Meine Merkliste

Analyse: Ultrakonservative Politikerinnen im russischen Parlament:
Positionen, Funktionen und Gesetzesinitiativen


Russland-Analysen Memorial (16.12.2021) Von der Redaktion: Frohes Fest! Dokumentation: Friedensnobelpreisrede von Dmitrij Muratow dekoder: Memorial Dokumentation: Anträge der Staatsanwaltschaften Interview: Irina Scherbakowa Interview: Swetlana Gannuschkina Kommentar: Die Büchse der Pandora Dokumentation: Der Menschenrechtsrat ist besorgt Dokumentation: Kommentar von Wladimir Putin zu Memorial Kommentar: Wendejahre Kommentar: Angriff des Kreml auf Memorial Kommentar: "Der Westen" als Gefahr für Russlands innere Sicherheit Kommentar: Déjà-vu Kommentar: Memorial als geschichtswissenschaftlicher Akteur Kommentar: Ein Refugium der Freiheit wird zerstört Kommentar: Die Instrumente des Europarats Kommentar: Memorial im Nordkaukasus Kommentar: Einsatz für Religions- und Gewissensfreiheit Kommentar: Ist das russische "Ausländische-Agenten"-Gesetz reformierbar? dekoder: Schlag gegen Deutschland Notizen aus Moskau: Memorial und die Hoffnung Dokumentation: Fokus Memorial der Zeitschrift OSTEUROPA Dokumentation: Stellungnahmen zur drohenden Auflösung von Memorial Chronik: Covid-19-Chronik, 16. November – 03. Dezember 2021 Chronik: 15. November – 03. Dezember 2021 Erdgashandel (24.11.2021) Analyse: Der deutsch-russische Erdgashandel. Chronik: Covid-19-Chronik, 01. – 13. November 2021 Chronik: 01. – 12. November 2021 Sozialverantwortung und Klima in der Landwirtschaft (10.11.2021) Analyse: Landwirtschaftliche Betriebe in Russland für unternehmerische Sozialverantwortung Analyse: Wird die russische Landwirtschaft vom Klimawandel profitieren? Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Oktober 2021 Chronik: 11. – 29. Oktober 2021 Duma- und Regionalwahlen (01.10.2021) Analyse: Die Dumawahlen 2021 und das zunehmend hegemonial-autoritäre Regime in Russland Analyse: Alexej Nawalnyj, "Smart Voting" und die Wahlen zur russischen Staatsduma 2021 Kommentar: Wahlen in der "Protestregion" Chabarowsk in Online- und sozialen Medien dekoder: Die Evolution der Duma Notizen aus Moskau: Wird (all)es nach den Wahlen wieder besser? Chronik: Covid-19-Chronik, 13. – 26. September 2021 Chronik: 13. – 26. September 2021 Wirtschaftliche Schocks (24.06.2021) Analyse: Die Wirtschaft der "Festung Russland" Analyse: Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Corona-Krise  Chronik: Covid-19-Chronik, 03. – 30. Mai 2021 Chronik: 17. Mai – 10. Juni 2021 Arktis (31.07.2021) Editorial: Sommerpause, на дачу Analyse: Arktische Visionen: Die sowjetische Expansion nach Norden Analyse: Russlands Arktis-Strategie bis 2035 – Große Pläne und ihre Grenzen Analyse: Der russische Vorsitz im Arktischen Rat: Prioritäten und Implikationen für den Hohen Norden Russlands Kommentar: Russlands arktischer Balanceakt Dokumentation: Russland und die Arktis: Eine Auswahl aktueller Publikationen Chronik: Covid-19-Chronik, 14. Juni – 17. Juli 2021 Chronik: 16. Juni – 18. Juli 2021 Duma-Wahlen/Repressionen (08.06.2021) Kommentar: Duma-Wahlen 2021 Kommentar: Informationskriege, Oppositionskoordination und die Dumawahl im Jahr 2021 Kommentar: Wird das Putin-Regime überleben? Kommentar: Vorbereitung auf die Parlamentswahlen 2021 Kommentar: Elektronische Stimmabgabe Kommentar: Bedingungen der Wahlbeobachtung Kommentar: Die wirtschaftlichen Folgen autoritärer Politik Kommentar: Michail Mischustin als ambitionierter "Systemadministrator" des Putinismus Kommentar: Bürger:innen und der starke Mann: Erwachen, soziale Klassen und sozialer Niedergang in Russlands Autokratie Kommentar: Fear and Loathing in Russia: Repressionen als Herrschaftsinstrument