Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Dokumentation: Angriffe russischer Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung entlang des Dnipro | Ukraine-Analysen | bpb.de

Ukraine Umweltfolgen des Krieges und nachhaltige Transformation im Agrarsektor (15.12.2025) Analyse: Satellitenbilder enthüllen große Kriegsschäden in den ukrainischen Wäldern Analyse: Empirische Einblicke in die Bereitschaft des ukrainischen Agrarsektors zur Umsetzung des Farm Sustainability Data Network Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Korruption: Skandale, Bekämpfung, Proteste (27.11.2025) Analyse: Angriff auf die ukrainische Korruptionsbekämpfungsinfrastruktur Analyse: Verfahren ohne Ende. Wie Tausende Korruptionsfälle in der Ukraine ergebnislos bleiben Kommentar: Am Scheideweg - Korruption und der Kampf um die Zukunft der Ukraine Kommentar: Der ukrainische Staat im Ausnahmezustand - Zentralisierung, Machtkampf und der Versuch institutioneller Selbstreinigung Kommentar: Die ukrainische Zivilgesellschaft hält stand Kommentar: Jung, weiblich, erfolgreich - Die Proteste im Sommer 2025 für die Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden Dokumentation: Berichte der EU-Kommission, der OECD und der ukrainischen Zivilgesellschaft zum Stand der Korruptionsbekämpfung in der Ukraine Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Drohnenkrieg (17.11.2025) Analyse: Drohnenkrieg in der Ukraine: Das Zusammenspiel von High- und Low-Tech Dokumentation: Zeitleiste der Evolution ukrainischer FPV-Drohnen Statistik: Produktion und Einsatz von Drohnen Dokumentation: Angriffe russischer Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung entlang des Dnipro Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Russlands Krieg gegen die Ukraine und Kriegsverbrechen (03.11.2025) Editorial: Einleitung der Gastherausgeberin Analyse: Kriegsverbrechen vor Gericht: Braucht es ein Sondertribunal für das Verbrechen der Aggression? Analyse: Kriegsverbrechen im Visier der ukrainischen Strafjustiz Analyse: Modernisierung des ukrainischen Strafprozessrechts zum Umgang mit Kriegsverbrechen Kommentar: Hindert die mangelhafte rechtliche Bewältigung sowjetischen Staatsunrechts die Ukraine bei der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen? Kommentar: Folter als Methode in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Kommentar: Ökozid in der Ukraine: Verbrechen oder Kollateralschaden? Kommentar: Rettungskräfte im Fadenkreuz: Russlands gezielte „Double-Tap“-Angriffe auf Notfalleinsätze Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Persönliches Wohlbefinden und Glück (10.10.2025) Analyse: Das subjektive Wohlbefinden in der Ukraine im Wandel Analyse: Wie der Krieg sich auf Glück und Lebenszufriedenheit in der Ukraine auswirkt Umfragen: Das subjektive Wohlbefinden der ukrainischen Bevölkerung Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Hochschulbildung und Krieg (02.07.2025) Analyse: Von der Revolution zur Resilienz: Die Transformation des ukrainischen Hochschulsektors in Zeiten von Krise und Krieg Analyse: Wissenschaftsfreiheit und Herausforderungen ukrainischer Wissenschaftler:innen in Kriegszeiten Analyse: Von Burnout bis Breakdown: Zur psychischen Gesundheit ukrainischer Wissenschaftler:innen in Kriegszeiten Karte: Beschädigte und zerstörte Universitäten Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Widerstand und Besatzung (12.06.2025) Analyse: Ϊ – Ze Ukrajina! Zum Widerstand in den besetzten Gebieten Analyse: „Eine Schule der Korruption“: Illegale Finanzen in den von Russland besetzten Gebieten