Am 6. September 2026 wurde in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Die Wahlbeteiligung war mit 77,8 Prozent so hoch wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. 2021 hatte der Wert noch bei 60,3 Prozent gelegen. Die AfD hat die absolute Mehrheit der Sitze mit 39 von 83 Mandaten im Landtag nur knapp verpasst. Diese wäre erst mit 42 Sitzen erreicht gewesen. Die vom Externer Link: Verfassungsschutz des Landes Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte Partei kam laut vorläufigem Ergebnis auf 43,8 Prozent der Stimmen. Mit einem Plus von 23 Prozentpunkten konnte sie ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln.
KontroverseEinordnung der AfD
In der Politikwissenschaft reicht das Spektrum zur Einordnung der AfD von rechtspopulistisch, völkisch-nationalistisch, rechtsradikal, rassistisch bis rechtsextremistisch. Seit 2021 wird die AfD als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) eingestuft. Am 2. Mai 2025 stufte das BfV die gesamte AfD als „gesichert rechtsextremistische“ Partei ein. Gegen die Einstufung hat die AfD beim Verwaltungsgericht Köln Klage eingereicht. Am 26. Februar 2026 Externer Link: entschied das VG Köln anlässlich eines Eilantrags der AfD, dass das BfV diese bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens nicht als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen und behandeln darf.
In Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg stuft der jeweilige Landesverfassungsschutz die Partei als „erwiesene“ bzw. „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ ein. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben die Landesverbände Klage gegen diese Einstufung eingereicht.
Zweitstärkste Kraft wurde die CDU mit 17,2 Prozent und 15 Mandaten. Es ist das schlechteste Ergebnis, das die Christdemokraten in Sachsen-Anhalt jemals bei einer Landtagswahl erzielt haben. 2021 erhielt die Partei 37,1 Prozent der Stimmen.
Drittstärkste Partei wurde dem vorläufigen Ergebnis zufolge mit 9,3 Prozent die SPD. Damit konnten die Sozialdemokraten im Vergleich zur Wahl 2021 (8,4 Prozent) leicht zulegen. Die Grünen erhielten 8,9 Prozent – ein Plus von 3 Prozentpunkten und ein historischer Rekord der Partei bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Linke kam auf 8,6 Prozent der Stimmen und verlor damit im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren, als sie 11,0 Prozent erreichte, an Zustimmung. Die drei Parteien stellen im künftigen Landtag jeweils acht Abgeordnete.
Erstmals in den Landtag einziehen konnte das noch relativ junge BSW. Die Partei kam auf 5,3 Prozent und fünf Mandate. Die FDP rutschte von 6,4 Prozent bei der Wahl 2021 auf 2,6 Prozent ab und scheiterte damit an der Fünf-Prozent-Hürde.
Wer regiert bisher?
Aus der Interner Link: Wahl 2021 ging die CDU mit knapp 37 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervor. Sie regiert seither gemeinsam in einer Koalition mit SPD und FDP. Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt ist seit Januar dieses Jahres der Christdemokrat Sven Schulze. Schulze war zuvor Wirtschaftsminister des Landes und folgte seinem Parteikollegen Reiner Haseloff im Amt, der das Land knapp eineinhalb Jahrzehnte regiert hatte.
Wie wird gewählt?
Der Landtag Sachsen-Anhalts wird alle fünf Jahre gewählt. Interner Link: Die Wählerinnen und Wähler haben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählen sie in den 41 Wahlkreisen eine Kandidatin oder einen Kandidaten direkt in das Landesparlament. Mit der Zweitstimme wählen die Wählerinnen und Wähler eine Partei und bestimmen somit die Verteilung der übrigen Landtagsmandate. Dabei werden nur Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent aller gültigen Zweitstimmen auf sich vereinen können.
Wahlberechtigt sind alle volljährigen Bürgerinnen und Bürger, die im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit sind. Sie müssen ihren Wohnsitz seit mindestens drei Monaten im Land Sachsen-Anhalt haben und dürfen nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sein. Die Altersgrenze für das passive Wahlrecht liegt ebenfalls bei 18 Jahren. Es gilt eine Fünfprozent-Hürde. Mehr Informationen zum Wahlrecht in Sachsen-Anhalt finden Sie in unseren Interner Link: Fakten zur Wahl.
Bei der Wahl am 6. September konnten ca. 1,69 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Ende vergangenen Jahres lebten in Sachsen-Anhalt rund 2,12 Millionen Menschen.
Bei der Landtagswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 60,3 Prozent. Stärkste Partei wurde die CDU mit 37,1 Prozent vor der AfD mit 20,8 Prozent. Die Linke kam auf 11 Prozent, die SPD auf 8,4 Prozent. Zudem schafften die FDP mit 6,4 Prozent und die Grünen mit 5,9 Prozent der Stimmen den Einzug in den Landtag.