des Kremls Kommentar: Ausländische-Agenten-Gesetz vor der Duma-Wahl 2021 ausgeweitet Kommentar: Schrumpfende Freiräume für Russlands Medien Kommentar: Russland drosselte Twitter, um Inhalte zu zensieren dekoder: "Hätten wir eine andere Wahl gehabt? Nein." Dokumentation: Repressive Gesetze, die von Wladimir Putin am 30. Dezember 2020 unterzeichnet wurden Dokumentation: April-Chronik der Repressionen: Der Journalist Ilja Asar hat Buch geführt Umfragen: "Haben Sie Angst vor…?" Umfrageergebnisse des Lewada-Zentrums Dokumentation: Hat der Protest einen Anführer? Wie stehen die Protestierenden zu Nawalnyj? Dokumentation: Russische Online-Zeitung Meduza kämpft ums Überleben Dokumentation: Amnesty International: Die Polizei identifiziert friedliche Demonstrierende mit Gesichtserkennungstechnologie Dokumentation: Human Rights Watch: Der Fall des Menschenrechtsanwalts Iwan Pawlow und neue repressive Gesetze Dokumentation: Stellungnahmen zum Beschluss der russischen Generalstaatsanwaltschaft, deutsche Nichtregierungsorganisationen als in Russland unerwünschte Organisationen zu erklären Chronik: 3. – 14. Mai 2021 Atomenergie / Die Botschaft des Präsidenten (14.05.2021) Analyse: Zum 35. Jahrestag von Tschernobyl Analyse: Russische Reaktoren und russischer Atommüll Analyse: Putins Botschaft an die Föderalversammlung dekoder: Warum Putin dem Volk nichts mehr zu sagen hat Chronik: Covid-19-Chronik, 12. April – 02. Mai 2021 Chronik: 13. April – 01. Mai 2021 60 Jahre Gagarin: Raumfahrt / Das russische Strafvollzugssystem (19.04.2021) dekoder: Juri Gagarin dekoder: Raumfahrtprogramm der UdSSR Analyse: Russland im Weltraum: Die 2020er Jahre Analyse: Russlands internationale Raumfahrtstrategie Analyse: Das Strafvollzugssystem der Russischen Föderation Chronik: Covid-19-Chronik, 15. März – 11. April 2021 Chronik: 17. März – 09. April 2021 Übersterblichkeit (27.03.2021) Analyse: Die Übersterblichkeit macht den wahren Opferzoll deutlich Analyse: Russlands Geografie und die Ausbreitung von Covid-19 Analyse: Die Pandemie in Russlands Föderationssubjekten: Gründe für die unterschiedliche Mortalität dekoder: "Die russische Propaganda hat sich selbst besiegt" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. März 2021 Chronik: 1. – 10. März 2021 Stadtentwicklung/Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen (09.03.2021) Analyse: Ausdehnung des Moskauer Wohnraumsanierungsprogramms Analyse: Urbaner Aktivismus in Russland dekoder: Das Moskau-Experiment Dokumentation: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Chronik: Covid-19-Chronik, 15. – 28. Februar 2021 Chronik: 16. – 27. Februar 2021 Digitale Diplomatie (19.02.2021) Analyse: Russlands digitale Diplomatie Analyse: Mittel und Zweck von Public Diplomacy Kommentar: Zusammenarbeit chinesischer und russischer Medien dekoder: "Schau mich gefälligst an!" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. Februar 2021 Chronik: 1. – 14. Februar 2021 Söldner im Dienst von Russland / Elite-Ranking 2020 / Proteste nach Nawalnyjs Rückkehr (08.02.2021) Söldner im Dienst autoritärer Staaten Analyse: Russische PMCs im Nahen Osten und Afrika Kommentar: Die "Wagner-Affäre" in Belarus und ihre Folgen Kommentar: Geopolitik, Waffen, Erdöl: Was Russlands Präsenz in Venezuela bedingt Karte: Söldner im Dienst von Russland Ranking: Das Elite-Ranking der "Nesawisimaja gaseta" Ranking: Die politische Elite im Jahre 2020: Regierungswechsel, Covid-19-Pandemie und Verfassungsreform dekoder: Russlandweite Proteste – wie nervös macht Nawalny den Kreml? dekoder: Nawalnys Schlusswort: "Einen einsperren, um Millionen einzuschüchtern" Notizen aus Moskau: Von 2011 zu 2021. Zehn Jahre danach. Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Januar 2021 Chronik: 11. – 31. Januar 2021 Visadialog zwischen der EU und Russland (21.01.2021) Analyse: Die Visumpflicht in den EU-Russland Beziehungen Analyse: Perspektiven des Visa-Dialogs zwischen der EU und Russland Kommentar: Visafreiheit für russische Jugendliche Kommentar: Illegale Passportisierungspolitik im Donbas Kommentar: Mit Visafreiheit Brücken in Krisenzeiten schlagen dekoder: Arbeitsmigration in Russland Chronik: Covid-19-Chronik, 30. November 2020 – 10. Januar 2021 Chronik: 3. Dezember 2020 – 9. Januar 2021 Die deutsch-russischen Beziehungen nach den Wahlen (15.10.2021) Analyse: Die Bundestagswahl und die deutsch-russischen Beziehungen Analyse: Chancen für eine neue Russlandpolitik nach der Bundestagswahl Kommentar: Die deutsche Russlandpolitik und das russische Gesetz über "ausländische Agenten" Dokumentation: Ausgewählte Publikationen über die deutsch-russischen Beziehungen Dokumentation: Vorschläge und Empfehlungen zu den EU-Russland-Beziehungen dekoder: Novaya Gazeta dekoder: Muratows Krawatte und der Friedensnobelpreis Chronik: Covid-19-Chronik, 27. September – 09. Oktober 2021 Chronik: 28. September – 08. Oktober 2021 30 Jahre Zerfall der Sowjetunion – Generationen (20.09.2021) Kommentar: Nur ein Menschenleben lang Kommentar: Staatenlosigkeit nach dem Zusammenbruch der UdSSR Kommentar: Der Generationenaspekt beim Zusammenbruch der Sowjetunion Kommentar: Dreißig Jahre Transformation des russischen Hochschulwesens Kommentar: Die Jugend und die Generationen im postsowjetischen Russland: Kommentar: Unternehmerinnen in Russland Notizen aus Moskau: 30 Jahre umsonst? dekoder: Das Licht einer enttäuschten Hoffnung dekoder: Misstrauen auf allen Ebenen Chronik: Covid-19-Chronik, 02. August – 12. September 2021 Chronik: 05. – 12. September 2021 Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Von der Redaktion: Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Kommentar: Die Minsker Vereinbarungen als Chance? Kommentar: (Keine neuen) Erkenntnisse gewonnen Kommentar: Alles auf Status. Russlands riskantes Kriegsspiel mit (in) Europa Kommentar: Russlands Motive Kommentar: Die Gründe für Russlands Vorschläge Kommentar: Würde Putin vom eigenen Volk für eine Invasion in die Ukraine abgestraft werden? Kommentar: Kriegsoptimismus im Russland-Ukraine-Konflikt: Grund zum Pessimismus? Kommentar: Desinformation: ein hoch aktuelles Konzept aus dem letzten Jahrhundert Kommentar: Die Russland-Ukraine Krise: Wo steht Deutschland? Kommentar: Russlands Passportisierung des Donbas: Von einer eingeschränkten zu einer vollwertigen Staatsbürgerschaft? Kommentar: Die OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine: Wunsch und Wirklichkeit Umfragen: Meinungsumfragen zu den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Chronik: 01. – 20. Februar 2022 Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Editorial: Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Die sozialen Sorgen der Bevölkerung in der politischen Rhetorik Kommentar: Das Verhältnis zwischen dem Zentrum und den Regionen in der Rhetorik des russischen Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Nationalitätenpolitik: Russländische Nation versus russisches Volk? Kommentar: Russland entdeckt die Energiewende: Ein Sonderweg zur Dekarbonisierung? Kommentar: Die Ukraine in der Rhetorik russischer Präsidenten und der Staatsduma Chronik: 17. Januar 2022 – 29. Januar 2022 Wirtschaftsbeziehungen im Fernen Osten Analyse: Die Bedeutung des russischen Fernen Ostens für die Asien- und Pazifik-Politik Russlands Chronik: Covid-19-Chronik, 06. – 24. Dezember 2021 Chronik: 06. Dezember 2021 – 15. Januar 2022

