Bildung im digitalen Wandel

Die Auswirkungen von Corona auf das Berufsbild angehender Lehrerinnen und Lehrer

Porträt von Studentin Kristina Frey. Sie im Halbprofil und lächelt in die Kamera. 
Sie trägt ihre langen, gewellten Haare offen. Sie hat eine weiße, kurzärmelige Bluse an.Kristina Frey (© Heike Ehlers Photography)
Kristina Frey, 26 Jahre, Nordrhein-Westfalen, angehende Gymnasiallehrerin für Biologie und Deutsch (Sekundarstufe I und II)

"Die Corona-Pandemie hat den Blick auf den Beruf als Lehrkraft insofern verändert, als dass man ein Allround-Talent sein muss. Auf einmal zählt nicht mehr nur die Fachlichkeit, die didaktisch-pädagogische Ausbildung, Organisation, die Lehrerpersönlichkeit oder das Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern. Gefragt ist jetzt, wie man mit wenigen digitalen Mitteln einen didaktisch und fachlich wertvollen Unterricht macht und das am besten so, dass alle Schülerinnen und Schüler mitkommen."

Studentin Laura Grobelin. Laura lehnt im Halbprofil stehend an einer Wand. Sie schaut seitlich in die Kamera und lächelt. Sie trägt ihre schulterlangen, braunen Haare offen. Sie trägt einen dunkleren Mantel mit Knöpfen. Das Foto ist schwarz-weiß.Laura Grobelin (© privat)
Laura Grobelin, 22 Jahre, Bayern, angehende Grundschullehrerin für die Jahrgangsstufen 1 bis 4

"Corona hat meinen Blick auf das Berufsbild des Lehrers in vielerlei Hinsicht neu geprägt. Zum einen habe ich nachhaltig bemerkt, dass mein Beruf eine tragende Rolle in der Gesellschaft einnimmt, und ich bin froh, hier mitwirken zu können. Zum anderen fühle ich mich politisch wie gesellschaftlich in meiner Arbeit oft nicht unterstützt und wünsche mir eine bessere Zusammenarbeit zwischen der Bildungspolitik und Schule selbst."

Gezeichnetes Porträt von Student Iven Hoppe. Skizzenhafte Schwarzweiß Zeichnung mit grobem Pinselduktus. Iven steht im Seitenprofil und schaut in die Kamera. Er trägt einen dunklen, langen Bart und kurze Haare. Außerdem trägt er ein Hemd mit Kragen.Iven Hoppe (© privat)
Iven Hoppe, 31 Jahre, Berlin, angehender Gymnasiallehrer für Geschichte, Politikwissenschaften und Latein (Sekundarstufe I und II)

"Die Frage, ob die Covid-19-Pandemie meinen Blick auf das Berufsbild des Lehrenden verändert hat, kann ich mit einem klaren 'jein' beantworten. Mir ist noch bewusster geworden, welch niedrigen Stellenwert die Bildung in Berlin bzw. Deutschland besitzt. Die Schule wird (aktuell) nicht mehr als Lernort, als Ort des Austausches und des sozialen Lernens angesehen. Die Aufsichtspflicht und die Betreuungsfunktion stehen klar im Fokus, alles andere wird untergeordnet.

Bei offenen Fragen werden Vorgaben beschlossen, die das Schulpersonal sowie die Schülerinnen und Schüler umzusetzen haben. Die Wartung und Betreuung der technischen Ausstattung sowie Fortbildungen hierzu (besonders für weniger technikaffine Personen), wurden meines Erachtens nach unzureichend bedacht. Letztlich geht es noch immer darum, Lernenden anhand verschiedener Methoden ein Fach näherzubringen, nur geschieht dies aktuell durch ein anderes Medium, als es bisher der Fall war."

Porträt von Studentin Ines Boebers-Salim. Sie sitzt im Halbprofil, und man erkennt ihren Oberkörper und überschlageneren beine. Ines trägt ein braun-graues Kopftuch und eine beige, seidige Langarm-Bluse. Sie hat ihre Hände überschlagen auf ihrem Knie liegen. Sie trägt einen Ring am Ringfinger und eine goldene Uhr.Ines Boebers-Salim (© privat)
Ines Boebers-Salim, 26 Jahre, Nordrhein-Westfalen, angehende Gymnasial- und Gesamtschullehrerin für Geschichte und Pädagogik (Sekundarstufe I und II)

"Insbesondere das Thema der Digitalisierung in der Schule rückt für mich aktuell stark in den Vordergrund. Es wird vorausgesetzt, dass Lehrende ihren Unterricht innerhalb kürzester Zeit problemlos auf ein digitales Konzept übertragen. Dabei ist digitales Lehren eine Kompetenz, die selbst erst einmal erlernt werden muss. Die Pandemie zeigt, dass Hochschulen und die Institution Schule diese Kompetenz verstärkt fördern müssen und greifbare Konzepte vorlegen sollten, damit (zukünftige) Lehrer und Lehrerinnen nicht an ihrer Eigeninitiative (ver)zweifeln müssen."

Porträt von Studentin Cathrin Bauer. Sie hat schulterlange, braune Haare die sie offen trägt. Sie lächelt in die Kamera. Sie trägt eine schwarze, große Brille und runde, silberne Ohrringe. Sie trägt außerdem eine goldenen Kette und eine grüne Bluse.Cathrin Bauer (© privat)
Cathrin Bauer, 23 Jahre, Bayern, angehende Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung

"Corona hat die Leichtigkeit und Unbeschwertheit im Unterricht etwas genommen. Außerdem sind viele neue Aufgaben dazugekommen, die während der Ausbildung nicht zum Berufsbild gehörten. Aber vor allem hat sich das Berufsbild hinsichtlich der Digitalisierung verändert und wird sich auch weiterhin verändern. Dennoch war mir von Anfang an klar, dass man in diesem Beruf immer flexibel sein muss und mit dem Wandel der Zeit gehen sollte."

Porträt von Studentin Pelin Sayin. Sie hat ihren Kopf leicht geneigt, und lächelt breit, sodass man Ihre Zähne sitzt. Sie trägt ihre langen, schwarzen, lockigen Haare offen. Diese fallen ihr über die Schulter. Sie trägt eine Kette mit einem goldenen Medaillon und ein schwarzes, schulterfreies Oberteil.Pelin Sayin (© Yannic Kötter)
Pelin Sayin, 19 Jahre, Nordrhein-Westfalen, angehende Gymnasial- und Gesamtschullehrerin für Erziehungswissenschaften und Englisch (Sekundarstufe II)

"In gewisser Weise hat Corona tatsächlich meinen Blick auf das Berufsbild Lehrerin und Lehrer verändert. Ich bekomme persönlich mit, dass auf Lehrkräften gerade ein immenser Druck lastet. Es macht für mich sogar den Anschein, als hätten Lehrkräfte momentan keinerlei Perspektive, obwohl sie eigentlich diejenigen sind, die Kindern und Jugendlichen eine Perspektive schaffen sollen.

An dem Beruf eines Lehrenden liebe ich am meisten, dass man den Unterricht so gestalten kann, wie man es am lehrreichsten hält. Durch Online- und Distanzunterricht sind den Lehrkräften jedoch in dieser Hinsicht die Hände gebunden. Das kreiert noch mehr Druck und Spannung, weil sie Gefahr laufen, keinen Anschluss zu den eigenen Schülerinnen und Schülern finden zu können. Unter solchen Umständen als Lehrkraft immer die Ruhe zu bewahren und lösungsorientiert vorzugehen, ist alles andere als einfach oder selbstverständlich."

Porträt von Student Lennart Laufmann. Er steht im Halbprofil und lächelt in die Kamera. Er hat kurze, dunkelblonde Haare. Er trägt ein weißes Hemd mit Kragen.Lennart Laufmann (© privat)
Lennart Laufmann, 34 Jahre, Nordrhein-Westfalen, angehender Förderschullehrer für Englisch und Deutsch

"Corona hat meinen Blick auf das Berufsbild Lehrer verändert. Es gab oft genug Situationen in denen ich um 20 Uhr noch verzweifelten Schülerinnen und Schülern (digital) helfen und anschließend den Unterricht vor- und nachbereiten musste. Darüber hinaus hat man noch Unterrichtsbesuche im Referendariat, an denen man gemessen wird. Zudem lassen politische Entscheidungen die Unterrichtsplanung von heute auf morgen in den Papierkorb wandern. Dennoch wurde mir durch Corona klar, welchen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert der Lehrberuf hat und welche (auch digitale) Möglichkeiten es gibt, Kinder und Jugendliche zu erreichen und ihnen auf ihrem teilweise schwierigen Lebensweg zur Seite zu stehen."

Die Statements der angehenden Lehrkräfte, die in diesem Beitrag ihre Perspektive zum Lehrberuf geteilt haben, sollen nicht als repräsentatives Meinungsbild der deutschen Lehramtsstudierenden, Referendarinnen und Referendare verstanden werden. Wir freuen uns über weitere Stimmen – gerne per Mail an: redaktion@werkstatt.bpb.de




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