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Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!

1.10.2008 | Von:
Wolfgang Sander

Sachanalyse: Mobbing

Rolle von Schule und Medien beim Mobbing

Wenn die Schule es nicht versteht, in ihren Räumen Mobbing zu verhindern, besteht die Gefahr, dass diese schulischen Opfer auch im weiteren Berufsleben Opfer von Mobbingattacken werden können, da sie nicht gelernt haben, sich frühzeitig und angemessen zur Wehr zu setzen und/oder Verbündete zu suchen. Außerdem wäre es fatal, wenn die Schule den Tätern ein breites Übungsfeld zur Verfügung stellte, auf dem sie ihre Mobbingattacken erproben und erfolgreich durchsetzen können. Von daher muss Schule darauf achten, dass die Opfer gestärkt und die Täter frühzeitig erkannt werden sowie ihren Aktivitäten der Boden entzogen wird. Die Förderung des sozialen Klimas in der Schule ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass soziale Entwicklung und Integration der Kinder und Jugendlichen möglich werden. Die Ursachen von Konflikten in der Gesellschaft können dadurch sicherlich nicht behoben werden (z.B. Arbeitslosigkeit, familiäre Konflikte, soziale Benachteiligung etc.). Es können aber Formen des sozialverträglichen Umgangs miteinander entwickelt und gefestigt werden.

Verbaler Gewalt, insbesondere Mobbing, in der Schule besondere Aufmerksamkeit zu widmen, ist somit aus drei Gründen sinnvoll:
  • Infolge verbaler Gewalt kommen mehr Schüler zu Schaden als durch physische Gewalt.
  • Die psychischen Schäden bei den Opfern können zahlreich und sehr erheblich sein, zumal die Entdeckungs- und Aufdeckungsrate häufig sehr gering ist.
  • Das Konflikt- und Gewaltklima an der Schule kann und sollte an der Stelle bearbeitet werden, wo es am häufigsten stattfindet, auch wenn es schwer zu beobachten und daher nur mit besonderem Aufwand zu bekämpfen ist.
Wenn in der Schule frühzeitig interveniert wird, weil alle Akteure eine hohe Sensibilität für Gewaltanwendung jeglicher Art entwickelt haben, kann auch schwerwiegenden Gewaltanwendungen frühzeitig vorgebeugt werden. Bei häufigeren Gewaltformen zu intervenieren, lohnt sich, weil hier der falsche Lerneffekt frühzeitig unterbunden werden kann. Je früher Gewaltanwendungen identifiziert und Akteure in Grenzen gewiesen werden, desto eher gelingt es, Täter in Grenzen zu weisen und Opfer vor fatalen Folgen zu bewahren.

Woran lässt sich erkennen, dass z.B. Herumschubsen in den Pausen und verbale Auseinandersetzungen die Grenzen von alltäglichen Konflikten zwischen Gleichaltrigen überschritten haben? Sicher dann, wenn der "Spaß" für einen der Beteiligten erkennbar aufhört. Der Erzieher oder der der Lehrer müsste am Ort des Geschehens in die Gesichter der Beteiligten schauen oder die Beteiligten danach fragen können, wie ernst diese Rauferei für den einzelnen ist. Aber die Größe des Schulsystems, die Aufsplitterung des Unterrichtsstoffes in einzelne Fächer mit 45-Minuten-Takt und der Leistungs- und Konkurrenzdruck führen häufig zu einer Entpersönlichung des Unterrichtsklimas sowie Störung der sozialen Beziehungen. Mancher Lehrer ist froh, wenn er genügend Zeit für seinen Unterichtsstoff findet, in der Hektik des Schulalltags einen Teil der Schüler namentlich ansprechen kann und den Alltagsstress gut bewältigt. Diese Anonymisierung des Schulbetriebes ist ein günstiges Klima dafür, dass Mobbing entsteht und unentdeckt bleibt. Die Schule sollte daher gegenüber Mobbingphänomenen besondere Aufmerksamkeit walten lassen, Problembewusstsein entwickeln und das Aufdecken von Mobbing nicht dem Zufall überlässt, sondern gezielt darauf achtet.

Zur Rolle der Medien

Die Berichterstattung in den Medien über Gewalt an Schulen führt häufig dazu, dass überwiegend physische Gewaltanwendungen im Mittelpunkt der Wahrnehmungen stehen. Subtilere Formen der alltäglichen gewaltsamen Auseinandersetzung werden folglich vernachlässigt. Hinzu kommt, dass bestimmte Medien den Akteuren selber eine Plattform bieten, um sich dort zu präsentieren frei nach dem Motto. "Ist es nicht einfach toll, via Livekamera im Internet zu erscheinen oder auf Youtube seinen Film einzustellen?" Wenn in der Castinggesellschaft die Selbstdarstellung auf Kosten anderer geht, dann wird Diskriminierung billigend in Kauf genommen. Der Drang, sich in den Medien selbst zu verwirklichen führt bisweilen dazu, dass die Grenzen des Anstandes und des sozialverträglichen Miteinanderumgehens - zunächst nur spielerisch, später dann auch leichtsinnig und unerträglich - überschritten werden. Menschenverachtende Darstellungen und Gewalt verherrlichende Bilder werden so leider schnell "veralltäglicht" und unter Jugendlichen akzeptabel gemacht. "Inwieweit Filme mit gewalttätigem Inhalt tatsächlich zu Gewalt führen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich. Eindeutig ist jedoch ihr Einfluss auf die Wahrnehmung potentieller Opfer: das Mitgefühl mit ihnen nimmt ab" (Jannan 2008, S. 20).

Ähnliches lässt sich auch zu Gewalt verherrlichenden Computerspielen sagen: Das benutzen dieser Ballerspiele führt zu einem Abtrainieren von Hemmungen und zu einer "Konditionierung der Empathielosigkeit" (Wildt/Emrich 2007, S. 534). Die Frage ist also, wie in der Schule zu einem verantwortlichen Umgang mit den Neuen Medien erzogen werden kann. Beispielsweise wäre ein Handyverbot in der Schule eine Möglichkeit, Mobbingformen wie "Happy Slapping" wenn nicht zu unterbinden, so doch zu tabuisieren. Es gilt Signale zu setzen und Grenzen zu ziehen. Ergänzend und ebenso wichtig ist es jedoch, den Schülern anhand anschaulicher Beispiele ein Gefühl dafür zu vermitteln, welche fatalen Folgen diskriminierende Darstellung von anderen Personen in den Medien haben. Hier für Empathiefähigkeit zu sorgen und sich frühzeitig in die Rolle des Opfers und des Betroffenen zu versetzen, ist eine wichtige Aufgabe eines gelungenen medienpädagogischen Unterrichts.

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