Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Heterogenität in Schule und Unterricht

Heterogenität meint mehr als nur unterschiedliche Herkunftsländer und Milieus in einer Lerngruppe. Prof. Dr. Jürgen Budde erläutert den Begriff und skizziert, wie differenzsensible Lehre gelingen kann.

Verschiedenfarbige LöwenzahnpflanzenWas als heterogen angesehen wird, ist das Ergebnis sozialer Konstruktionen. (Monsterkoi / bearbeitet / pixabay / Lizenz: CC0)

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Kurz & knapp:

  • Heterogenität meint in der Schule neben Unterschieden in Bezug auf etwa Geschlecht, Ethnizität, Milieu oder Behinderung auch lern- und leistungsbezogene Differenzen und lässt sich Jürgen Budde zufolge auch auf Bildungsungleichheiten beziehen.
  • Soziokulturelle Differenzen lägen demnach nicht außerhalb der Schule, sondern würden durch Schulstrukturen und Unterricht mit erzeugt.
  • Offene Unterrichtspraxis und differenzsensible Lehrkräfte könnten beim Umgang mit Heterogenität in der Schule helfen – doch an beidem gibt es Kritik.


Mit Heterogenität sind meist Unterschiede zwischen Personen aufgrund sogenannter soziokultureller Differenzkategorien wie Geschlecht, Ethnizität, Milieu oder etwa Behinderung gemeint. Dabei wird wiederholt darauf hingewiesen, dass diese Kategorien in Deutschland häufig auch mit Bildungsungleichheiten einhergehen. In der Schule werden unter dem Stichwort Heterogenität allerdings auch lern- und leistungsbezogene Unterschiede verstanden (beispielsweise zwischen Hochbegabten und Lernenden mit Förderbedarf). Unter dem Stichwort Intersektionalität wird wiederum die Verwobenheit unterschiedlicher Differenzkategorien miteinander untersucht – also etwa das Zusammenwirken von Geschlecht und Herkunft.

Heterogenität als erziehungswissenschaftliches Konzept

In den letzten Jahren ist es im Schulsystem zu einer Umorientierung gekommen. Wurde Schule lange Zeit vor allem als homogenisierende Institution angesehen (vgl. Tillmann 2008), kann aktuell von einer "Heterogenitätsorientierung" (Budde 2015) als neuem Paradigma gesprochen werden. Dies eröffnet auf der Ebene von Chancengleichheit, Anerkennung sowie der Reformierung des Unterrichts neue Möglichkeitsräume. Allerdings greift die Vorstellung zu kurz, dass Schülerinnen und Schüler an sich "heterogen seien", denn Unterschiede sind keine individuellen Eigenschaften, sondern Resultat sogenannter sozialer Konstruktionen. Was nämlich jeweils als heterogen angesehen wird, ist das Ergebnis sozialer Vorstellungen. Bekannt ist in Forschungskreisen in diesem Zusammenhang der Begriff des "doing differences" (Fenstermaker/West 2001), der den sozialen Konstruktionscharakter von Differenzen betont und Heterogenität als einen sozialen Prozess der gegenseitigen Aushandlung zwischen Personen versteht – und nicht als natürliche Tatsache (vgl. Budde 2012). Entsprechend liegen soziokulturelle Unterschiede nicht außerhalb der Schule, sondern werden neben schulstrukturellen Bedingungen durch pädagogisch-didaktisches Handeln, schulische Leistungskonzepte sowie die Einstellungen von Lehrkräften mit erzeugt.

