Zuflucht Gesucht

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1.9.2017 | Von:
Katharina Reinhold

Hamid aus Eritrea: Handreichung für Pädagoginnen und Pädagogen

Übung 3: Traurig sein und trösten

Fächer: z.B. Deutsch, Sachunterricht, Politik, Religion/Ethik, Kunst

Dauer: ca. 40 min.

Angestrebte Kompetenzen: Informationen aus Bildern und Texten entnehmen. Transfer zu ähnlichen Situationen oder Gefühlen im eigenen Leben herstellen. Verständnis für Kinder mit Fluchtgeschichte und für Menschen entwickeln, die Angehörige verloren haben und trauern, Informationen recherchieren, Hilfsmöglichkeiten zusammentragen, eigene Wirkmächtigkeit erfahren.

Materialbedarf: Plakat oder Papierrolle, Stifte und Farbe, Scheren, Kleber, Zeitschriften, Fotos etc. Anhand der Bilder und Texte über Hamids Trauer denken die Kinder über eigene Verlust- oder Trauererfahrungen nach. Sie arbeiten dabei handlungs- und lösungsorientiert und tragen zusammen, was ihnen dabei geholfen hat, Trauer zu verarbeiten und sich besser zu fühlen.

Zunächst überlegen die Kinder allein, denn die Erinnerungen an traurige Erlebnisse sind etwas sehr persönliches. Es sollte ihnen freigestellt sein, anderen davon zu erzählen. Aber sie sollten sich Notizen zu den Fragen machen. Alternativ könnten die Kinder sich 2-3 Fragen aussuchen, über die sie nachdenken.

Aufgabenstellung: Überlege für dich alleine und mache dir Notizen:

  • Warst du schon einmal so traurig, dass du nichts mehr essen wolltest und auf gar nichts mehr Lust hattest?
  • Hast du schon mal jemanden schrecklich vermisst? Wann war das?
  • Ist schon mal jemand gestorben, den du sehr gerne hattest? Was hat dir geholfen, damit es dir besser ging?
  • Hast du schon mal jemanden getröstet, der oder die sehr traurig war? Was hat geholfen?
  • Wer oder was hilft Hamid? Wann geht es ihm gut?
Notiert in Kleingruppen auf Kärtchen, in Stichworten Dinge (oder Menschen oder Tätigkeiten), die helfen, um sich besser zu fühlen, wenn man sehr traurig ist.

Im Sitzkreis werden dann die Kärtchen mit den Vorschlägen vorgestellt und ähnliche Punkte zusammengelegt. Die Kinder können aus ihren Vorschlägen eine „Trost-Wandzeitung“ erstellen, die kreativ gestaltet wird.

Wandzeitung gestalten: Trost und Hilfe

Aufgabenstellung: Gestaltet zusammen eine Trost-Wandzeitung! Sammelt oder schreibt, malt, fotografiert dafür Sprüche, Gedichte, Geschichten, Bilder oder Fotos, die trösten und Mut machen! Klebt, schreibt, malt diese auf ein großes Plakat.

Dies kann noch erweitert werden durch Rechercheaufgaben. Die Kinder können zum Beispiel ihre Eltern, Freunde oder Großeltern fragen, was sie tröstet, wenn sie traurig oder einsam sind. Falls die Kinder keine eigenen Trauer-Erfahrungen haben, bekommen sie hier Berichte von sehr nahen Personen. Die Ergebnisse dieser kleinen Interviews können auch in die Wandzeitung einfließen oder anderweitig dokumentiert werden.

Eine Erweiterung für ältere Kinder wäre eine Recherche in der Schul- oder Stadtbücherei nach Büchern, die Mut machen, wenn man einsam ist oder trauert. Sie können das Bibliothekspersonal vorab bitten, einige Bücher zusammenzustellen oder den Kindern zu zeigen, wie man nach bestimmten Themen suchen kann. Sie könnten einige Bücher ausleihen und eine Buchausstellung zum Thema machen, oder die Kinder stellen die Bücher in der Schülerzeitung vor.