Wirtschaft und Demografie in Sachsen-Anhalt
Die Wirtschaft Sachsen-Anhalts ist stark vom Mittelstand geprägt. 85 Prozent der Unternehmen beschäftigen laut der Externer Link: Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau weniger als zehn Personen, 72 Prozent aller Beschäftigten arbeiten im Mittelstand. Traditionelle Branchen des Bundeslands sind die Chemieindustrie, die Lebensmittel- und Ernährungswirtschaft und der Maschinenbau. Auch in der Automobilzulieferung sowie den erneuerbaren Energien arbeiten viele Menschen – der traditionell wichtige Bergbau hat hingegen sehr an Bedeutung verloren.
Das Wirtschaftswachstum in dem ostdeutschen Bundesland war 2025 leicht rückläufig, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 0,2 Prozent. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete in Sachsen-Anhalt mit einem Minus von 1,8 Prozent ein deutlich größeres Minus als im Bundesdurchschnitt (Minus 1 Prozent). Die IHK führt hohe Kosten für Energie, Arbeit und Bürokratie als Grund für das geringe Wachstum an.
Die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt ist in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft. Allein seit dem Jahr 2000 hat Sachsen-Anhalt fast eine halbe Million Einwohner verloren. Ende 2025 lebten hier rund 2,12 Millionen Menschen in 218 Städten und Gemeinden des Landes. Bis ins Jahr 2040 sind nur noch 1,83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner prognostiziert.
Wer stand zur Wahl?
Die derzeit stärkste Fraktion im Landtag stellte bislang die Interner Link: Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU). In ihrem Wahlprogramm setzte die Partei auf Sicherheit, mehr Wirtschaftswachstum und Verbesserungen im Bildungsbereich. Die CDU will mehr Polizistinnen und Polizisten einstellen und den Sicherheitsbehörden weitere Befugnisse geben. Sie spricht sich für eine Begrenzung der Zuwanderung und für mehr Abschiebungen aus. Die Partei würde gerne die Gemeinschafts- und Sekundarschulen zu einer neuen „Oberschule“ zusammenlegen. Zudem versprechen die Christdemokraten einen Abbau von Bürokratie. Als Spitzenkandidat trat der aktuelle Ministerpräsident Sven Schulze an.
Zweitstärkste Kraft im Landtag war bisher die Interner Link: Alternative für Deutschland (AfD). Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt stuft den Landesverband als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein, unter anderem, weil ihre Programmatik „wesentlich von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus“ durchdrungen sei und auf die „Schaffung ethnisch reiner Gesellschaften“ abziele. Die juristische Klärung der Einstufung ruht derzeit. Politikwissenschaftlich wird die Partei überwiegend als rechtspopulistisch bis rechtsextrem eingeordnet. Die AfD forderte im Wahlkampf eine „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“ und eine erhebliche Begrenzung der Zuwanderung. Die Partei spricht sich für eine Kehrtwende in der Energiepolitik aus, etwa durch einen Wiedereinstieg in die Kernenergie, den Stopp des Kohleausstiegs und den Bau neuer Gaskraftwerke. Im Falle einer Regierungsübernahme hat die AfD angekündigt, sich im Bundesrat für ein Ende der energiepolitischen Russlandsanktionen einzusetzen und die deutsch-russischen Handelsbeziehungen zu normalisieren. Als Spitzenkandidat trat Ulrich Siegmund an.
Drittstärkste Partei war bis zur Wahl Interner Link: Die Linke. Sie forderte in ihrem Programm höhere Investitionen in die Infrastruktur und mehr Personal für den Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich. Sie will eine Garantie für Ganztagesbetreuung in öffentliche Schulen sowie beitragsfreie Kitas durchsetzen. Die Partei will mehr öffentlich geförderten Wohnraum schaffen. Die Linke trat mit der Fraktionsvorsitzenden Eva von Angern als Spitzenkandidatin an.
Die Interner Link: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) wollte laut Wahlprogramm den Industriestandort Sachsen-Anhalt stärken. Die Partei setzt sich für faire Löhne durch Tarifbindung mittels des Tariftreue- und Vergabegesetzes ein. Sie fordert mehr Mittel für die Gesundheitsversorgung und den Bildungsbereich, etwa durch die dauerhafte Finanzierung der Schulsozialarbeit aus Landesmitteln. Die SPD will die Energiewende fortsetzen. Ihr Spitzenkandidat war Armin Willingmann.
