Inhaltsbeschreibung
Im Netz befinden sich die Menschen in einem permanenten Reaktionsmodus: Sie kommentieren, liken, teilen und beobachten die fortlaufenden Reaktionsketten. Im Zeitalter der Sozialen Medien sei das Reagieren zum wichtigsten Modus der Kommunikation und Teilhabe in der digitalen Öffentlichkeit avanciert, so die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout. Nicht der Inhalt eines Posts sei nunmehr der zentrale Maßstab seiner Reichweite, sondern seine Reaktionstauglichkeit.
Anhand vielfältiger Beispiele arbeitet Kohout zwei zentrale Entwicklungen heraus: die Entstehung des hyperreaktiven Menschen, der vorrangig affektiv an Online-Diskursen teilnimmt, und die damit einhergehende Kommunikationspraxis der Hyperinterpretation. Diese bestehe in einer instrumentalisierenden Aneignung und vielfach auch verfälschenden Umdeutung von Inhalten, um gezielt bestimmte Affekte zu erzeugen und polarisierende Narrative zu befördern. So werden Deutungsgemeinschaften mobilisiert, die sich über das Propagieren konkurrierender Wahrheitsentwürfe stabilisieren und in dauerhaften Deutungskämpfen befinden. Kohout zeichnet diese problematischen Entwicklungen nach, um ihnen entgegenzuwirken und eine selbstreflektierte und verantwortungsvolle Teilhabe an der digitalen Öffentlichkeit zu ermöglichen.