Dsa Bild zeigt ein Hinweisschild an einem abgesperrten Düsseldorfer Spielplatz mit der Aufschrift "gesund bleiben". Wegen der Verbreitung des Corona-Virus sind Bürgerinnen und Bürger bis auf weiteres aufgefordert Sozialkontakte zu meiden.

15.6.2021

Die Corona-Krise und ihre Folgen

Ausgewählte Links aus der Sicherheitspolitischen Presseschau

Links vom 26.03.2020

"Why are so few Germans dying from the coronavirus? Experts wonder"

Viele internationale Experten schauen Carlo Angerer and Alexander Smith zufolge derzeit verwundert auf Deutschland, in dem es trotz hoher Infektionszahlen immer noch relativ wenige Corona-Todesfälle gebe. "While countries around the globe struggle to cope with the death, panic, restrictions and economic dislocation wrought by the coronavirus pandemic, a different picture has emerged in Germany. Experts are scrambling to figure out why the country has around 34,000 confirmed infections — the fifth most in the world — but far fewer deaths than other countries. (…) many experts believe that the main reason behind its relatively low death rate is the large number of tests it has been able to conduct. The government has not released official figures, but it says it has the capacity to test about 160,000 people every week. As well as potentially helping identify and slow the spread of the contagion, widespread tests are likely to detect more mild cases that are going unrecorded in other countries, according to Dr. Mike Ryan, health emergencies director at the World Health Organization. (…) Nevertheless, there is still the fear in Germany that if the outbreak does start to spread among older circles, the country could also see a spike in deaths." (NBC News vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5n

"Hoffen auf den Kollaps der Demokratie"

In der Coronakrise habe der Berliner Verfassungsschutz einen besonderen Blick auf die aktuelle Agitation von "Neonazis, Reichsbürgern, Linksextremisten und Salafisten" geworfen, berichtet Frank Jansen. "Sie hoffen auf die große Krise der Demokratie und geizen nicht mit Verschwörungstheorien. Die Coronakrise bietet Neonazis, Reichsbürgern, Linksextremisten und Salafisten Stoff für Agitation, vor allem im Internet. Was da zusammengerührt wird, hat sich jetzt der Berliner Verfassungsschutz genauer angeschaut. In einer fünfseitigen Analyse beschreibt der Nachrichtendienst, wie Verfassungsfeinde das Virus instrumentalisieren wollen. Das Papier liegt dem Tagesspiegel vor. Die geschilderte Propaganda wirkt bizarr, zum Teil auch menschenverachtend." (Tagesspiegel vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5o
"Die andere Gefahr" Christian Bangel warnt davor, sich an die derzeit notwendigen Grundrechtseinschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus zu gewöhnen. "(...) die alte demokratische Denkaufgabe, wie stark wir unsere Freiheit zugunsten der Sicherheit einschränken müssen, haben uns keineswegs die Virologen abgenommen. Im Gegenteil: Sie selbst mahnen, dass die Frage danach, was die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Situation sein könnten, nicht zu kurz kommen darf. So unvorstellbar das in diesen Tagen erscheint: Das Coronavirus wird wahrscheinlich eines Tages handhabbar sein. Es wird Impfstoffe und Medikamente geben – und hoffentlich treffen die Staaten wirksame Vorkehrungen für den nächsten Ausbruch. Die Wirkungen dessen aber, was jetzt unter und zwischen uns geschieht, werden lang, womöglich länger als das Virus anhalten." (Zeit Online vom 23.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5p

"Was sagt die EU dazu?"

Ungarn verabschiede sich mit seinen neuen Notstandsgesetzen in der Coronakrise von europäischen Werten, so Thomas Gutschker. "Auch in anderen Ländern finden Parlamente kreative Wege, wie sie angesichts von Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen arbeitsfähig bleiben. Orbán dagegen redet von 'kollektiver Verteidigung' und von 'Schlachtfeldern', als befände sich sein Land im Krieg. Die Europäische Union muss nun – abermals – darüber entscheiden, wie sie glaubwürdig mit einem solchen Staat in ihren Reihen umgeht, einem Mitglied, das sich von wichtigen europäischen Werten offenbar verabschiedet." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5q

"Coronavirus Is Closing Borders in Europe and Beyond. What Does That Mean for Refugees?"

