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Ostalgie als Standard-Sehnsucht

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Ostalgie als Standard-Sehnsucht Pascal von Wroblewsky, Jazzsängerin

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Die Jazzsängerin Pascal von Wroblewsky erinnert sich an die "schrecklichen Texte", die sie während der Schulzeit anstimmen musste. Die Weltfestspiele verbrachte sie in Dresden, der Trubel war den Eltern zu viel. Die aktuelle Ostalgie betrachtet die Musikerin als eine Sehnsucht nach dem angeblich Besseren, die sich bei fast allen Menschen einstellt.

Ostalgie als Standard-Sehnsucht

Pascal von Wroblewsky im Interview

Ostalgie als Standard-Sehnsucht

Die Jazzsängerin spricht über ihre Kindheit in der DDR und moderne Formen von "Ostalgie".

Textversion des Video-Interviews

'73, da bin ich ehrlich gesagt ein bißchen zu jung gewesen, um irgend etwas mitzubekommen. Meine Eltern sind mit mir ganz schlicht und spontan nach Dresden gefahren, weil uns das alles zu stressig war.

Als die Wende kam, darüber war ich sehr froh, weil – das hat viele Probleme mit sich gebracht – aber auch viele neue Wege und neue Möglichkeiten. Und das einzige, was ich vielleicht bewahre aus der Zeit der DDR, also meine Freunde, die Freundschaften, Leute, die leider weggegangen sind, Leute, die ich wieder gefunden habe, dadurch, dass die Wende kam, dass sie wieder hierher kommen durften.

Es gab sehr, sehr viel absurde Kunst. Also, Kunst, die ja eigentlich staatsverordnet war. Und wenn du die Lieder heute hörst, dann denkst du natürlich immer: Meine Güte, wie schrecklich dieses Zeug war, was wir in der Schule gelernt haben und was wir also rauf und runter herabgebetet haben und wo wir auch oft lachen mußten. Aber ich bin sehr froh gewesen, als 1989 mein erstes Kind in die Schule kam, da war mir klar, das war eine Zeit, wo die Kinder in der Schule nicht mehr diesen Mist lernen, dieses demagogische Zeug, wo also nicht mehr die Frage stand: Redest du zu Hause anders als in der Schule?

Wenn wir, so wie wir es uns gewünscht haben, viele Leute 1989 es sich gewünscht haben, eine neue DDR aufgebaut hätten, das wäre mit unwahrscheinlich vielen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen, und ich möchte heute nicht so leben, eigentlich, wie man in Polen lebt oder zum Beispiel im jetzigen Lettland oder in der ehemaligen Sowjetunion, wo besonders die Leute, die – also die alten Leute, die ja im Krieg viel verloren haben – heute wirklich die Verlierer sind.

Ostalgie ist immer eine ganz komische Sache. Die Leute haben aber immer dazu geneigt. Wenn du zum Beispiel Heine liest, "Deutschland, ein Wintermärchen", beschreibt er, wie die Leute sich nimmer nach dem Mittelalter gesehnt haben, immer nach einem idealisierten Bild, nach Dingen, die angeblich besser gewesen sind. Und das ist normal. Das ist, glaube ich, ein relativ normales Verhalten, dass man sagt: Da ging's mir besser. Aber die Leute waren auch teilweise sehr, sehr bequem, weil, sie haben sich gewünscht, in den Westen zu fahren, sie haben sich gewünscht, die Möglichkeiten zu haben, sie haben sie sich erkämpft, sie haben sie bekommen, also muss man sie auch nutzen.

Fussnoten