Bildung im digitalen Wandel

Leonie Meyer am 24.03.2021

Wie das Fernlernen den Alltag von Schülerinnen und Schülern beeinflusst

Die Corona-bedingten Schulschließungen haben nicht nur den Alltag von Lehrkräften geprägt, auch Schülerinnen und Schüler sind ganz wesentlich betroffen. Wir haben nachgefragt: Wie lief der Unterricht während der zweiten Schulschließung im Vergleich zur ersten?

Alfred Goldmann, 17 Jahre, Gymnasium, Sachsen

Junge mit Brille sitzt auf Sofa.Schüler Alfred Goldmann. (© privat)
"Grundsätzlich fehlen natürlich der persönliche Umgang in Gruppenarbeiten und spontane Unternehmungen mit Freunden nach der Schule. Trotzdem kam der zweite Lockdown nicht so plötzlich, weshalb Schüler und Lehrer jetzt eingespielter sind. Der Austausch und die Kommunikation findet häufiger statt und über den Sommer haben wir ein neues IT-System bekommen, sodass vermehrt Videokonferenzen stattfinden und die Aufgabenformate spannender sind."

Anouk, 7 Jahre, Inklusive Grundschule, Berlin

Junges Mädchen mit braunen Haaren vor blauem Hintergrund.Schülerin Anouk (© privat)
"Was gut läuft, ist, dass ich zuhause mehr Pause machen kann. Was nicht so gut lief, war, dass Mama manchmal mit mir schimpfen musste. Während die Schule geschlossen war, fand ich nicht so toll, dass ich viel länger Hausaufgaben machen musste. Das war riesig anstrengend."

Kyra Erdmann, 16 Jahre, Gymnasium, Nordrhein-Westfalen

"Da meine Schule keine Probleme mit der technischen Ausstattung hat, läuft das Homeschooling recht gut. Meiner Meinung nach wird bei den Aufgaben teilweise keine Rücksicht genommen und ziemlich viel aufgegeben. Man merkt: Die zweite Schulschließung ist schon etwas anspruchsvoller, da der Unterricht jetzt auch zur Leistungsbewertung beiträgt. Allgemein läuft aber alles, und es ist sehr angenehm."

Timke Klinker, 18 Jahre, Gymnasium, Bayern

Junge mit Brille und blonden Haaren.Schüler Timke Klinker (© privat)
"Seit der zweiten Schulschließung läuft einiges besser: die Notengebung, allgemeine Technikkompetenzen, Unterrichtsgestaltung, Kommunikation, Offenheit für Verbesserungsvorschläge. Gut läuft größtenteils auch die Kommunikation zwischen Lehrenden und Schülerinnen und Schülern, das Übermitteln der Arbeitsaufträge, Anpassung der Arbeitsaufträge an den Online Unterricht (z.B. durch Video-/Audioaufträge, eBooks, Kurz-Podcasts, etc.). Nicht so gut läuft das Einhalten der Unterrichtszeiten und die Menge an Arbeitsaufträgen. Das Motto 'Ihr seid doch eh zu Hause, da habt ihr doch viel mehr Zeit' schwebt immer noch bei vielen Lehrerinnen und Lehrern herum. Die Stoffmenge ist teilweise immer noch utopisch hoch und manche Lehrkräfte verweigern Onlinekonferenzen und laden stur Blätter mit Stoff hoch."

Schwarz-weiß Foto eines lacheden Mädchens mit langen Haaren, das auf einer Wiese sitzt.Schülerin Chatya Lehmann (© privat)
Chatya Lehmann und Paula Gimmler, beide 15 Jahre, Gemeinschaftsschule, Saarland

"Der Unterricht im zweiten Lockdown ist um einiges organisierter als im ersten, da die Lehrerinnen und Lehrer sich sowohl untereinander als auch mit uns mehr austauschen. Die Technik bereitet nur selten Probleme. Viel mehr belasten uns die Aufgaben, deren Menge oft unterschätzt wird. Zudem dürfen Arbeiten im zweiten Lockdown benotet werden."
Selfie eines Mädchens mit braunen Haaren.Schülerin Paula Gimmler (© privat)







Paul Giez, 17 Jahre, Gymnasium, Nordrhein-Westfalen

"Positiv ist auf jeden Fall, dass ich jeden Tag mehrere Videokonferenzen mit meinen jeweiligen Fachlehrerinnen und -lehrern habe und der Kommunikationsfluss für Fragen auch außerhalb der Konferenzen vorhanden ist. Andererseits ist einiges ziemlich chaotisch: Aufgaben und Informationen kommen auf unterschiedlichen Plattformen, Abgabedaten sind uneinheitlich, die Medienkompetenz ist oft nicht so ausgereift und vielen Lehrerinnen und Lehrern ist nicht bewusst, was sie für Möglichkeiten mit den Medien haben. Bei der ersten Schulschließung gab es nur trockene Aufgaben und das war’s – was das angeht hat sich viel geändert."

Jonas Markwart, 11 Jahre, Gesamtschule, Nordrhein-Westfalen

Junge mit kurzen blonden Haare vor blauem Hintergrund.Schüler Jonas Markwart (© privat)
"Der Distanzunterricht läuft gut. Unsere Schule ist gut aufgestellt, daher habe ich keine Probleme beim Lernen. Ich habe regelmäßige Videokonferenzen mit den Lehrerinnen und Lehrern und wir können auch immer Fragen stellen über den Messenger. Insgesamt bin ich mit dem Distanzlernen zufrieden, aber ich gehe lieber in die Schule."





Justus Menzel, 13 Jahre, Gymnasium, Berlin

"Die Plattform, die wir an meiner Schule nutzen, funktioniert besser als bei der ersten Schließung (es gibt z.B. weniger Wartungen). Die Lehrerinnen und Lehrer bewerten gerade deutlich strenger als bei der ersten Schulschließung und auch als im normalen Unterricht. Wenn ich da mal eine Hausaufgabe vergessen habe, war es okay. Jetzt gibt es gleich eine schlechte Zensur. Ansonsten gibt es mehr Videocalls als während der ersten Schulschließung und das hilft beim Verstehen und Besprechen von neuem Schulstoff. Was mich nervt, ist, dass wir immer unsere Kameras anmachen sollen und es nicht akzeptiert wird, wenn wir technische Probleme haben."

Die Statements der Schülerinnen und Schüler, die in diesem Beitrag ihre Meinung zu den Schulschließungen geteilt haben, wurden von der Redaktion im Austausch mit Lehrkräften gesammelt. Die Statements sollen nicht als repräsentatives Meinungsbild der deutschen Schülerschaft verstanden werden. Wir freuen uns über weitere Stimmen – gerne per Mail an: redaktion@werkstatt.bpb.de

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