Spannungsfeld aus Differenz, Universalität und Individualität

Weiter kann Heterogenität nur in einem bezugnehmenden Verhältnis zu Homogenität existieren. In sozialen Vergleichen entstehen Gleichheit und Differenz, die dabei jeweils mit spezifischen Bedeutungen und Wertungen aufgeladen werden. Was jeweils in der Schule als Gleichheit oder Differenz wahrgenommen und wie es bewertet wird, fällt je nach Kultur, Epoche, Schulart oder Schulkultur unterschiedlich aus. Darüber hinaus ist Heterogenität eingebettet in ein Spannungsfeld aus Differenz, Universalität und Individualität. Schule ist dem universalistischen Anspruch der Gleichheit verpflichtet und richtet sich – gerade in Absehung von soziokulturellen Differenzkategorien – an alle Schülerinnen und Schüler in gleichem Maße. Ohne diesen Anspruch wäre das Schulsystem gar nicht zu legitimieren. Heterogenität steht jedoch ebenfalls spannungsreich zur Individualität der je einzelnen Schülerinnen und Schüler. So sind die Schülerinnen und Schüler beispielsweise je nach Geschlechtszugehörigkeit unterschiedlich. Gleichzeitig sollen alle Schülerinnen und Schüler gleichbehandelt werden. Allerdings sind Schülerinnen und Schüler auch individuell unterschiedlich. Bei der Leistungsbewertung zeigt sich das gleiche Problem, da Leistungen an individuellen wie allgemeinen Maßstäben zugleich gemessen werden und zusätzlich oftmals auch Differenzkategorien eine implizite oder explizite Rolle spielen. Die drei Pole des Spannungsfelds lassen sich dabei nicht einfach aufheben, sondern verweisen aufeinander. Zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass Heterogenität mit Machtverhältnissen verknüpft ist. Die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler führt zu bestimmten sozialen Positionierungen in Schule und Gesellschaft. Deswegen sind auch Vorstellungen fragwürdig, Heterogenität allein durch einen anderen Umgang in der Schule angemessen bearbeiten zu können.

Umgang mit Heterogenität im Unterricht

Um der Heterogenität der Lernenden gerecht zu werden, werden unterschiedliche Maßnahmen vorgeschlagen. Besonders verbreitet ist die Veränderung der Unterrichtspraxis. Offener Unterricht als individualisiertes, kooperatives, selbstgesteuertes und binnendifferenziertes Lernen gilt als Bezugspunkt zeitgemäßer Didaktik, welcher der Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler besser entgegenkomme. Damit können sowohl alternative Arbeitsformen, etwa individualisiertes Lernen, als auch alternative Beurteilungsformen sowie binnendifferenzierte Leistungsniveaus gemeint sein. Insbesondere der Projektunterricht mit seinen Möglichkeiten zum selbsttätigen, entdeckenden und partizipativem Lernen bietet hier weiterreichende Perspektiven. In der Summe zielt ein offenerer Unterricht darauf, dass Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Tempo an für sie relevanten Gegenständen auf ihrem Fähigkeitsniveau mit ihnen angemessenen Methoden lernen (Bohl/Kucharz 2010). In der Tat veränderte sich insbesondere der Grundschulunterricht in den letzten Jahrzehnten erheblich in diese Richtung. Darüber hinaus bietet der jahrgangs- und fächerübergreifende Unterricht weitere strukturelle Möglichkeiten, Unterricht stärker an den individuellen Schülerinnen und Schülern zu orientieren. Allerdings wird an dieser Entwicklung auch Kritik formuliert. Zum einen bedarf ein solcher Unterricht besonderer didaktischer und sozialer Kompetenzen der Lehrpersonen, die allerdings in allen Phasen der Lehrerbildung noch wenig gefördert werden. Zum anderen wird kritisiert, dass die Fachorientierung des Unterrichts tendenziell durch eine Überbewertung der reinen Performanz der Lernenden ersetzt wird (Stichwort Form vor Inhalt). Zum Dritten kann die gemeinschaftsstiftende Funktion der Klasse in den Hintergrund treten, sodass zusätzlich an zahlreichen Schulen soziales Lernen implementiert als Fach eingeführt wird (Budde/Weuster 2018).

Differenzsensible Lehre durch Fortbildung

Ein anderer Ansatz ist die Sensibilisierung von Lehrkräften für den Umgang mit Heterogenität. So kann sowohl im Studium als auch in Fortbildungen die Haltung von Lehrerinnen und Lehrern reflektiert werden, um der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler differenzsensibel zu begegnen. An diesen Maßnahmen wird kritisiert, dass sie "durch die Hintertür" zu einer Verstärkung von Differenzen führen können, da die Differenzkategorien zugrunde gelegt und dadurch reproduziert werden.