Dokumentation: Kurzzusammenfassungen ausgewählter Berichte zur aktuellen Lage in den von Russland besetzten Gebieten Karte: Das von der Russischen Föderation besetzte ukrainische Territorium (Stand: 12.06.2025) Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Lehren aus den Minsker Abkommen (05.06.2025) Analyse: Lehren aus den Minsk-Verhandlungen für die Beilegung des aktuellen Krieges Analyse: Das Minsk-Abkommen von 2015 – zehn Lehren für 2025 Umfragen: Einstellungen der ukrainischen Bevölkerung zu den Minsker Vereinbarungen sowie zu möglichen Friedensverhandlungen Dokumentation: Lesetipps: Lehren aus den Minsker Abkommen Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Wahlen im Krieg? (20.05.2025) Analyse: Hürden und Herausforderungen für Wahlen in der Ukraine Analyse: Warum Wahlen in der Ukraine den Russisch-Ukrainischen Krieg nicht beenden können Dokumentation: Statement of Ukrainian Non-Governmental Organizations on the Impossibility of Holding Democratic Elections without the Sustainable Peace Umfragen: Einstellung der ukrainischen Bevölkerung zu Wahlen im Krieg Chronik: Hinweis auf das Online-Angebot Arbeitsmarkt / Wirtschaftsentwicklung (11.04.2025) Analyse: Der ukrainische Arbeitsmarkt in Kriegszeiten Statistik: Kennzahlen für den Arbeitsmarkt Umfragen: Selbsteinschätzung der materiellen Lage Analyse: Wirtschaftsentwicklung weiterhin durch Krieg gebremst Statistik: Wirtschaftskennziffern Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Rüstungsindustrie (25.03.2025) Analyse: Wovon die ukrainische Rüstungsindustrie lebt und was ihr Wachstum behindert Interview: Die europäischen Staaten müssen die Ärmel hochkrempeln, mit dem Jammern aufhören und ihre Forderungen stellen Dokumentation: US-amerikanische Unterstützung der Ukraine mit Schwerpunkt auf Militärhilfe Kommentar: Europas Rüstungsindustrie im Stresstest: Warum die Unterstützung der Ukraine stockt Dokumentation: Rüstungsindustrie in Europa Dokumentation: Konflikt zwischen Verteidigungsministerium und Rüstungsbeschaffungsbehörde / Korruption in der Rüstungsbeschaffung Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Kriegsgeschehen / Friedensverhandlungen (24.02.2025) Analyse: Das Jahr 2024 aus militärischer Sicht: Von Awdijiwka über Pokrowsk bis Kursk Statistik: Militärische Entwicklung in Grafiken und Zahlen Analyse: Welche Strategie verfolgt der russische Luftkrieg gegen die Ukraine und wie kann man Städte und zivile Infrastruktur besser schützen? Analyse: Verringern die russischen Angriffe auf zivile Ziele die Unterstützung der ukrainischen Bevölkerung für die Fortsetzung des Krieges? Kommentar: Frieden à la Trump? Drei Probleme und zwei Szenarien Kommentar: Ohne Sicherheitsgarantien bedeutet das "Einfrieren des Krieges" ein zweites "München 1938" Kommentar: Die Ukraine und Europa stehen mit dem Rücken zur Wand Kommentar: Stellen die USA und Russland die Ukraine und Europa beim Friedensprozess aufs Abstellgleis? Dokumentation: Rede von Wolodymyr Selenskyj auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2025 Dokumentation: Wirklich ein "Diktator ohne Wahlen"? Zur Legitimität und Popularität des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Lesehinweis: Friedensverhandlungen: Quellen, Stellungnahmen, Lesetipps Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Ende des Gastransits (11.02.2025) Analyse: Das Ende des Gastransits: Was sind die Implikationen? Analyse: Folgen der Beendigung des Gastransports durch die Ukraine für die EU-Länder und Moldau Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Weitere Angebote der bpb Redaktion

