Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt Interner Link: ein neuer Landtag gewählt. Auf die Wahl wird bundesweit mit großer Spannung geblickt. Erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik ist es Externer Link: Umfragen zufolge möglich, dass mit der dortigen AfD eine vom Externer Link: Verfassungsschutz des Landes Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte Partei die absolute Mehrheit der Sitze in einem Landtag erreichen und den künftigen Ministerpräsidenten stellen könnte.
Wer regiert bisher?
Aus der Interner Link: Wahl 2021 ging die CDU mit knapp 37 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervor. Sie regiert seither gemeinsam in einer Koalition mit SPD und FDP. Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt ist seit Januar dieses Jahres der Christdemokrat Sven Schulze. Schulze war zuvor Wirtschaftsminister des Landes und folgt seinem Parteikollegen Reiner Haseloff im Amt, der das Land knapp eineinhalb Jahrzehnte regiert hatte.
Wie wird gewählt?
Der Landtag Sachsen-Anhalts wird alle fünf Jahre gewählt. Interner Link: Die Wählerinnen und Wähler haben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählen sie in den 41 Wahlkreisen eine Kandidatin oder einen Kandidaten direkt in das Landesparlament. Mit der Zweitstimme wählen die Wählerinnen und Wähler eine Partei und bestimmen somit die Verteilung der übrigen Landtagsmandate. Dabei werden nur Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent aller gültigen Zweitstimmen auf sich vereinen können.
Wahlberechtigt sind alle volljährigen Bürgerinnen und Bürger, die im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit sind. Sie müssen ihren Wohnsitz seit mindestens drei Monaten im Land Sachsen-Anhalt haben und dürfen nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sein. Die Altersgrenze für das passive Wahlrecht liegt ebenfalls bei 18 Jahren. Es gilt eine Fünfprozent-Hürde. Mehr Informationen zum Wahlrecht in Sachsen-Anhalt finden Sie in unseren Interner Link: Fakten zur Wahl.
Bei der Wahl am 6. September können ca. 1,69 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Ende vergangenen Jahres lebten in Sachsen-Anhalt rund 2,12 Millionen Menschen.
Bei der Landtagswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 60,3 Prozent. Stärkste Partei wurde die CDU mit 37,1 Prozent vor der AfD mit 20,8 Prozent. Die Linke kam auf 11 Prozent, die SPD auf 8,4 Prozent. Zudem schafften die FDP mit 6,4 Prozent und die Grünen mit 5,9 Prozent der Stimmen den Einzug in den Landtag.
Wirtschaft und Demografie in Sachsen-Anhalt
Die Wirtschaft Sachsen-Anhalts ist stark vom Mittelstand geprägt. 85 Prozent der Unternehmen beschäftigen laut der Externer Link: Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau weniger als zehn Personen, 72 Prozent aller Beschäftigten arbeiten im Mittelstand. Traditionelle Branchen des Bundeslands sind die Chemieindustrie, die Lebensmittel- und Ernährungswirtschaft und der Maschinenbau. Auch in der Automobilzulieferung sowie den erneuerbaren Energien arbeiten viele Menschen – der traditionell wichtige Bergbau hat hingegen sehr an Bedeutung verloren.
Das Wirtschaftswachstum in dem ostdeutschen Bundesland war 2025 leicht rückläufig, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 0,2 Prozent. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete in Sachsen-Anhalt mit einem Minus von 1,8 Prozent ein deutlich größeres Minus als im Bundesdurchschnitt (Minus 1 Prozent). Die IHK führt hohe Kosten für Energie, Arbeit und Bürokratie als Grund für das geringe Wachstum an.
Die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt ist in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft. Allein seit dem Jahr 2000 hat Sachsen-Anhalt fast eine halbe Million Einwohner verloren. Ende 2025 lebten hier rund 2,12 Millionen Menschen in 218 Städten und Gemeinden des Landes. Bis ins Jahr 2040 sind nur noch 1,83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner prognostiziert.
Wer steht zur Wahl?