Es sollte deutlich werden, dass nicht allen die gleichen Wege, Dinge, Worte helfen, mit ihrer Trauer umzugehen. Jeder Mensch trauert anders. Sie sollten darüber sprechen, dass Trauer zum Leben dazugehört. Es ist wichtig, diese Phase durchzumachen, als eine Form des Abschiednehmens. Es geht also bei den Übungen nicht darum, dass traurig sein etwas Schlechtes ist und das Ziel ist es nicht, gar nicht traurig zu sein oder nicht zu trauern. Es geht vielmehr um Möglichkeiten, Trauernde zu unterstützen oder sich selbst zu trösten und um die Vielfalt dieser Wege. Dies wird auch in der Zusammenschau mit den anderen Filmen deutlich. Juliane zum Beispiel helfen Fachleute in ihrer Krisensituation, Ali hilft es, zu zeichnen und Fußball zu spielen, Hamid hilft es, sich abzulenken, das Thema zu verdrängen und mit seinen Freunden Späße zu machen.

Weitere Informationen zum Thema Kinder und Trauer finden Sie zum Beispiel hier:

http://www.kindertrauer.info/Kindertrauer/Kindertrauer.html

http://kindertrauerland.org/cms/page/fuer_erwachsene

http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/familie/wie-kinder-trauern100.html

Übung 4: Hamid und seine Freunde

Fächer: z.B. Deutsch, Sachunterricht, Politik, Religion/Ethik

Dauer: ca. 40 min. oder länger, ggf. an zwei Tagen

Angestrebte Kompetenzen: Informationen aus Bildern und Texten entnehmen und interpretieren. Sich in andere hineinversetzen und Empathie entwickeln. Sätze sinnvoll vervollständigen, kurze freie Texte (Tagebucheinträge) schreiben, Bedeutung von Freundschaft herausarbeiten, positives Selbstbild entwickeln.

Die Kinder beschäftigen sich mit zwei Situationen aus dem Film, die auf Standbildern gezeigt werden. Sie können sich auch den gesamten Film noch einmal anschauen. Sie sollen sich besonders auf einen der beiden Jungen konzentrieren und versuchen, die Szene aus seiner Sicht zu betrachten.

1 – Hamid ist neu in der Schule und macht sich Sorgen, weil er niemanden kennt und alle anderen schon Freunde haben. Dann hat ein Junge Ärger mit seinen Freunden und Hamid freundet sich mit ihm an. Bald findet Hamid weitere Freunde.

2 – Hamid hat nun Freunde gefunden. Er ist traurig weil sein Vater gestorben ist. Aber wenn er traurig wird, lenkt sein Freund ihn ab und macht einen Witz und er wird wieder fröhlich. Die Kinder sprechen nicht über traurige Dinge, sie lenken einander ab und reden über andere Dinge. Das hilft Hamid, dass es ihm besser geht.

Die Kinder können nun einen kurzen Tagebucheintrag aus der Sicht „ihres“ Protagonisten schreiben.

Aufgabenstellung: Suche dir einen der beiden Tage aus und schreibe einen kurzen Tagebucheintrag aus der Sicht von Hamid bzw. aus der Sicht seines Freundes. Wie erinnern sie sich an den Tag? Was schreiben sie über ihren Freund und über ihre Gefühle?

Im Anschluss daran beschäftigen sie sich mit ihren eigenen Freunden und Freundinnen. Sie wählen eine oder einen aus und erzählen über eine Situation, in der sie sich geholfen haben.

Mein Freund / Meine Freundin

Aufgabenstellung: Bringe ein Foto von dir und einer guten Freundin oder dir und einem guten Freund mit oder male euch beide. Zeige das Foto und erzähle im Sitzkreis oder in der Kleingruppe von einer Situation, in der ihr euch gegenseitig geholfen habt.

Den Kindern wird deutlich, dass Freundschaft ein Geben und Nehmen ist und dass es wichtig ist, dass man sich gegenseitig unterstützt.

Gute Freunde

Im nächsten Schritt vertiefen die Kinder das Thema Freundschaft und fassen ihre Erkenntnisse zusammen. Sie vervollständigen folgende Sätze:
  • Ein guter Freund/Eine gute Freundin ist…
  • Ein guter Freund/Eine gute Freundin kann…
  • Ein guter Freund/Eine gute Freundin macht mich…
  • Mit einem guten Freund/einer guten Freundin kann ich…
  • Wenn jemand gemein zu meinem Freund/meiner Freundin ist,…
  • Wenn ein guter Freund/eine gute Freundin traurig ist,…

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-SA 4.0 - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Katharina Reinhold für bpb.de

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