Entzünden des Chanukka-Leuchters 2016 auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

Jüdisches Leben in Deutschland nach 1945

Seit mindestens 1700 Jahren gibt es jüdisches Leben in Deutschland und seit dieser Zeit tragen Jüdinnen und Juden zur geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei. Dabei waren und sind sie immer wieder den Anfeindungen und Ablehnungen der nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt. Diese Darstellung widmet sich chronologisch dem jüdischen Leben seit 1945, zeigt verschiedene Formen des Antisemitismus auf und stellt jüdische Literatur sowie die wichtigsten jüdischen Feiertage vor.

Informationen zur politischen Bildung Nr. 348/2021

Editorial

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Besucher in einer Ausstellung in der Alten Synagoge Essen.

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Jüdisches Leben in Deutschland nach 1945

Jüdisches Leben in Deutschland ist lebendig, vielfältig, widersprüchlich und komplex. Mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft und infolge zwiespältiger Alltagserfahrungen bis hin zu antisemitischen Angriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen ist das Verhältnis zur nicht-jüdischen Umgebung jedoch keineswegs unbelastet.

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Schwerer Neuanfang in Deutschland: Am 20. März 1946 weihen die wenigen verbliebenen Mitglieder der einst großen jüdischen Gemeinde von Frankfurt/M. mit Vertretern der Militärregierung und der deutschen Regierung am Börneplatz eine Gedenktafel für die dort am 9. November 1938 zerstörte Synagoge ein.

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Neuanfänge

Nach 1945 kehrte das jüdische Leben langsam nach Deutschland zurück: In DP-Camps bildeten sich erste Selbstverwaltungsstrukturen mit Bildungs- und Freizeitangeboten. Für viele Jüdinnen und Juden war Deutschland nur eine Zwischenstation etwa auf dem Weg in das 1948 gegründete Israel, andere blieben und gründeten neue Gemeinden.

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Bei der Eröffnung des ersten jüdischen Museums am 9. September 1988 in Frankfurt/M. wird der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (2. v. l.) von dem Gründungsdirektor Georg Heuberger (l.) durch die Ausstellung geführt. Das Eröffnungsdatum wurde auf den 50. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 gelegt.

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Jüdisches Leben in der Bundesrepublik

1950 gründete sich der Zentralrat als Interessenvertretung der Juden in Deutschland. Gleichzeitig bestand antisemitische Vorurteile und Gewalt weiter fort. Das wachsende öffentliche Interesse an der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit bestärkte jedoch die jüdische Gemeinschaft zum Verbleib in der "unmöglichen Heimat“ Deutschland.

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Die DDR versteht sich als antifaschistischer Staat: Alfred Neumann, 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, hält am 8. September 1974 eine Rede auf einer Großkundgebung zum Gedenken an die Opfer des Faschismus auf dem Bebelplatz in Ost-Berlin.

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Jüdisches Leben in der DDR

Die DDR definierte sich als antifaschistischer Staat und moralisch überlegener Gegenentwurf zum westdeutschen Nachbarn. Nach dem Vorbild der Sowjetunion prägten allerdings staatliche Repressionen sowie antizionistische und antiisraelische Propaganda den Alltag vieler Jüdinnen und Juden in der DDR. Erst in den 1980er-Jahren kam es innerhalb der SED zu einem teilweisen Kurswechsel.

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Anlässlich der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 sprechen im Deutschen Bundestag Charlotte Knobloch (v. l.) und Marina Weisband.

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Im vereinten Deutschland

Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989, dem 51. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938, läutete zwar nicht das vielfach vorhergesagte "Ende der Geschichte" ein, aber immerhin eine nicht vorhersehbare Entwicklung für das jüdische Leben Deutschlands.

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Die erst am 20. September 1959 von Bundeskanzler Adenauer eingeweihte neue Synagoge in Köln wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 1959 geschändet. Mit roter und schwarzer Farbe schmierten die Täter Hakenkreuze an den Eingang und schrieben "Juden raus" an die Hauswand.