Dokumentation: Angriffe russischer Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung entlang des Dnipro Ukraine-Analysen Nr. 321

/ 4 Minuten zu lesen

Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Truth Hounds belegt systematische Angriffe russischer FPV-Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung entlang des Dnipro.

Typische Straßenszene in Cherson: Um die Zivilbevölkerung vor russischen FPV-Drohnen zu schützen, sind viele Straßen der Stadt mit Netzen behangen. (© picture alliance / Efrem Lukatsky)

Herausgeber der Länderanalysen

Die Ukraine-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Die Redaktion der Ukraine-Analysen

Die Studie untersucht den Einsatz von Kurzstreckendrohnen durch russische Streitkräfte gegen Zivilpersonen und zivile Objekte am unteren Dnipro im Süden der Ukraine. Dieses Gebiet bildet einen rund 400 Kilometer langen Frontabschnitt, an dem ukrainisch kontrolliertes Territorium direkt gegenüber von russisch besetztem Gebiet liegt, getrennt durch den Dnipro. Die Kampfhandlungen sind hier zwar weniger intensiv als an anderen Frontabschnitten, dennoch leben in vielen Orten noch 20–50 % der Vorkriegsbevölkerung. Gleichzeitig verzeichnet die Region laut der UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission einige der höchsten zivilen Opferzahlen durch Drohnenangriffe in der gesamten Ukraine.

So kam es allein im März 2025 in der Stadt Cherson zu etwa 600–700 Drohnenangriffen pro Woche; zwischen März und Mai desselben Jahres wurden dort mindestens 313 Zivilpersonen, 135 Fahrzeuge (darunter Einsatzfahrzeuge) und 106 Wohngebäude durch Drohnen getroffen. Im Landkreis Nikopol in der Oblast Dnipropetrowsk lag die durchschnittliche Zahl der Angriffe durch Kamikazedrohnen und Drohnen mit Abwurfmunition zwischen September 2024 und März 2025 bei 459 pro Monat.

Trotz ihrer vergleichsweise einfachen Technik haben Kurzstreckendrohnen mit ihrer Genauigkeit, Manövrierfähigkeit und Geschwindigkeit die Fähigkeit hochpräziser Schläge. Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch, dass sie zunehmend nicht mehr für gezielte Angriffe auf militärische Ziele eingesetzt werden, sondern als Mittel willkürlicher Gewalt oder für vorsätzliche Angriffe auf Zivilpersonen.

Für Menschenrechtsverteidiger:innen und Ermittler:innen stellt dies neue Herausforderungen dar, denn der Nachweis der Absicht hinter Angriffen erfordert technisches Wissen über Drohnen-Systeme sowie die Fähigkeit zu unterscheiden, wie Drohnen sich bei kontrollierten Angriffen oder beim Verlust der Steuerung verhalten. Der Bericht sammelt entsprechende Indikatoren als praktische Leitlinien für Ermittler:innen und Analyst:innen – nicht als ausreichenden Beweis, sondern als zusätzliche Datenpunkte, die helfen, die Intentionalität einzelner Angriffe besser einzuschätzen. Er ermöglicht zudem eine vertiefende Analyse dokumentierter Vorfälle und verbessert die Methoden von Truth Hounds bei der Erfassung von Drohnenangriffen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass russische Angriffe auf Zivilpersonen systematisch erfolgen und mittlerweile ein fester Bestandteil der russischen Taktik in diesem Gebiet sind. Das Muster der Angriffe – darunter regelmäßige Attacken auf Zivilpersonen, zivile Fahrzeuge, Ersthelfende, medizinisches Personal und Freiwillige – zeigt, dass die russischen Streitkräfte das Unterscheidungsgebot missachten und in vielen Fällen Zivilpersonen und zivile Objekte bewusst ins Visier nehmen.

Die Auswertung von Nachrichten russischer Telegram-Kanäle, insbesondere solcher bestimmter Einheiten oder Soldaten, bestätigt, dass diese Angriffe Teil einer russischen militärisch legitimierten Praxis sind. Küstennahe Gebiete bis zu etwa 2,5 Kilometer landeinwärts entlang des Dnipro, die im Wirkungsbereich russischer Drohnen liegen, werden dort als "rote Zone" bezeichnet. Russische Quellen betonen wiederholt, dass jeglicher Transport und jede Person, die dort von einer Drohne erfasst werde, angegriffen werde. Diese Darstellung, nach der jede Bewegung als legitimes Ziel gilt, rechtfertigt faktisch systematische Verletzungen des humanitären Völkerrechts. Sie zeigt, dass Russland ganz gezielt Bereiche in Frontnähe in Räume ohne Recht auf Leben verwandelt, in denen der Schutz von Zivilpersonen vom militärischen Imperativ des hemmungslosen Angreifens verdrängt wird.

