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Dieser Text wurde ursprünglich im November 2022 veröffentlicht und am 27.03.2026 aktualisiert.
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Was ist über die politische Partizipation von Eingewanderten und ihren Nachkommen bekannt? Welche Faktoren erklären Unterschiede der politischen Partizipation? Ein Überblick.
Dieser Text wurde ursprünglich im November 2022 veröffentlicht und am 27.03.2026 aktualisiert.
Wie in anderen liberalen Demokratien, gibt es auch in Deutschland unterschiedliche Möglichkeiten und Formen politischer Partizipation, die verschiedenen Personengruppen in unterschiedlichem Maße offenstehen. Neben der Beteiligung an Wahlen umfasst politische Partizipation partei- und wahlkampfbezogene Aktivitäten, das Kontaktieren von Politikerinnen und Politikern, politischen Protest (Demonstrationen), Konsumverhalten (Kauf oder Boycott) und die Beteiligung in zivilgesellschaftlichen Organisationen mit politischen Zielsetzungen.
Die am häufigsten von den Bürgerinnen und Bürgern genutzte Partizipationsform, das Wahlrecht, beschränkt das Grundgesetz auf „das Volk“ (Art. 20 und 38 GG) – wenn auch nicht explizit, wie in anderen Grundgesetzartikeln, auf das „deutsche Volk“. Den Versuch der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, Ende der 1980er Jahre ein
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die politische Partizipation von Menschen mit
Zweitens war und ist die Datengrundlage zur Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund unbefriedigend, denn die meisten Studien weisen mindestens eines der folgenden Defizite auf: eine unzureichende Differenzierung des Migrationshintergrunds, eine selektive Auswahl (häufig auch keine echte Stichprobe) oder eine sehr geringe Fallzahl, insbesondere für Teilgruppen. Deshalb unterliegen die Ergebnisse etlicher Studien Einschränkungen.
Über ein Viertel der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland (30,7 Prozent / 25,4 Millionen) besaß im Jahr 2024 einen
Im Hinblick auf politische Partizipation ist es notwendig, sich auch die Gruppe der Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund näher anzusehen.
Unter Wahlberechtigten ist die Teilgruppe aus einstigen Anwerbeländern mit 3,6 Prozent deutlich kleiner als die Teilgruppe aus Aussiedlerländern mit 6,4 Prozent. Dies rührt auch daher, dass (Spät-)Aussiedlerinnen und Aussiedler bei ihrer Einreise die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Wie Abbildung 1 zeigt, kamen 2023 die meisten Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion (darunter aus Kasachstan 1,7 Prozent und aus Russland 1,4 Prozent) sowie aus Polen (2,0). Die Wahlberechtigten mit türkischem (1,9 Prozent) und ex-jugoslawischen Hintergrund (0,8 Prozent) machen einen vergleichsweise geringeren Teil aller Wahlberechtigten aus. Dieser Anteil wird aber durch das im Jahr 2000 eingeführte Geburtsortprinzip (
(© bpb)
Blickt man auf die Zusammensetzung nach Generationen, zeigt sich, dass mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigen mit Migrationshintergrund eigene Migrationserfahrung haben, also selbst nach Deutschland eingewandert sind.
Unterscheidet man lediglich zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, dann zeigt sich in sämtlichen Untersuchungen der letzten beiden Jahrzehnte, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund politisch seltener beteiligen als Menschen ohne Migrationshintergrund.
Eine naheliegende Erklärung für diese Beteiligungsunterschiede ist der Integrationsgrad: Wer in einem anderen Land geboren wurde und noch nicht so lange in Deutschland lebt, ist weniger mit dem Land, seinen politischen Akteuren und auch mit Möglichkeiten der politischen Beteiligung vertraut.
Detaillierte Ergebnisse auf eine summarische Frage aus dem Integrationsbarometer des Sachverständigenrats für Integration und Migration veranschaulichen den Generationeneffekt, der sich nicht nur beim politischen Engagement (Abbildung 2), sondern auch bei der zivilgesellschaftlichen Partizipation in Vereinen zeigt.
Wer einen Migrationshintergrund hat und im Ausland geboren wurde, partizipiert seltener, und dabei spielt es keine große Rolle, ob diese Person mittlerweile eingebürgert wurde oder nicht.
Ressourcen wie Bildung, höheres Alter, berufliche Integration und die eigene Einschätzung, politische Prozesse verstehen und an ihnen sinnvoll teilnehmen zu können, sind allgemein förderliche Aspekte politischer Partizipation.
Wer wenige Ressourcen (Sprachkenntnisse, Bildung, Sozialkapital) besitzt oder aufbauen konnte, ist auch eher geneigt, sich nicht als Teil des Gemeinwesens zu verstehen. Und wer dem Staat und seinen Institutionen wenig Vertrauen schenkt, beteiligt sich politisch seltener, und dann auch eher in Form von Protest.