Analyse: Ultrakonservative Politikerinnen im russischen Parlament:
Positionen, Funktionen und Gesetzesinitiativen


Ekaterina Basmanova

/ 12 Minuten zu lesen

Die Analyse befasst sich näher mit den Positionen zweier ultrakonservativer Politikerinnen der russischen Staatsduma. Welche Funktion erfüllen weibliche Konservative in der russischen Politik und aus welchem Grund müssen sie radikale Positionen beziehen, um sich politisch Gehör zu verschaffen?

Jelena Misulina während ihrer Arbeit als Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Familie, Frauen und Kinder. (© picture-alliance, RIA Novosti)

Zusammenfassung


Konservative Debatten im russischen Parlament werden seit einigen Jahren maßgeblich von Politikerinnen mitbestimmt. So war Irina Jarowaja die treibende Kraft für ein nach ihr benanntes Gesetzespaket, das schärfere Kontrollen von Internet und Telekommunikation sowie erweiterte Befugnisse von Polizei und Justiz vorsieht. Jelena Misulina erlangte Bekanntheit für ihre Gesetzesanträge zur sogenannten "Schwulen-Propaganda", zur Entkriminalisierung häuslicher Gewalt, für ein Verbot von Babyklappen oder schärfere Vorschriften für Schwangerschaftsabbrüche. Längst nicht alle diese Initiativen waren letztlich erfolgreich. Doch Politikerinnen scheinen radikal-konservative Positionen beziehen zu müssen, um im politischen Diskurs Gehör zu finden.


Einleitung


In Russland ist Konservatismus gegenwärtig die vorherrschende politische Richtung. Die Regierungspartei "Einiges Russland", die in der Staatsduma über eine verfassungsändernde Mehrheit verfügt (343 von 450 Sitzen), nimmt insgesamt eine gemäßigt konservative Position ein, die der Unterstützung der Politik von Präsident Putin dienen soll, und den Akzent auf einen "starken Staat" sowie auf einen "Kurs der Stabilität, ohne Revolutionen und Erschütterungen" setzt. Angesichts der eingeschränkten Meinungsfreiheit und des Monopols des Kreml bei den massenwirksamen Medien wird Konservatismus zum vorherrschenden politischen Diskurs. Dabei beziehen nicht nur Mitglieder von "Einiges Russland" und Staatsbedienstete konservative Positionen, sondern auch Mitglieder anderer Parteien sowie selbst unabhängige Politiker. Da in die konservative Bewegung eine Vielzahl von Akteuren involviert ist, stellt sich der Konservativismus in Russland nicht mehr so einheitlich dar. Unterscheiden lassen sich unter anderem eine nationalistische, eine patriotische, eine (christlich) orthodoxe und eine liberale Strömung, sowie Mischformen davon. Gleichzeitig bedeutet das Vertreten einer radikalen Position – im Rahmen des durch den Staat sanktionierten Konservatismus – nicht selten, dass junge und/oder weniger bekannte Politiker von sich reden machen können, dass sie zu der von ihnen thematisierten Frage für mediales Aufsehen und Beachtung sorgen und ihr politisches Gewicht vergrößern können. Eine solche Taktik wird oft von Politikerinnen verfolgt – sie sind seit Sowjetzeiten im politischen System Russlands quantitativ stark unterrepräsentiert.


Dieser Beitrag untersucht die Positionen von russischen ultrakonservativen Politikerinnen am Beispiel der Parlamentarierinnen Irina Jarowaja und Jelena Misulina, die für ihre konservativen Ansichten und aufsehenerregenden Gesetzesinitiativen bekannt sind. Die Untersuchung radikaler oder ultrakonservativer Agenden erscheint angesichts des Gewichts, die die konservative Bewegung heute in Russland hat, von praktischer Bedeutung. Gleichzeitig ermöglicht ein Akzent auf die Genderaspekte des Problems eine komplexere Betrachtung des Themas und hält Antworten auf die Frage bereit, warum gerade Frauen sich genötigt sehen, innerhalb des staatlichen Konservatismus in Russland radikale Positionen zu vertreten, und was für eine Funktion sie damit im politischen System erfüllen.


Die politischen Biographien von Irina Jarowaja und Jelena Misulina


Irina Jarowaja ist seit Dezember 2007 Abgeordnete der Staatsduma. Sie verfügt über Berufserfahrung in den Sicherheitsstrukturen, genauer: bei der Staatsanwaltschaft (1988–1997). Ihre politische Karriere begann sie in der demokratischen Partei "Jabloko", die seit ihrer Gründung eine liberale Agenda vertritt. Liberale Parteien sind allerdings traditionell wenig populär in Russland, und zwar aus einer Reihe von Gründen, unter anderem wegen des Misserfolgs der Wirtschaftsreformen, die liberale Politiker und Wirtschaftsexperten Anfang der 1990er Jahre in Russland betrieben hatten, und wegen des eingeschränkten Zugangs zu den führenden Medien für Parteien und Politiker, die nicht kremlfreundlich sind. Gegenwärtig ist "Jabloko" nicht in der Staatsduma vertreten. Für eine erfolgreiche politische Karriere musste Irina Jarowaja – angesichts der geringen Popularität von Jabloko – ihre Parteizugehörigkeit und ihre politischen Ansichten wechseln. Im Oktober 2007 trat sie in die Partei "Einiges Russland" ein, worauf sie im Dezember 2007 für diese Partei in die Staatsduma einzog. In der sechsten Staatsduma (Dezember 2011 bis Oktober 2016) hatte sie den wichtigen Posten der Vorsitzenden des Ausschusses für Sicherheit und Korruptionsbekämpfung inne. In der siebten Staatsduma ist sie seit dem 5. Oktober 2016 Stellvertretende Vorsitzende.