Viele Flüchtlinge und Migranten an den Grenzen zu Europa sorgen sich Mélissa Godin zufolge aktuell nicht nur um ihre Gesundheit in den überfüllten Lagern, sondern grundsätzlich um die Erfolgsaussichten ihrer Pläne. "While only one case of COVID-19 has been recorded on the five Greek islands that shelter 42,000 refugees, experts say the coronavirus will spread uncontrollably if it reaches the camps. But the virus puts more than just refugees’ health at risk: it could threaten their relocation to other E.U. countries as part of the asylum-seeking process. 'I’m worried that coronavirus will affect whether I can be in a country that I want to be in,' Rahimi says. Human rights activists worry that E.U. countries, particularly Greece, will use the coronavirus as an excuse to suspend asylum or relocation. (…) experts fear that as politicians scramble to contain the spread of the coronavirus, asylum seekers will be affected. They also worry that the relocation of refugees from Greece’s overcrowded camps to other E.U. countries will likely be put on the back burner." (TIME.com vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5r

"Covid-19 Poses a Heightened Threat in Jails and Prisons"

Der Coronavirus stelle in den USA besonders in überfüllten Gefängnissen und Haftanstalten eine ernste Bedrohung dar, schreibt Emma Grey Ellis. "The steady influx of new people into prisons and especially jails makes an outbreak more difficult to prevent. According to Daniel Lopez Acuña, a public health physician who helped craft the World Health Organization’s guidance for managing Covid-19 outbreaks in prisons, new arrivals are a frequent vector for prison outbreaks. During the 1918 influenza pandemic, a single new prisoner precipitated a mass outbreak in California’s San Quentin prison. (…) On top of the ease of spread, the incarcerated population also includes a large number of at-risk older adults, due to the long sentences that are common in the US justice system. People in prison are also more likely to be in poor health to begin with." (Wired.com vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5t

"Israelis bleibt Radius von 100 Metern"

In Israel arbeiten Armee und Polizei im Rahmen verschärfter Notstandsmaßnahmen in der Coronakrise eng zusammen, berichtet tagesschau.de. "Die israelische Armee ist nach eigenen Angaben bereits darauf vorbereitet, die Polizei wenn nötig bei der Durchsetzung der Ausgangsbeschränkungen landesweit zu unterstützen. Vorgesehen sei ein Bataillon pro Polizeidistrikt, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus. Insgesamt gibt es in Israel demnach acht Polizeidistrikte. Die Polizei habe dabei die Führungsrolle inne, die Armee verstärke personell, sagte Conricus. Im Moment gehe die Armee nicht davon aus, dass die Soldaten dabei Waffen tragen würden. Beispielsweise könnte die Armee die Polizei bei der Abriegelung eines Dorfes unterstützen - etwa die Ein- und Ausgänge blockieren. Außerdem bereite sich die Armee auf die Situation vor, die Truppen im Westjordanland zu verstärken." (tagesschau.de vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5u

"In den Köpfen ist noch nichts wie vorher"

Der Alltag in China sei heute ein anderer als vor der Coronakrise, berichtet Ning Wang für den Berliner Tagesspiegel. "Die Unsicherheit ist nicht nur in der Bevölkerung zu spüren. Bei der Staats- und Parteiführung hat sie sich in eine Form von Kontrollwahn umkanalisiert. So werden seit Montag internationale Flüge nach Peking mittlerweile in die benachbarte Provinz umgeleitet und die Passagiere müssen auf eigene Kosten in designierte Hotels in Quarantäne. Bei denen, die noch zu Hause in Selbstquarantäne gehen durften, weil sie schon vor zwei Wochen ins Land gekommen sind, wurden teils Überwachungskameras vor der Haustür installiert, um sicher zu sein, dass sie sich an die Regeln halten. Die Angst, dass die aus dem Ausland einreisenden Menschen die Zahl der Infektionen wieder ansteigen lassen könnten, ist groß. So groß, dass dafür Rassismus und noch mehr Überwachung in Kauf genommen wird. Galt es bisher, Menschen aus Wuhan und Hubei zu meiden, werden inzwischen ausländisch aussehende Menschen gemieden." (Tagesspiegel vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5w