Zu bedenken ist, dass Bildungsungleichheiten schwerlich allein durch geänderte Einstellungen oder differenzierten Unterricht aufgelöst werden können. Die Pädagogisierung sozialer Probleme kann zwar dazu beitragen, in der Schule anerkennende Verhältnisse zu schaffen, aber Ungleichheiten beseitigen kann dies nicht. Im Gegenteil: Das Festhalten am mehrgliedrigen Schulsystem oder die zum Teil prekäre Umsetzung von Inklusion verweisen darauf, dass ein Umgang mit Heterogenität immer die Individuen und die sozialen Strukturen zugleich betrifft. Diese Strukturen müssten zum Teil auch jenseits von Schule und Unterricht geändert werden. Im alltäglichen Umgang weisen Konzepte wie "reflexive Koedukation" (Faulstich-Wieland 2016) oder "reflexive Inklusion" (Budde /Hummrich 2013) in eine richtige Richtung.

Literaturverzeichnis

Bohl, Thorsten; Kucharz, Diemut (2010): Offener Unterricht heute. Konzeptionelle und didaktische Weiterentwicklung. Weinheim: Beltz.

Budde, Jürgen (2012): Problematisierende Perspektiven auf Heterogenität als ambivalentes Thema der Schul- und Unterrichtsforschung. In: Zeitschrift für Pädagogik 58 (4), S. 522-540.

Budde, Jürgen (2015): Heterogenitätsorientierung. In: Jürgen Budde, Nina Blasse, Andrea Bossen und Georg Rißler (Hg.): Heterogenitätsforschung. Weinheim: Beltz, S. 19-37.

Budde, Jürgen; Hummrich, Merle (2013): Reflexive Inklusion. In: Zeitschrift für Inklusion 8 (4). Online verfügbar unter http://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/193/199.

Budde, Jürgen; Weuster, Nora (Hg.) (2018): Erziehung in Schule – Persönlichkeitsbildung als Dispositiv. Wiesbaden: Springer VS.

Fenstermaker, Sarah; West, Candace (2001): Doing difference revisited. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (Sonderheft 41), S. 236-249.

Geißler, Rainer (2005): Die Metamorphose der Arbeitertochter zum Migrantensohn. In: Peter A. Berger und Heike Kahlert (Hg.): Insitutionalisierte Ungleichheiten. Weinheim: Juventa, S. 71-102.

Faulstich-Wieland, Hannelore (2006): Reflexive Koedukation als zeitgemäße Bildung. In: Hans-Uwe Otto (Hg.): Zeitgemäße Bildung. Herausforderung für Erziehungswissenschaft und Bildungspolitik. München u.a.: Reinhardt, S. 261–274.

Tillmann, Klaus-Jürgen (2008): Die homogene Lerngruppe - oder: System jagt Fiktion. In: Hans-Uwe Otto und Thomas Rauschenbach (Hg.): Die andere Seite der Bildung. 2. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag, S. 33-39.

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Kommentare anderer Nutzer

Manfred Kerber | 04.04.2018 um 16:03 [Antworten]

Konkrete Unterrichtsbeispiee

Mit dem Thema Heterogenität in Schule und Unterricht habe ich täglich zu tun und suche nach konkreten Unterrichtsbeispielen.

Wer hat welche?

Prof. Dr. Georg Lind | 04.04.2018 um 18:44 [Antworten]

Differenzsensibler Unterricht

Warum wird alles so kompliziert und für viele Lehrer abschreckend formuliert? Warum sagt dazu nicht einfach schüler-orientierter oder offener Unterricht, wie es Hannelore Zehnpfennig und Falko Peschel getan und vorbildlich vorgemacht haben? Ihre publizierten Erfahrungen und Studien gehören unbedingt genannt. Auch bedarf es keiner akademischen Verrenkungen, um offenen Unterricht zu verteidigen. Alle Kinder sind verschieden, nicht nur einige! Er ist die einzige Unterrichtsform, die das Recht aller Kinder auf individuelle Förderung einlöst. Sie ist die einzige, die Kinder zu mündigen Bürgern macht, statt sie an differenzierten Lehrplänen zu gängeln, und auch die einzige, die sie auf die Vielfalt der Lebensanforderungen vorbereitet.
Gewiss, dies ist zunächst nur einfach gesagt. Aber offener Unterricht ist tatsächlich einfach, wenn man als Lehrperson im Studium darauf vorbereitet wird, statt seine Zeit in nutzlosen Referats-Seminaren verplempern zu müssen, die jeder modern Didaktik Hohn sprechen. Individualisierter Unterricht muss schon im Studium anfangen. Ich habe die Anregungen von Zehnpfennig und Peschel mit großem Erfolg in meinen Seminaren für Lehramt-Studierende angewandt. Diese selbst-bestimmten Workshop-Seminare haben sie stark zum Lernen motiviert und eine deutliche, messbare Förderung ihrer Moralkompetenz erbracht.