Die politische Karriere von Jelena Misulina nahm eine ähnliche Entwicklung. Sie begann ihre politische Karriere ebenfalls bei Jabloko (1995–2001), anschließend war sie Mitglied einer anderen Partei liberaler Ausrichtung, der "Union rechter Kräfte" (2001–2003). Letztere verfügt derzeit ebenfalls über keine Mandate in der Staatsduma. 2007 wurde Jelena Misulina Mitglied der Partei "Gerechtes Russland", die eine sozial ausgerichtete linkszentristische Position bezieht und gleichzeitig nicht in Opposition zum Kreml steht. Gleichwohl bezog Jelena Misulina als Duma-Abgeordnete für diese Partei dezidiert konservative Positionen, die eine Wahrung sogenannter "traditionellen Werte", unter anderem jene der traditionellen Familie beinhalteten. So werden auf ihrer offiziellen Website (Externer Link: http://www.elenamizulina.ru) als Hauptthemen ihrer Agenda der Kampf gegen Pädophile, die Verankerung des orthodoxen Christentums in der Verfassung, das Verbot der kommerziellen Leihmutterschaft, eine Reduzierung der Abtreibungszahlen und ein Verbot von Babyklappen genannt.


Die Position als konservative Politikerin und Autorin aufsehenerregender Gesetzesinitiativen trugen Jelena Misulina Bekanntheit und eine aufsteigende Karriere ein: Im Dezember 2011 übernahm sie den Posten der Vorsitzenden des Duma-Ausschusses für Familie, Frauen und Kinder und seit September 2015 ist sie Senatorin, also Mitglied des Oberhauses des russischen Parlaments, des Föderationsrates der Föderalen Versammlung. Gleichzeitig sorgten ihre ultrakonservativen Positionen, die sich nicht in die allgemeine Ideologie fügten, für Kritik der Parteikollegen, was zum Teil der Grund war, warum sie die Partei auf eigenen Wunsch hin verließ. Allerdings ist sie als Senatorin in geringerem Maße, als sie es als Duma-Abgeordnete gewesen wäre, auf eine Unterstützung durch "gerechtes Russland" angewiesen, das zwar in der Staatsduma vertreten ist, aber über einen ungleich geringeren Einfluss verfügt als die Regierungspartei "Einiges Russland". Daher kann man annehmen, dass Jelena Misulina als etablierte und wohlbekannte Politikerin sich mit der Absicht trägt, erneut die Partei zu wechseln und bei "Einiges Russland" Mitglied zu werden.


Analyse einiger Gesetzesinitiativen


Betrachtet man die Gesetzesinitiativen, die diese Politikerinnen vorgelegt haben, lassen sich die erfolgreichen Initiativen, die zu Gesetzen wurden, unterscheiden, wie auch die gescheiterten. Beispiel einer erfolgreichen Initiative ist vor allem das sogenannte "Jarowaja-Paket", zu dem zwei Gesetzesentwürfe gehörten, die anschließend als Föderale Gesetze verabschiedet wurden. Die Gesetze zielten auf eine Ausweitung der Befugnisse von Polizei und Justiz ab, auf eine verschärfte Kontrolle über Betreiber von Mobilfunknetzen, über Internet-Provider wie auch über Stellen, die Post– und Speditionsleistungen anbieten. Ebenso sollte der Zugriff des Staates auf den elektronischen Schriftverkehr und auf Aufzeichnungen von privaten Telefongesprächen gewährleistet, die Kontrolle über die missionarische Betätigung religiöser Organisationen verstärkt und die strafrechtlichen Konsequenzen für Taten im Zusammenhang mit Terrorismus verschärft werden. Für diese Gesetzesentwürfe gab es ein eine Reihe Initiatoren: Zum Einen Irina Jarowaja, die den größten Beitrag geleistet hatte, um die im Gesetzesentwurf manifestierten Ideen zu verbreiten, und die als größte Verfechterin dieser Initiativen vor den zahlreichen Opponenten auftrat. Das "Jarowaja-Paket", das auf eine Einschränkung der verfassungsmäßigen Rechte und Freiheiten der Bürger abzielte, stieß in der russischen Gesellschaft auf Kritik. So wurde auf dem Internetportal "Russische gesellschaftliche Initiative" eine Petition zur Abschaffung des "Jarowaja-Gesetzes" platziert (Externer Link: https://www.roi.ru/28432/), die in kurzer Zeit die für eine Berücksichtigung notwendige Anzahl von 100.000 Unterschriften versammelte. Dennoch haben diese Bemühungen der Bürger nicht zu einer Rücknahme der Gesetze geführt, die Teil des Kurses von Präsident und Regierung zur Verstärkung der Kontrolle der Bürger sowie deren gesellschaftlichen und privaten Lebens sind, was gewöhnlich mit dem Kampf gegen den Terrorismus begründet wird. Ungeachtet der "Anti-Popularität", die Irina Jarowaja in der Folge durch ihre Gesetzesinitiative in der Zivilgesellschaft erlangte, wurden ihre Bemühungen auf Regierungsebene wahrgenommen und geschätzt, was für ihren Aufstieg zur Stellvertretenden Dumavorsitzenden in der anschließenden Wahlperiode sorgte.


