Inhaltsbeschreibung
Gibt es eine ursprüngliche, kollektive deutsche Identität? Der Historiker Matthias von Hellfeld verneint dies: Jahrhundertelang wurden Deutsche von Kleinstaaterei, Migration und unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen geprägt. Die Vielzahl regionaler und lokaler Identitäten wirke bis heute nach und spiegele sich in einer hohen Diversität. Von Hellfeld untersucht die Gründe für die Verunsicherung vieler Deutscher, wenn es um ihre Nation und den Blick auf die Vergangenheit geht: Er verweist auf die Versuche, über den ahistorischen, konstruierten Mythos einer direkten Linie zwischen germanischen Stämmen der Antike und der Gegenwart eine heldenhafte Vergangenheit zu suggerieren.
Insbesondere die Nationalsozialisten, konstatiert von Hellfeld, stellten diese Mythen in den Dienst ihrer mörderischen Ideologie. Derzeit schürten rechtsextreme Politiker und populistische Rhetoriker die Verunsicherung vieler Deutscher, etwa indem sie sich zunehmend feindselig vom Islam abgrenzten oder Migration an sich dämonisierten, um daraus politischen Profit zu schlagen. Ein unvoreingenommener und historisch informierter Blick zeige, so von Hellfeld, wie Deutschland ökonomisch und gesellschaftlich von der Anwesenheit anderer Kulturen, Lebensgewohnheiten und Weltanschauungen vielfältig bereichert worden sei.