Die derzeit stärkste Fraktion im Landtag stellt die Interner Link: Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU). In ihrem Wahlprogramm setzt die Partei auf Sicherheit, mehr Wirtschaftswachstum und Verbesserungen im Bildungsbereich. Die CDU will mehr Polizistinnen und Polizisten einstellen und den Sicherheitsbehörden weitere Befugnisse geben. Sie spricht sich für eine Begrenzung der Zuwanderung und für mehr Abschiebungen aus. Die Partei würde gerne die Gemeinschafts- und Sekundarschulen zu einer neuen „Oberschule“ zusammenlegen. Zudem versprechen die Christdemokraten einen Abbau von Bürokratie. CDU-Spitzenkandidat ist der aktuelle Ministerpräsident Sven Schulze. Der CDU drohen große Verluste. In Umfragen kam sie zuletzt auf nur noch 22 bis 23 Prozent der Stimmen und damit bis zu 15 Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis der Landtagswahl 2021.
Zweitstärkste Kraft im Landtag ist aktuell die Interner Link: Alternative für Deutschland (AfD). Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt stuft den Landesverband als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein, unter anderem, weil ihre Programmatik „wesentlich von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus“ durchdrungen sei und auf die „Schaffung ethnisch reiner Gesellschaften“ abziele. Die juristische Klärung der Einstufung ruht derzeit. Politikwissenschaftlich wird die Partei überwiegend als rechtspopulistisch bis rechtsextrem eingeordnet. Die AfD fordert eine „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“ und eine erhebliche Begrenzung der Zuwanderung. Die Partei spricht sich für eine Kehrtwende in der Energiepolitik aus, etwa durch einen Wiedereinstieg in die Kernenergie, den Stopp des Kohleausstiegs und den Bau neuer Gaskraftwerke. Im Falle einer Regierungsübernahme hat die AfD angekündigt, sich im Bundesrat für ein Ende der energiepolitischen Russlandsanktionen einzusetzen und die deutsch-russischen Handelsbeziehungen zu normalisieren. Spitzenkandidat ist Ulrich Siegmund. In Umfragen lag die AfD zuletzt bei bis zu 42 Prozent.
Drittstärkste Partei ist derzeit Interner Link: Die Linke. Sie fordert in ihrem Programm höhere Investitionen in die Infrastruktur und mehr Personal für den Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich. Sie will eine Garantie für Ganztagesbetreuung in öffentliche Schulen sowie beitragsfreie Kitas durchsetzen. Die Partei will mehr öffentlich geförderten Wohnraum schaffen. Die Linke tritt mit der Fraktionsvorsitzenden Eva von Angern als Spitzenkandidatin an. Die Partei kann Umfragen zufolge mit zuletzt 11 bis 13 Prozent mit leichten Zugewinnen rechnen.
Die Interner Link: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) will laut Wahlprogramm den Industriestandort Sachsen-Anhalt stärken. Die Partei setzt sich für faire Löhne durch Tarifbindung mittels des Tariftreue- und Vergabegesetzes ein. Sie fordert mehr Mittel für die Gesundheitsversorgung und den Bildungsbereich, etwa durch die dauerhafte Finanzierung der Schulsozialarbeit aus Landesmitteln. Die SPD will die Energiewende fortsetzen. Ihr Spitzenkandidat ist Armin Willingmann. Letzte Umfragen sehen die Partei bei 8 bis 9 Prozent der Stimmen.
Die Interner Link: Freie Demokratische Partei (FDP) fordert unter anderem Sonderwirtschaftszonen, zum Beispiel für den Chemiestandort Leuna. Sie will Bürokratie abbauen, Genehmigungen beschleunigen und die Verwaltung digitalisieren. Sie möchte im Bildungssystem die IT- und Medienkompetenz stärken. Umfragen sehen die Liberalen bei lediglich 3 Prozent. Die Partei könnte demnach den Wiedereinzug ins Landesparlament verpassen. Spitzenkandidatin ist die Landesvorsitzende und Ministerin für Infrastruktur und Digitales Lydia Hüskens.
Interner Link: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) beschreiben in ihrem Wahlprogramm die Leitlinien Schutz natürlicher Lebensgrundlagen, Klimaschutz, sozialer Zusammenhalt und Chancengerechtigkeit. Die Partei will die Wind- und Solarenergie weiter ausbauen und fordert ein verbindliches Klimaschutzgesetz. Die GRÜNEN wollen unter anderem die Gleichstellung sowie Antidiskriminierung voranbringen und die Demokratie stärken. Die Partei erreichte bei den letzten Umfragen 6 Prozent. Zur Wahl tritt sie mit ihrer Co-Landesvorsitzenden Susan Sziborra-Seidlitz als Spitzenkandidatin an.