Als Beispiel für gelungene Gesetzesinitiativen von Jelena Misulina, der anderen konservativen Parlamentarierin, wäre das Föderale Gesetz "Über den Schutz von Kindern vor Informationen, die ihrer Gesundheit und Entwicklung schaden" vom 29. 12. 2010 zu nennen, das insbesondere auf eine Bekämpfung der sogenannten "Schwulen-Propaganda" abzielte. Das Gleiche gilt für das Änderungsgesetz zum Paragraphen 116 des Strafgesetzbuches vom 7. Februar 2017, das als Gesetz zur Entkriminalisierung häuslicher Gewalt bekannt geworden ist und durch das Schläge gegen Familienangehörige von strafrechtlich relevanten Taten zu Ordnungswidrigkeiten umgewertet wurden. Für den Erfolg der ersten Gesetzesinitiative hatten insbesondere die homophoben Stimmungen in der russischen Gesellschaft gesorgt. Die zweite Gesetzesinitiative sorgte für große gesellschaftliche Diskussionen, da es das akute Problem häuslicher Gewalt betraf. Das Gesetz wurde ungeachtet der gesellschaftlichen Kritik verabschiedet, da zum einen Regierung und Gesetzgeber es als Mittel betrachteten, eine Gesetzeslücke zu beheben, die durch die frühere Entkriminalisierung von Gewalt gegen entferntere Verwandte entstanden war. Zum anderen fügte sich das Gesetz in den allgemeinen Kurs des Staates zur Förderung "traditioneller Familienwerte", den Jelena Misulina vertritt. Dabei wird unter traditionellen Familienwerten eine vulgäre Form patriarchaler Familienordnung verstanden.


Allerdings fanden nicht alle Initiativen von Jelena Misulina die Unterstützung von Parlament und Regierung. So wurde der von ihr vorgelegte Gesetzentwurf zum Verbot von Babyklappen anfänglich von der Regierung unterstützt, dann aber zur Nachbesserung empfohlen. Die Notwendigkeit eines Verbotes von Babyklappen begründete Misulina damit, dass der Staat es nicht fördern dürfe, dass sich Mütter von ihren Kindern lossagen, dass die Gefahr bestehe, dass mit den hinterlassenen Kindern Handel betrieben wird, und dass deren Recht auf ihre Identität verletzt werde. Diese Initiative stieß jedoch in der Bevölkerung auf Widerstand: Die Mehrheit der Russen sprach sich gegen ein Verbot von Babyklappen, weil sie davon ausgehen, dass die Säuglinge andernfalls an Orten hinterlassen werden, die eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten. Auf Grund des Widerstands in der Gesellschaft änderte die Regierung ihre Haltung zu dem Gesetzentwurf von einer positiven hin zu einer kritischen. In der Folge legte eine Gruppe Dumaabgeordneter einen Entwurf vor, der die Entscheidung zu den Babyklappen den Regionen überließ. Für Babyklappen sprach sich auch eine andere konservative Politikerin aus, nämlich die Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa, kdie darauf verwies, dass Babyklappen das Leben und die Gesundheit der Kinder bewahrten.