Nikolai Lücker | 05.04.2018 um 00:28 [Antworten]

Budde- Heterogenität in Schule und Unterricht

Gut. Die Analyse der Spannungsfelder, die tagtäglich in Schule von Lehrenden, Betreuenden, Schulleitungen und den Lernenden selbst erlebt und bewältigt werden müssen, wird gut dargestellt. Auch die damit verbunden Herausforderungen - um das schlimme Wort "Probleme" zu umgehen - sind erfasst. Allerdings erkenne ich, wie so häufig in den so genannten Bildungsdebatten, nur wenig Rat und Empfehlung, wie Unterricht und Schule mit SchülerInnen zu gestalten sei, wenn alle Ansprüche erfüllt werden sollen: Förderung und Forderung unterschiedlicher Begabungen bzw. Entwicklungspotenziale, Ermöglichen und Angleichen verschiedener kultureller Prägungen Demokratieerziehung z.B., Differenzierung von Unterricht bei gleichzeitiger Vergleichbarkeit des Kompetenzniveaus und der Schulabschlüsse... Und wie lässt sich die Auswikrungen der realen Unterrichts-Situation in einem Bildungssystem verwirklichen, das schon 10-jährige Kinder - die bestenfalls im zweiten Quartal ihrer schulischen Lernkarriere sind - mit den Grundschulempfehlungen Schulformen zuweist bzw. dahinein selektiert.
Zu den vielen Aufgaben, die Schule als pädagogische Institution zu leisten hat, kommen jährlich weitere, die viel Zeit kosten, aber wenig Nutzen erbringen. Keine einzige "Qualitätsanalyse", kaum eine Maßnahme zur Leseförderung und auch die vielen zeitraubenden Evaluationen und Erhebungen haben einen spürbaren Effekt. Deutschland bleibt bei PISA, OECD und sonstigen internationalen Vergleichsuntersuchungen weit hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück.
Das wird auch so bleiben, wenn das Bildungssystem keiner Diskussion und Reform unterzogen wird, die mutig ist, modern und großzügig ausgestattet wird und für die alle Beteiligten - Schüler, Eltern, Lehrer, Politker, Medien, Kirche und auch Wirtschaft ihren Beitrag erkennen und leisten.

Angela Merkels polarisierendes Diktum "Wir schaffen das" wünsche ich mir an dieser Stelle: Eine Schule, in der das Lernen allen Freude bereitet, Schüler sich selbst und den Stoff entdecken und verstehen lernen, aus jedem Scheitern Erfolg erwachsen kann...

Tanja Malottke | 05.04.2018 um 11:24 [Antworten]

Heterogenität in Schule und Unterricht

Offene und individualisierte Unterrichtsformen wie Projektarbeit, Stationenlernen und differenzierende Methoden wie Think-Pair-Share [Link]http://www.bpb.de/lernen/grafstat/grafstat-bundestagswahl-2013/148908/think-pair-share[/Link] können den Lernbedürfnissen der Schüler und damit der Heterogenität in Schulklassen entgegenkommen. Da stimme ich dem Autor uneingeschränkt zu. Aus eigener Erfahrung kann ich aber auch seine Kritik nur unterstreichen, dass die Performanz, also die Darstellungsformen und nicht mehr die Unterrichtsinhalte in den Vordergrund rücken. Offene Unterrichtsformen erhöhen zwar die Intensität der Beschäftigung mit den Unterrichtsinhalten, jedoch nur bei denjenigen, die ohnehin das Thema verstehen und es gewohnt sind, Inhalte selbständig zu erarbeiten. Eine reflektierende Ebene und damit eine Lernprogression erreicht man aber oft nur im Austausch mit anderen Lernenden bzw. mit der Lehrperson. Verzicht auf das gemeinsame Unterrichtsgespräch bedeutet Verzicht auf Reflektieren des Lernmaterials und Verzicht auf Erkenntnisgewinn durch Hinterfragen und Beurteilen der Inhalte. Dies ist einerseits in den sprachlich-gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Grundlage für die Etablierung kritischen Denkens, andererseits in den naturwissenschaftlich-mathematischen Fächern Grundlage für einen Lernzuwachs.