Chancen, in den Landtag einzuziehen, hat die Partei Interner Link: Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW). In Umfragen lag das BSW zuletzt zwischen 3 und 4 Prozent. Die Partei unterstützt ein stärkeres wirtschaftspolitisches Eingreifen des Staates und lehnt höhere Militärausgaben und die Wehrpflicht ab. Zudem tritt für niedrigere Energiepreise ein, für die sie auch Verhandlungen mit Russland befürwortet. Zur Wahl tritt sie mit dem Spitzenduo Claudia Wittig und Thomas Schulze an.
Aussagekraft und Genauigkeit von Umfragen zu Wahl
Umfragen liefern vor allem ein Stimmungsbild zum Zeitpunkt der Befragung – sie sind keine Prognose des endgültigen Wahlausgangs. Geringe Veränderungen oder Unterschiede zwischen zwei Erhebungen können innerhalb der statistischen Unsicherheit liegen. Ob es sich um einen tatsächlichen Trend handelt, lässt sich dann nicht eindeutig sagen. Rückschlüsse auf das Wahlverhalten oder Entwicklungen bis zum Wahltag sind auch mit Blick auf die Wahlberechtigten ohne feststehende Wahlpräferenz nur begrenzt möglich.
Gerade bei Parteien, die nahe an der Fünf-Prozent-Hürde liegen, können kleine statistische Abweichungen erheblichen Einfluss auf die Interpretation haben. Infratest dimap und die Forschungsgruppe Wahlen, die an den Wahltagen die Analysen und Hochrechnungen des Wahlergebnisses bei ARD und ZDF liefern, geben den Fehlerbereich bei Werten von 40 bis 50 Prozent mit etwa drei Prozentpunkten und für Werte von 10 Prozent mit etwa zwei Prozentpunkten an.
Was sind die wichtigsten Themen im Wahlkampf?
Zentrales Thema im Wahlkampf sind die hohen Umfragewerte der AfD und damit verbundene mögliche Regierungsbildungen. Eine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag wäre dann möglich, wenn Parteien mit niedrigen Umfragewerten wie GRÜNE, BSW und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Auch deswegen war die Sperrklausel zuletzt Gegenstand von Diskussionen. Auch Forderungen der AfD standen immer wieder im Zentrum des Wahlkampfs, beispielsweise die nach einer Kündigung der Rundfunkstaatsverträge.
Als wichtigste Probleme in Sachsen-Anhalt nannten Befragte in einer Externer Link: Umfrage im Juli 2026 die Themen Migration, Bildung und Wirtschaft. In der Migrationspolitik stehen Forderungen nach restriktiven Maßnahmen neben Strategien, gezielt internationale Fachkräfte anzuwerben und Integration etwa durch verbesserten Zugang zu Sprachkursen zu fördern.
In der Bildungspolitik war etwa der Lehrermangel Thema, der in Sachsen-Anhalt wie in anderen Bundesländern vorherrscht. Jeder zehnte Schüler verlässt die Schule ohne einen anerkannten Hauptschulabschluss. Auch der Betreuungsschlüssel in den Kitas wurde diskutiert: Wegen der sinkenden Geburtenzahl gibt es Forderungen, diesen zu senken.
Die schwache Wirtschaft und die Verkehrspolitik wurden ebenfalls thematisiert – so etwa das schlechter werdende Bahn- und Busnetz. Auch die die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Abwanderung junger Menschen spielten im Wahlkampf eine Rolle.
So könnte es nach der Wahl weitergehen
Die bisherige schwarz-rot-gelbe Koalition dürfte Umfragen zufolge ihre Mehrheit verlieren. Unklar ist, was aus den hohen Zustimmungswerten für die AfD, die sich abzeichnen, folgt. Fast alle Parteien, die laut Umfragen im neuen Landtag vertreten sein könnten, schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus – die Christdemokraten wollen überdies nicht mit den Linken zusammenarbeiten. Im Gespräch ist deshalb auch eine christdemokratisch geführte Minderheitsregierung – diese würde dann aber vermutlich voraussetzen, dass die Linke einen CDU-Politiker zum Ministerpräsidenten wählt.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass die AfD auch ohne absolute Mehrheit den Regierungschef stellt. Zwar schließt auch das BSW eine formelle Koalition mit der AfD aus – sie präferiert eine Expertenregierung mit einem überparteilichen, parteilosen Ministerpräsidenten. Die von Sahra Wagenknecht gegründete Partei will aber keinesfalls einen CDU-Ministerpräsidenten stützen und schließt nicht aus, sich bei einem möglichen dritten Wahlgang zu enthalten, was dem AfD-Kandidaten den Weg ebnen könnte.
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