problem von Bergkarabach.

  • Russische Unterstützung für die Kurden und ihre Autonomie.

  • Russische Unterstützung für al-Assad im Kampf gegen die säkulare Opposition, also die Freie Syrische Armee [FSA]. Unterstützung der FSA durch die Türkei.

  • Die Türkei hat vielen Tschetschenen Asyl gewährt, die gegen die russische Armee gekämpft und nach dem zweiten tschetschenischen Feldzug Russland verlassen haben. Nun kann die Türkei erneut zum Unterschlupf für viele Muslime werden, die in Russland verfolgt werden, auch für die radikalen.

In Anbetracht der Persönlichkeiten beider Präsidenten strebt die Möglichkeit zur weiteren Eskalation gen 100 %."

Pavel Tschikow am 25. November 2015 auf Facebook; Externer Link: https://www.facebook.com/pchikov/posts/1015010185239092

Dawidis: Verdeckte Sanktionen gegen die Türkei

"Im Zusammenhang mit den Gegenmaßnahmen gegen die Türkei hat sich der Verfall aller Institutionen der russischen Staatsmacht wieder einmal in einer besonders konzentrierten Form gezeigt.

Ob Sanktionen notwendig sind oder nicht, will ich hier nicht erörtern. Wenn aber die Regierung beschlossen hat, dass sie notwendig sind, dann soll sie es sagen: Als Antwort auf die türkische Aggression machen wir dies und jenes.

Es wird zum Teil auch so gemacht, teils aber auch nicht. 39 türkische Geschäftsleute haben bislang nicht gegen die Migrationsvorschriften verstoßen, jetzt aber schon; früher gab es im türkischen Geflügel keine Listerien, jetzt aber schon; früher war es ungefährlich, Visumsfreiheit mit der Türkei zu unterhalten, jetzt ist das aber eine Quelle des Terrorismus, usw.

Als ob all die Organe und ihre Sprecher nicht verstehen, dass sie dadurch entweder demonstrativ und pathologisch lügen (wenn es in Wirklichkeit keinen Schaden oder keine Verstöße gegen die Vorschriften gegeben hat) oder völlige Sinnlosigkeit und fehlende Effektivität demonstrieren (wenn diese Bedrohungen und Verstöße auch früher schon bestanden) demonstrieren. Wobei Sinnlosigkeit und fehlende Effektivität offensichtlich auch im ersten Fall gegeben sind, wenn nämlich klar ist, dass ihre drohenden Worte gar nichts bedeuten, und dass sie sich nicht um die Sachen kümmern um die sie sich im Rahmen ihres Postens kümmern sollten, sondern um etwas ganz anderes.

Als ob man sich nach dem verlogenen Chef der Gesundheits- und Lebensmittelaufsicht Onischtschenko daran hätte gewöhnen sollen, aber dennoch ist es jedes Mal erstaunlich. Warum bloß?"

Sergej Dawidis am 27. November 2015 auf Facebook; Externer Link: https://www.facebook.com/sergei.davidis/posts/1005677206154674

Nawalnyj: Wie wegen der beiden PR-Präsidenten Flugzeuge abgeschossen werden

"Erdoğan und Putin – das sind doch Zwillingsbrüder. Beide reden allen möglichen außenpolitischen Unfug, um die Bevölkerung von den Problemen im Inland abzulenken. Beide nutzen imperiale Ambitionen und imperiale Rhetorik zur Stärkung ihrer persönlichen Macht und zur persönlichen Bereicherung. Beiden sind soziale Netzwerke und freie Massenmedien verhasst. Beide haben den Westen zum Hauptfeind erklärt und berufen sich auf traditionelle Werte, und sind dabei völlig amoralische Typen.