Hinzu kommt jedoch noch der Aspekt der Materialaufbereitung, die für heterogene Lerngruppen notwendig ist. Jede Lehrkraft weiß aus dem Referendariat, wie aufwendig die Stundenvorbereitung für die Binnendifferenzierung ist. Da werden Hilfskärtchen für schwächere Lerner erstellt und Zusatzmaterial für schnelle Denker ausgegeben. Ein Zeitaufwand, der nach der Lehrerausbildung bei voller Stelle und vollem Korrekturaufwand, Klassenleitung, Konferenzen, Elternsprechtagen etc. kaum noch zu leisten ist. Angesichts der Materialkosten, die die Lehrkraft oft selbst zu tragen hat, denn oft sind die Schulträger, Städte und Kreise, finanziell nicht gut aufgestellt, wird die Herausforderung Heterogenität schnell zum unüberwindbaren Hindernis. Sozialpädagogen, die milieubedingte Probleme auffangen könnten, so dass sich die Lehrperson auf ihren Job, nämlich das Unterrichten, konzentrieren kann, fehlen oft. Die Lehrkraft fühlt sich schnell alleingelassen. Es ist bequem und billig, den Fokus auf die Lehrer zu setzen und eine Lehrerfortbildung bereitzustellen. Wir haben alles getan, um der wachsenden Heterogenität an Schulen gerecht zu werden. Die Lehrkraft als Wundertüte. Das ist oft die Forderung. Unterstützung, um das politisch gewollte auch adäquat umsetzen zu können, fehlt. Motiviert das zu einem Ja! in der Arbeit mit wachsender Heterogeniät?

Ramona Pfenning | 05.04.2018 um 11:58 [Antworten]

Wer Flexibilität fordert muss sie auch ermöglichen

Vielen Dank für die umfassende Darstellung von Heterogenität im Unterricht. Inklusion ist möglich und ihre Kritik in den einzelnen Punkten ist richtig formuliert. Lediglich der Aspekt der Möglichkeit dies als Lehrkraft bewältigen zu können fällt mir zu knapp aus. Ich bin Lehrerin und gebe täglich mein bestes heterogene Klassen individuell zu fördern. Bei aktuell 30 Schülern in meiner Klasse ist das nicht zu schaffen. Ich bin an meinem Arbeitsmaximum angekommen, denn für jede Unterrichtsstunde benötige ich dreimal so viel Vorbereitung durch inklusive Beschulung, trotz der Lernhilfebetreuer im Unterricht. Wie lange schafft man es wohl täglich bis 0.00 Uhr zu arbeiten und morgens wieder voll fit zu sein? Es gibt nichts schöneres als in meinem Beruf arbeiten zu dürfen, trotzdem habe ich auch eigene Kinder, die nicht irgendwann Tante statt Mama zu mir sagen sollen, weil ich keine Zeit für sich habe. Ich fordere deshalb die Begrenzung der Schülerzahl auf maximal 16-23 je nach Schulform und Grad der in der Klasse heterogen beschulten Kinder.
Wenn wir als Lehrkräfte flexibel sein sollen muss auch das System flexibel und Anpassungsfähig sein.

Wenzlawski | 05.04.2018 um 12:23 [Antworten]

Heterogenität in Schule und Unterricht

Als Mann der Praxis in Schule +! Lehrerbildung habe ich lernen dürfen: viele Ansätze zur Differenzierung des Unterrichts mit inkludiertem Mehrarbeitsaufwand verlieren sich in Verästelungen der in der Praxis dabei neu entstehenden Probleme. Letztendlich stehen von Eltern ungeduldig gemachte Lehrkräfte vor ihrem Scherbenhaufen dabei verlorengehender Fach-und Diziplinkompetenz und werfen hin.
Nein, sie finden einen Ausweg, der inzwischen beklagenswert ist: Sie geben vermehrt zu gute Noten, um aus ihrem persönlichen und gesellschaftlich erzeugten Dilemma das vermeintlich Beste zu machen.
Inzwischen fällt das den Universitäten und Lehrhern auf. Die reklamieren sowohl ausufernde Unkenntnisse wie in Elternhaus und Schule eingeübtes Anspruchsverhalten ihrer Klientel.
Hier sind wir als Gesellschaft politisch zuständig und nicht allein die Schule, Lehrkräfte und der Unterricht.


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