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12.5.2020

Einstieg: Bewegtbild und politische Bildung

Vom Erstwähler Sido, über die "ahnungslosen" TV-Stars Joko und Klaas bis hin zu Community-Projekten wie "YouTuber gegen Nazis" - in der TV und Webvideoarbeit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb hat sich viel getan in den letzten zehn Jahren. (© bpb)

Erreichen von spezifischen Zielgruppen

Ausgehend von den Lebenswelten und Mediengewohnheiten unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, hat die bpb in den letzten Jahren den Arbeitsbereich "Bewegtbild und politische Bildung" etabliert. Hierrunter fallen, neben den vielfältigen multimedialen Angeboten auf bpb.de, insbesondere Projekte in den Bereichen TV und Webvideo/Social Web.

Hintergrund der Entwicklung dieses Arbeitsfeldes ist die Notwendigkeit, neben meist leicht erreichbaren und bereits durch die bpb angesprochenen Zielgruppen – etwa durch "klassische" Bildungsformate, wie Veranstaltungsreihen oder Printpublikationen –, weitere gesellschaftliche Gruppen zu adressieren, die kein ausgeprägtes Interesse an Politik oder Motivation für politische Bildungsprozesse kennzeichnet.

Seit 2006 werden entsprechend unterhaltungsorientierte Lern- und Vermittlungsangebote entwickelt. Diese werden entlang der Medien,- Freizeit- und Konsumorientierung der Zielgruppen konzipiert und fügen sich in ihre spezifische Lebenswelten ein. Konzeption und Produktion dieser Medienangebote basieren auf aktuellen und fundierten (sozial-)wissenschaftlichen Erkenntnissen und wissenschaftlich erhobenen Daten, um möglichst "passgenau" die Interessen und die Lebenslagen der anzusprechenden Zielgruppen zu treffen; bei Bedarf werden begleitende Studien beauftragt, die methodische und inhaltliche (Weiter-)Entwicklungen ermöglichen.

Lernen mit Fernsehen, YouTube und sozialen Medien

Für das aktuelle Mediennutzungsverhalten und die Rezeptionsgewohnheiten der bundesrepublikanischen Gesellschaft ist zu konstatieren, dass lineare Fernsehangebote zwar nicht weniger genutzt werden, als noch vor einigen Jahren, ihre Nutzung allerdings in den Altersgruppen inzwischen sehr unterschiedlich ausfällt: Die 14- bis 35-Jährigen nutzen fast ausschließlich internetbasierte Bewegtbildangebote, bei älteren und berufsaktiven Zielgruppen ist dies eher umgekehrt. Diese Erkenntnisse müssen seitens der politischen Bildung aufgenommen und bei der Entwicklung neuer Formate berücksichtigt werden.

Unterschiedliche Studien (etwa JIM Studie 2019 [1], ARD ZDF Online Studien [2]) zeigen, dass insbesondere die Plattform YouTube von Jugendlichen aufgesucht wird. Die YouTube-Studie des Rats für Kulturelle Bildung [3] zum Beispiel macht deutlich, dass YouTube der präferierte Ort für Jugendliche ist, wenn es um die Suche nach Information und Unterhaltung, aber auch um das schulische Lernen geht. Der aktuelle Digital News Report des Oxford Reuters Institutes [4] sieht zudem eine wachsende Zunahme der Nachrichtennutzung via Videoportale oder soziale Medien wie YouTube.

In diesem Feld digitaler, non-linearer Angebote entwickelt, produziert und distribuiert die bpb bereits seit 2012 Bewegtbildformate auf entsprechenden Videoplattformen, vornehmlich auf YouTube und den sozialen Netzwerken, insbesondere Facebook, Instagram und Twitter. Seitdem wurden zahlreiche Formate mit insgesamt mehr als 15 Mio. Videoaufrufen nebst begleitender Community-Kommunikation konzipiert und veröffentlicht.

Extremismusprävention, Bewegtbild und politische Bildung

Seit vielen Jahren engagiert sich die bpb mit unterschiedlichen Ansätzen und Projekten an der Schnittstelle zwischen Extremismusprävention und politischer Bildung. Das Internet sowie Social Web sind hier spezifische Ansatzpunkte für eine politische Bildung, die ihren Auftrag "demokratisches Bewusstsein zu festigen und politische Teilhabe zu fördern, als einen Beitrag gesamtgesellschaftlicher Prävention“ begreift, ohne dabei "insbesondere junge Menschen und junge Erwachsene als ‚Demokratiegefährderinnen oder Demokratiegefährder‘ im Sinne einer falsch verstandenen Extremismusprävention" [5] zu adressieren. Innerhalb dieses Rahmens wurden die Webvideoprojekte "Jamal al-Khatib“, "Say My Name“ "Reflect Your Past“ und "#ImKäfig“, unter fachwissenschaftlicher Begleitung aus der Extremismus- und Radikalisierungsforschung und der politischen Bildung, entwickelt und fortlaufend realisiert. Insbesondere die Notwendigkeit pluraler politischer und religiöser Deutungsangebote, ihrer Vermittlung an junge Zielgruppen sowie die wichtige Rolle politischer Bildung als Instrument für gesellschaftliche Teilhabe [6], bilden hier – wie in den Bereichen TV und Social Web – den Ausgangspunkt der Bewegtbildarbeit.

Fußnoten

1.
https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2019/JIM_2019.pdf
2.
http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/
3.
https://www.rat-kulturelle-bildung.de/fileadmin/user_upload/pdf/Studie_YouTube_Webversion_final.pdf
4.
http://www.digitalnewsreport.org/
5.
Krüger, Thomas. "Politische Bildung – extrem". In: Brahim Ben Slama, Uwe Kemmesies (Hrsg.) (2020): Handbuch Extremismusprävention – Gesamtgesellschaftlich. Phänomenübergreifend. Wiesbaden: Bundeskriminalamt 2020, 701-704. Online verfügbar unter http://www.handbuch-extremismuspraevention.de
6.
Vgl. "Nationale Präventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus" (NPP): https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/themen/sicherheit/praeventionsprogramm-islamismus.pdf?__blob=publicationFile&v=2