Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:

Into the Great Wide Open

Open Source, jenseits von Software

Wer hat die beste Kundenhilfe?

Die Zusammenarbeit erstaunt umso mehr, als gerade Microsoft bis dahin nicht müde wurde, die Nachteile von Open Source-Software herauszustreichen. Vor allem sei niemand wirklich verantwortlich; niemand könne garantieren, dass eine Software regelmäßig weiterentwickelt wird oder Fehler rechtzeitig behoben werden. Bei Nachfragen oder Problemen gibt es keinen festen Ansprechpartner, der sich um den Support, die Kundenhilfe kümmere, und auch bei Installation und Aktualisierung ist der Nutzer ganz auf sich selbst angewiesen.

Befürworter halten dagegen: Open Source-Software werde häufiger aktualisiert und verbessert als proprietäre. Immerhin sind die Kunden häufig genug gleichzeitig die Programmierer, die sich und anderen kurzerhand selbst helfen. Und der Support sei nicht die Schwachstelle, sondern das eigentliche Geschäftsmodell freier Software. Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, Open Source-Programme zu benutzerfreundlichen Bündeln, "Distributionen" zu schnüren, an die lokalen Gegebenheiten eines Unternehmens anzupassen und jederzeit Kundenhilfe zu leisten.

Umgekehrt sei proprietäre Software eher noch unsicherer als freie. Hier garantiert niemand, dass der Hersteller nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen irgendwann eine Software einschließlich Unterstützung völlig einstellt. Taucht dann ein Problem auf, kann niemand anders helfen, weil niemand Zugang zum Quellcode hat. Und hat man einmal eine große Menge Daten in ein proprietäres Datenformat eingegeben, ist man langfristig an den Hersteller gebunden, was mit jährlichen Lizenzgebühren und regelmäßigen Updates sehr teuer werden kann. Selbst wenn man seine Daten in ein anderes Format überführen will, ist man im Zweifel auf die kostenpflichtige Hilfe des Herstellers angewiesen.

Open Source: Flurschaden oder gesunde Konkurrenz?

Eine tiefer gehende Kritik am Open Source-Modell hat der mehrfach mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Wirtschaftsjournalist Thomas Friedman formuliert, dessen jüngstes Buch "Die Welt ist flach" sich auch mit Open Source als globalisierender Kraft beschäftigt. Innovationen leben vom Zyklus aus Investition, Innovation, Profit und Neuinvestition. Unternehmen machen mit neuen Erfindungen Profit, bis ihr Patentschutz abläuft oder Nachahmer Vergleichbares günstiger entwickeln. Wenn das nicht mehr möglich ist, weil alle Programme und damit jede Neuerfindung sofort von allen kostenlos kopiert werden können – woher kommt dann am Ende das Geld, um neue, große Erfindungen zu finanzieren?

Atul Chitnis, Kopf der FOSS.in, einer der weltweit größten Open-Source-Konferenzen, dreht Friedmans Argument einfach um: Software tendiert zu Monopolmärkten. Freie Software entziehe der Innovation nicht das nötige Lebensblut in Gestalt neuer Investitionen, sondern schaffe im Gegenteil die bitte nötige Konkurrenz, die das Geschäft belebt: Bis zum Auftauchen des Firefox blieb der Internet Explorer über mehrere Versionen ohne nennenswerte Neuerungen, dafür mit gravierenden Sicherheitsmängeln.

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