Auch die Bestrebungen von Jelena Misulina im Kampf gegen Abtreibungen sind bisher ohne Erfolg geblieben. Hier ist anzumerken, dass es nicht um ein Abtreibungsverbot in Russland geht – ein solcher Vorschlag wäre selbst für Misulina zu radikal, wenn man bedenkt, dass sich die Russen mehrheitlich gegen eine derartige Einmischung des Staates in das Privatleben wenden (s. Grafiken 11–14). Auf der Agenda von Jelena Misulina steht der Vorschlag, Abtreibungen aus dem System der Krankenversicherung herauszunehmen, den Verkauf von Präparaten zum künstlichen Schwangerschaftsabbruch im Einzelhandel zu verbieten und die Einführung des Verfahrens, dass vor einer Entscheidung zur Abtreibung ein Psychologe konsultiert und der Herzschlag des Ungeborenen sichtbar gemacht und abgehört wird. Misulina erklärt auf ihrer offiziellen Website: "rein menschlich würde es jeder bevorzugen, wenn es ein Phänomen wie Abtreibungen überhaupt nicht gäbe". Die Politikerin beschreibt charakterisiert Abtreibungen nicht nur als ein soziales, rechtliches und moralisches Problem, sondern als etwas, das angesichts der demographischen Krise eine nationale Bedrohung darstellt. Diese drastische Rhetorik zur Abtreibungsfrage scheint nicht jener gemäßigten Position zu entsprechen, die Misulina in ihren Gesetzesinitiativen zu diesem Thema einnimmt. Doch selbst diese Position wird in Russland, wo Abtreibungen seit Sowjetzeiten legal sind, wo der Anteil alleinerziehender Mütter mit 30 Prozent hoch ist, ganz wie der Anteil der Väter, die sich Unterhaltszahlungen entziehen, wo der materielle Wohlstand der Bevölkerungsmehrheit gering ist, und wo 77 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter arbeiten, als radikal wahrgenommen.


Im Mai 2015 legte Jelena Misulina gemeinsam mit dem Abgeordneten von Einiges Russland, Sergej Popow, in der Staatsduma einen Gesetzentwurf vor, der Abtreibungen aus dem System der gesetzlichen Krankenversicherung herauslösen sollte. Seinerzeit wurde dieser Vorstoß allerdings nicht von der Regierung unterstützt. Gegen diese Herauslösung hatten sich insbesondere solch einflussreiche Politikerinnen wie die stellvertretende Ministerpräsidentin Olga Golodez und die Vorsitzende des Föderationsrates, Valentina Matwijenko, gewandt. Auch wenn der Gesetzentwurf von Misulina nicht angenommen wurde, ist die Frage der Herauslösung von Abtreibungen aus dem System der gesetzlichen Krankenversicherung nicht von der politischen Agenda in Russland. Die Russische Orthodoxe Kirche und deren Oberhaupt Patriarch Kirill sprechen sich für eine solche Initiative aus, ebenso Anna Kusnezowa, eine der Orthodoxen Kirche nahestehende Politikerin und Kinderrechtsbeauftragte beim Präsidenten. Sie hatte dieses Amt im Jahr 2016 angetreten. Als Frau eines Priesters und Mutter von sechs Kindern war Anna Kusnezowa bereits vor ihrer Ernennung als Kämpferin gegen Abtreibungen bekannt. Der Umstand, dass sie zur Kinderrechtsbeauftragten ernannt wurde, wodurch sie eine Bühne zur Propagierung ihrer religiösen Ansichten zum weltlichen Leben und insbesondere der kirchlichen Haltung zu Abtreibungen erhielt, kann als Beleg dafür gelten, wie sehr der Regierungskurs Richtung "traditioneller Werte" verstärkt wurde, und dass die Absicht besteht die Haltung zu Abtreibungen und deren Herauslösung aus der gesetzlichen Krankenversicherung zu ändern. Das Motiv der Regierung könnte hier darin bestehen, angesichts der ungünstigen wirtschaftlichen Situation im Land die Ausgaben des Krankenversicherungsfonds zu reduzieren und auch die demographische Lage zu verbessern. Es ist anzunehmen, dass eine Herauslösung der Abtreibungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung insbesondere erwerbslose Frauen und Frauen mit geringem Einkommen treffen würde, die kein Geld für eine Abtreibung haben. Dadurch würde die Regierung keine "hochwertigen" Steuerzahlerinnen verlieren (die würden bei Bedarf die Mittel aufbringen, um eine Abtreibung zu bezahlen) und sie würde wirtschaftlich ineffiziente Bevölkerungsgruppen mit "Reproduktionsarbeit" beschäftigen.


Die Funktion konservativer Politikerinnen


Aus dem Beispiel der Initiative zu Abtreibungen wird deutlich, dass es das Regime bei der Aufnahme einer "Frauenfrage" in die politische Agenda vorzieht, dass als Autoren und Apologeten konservativer Vorstöße eben Politikerinnen in Erscheinung treten. Das könnte aus Gründen politischer Korrektheit vorgenommen werden, wenn nämlich die Diskussion die Form "Frauen diskutieren Frauenfragen" annimmt. Darüber hinaus mag die Meinung von Politikerinnen zu den Themen Frauen, Familie, Kinder in den Augen der Bevölkerung gewichtiger erscheinen. Das gilt insbesondere für Frauen, die in der postsowjetischen Gesellschaft traditionell eine große Rolle bei der Sorge um Familie und Kinder spielen. Daher besteht eine der spezifischen Funktionen von Politikerinnen darin, politische Diskussionen zu initiieren und Gesetzentwürfen zu den Themen Frauen, Familie und Kinder vorzulegen.