"Pentagon sees coronavirus crisis lasting several months"

Das Pentagon geht davon aus, dass die Coronakrise mehrere Monate anhalten wird und in einigen Ländern zu "politischem Chaos" führen könnte. "US Defense Secretary Mark Esper (…) and General Mark Milley, the chairman of the Joint Chiefs of Staff, addressed questions from members of the US military around the world in a virtual online event. (…) The two men warned that the pandemic could destabilize some countries, to the point where they could present a threat to the United States. The pandemic 'could lead in some cases... to sort of breakdowns. It could lead to political chaos in certain countries. We have to be attuned to that,' Milley said. He noted that shortages of masks, gloves and respirators could have 'severe internal consequences to certain countries that go well beyond the immediate medical issues.' The US will aid its allies, said Esper, but 'with potential adversaries or adversaries (the coronavirus) may cause them to act out in different ways, in ways that impact our security posture, our readiness.' 'So we need to be very conscious and be on the lookout for that as this unfolds,' he said." (Yahoo News vom 24.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5s

"Wir müssen vorbereitet sein"

Auch die Außenpolitikexpertin Nora Müller erwartet, dass die Coronakrise "bekannte sicherheitspolitische Krisen noch verschärfen" wird. "Nordafrika und dem Nahen Osten, Europas von Krisen geplagter südlicher Nachbarschaft, droht durch das Coronavirus eine weitere Destabilisierung. (…) Dass die Corona-Pandemie auch den geopolitischen Großkonflikt des 21. Jahrhunderts, die Rivalität zwischen den Weltmächten USA und China, beeinflusst, ist kaum zu übersehen. Anders als noch während der Vogelgrippe-Epidemie, in der Washington und Peking auf Zusammenarbeit setzten, verschärft sich der amerikanisch-chinesische Gegensatz in der aktuellen Situation zusehends. US-Sicherheitsexperten wie Hal Brands vom American Enterprise Institute (AEI) schließen nicht aus, dass die Volksrepublik die Gunst der Stunde, in der die USA und andere westliche Länder durch das Management des Gesundheitsnotstands abgelenkt sind, nutzen könnte, um den Druck auf Taiwan zu erhöhen oder ihre expansive Politik im Südchinesischen Meer fortzusetzen – beides eine klare Provokation gegenüber dem Westen." (Zeit Online vom 25.03.2020) https://kurz.bpb.de/o5y

"Sunlight Exposes Dangers: Free Speech In (and After) a Pandemic"

Die aktuelle Menge an falschen Informationen über die Corona-Pandemie hat in vielen Ländern zu Forderungen nach einer Einschränkung der Meinungsfreiheit geführt. Walter Olson empfiehlt einen Beitrag von Greg Lukianoff von der Organisation FIRE (Foundation for Individual Rights in Education), der argumentiert, dass Redefreiheit die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Bedrohungen wie dem Coronavirus keineswegs schwäche. "Lukianoff argues, an arena of free expression does not really function as a 'marketplace of ideas' in which competition works to drive out peddlers of falsehood the way a market for goods tends to drive out peddlers of lamps that don’t light. In the idea business, there are people, institutions, and movements that prosper for the longest time selling total junk. Hence the observed failure of the hope for 'the good ideas to ever finally defeat and drive from the earth bad ideas.' The difference is that in systems controlled by the government, like China, those who operate the control switch can cut you off from those trying to reach you with the truth. 'Freedom of speech gives you a fighting chance to know the world as it really is.' Lukianoff’s further and subtler point is this. The free venting of false notions on an ongoing basis, together with the study of false notions circulated in the past, gives us crucial information about the human psyche — what people are prone to believe, and how if ever they might come to be talked out of it — and about the particular landscape of false beliefs we must face in this world right now. It is 'the lab in the looking glass.'" (Cato Institute vom 17.03.2020) https://kurz.bpb.de/o64


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