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Antisemitismus in Deutschland nach 1945

Nach dem Ende der NS-Herrschaft verschwanden antisemitische Einstellungen nicht einfach. Viele Menschen verdrängten die eigene Schuld oder wiesen sie von sich. Erst in den 1960er-Jahren begann in der Öffentlichkeit eine eingehendere Auseinandersetzung mit der belasteten Vergangenheit. Doch bis heute sind antisemitische Stereotype in verschiedensten Formen in der deutschen Gesellschaft verbreitet.

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Ein großes, buntes Schild begrüßt Ankommende im Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv, dem größten Flughafen Israels. Der israelische Staat garantiert allen Jüdinnen und Juden weltweit ein Einbürgerungsrecht und ist für viele daher eine Art Lebensversicherung.

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Juden in Deutschland und der Staat Israel

Für die Mehrzahl der Jüdinnen und Juden in Deutschland bleibt Israel ein emotionaler Zufluchtsort. Während die Existenz jüdischer Gemeinden in Deutschland in der Nachkriegszeit noch auf verbreitete Kritik aus Israel stieß, zieht es seit den 2000er-Jahren vermehrt junge Israelis nach Berlin, wo sie sich inzwischen ganz eigene Räume geschaffen haben.

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Die literarische Aufarbeitung der Shoah ist in Deutschland zunächst unerwünscht. Edgar Hilsenraths sehr erfolgreiche Satire "Der Nazi & der Friseur", hier eine Generalprobe des Magdeburger Schauspielhauses 2015, erscheint daher zuerst auf Englisch.

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Literarische Auseinandersetzungen

In beiden deutschen Staaten stieß Literatur zur jüdischen Verfolgungserfahrung zunächst auf wenig Gegenliebe. Es gab nur wenige jüdische Autorinnen oder Autoren. Doch seit den 1990er-Jahren veröffentlichen vermehrt junge jüdische Autorinnen wie Katja Petrowskaja, Olga Grjasnowa und Mirna Funk Literatur zu jüdisch orientierten Themen.

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Als einer der wenigen deutschsprachigen Regisseure verstand es der Schweizer Dani Levy, die Widersprüche des gegenwärtigen jüdischen Lebens auf die Leinwand
zu bringen, so in seinem Film von 2004 "Alles auf Zucker".

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Jüdische Präsenz auf Bühne, Leinwand und Bildschirm

Welche Rolle spielen jüdische Figuren in der deutschen Nachkriegsgesellschaft, gespalten und wiedervereinigt, in der Vorstellungswelt von Theater, Film und Fernsehen? Welches Bild von Jüdinnen und Juden entstand aus den Wünschen des Publikums und welche Funktion kam ihnen in den Debatten um ein deutsches Selbstverständnis nach dem Holocaust zu?

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Kantor Jakow Zelewitsch entzündet die Kerzen auf dem Channuka-Fest der jüdischen Gemeinde in Herford 2019. Das Lichterfest erinnert an die Wiedereinweihung
des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahre 164 v. u. Z.

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Religiöse Strömungen und jüdische Feiertage

Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Strömungen des Judentums? Wie und wo wird der Schabbat gefeiert? Welche weiteren hohen und kleinen Feiertage gibt es im Judentum? Und welche israelischen Feier- und Gedenktage sind in den jüdischen Gemeinden Deutschlands etabliert?

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Die Vielfalt der Jüdinnen und Juden Gemeinden in Deutschland zeigt sich auch am Christopher Street Day 2019 in Berlin. Anhänger der Keshet Deutschland, der jüdischen LGBTQI*-Community in Deutschland, nehmen an der Parade unter dem Motto "Stonewall 50 - Every riot starts with your voice" teil.

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Ausblick

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Glossar

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Karten

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Literaturhinweise

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