Beide sind Lügner und PR-Menschen. Das Schrecklichste in der Situation mit dem abgeschossenen Flugzeug (insbesondere da der Pilot tatsächlich gestorben ist) liegt darin, dass dies ein Opfer eines sinnlosen PR-Krieges ist. Putin führt eine "Operation in Syrien", die nicht die geringste militärische Bedeutung für den Krieg gegen den "IS" hat (die Amerikaner haben erheblich mehr Luftangriffe durchgeführt, ebenfalls ohne Erfolg), und die nur dazu gebraucht wird, um die Bürger mit schwammigen Videos von Explosionen in irgendwelchen Schuppen und mit Geschichten von Politarbeitern darüber, dass "34 Kommandostellen des "IS" und ein Ausbildungslager für Dschihadisten liquidiert wurden", für dumm zu verkaufen. Reine Erfindung, es ist nichts dahinter. […]

Auch Erdoğan muss vor seinen türkischen professionellen Wehklägern, die eine Großtürkei und die Wiedergeburt des Osmanischen Reichs fordern, wichtig tun. Daher rühren seine Drohungen, dass man Flugzeuge, die den Luftraum der Türkei verletzen, abschießen muss. […]

Dabei ist sowohl Erdoğan als auch dem türkischen Militär völlig klar, dass Russland de facto Mitglied des Anti-IS-Bündnisses ist, dass ein Flugzeug keine Bedrohung für die Türkei darstellt und ein Abschuss des Flugzeugs weder militärisch noch menschlich Sinn ergibt. Man durfte dieses Flugzeug nicht abschießen. Das alles ist nur für die "Wichtigtuerei" gut, und für die "Arbeit mit der Informationsagenda".

Schließlich sind am Ende beide zufrieden: Der eine wird über den Sieg der türkischen Waffen und die Wiedergeburt des Osmanischen Reichs reden, der andere über eine rasche asymmetrische Antwort und Furcht vor der (durch den Westen unterjochte) Türkei sowie die Wiedergeburt des Russischen Reiches.

Beide werden 37 Mal das Wort "Souveränität" wiederholen, beide werden auf einen geheimen Verbündeten des "IS" anspielen. Nur um den Piloten tut es einem schrecklich leid. Wozu ist er gefallen?"

Aleksej Nawalnyj am 24. November 2015 auf navalny.ru; Externer Link: https://navalny.com/p/4560/

Schenderowitsch: Technologie der Katastrophe

"Weltkriege fangen übrigens genauso so an. Aus persönlichen Ambitionen, gelungenen – so scheint es ihren Autoren – taktischen Improvisationen, großen geopolitischen Phantasien… Sie beginnen in Winter- und Sommerresidenzen, bei gutem Essen, mit Geschmack. Das alles ist sehr spannend und erinnert an ein Casino, wo jeder davon überzeugt ist, klüger als die anderen zu sein und auch das Glück auf seiner Seite zu haben!

Die Fortune reicht aber nicht für alle; die Ambitionen zerbrechen an anderen Ambitionen, wer aber "a" gesagt hat, muss nun auch "b" sagen… Dann wird das erste Blut vergossen. Dann das zweite und das dritte. Die Regierungen stützen sich, um nicht vom eigenen Volk gefressen zu werden, mit all ihrer massigen staatlichen Fülle auf Patriotismus (der in dem Schüren von Hass gegen andere Völker endet). Die Propaganda geht durch die Decke, bis zur Detonation; das Blut, in seinem Übermaß, beginnt überzulaufen und in Strömen zu fließen. Taktische Überlegungen und politische Hintergründe geraten in Vergessenheit, und im Herz ist nun echte Asche; und der gegenseitige, schon durch das vergossene Blut gerechtfertigte Völkerhass steigt aus finsterer Tiefe auf wie eine Tsunamiwelle … Und nun, der Herbst Fünfzehn (gemeint ist selbstverständlich NEUNZEHNHUNDERTfünfzehn)– es erinnert sich keiner an einen gewissen Erzherzog Franz Ferdinand und daran, wo dieses Sarajewo liegt –, das kratzt wohl niemanden mehr, es ist einem nicht danach! Das von Granaten zerpflügte Europa, die Fronten, gegenseitige patriotische Hysterie, überfüllte Gräber und Spitäler, totale Mobilmachung, Senfgas, und so weiter […]"

Wiktor Schenderowitsch am 28. November 2015 auf Jeshednewnyj Shurnal; Externer Link: http://www.ej.ru/?a=note&id=29007

Ausgewählt und zusammengefasst von Sergey Medvedev, Berlin (Die Blogs, auf die verwiesen wird, sind in russischer Sprache verfasst)

Fussnoten