Die Folgen zahlreicher Angriffe auf Energieanlagen, Rettungs- und medizinische Teams, Fahrzeuge mit Lebensmitteln, Freiwillige, Versorgungsdienste, öffentlichen Nahverkehr sowie Zivilpersonen und ihr Eigentum gehen weit über Todesopfer und Sachschäden hinaus. Sie verstärken Angst, erschweren den Zugang zu grundlegenden Diensten und lebenswichtigen Ressourcen, behindern humanitäre Hilfe und machen das Alltagsleben unerträglich. Letztlich führt dies zu erzwungener Migration, zur langsamen Entleerung der Gemeinden und zur sozialen wie wirtschaftlichen Degradation dauerhaft bedrohten Territoriums. Dass diese Taktiken trotz der bekannten hohen Zahl ziviler Opfer über einen langen Zeitraum unverändert bleiben, lässt den Schluss zu, dass sie dem Zweck dienen, die Zivilbevölkerung systematisch zu terrorisieren.

Wie in Abschnitt 6 des Berichts dargelegt, stellen die untersuchten Angriffe schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dar, darunter wiederholte Missachtung des Unterscheidungsgebots und unzureichende Vorsichtsmaßnahmen bei Angriffen. Zudem könnten sie Kriegsverbrechen darstellen, insbesondere vorsätzliche Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Objekte (Art. 8(2)(b)(i–ii) des Römischen Statuts) sowie das Verbrechen des Terrors nach Völkergewohnheitsrecht. Aufgrund ihres langanhaltenden, systematischen und weitverbreiteten Charakters könnten diese Handlungen außerdem potenziell als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeordnet werden, darunter Mord und die gewaltsame Vertreibung der Bevölkerung (Art. 7(1)(a) und (d) des Römischen Statuts). Die Echtzeitkontrolle und Live-Bildübertragung der Drohnen liefern starke Hinweise auf die Absicht der Operateure. Zugleich deutet die russische öffentliche Rhetorik und Untätigkeit des Kommandos darauf hin, dass nicht nur unmittelbare Täter, sondern auch ihre Vorgesetzten zur Verantwortung gezogen werden sollten.

Der Bericht untersucht außerdem, wie Drohnenangriffe Zivilpersonen und lokale Behörden dazu gezwungen haben, eigene Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Viele Gemeinden haben sukzessive individuelle Warn-, Schutz- und Reaktionssysteme aufgebaut, die offizielle Maßnahmen mit lokalen Initiativen verbinden. Die Analyse dieser Praktiken kann auch anderen Gemeinschaften in bewaffneten Konflikten helfen, in denen der Einsatz von Drohnen weiter zunimmt.

Der wachsende Einsatz von Kurzstreckendrohnen gegen Zivilpersonen erfordert eine umgehende Reaktion der internationalen Gemeinschaft – nicht nur auf die Verletzungen des humanitären Völkerrechts in der Ukraine. Er macht zugleich deutlich, dass technologische, regulatorische und sicherheitspolitische Maßnahmen notwendig sind, um den Herausforderungen der sich wandelnden Konflikte zu begegnen, in denen unbemannte Luftfahrtsysteme zunehmend die Kriegsführung prägen und eine erhebliche Bedrohung für Zivilpersonen darstellen.

Der gesamte englischsprachige Bericht ist frei zugänglich auf der Website von Truth Hounds unter: Externer Link: https://truth-hounds.org/en/cases/killzone-how-russian-drones-are-devastating-the-river-dnipros-right-bank/.

Fussnoten

Weitere Inhalte