Die Interner Link: Freie Demokratische Partei (FDP) forderte unter anderem Sonderwirtschaftszonen, zum Beispiel für den Chemiestandort Leuna. Sie will Bürokratie abbauen, Genehmigungen beschleunigen und die Verwaltung digitalisieren. Sie möchte im Bildungssystem die IT- und Medienkompetenz stärken. Spitzenkandidatin war die Landesvorsitzende und Ministerin für Infrastruktur und Digitales Lydia Hüskens.
Interner Link: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) fokussierten in ihrem Wahlprogramm die Leitlinien Schutz natürlicher Lebensgrundlagen, Klimaschutz, sozialer Zusammenhalt und Chancengerechtigkeit. Die Partei will die Wind- und Solarenergie weiter ausbauen und fordert ein verbindliches Klimaschutzgesetz. Die GRÜNEN wollen unter anderem die Gleichstellung sowie Antidiskriminierung voranbringen und die Demokratie stärken. Zur Wahl trat sie mit ihrer Co-Landesvorsitzenden Susan Sziborra-Seidlitz als Spitzenkandidatin an.
Die Partei Interner Link: Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) unterstützt ein stärkeres wirtschaftspolitisches Eingreifen des Staates und lehnt höhere Militärausgaben und die Wehrpflicht ab. Zudem tritt sie für niedrigere Energiepreise ein, für die sie auch Verhandlungen mit Russland befürwortet. Zur Wahl war sie mit dem Spitzenduo Claudia Wittig und Thomas Schulze angetreten.
Was waren die wichtigsten Themen im Wahlkampf?
Zentrales Thema im Wahlkampf waren die hohen Umfragewerte der AfD und damit verbundene mögliche Regierungsbildungen. Auch Forderungen der AfD standen immer wieder im Zentrum des Wahlkampfs, beispielsweise die nach einer Kündigung der Rundfunkstaatsverträge.
Als wichtigste Probleme in Sachsen-Anhalt nannten Befragte in einer Externer Link: Umfrage im Juli 2026 die Themen Migration, Bildung und Wirtschaft. In der Migrationspolitik standen im Wahlkampf Forderungen nach restriktiven Maßnahmen neben Strategien, gezielt internationale Fachkräfte anzuwerben und Integration etwa durch verbesserten Zugang zu Sprachkursen zu fördern.
In der Bildungspolitik war etwa der Lehrermangel Thema, der in Sachsen-Anhalt wie in anderen Bundesländern vorherrscht. Jeder zehnte Schüler verlässt die Schule ohne einen anerkannten Hauptschulabschluss. Auch der Betreuungsschlüssel in den Kitas wurde diskutiert: Wegen der sinkenden Geburtenzahl gibt es Forderungen, diesen zu senken.
Die schwache Wirtschaft und die Verkehrspolitik wurden ebenfalls thematisiert – so etwa das schlechter werdende Bahn- und Busnetz. Auch die die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Abwanderung junger Menschen spielten im Wahlkampf eine Rolle.
So könnte es nach der Wahl weitergehen
Die bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP hat ihre Mehrheit verloren. Ministerpräsident Sven Schulze bleibt bis zur Bildung einer neuen Regierung vorläufig im Amt. Für die Christdemokraten dürfte es sehr schwer werden, eine Mehrheit im Parlament zu bilden. Eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen wäre auf eine Duldung der Linken sowie des BSW angewiesen. Die CDU lehnt jedoch eine Zusammenarbeit mit der Linken ab. Das BSW wiederum schließt aus, einen CDU-Ministerpräsidenten zu wählen.
Auch für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund dürfte es schwierig werden, eine Mehrheit für sich und die Positionen seiner Partei zu erreichen. Denn CDU, SPD, Linke und Grüne schlossen vor der Wahl eine Koalition mit der AfD aus. Das BSW lehnt zwar ein formelles Bündnis mit der Partei ab, Die Partei schließt nicht aus, sich bei einem möglichen dritten Wahlgang des Ministerpräsidenten zu enthalten.
Da in Sachsen-Anhalt dann eine einfache Mehrheit genügt, könnte das dem AfD-Kandidaten den Weg ebnen. Zudem hat das BSW bereits angekündigt, sich in bestimmten Themenbereichen wie der Energiepolitik eine projektbezogene Zusammenarbeit mit der AfD vorstellen zu können. Die Partei bevorzugt eine Expertenregierung mit einem überparteilichen, parteilosen Ministerpräsidenten.
Der neu gewählte Landtag muss laut Externer Link: Landesverfassung spätestens 30 Tage nach der Wahl tagen, also am 6. Oktober 2026. Eine Frist zur Wahl des Ministerpräsidenten besteht nicht.
Dieser Beitrag wurde zuerst am 02.09.2026 veröffentlicht und am 08.09.2026 auf Grundlage des vorläufigen amtlichen Endergebnisses aktualisiert.
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