Eine zweite Funktion erfüllen konservative Politikerinnen, wenn sie unpopuläre Gesetzesinitiativen umsetzen – sowohl zu Fragen von Kindern und Mutterschaft (Entkriminalisierung häuslicher Gewalt, Herauslösung von Abtreibungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung usw.), wie auch zu anderen, für das Regime wichtigen Themen wie etwa der Staatssicherheit (zu erkennen am Beispiel des "Jarowaja-Pakets"). Das mögliche Scheitern einer Gesetzesinitiative und die Möglichkeit, sich den Ruf eines radikalen Politikers einzuhandeln, das sind die Risiken, zu denen Politikerinnen genötigt werden, wenn sie Karriere machen wollen – bei der fehlenden Gender-Gleichheit und dem Umstand, dass Frauen in der öffentlichen Politik unterrepräsentiert sind, besondere Anstrengungen unternehmen müssen, um eine Karriere zu machen, die im Ergebnis jener von Männern entspräche.


Längst nicht alle Gesetzesentwürfe, die von Politikerinnen vorgelegt werden, werden auch vom Parlament angenommen. Die eine oder andere Initiative kann sich als verfrüht oder unpassend erweisen. Allerdings können auch gescheiterte Initiativen günstig für die Regierung sein, die dadurch die Gelegenheit erhält, in der Gesellschaft die Reaktionen zu drängenden politischen Fragen zu erkennen und zu verfolgen und gegebenenfalls eine Kurskorrektur vorzunehmen, indem die Frage auf bessere Zeiten vertagt wird. So erwies sich die 2015 angekündigte Initiative von Misulina zur Ausklammerung von Abtreibungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung als zu verfrüht: Die Gesellschaft hatte sie nicht sie nicht angenommen, weshalb auch das Parlament sie in der Folge nicht unterstützte. 2017 wurde die Frage angesichts der notwendigen Haushaltskürzungen erneut aufgeworfen.


Schließlich ist es die Funktion konservativer Politikerinnen, Sichtbarkeit und Repräsentation von Frauen im Parlament zu erhöhen. Hier ist es für den Kreml wichtig, dass im Parlament Frauen mit der "richtigen", einer kremltreuen Agenda sitzen, weshalb die Karrieren genau solcher Frauen gefördert werden; auch wird ein Wechsel aus dem liberalen Lager in die Reihen der Konservativen begrüßt. Der "Konvertitenstatus" von Politikerinnen wie Jarowaja und Misulina könnte auch ein Grund sein, dass sie dann innerhalb der konservativen Bewegung radikale Positionen beziehen, um ihre besondere Verbundenheit mit konservativen Vorstellungen zu demonstrieren.


Schlussfolgerungen


Zu den Gründen, warum Politikerinnen radikale konservative Positionen beziehen, gehören genderbezogene Gründe im engeren Sinne (der Zwang, größere Anstrengungen zu unternehmen, um gleiche Ergebnisse wie Männer zu erreichen), wie auch Gründe allgemeiner Art, die auf die Mängel der Demokratie in Russland zurückzuführen sind, in der eine kremlnahe konservative Bewegung eine größere mediale und administrative Unterstützung erfährt, als andere politische Richtungen. Dementsprechend sind sowohl für Männer, als auch für Frauen innerhalb der konservativen Bewegung die Möglichkeiten für eine erfolgreiche politische Karriere größer.


Übersetzung aus dem Russischen: Hartmut Schröder


Lesetipps

Fussnoten

Ekaterina Basmanova hat im Jahr 2005 die Internationale Universität für Natur, Gesellschaft und den Menschen "Dubna" absolviert. Sie wurde 2010 an der Hochschule für Gesetzgebung und vergleichende Rechtskunde bei der Regierung der Russischen Föderation zur Doktorin der Rechtswissenschaft habilitiert und ist Magister der Kulturwissenschaften. Zu ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören russisches Zivil- und Verwaltungsrecht, Analyse politischer Diskurse, Visual Studies und Literaturanthropologie.
 Der Beitrag entstand für die internationale Konferenz "Gender – Power – Eastern Europe: Changing Concepts of Femininities and Masculinities and Power Relations", die vom 21.06.2017 – 23.06.2017 an der FU Berlin stattfand. Mehr Infos: www.oei.fu-berlin.de/institut/termine/Gender-Conference.html