Mobilisierung bedeutet mehr als Offenheit für Eingewanderte sowie ihre Belange und Rechte, sondern das Werben um Personen, sich zu beteiligen. Auch wenn im Zusammenhang von Mobilisierung und Menschen mit Migrationshintergrund nicht von einem konsolidierten Forschungsstand gesprochen werden kann, gibt es Indizien dafür, dass direkte Ansprache die Wahlbeteiligung erhöht.
Aufgrund geringer Fallzahlen einzelner Gruppen in Studien, teils geringer Unterschiede und Fluktuationen über die Zeit lässt sich über Unterschiede der politischen Partizipation nach Herkunftsland oder Herkunftslandgruppen wenig allgemeingültig sagen.
ist Professor für Politikwissenschaft, Hochschule München University of Applied Sciences. Seine Forschungsschwerpunkte sind die empirische Wahl- und Repräsentationsforschung.
Der W. war ein Verteidigungsbündnis der sozialistischen Staaten in Europa und wurde 1955 auf Initiative der Sowjetunion als Reaktion auf den NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland ins Leben gerufen...
Interner Link: Kompletten Eintrag "Warschauer Pakt" lesenaus: Große Hüttmann / Wehling, Das Europalexikon (3.Auflage), Bonn 2020, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Autor des Artikels: M. Dembinski
Als Gastarbeiter_innen werden die Arbeitsmigrantinnen und -migranten bezeichnet, die in den 1950er und 1960er Jahren gezielt nach Deutschland angeworben wurden, um den Arbeitskräftemangel in der Nachkriegszeit auszugleichen.
Interner Link: Kompletten Eintrag "Gastarbeiter/-innen" lesenAktualisiert und erweitert im August 2025. Hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS).
Das Ius soli (wörtlich: Recht des Bodens) verknüpft den Erwerb der Staatsangehörigkeit mit dem Geburtsort und wird deshalb auch als Geburtsortprinzip bezeichnet. Jedes Kind, das auf dem Gebiet eines Staates geboren wird, erhält demnach automatisch dessen Staatsangehörigkeit, unabhängig davon, welche Staatsbürgerschaft seine Eltern haben. In Deutschland ergänzt seit einer im Jahr 2000 in Kraft getretenen Reform des Staatsangehörigkeitsrechts das Ius soli das bis dahin vorrangig geltende ...
Interner Link: Kompletten Eintrag "Ius soli" lesenAktualisiert und erweitert im August 2025. Hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS).
Der W. war ein Verteidigungsbündnis der sozialistischen Staaten in Europa und wurde 1955 auf Initiative der Sowjetunion als Reaktion auf den NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland ins Leben gerufen. Er löste sich am 1.7.1991 nach dem Scheitern des realen Sozialismus in Europa auf. Der Vertrag zwischen der UdSSR und den 7 sozialistischen Staaten in Ost- und Südosteuropa (Jugoslawien war kein Mitglied des W. und Albanien trat 1968 aus) zementierte die Dominanz der Sowjetunion. ...
Interner Link: Kompletten Eintrag "Warschauer Pakt" lesenaus: Große Hüttmann / Wehling, Das Europalexikon (3.Auflage), Bonn 2020, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Autor des Artikels: M. Dembinski
Als „Gastarbeiter“ bzw. „Gastarbeiterinnen“ wurden die Arbeitsmigrantinnen und -migranten bezeichnet, die in den 1950er und 1960er Jahren gezielt nach Deutschland angeworben wurden. Bei dem Begriff handelt sich um ein Wort der Alltagssprache, nicht um einen amtlichen Begriff. In der Nachkriegszeit erlebte Deutschland einen Wirtschaftsboom. Für das damit einhergehende erhebliche Wachstum des Arbeitsmarktes reichte das inländische Arbeitskräftepotenzial nicht aus. „Gastarbeiter“ ...
Interner Link: Kompletten Eintrag "Gastarbeiter/-innen" lesenAktualisiert und erweitert im August 2025. Hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS).
Das Ius soli (wörtlich: Recht des Bodens) verknüpft den Erwerb der Staatsangehörigkeit mit dem Geburtsort und wird deshalb auch als Geburtsortprinzip bezeichnet. Jedes Kind, das auf dem Gebiet eines Staates geboren wird, erhält demnach automatisch dessen Staatsangehörigkeit, unabhängig davon, welche Staatsbürgerschaft seine Eltern haben. In Deutschland ergänzt seit einer im Jahr 2000 in Kraft getretenen Reform des Staatsangehörigkeitsrechts das Ius soli das bis dahin vorrangig geltende ...
Interner Link: Kompletten Eintrag "Ius soli" lesenAktualisiert und erweitert im August 2025. Hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS).