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Dokumentation: Die "Verwarnung" an das Lewada-Zentrum

Russland-Analysen Memorial (16.12.2021) Von der Redaktion: Frohes Fest! 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November – 03. Dezember 2021 Erdgashandel (24.11.2021) Analyse: Der deutsch-russische Erdgashandel. Chronik: Covid-19-Chronik, 01. – 13. November 2021 Chronik: 01. – 12. November 2021 Sozialverantwortung und Klima in der Landwirtschaft (10.11.2021) Analyse: Landwirtschaftliche Betriebe in Russland für unternehmerische Sozialverantwortung Analyse: Wird die russische Landwirtschaft vom Klimawandel profitieren? Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Oktober 2021 Chronik: 11. – 29. Oktober 2021 Duma- und Regionalwahlen (01.10.2021) Analyse: Die Dumawahlen 2021 und das zunehmend hegemonial-autoritäre Regime in Russland Analyse: Alexej Nawalnyj, "Smart Voting" und die Wahlen zur russischen Staatsduma 2021 Kommentar: Wahlen in der "Protestregion" Chabarowsk in Online- und sozialen Medien dekoder: Die Evolution der Duma Notizen aus Moskau: Wird (all)es nach den Wahlen wieder besser? Chronik: Covid-19-Chronik, 13. – 26. September 2021 Chronik: 13. – 26. September 2021 Wirtschaftliche Schocks (24.06.2021) Analyse: Die Wirtschaft der "Festung Russland" Analyse: Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Corona-Krise  Chronik: Covid-19-Chronik, 03. – 30. Mai 2021 Chronik: 17. Mai – 10. Juni 2021 Arktis (31.07.2021) Editorial: Sommerpause, на дачу Analyse: Arktische Visionen: Die sowjetische Expansion nach Norden Analyse: Russlands Arktis-Strategie bis 2035 – Große Pläne und ihre Grenzen Analyse: Der russische Vorsitz im Arktischen Rat: Prioritäten und Implikationen für den Hohen Norden Russlands Kommentar: Russlands arktischer Balanceakt Dokumentation: Russland und die Arktis: Eine Auswahl aktueller Publikationen Chronik: Covid-19-Chronik, 14. Juni – 17. Juli 2021 Chronik: 16. Juni – 18. Juli 2021 Duma-Wahlen/Repressionen (08.06.2021) Kommentar: Duma-Wahlen 2021 Kommentar: Informationskriege, Oppositionskoordination und die Dumawahl im Jahr 2021 Kommentar: Wird das Putin-Regime überleben? Kommentar: Vorbereitung auf die Parlamentswahlen 2021 Kommentar: Elektronische Stimmabgabe Kommentar: Bedingungen der Wahlbeobachtung Kommentar: Die wirtschaftlichen Folgen autoritärer Politik Kommentar: Michail Mischustin als ambitionierter "Systemadministrator" des Putinismus Kommentar: Bürger:innen und der starke Mann: Erwachen, soziale Klassen und sozialer Niedergang in Russlands Autokratie Kommentar: Fear and Loathing in Russia: Repressionen als Herrschaftsinstrument des Kremls Kommentar: Ausländische-Agenten-Gesetz vor der Duma-Wahl 2021 ausgeweitet Kommentar: Schrumpfende Freiräume für Russlands Medien Kommentar: Russland drosselte Twitter, um Inhalte zu zensieren dekoder: "Hätten wir eine andere Wahl gehabt? Nein." Dokumentation: Repressive Gesetze, die von Wladimir Putin am 30. Dezember 2020 unterzeichnet wurden Dokumentation: April-Chronik der Repressionen: Der Journalist Ilja Asar hat Buch geführt Umfragen: "Haben Sie Angst vor…?" Umfrageergebnisse des Lewada-Zentrums Dokumentation: Hat der Protest einen Anführer? Wie stehen die Protestierenden zu Nawalnyj? Dokumentation: Russische Online-Zeitung Meduza kämpft ums Überleben Dokumentation: Amnesty International: Die Polizei identifiziert friedliche Demonstrierende mit Gesichtserkennungstechnologie Dokumentation: Human Rights Watch: Der Fall des Menschenrechtsanwalts Iwan Pawlow und neue repressive Gesetze Dokumentation: Stellungnahmen zum Beschluss der russischen Generalstaatsanwaltschaft, deutsche Nichtregierungsorganisationen als in Russland unerwünschte Organisationen zu erklären Chronik: 3. – 14. Mai 2021 Atomenergie / Die Botschaft des Präsidenten (14.05.2021) Analyse: Zum 35. Jahrestag von Tschernobyl Analyse: Russische Reaktoren und russischer Atommüll Analyse: Putins Botschaft an die Föderalversammlung dekoder: Warum Putin dem Volk nichts mehr zu sagen hat Chronik: Covid-19-Chronik, 12. April – 02. Mai 2021 Chronik: 13. April – 01. Mai 2021 60 Jahre Gagarin: Raumfahrt / Das russische Strafvollzugssystem (19.04.2021) dekoder: Juri Gagarin dekoder: Raumfahrtprogramm der UdSSR Analyse: Russland im Weltraum: Die 2020er Jahre Analyse: Russlands internationale Raumfahrtstrategie Analyse: Das Strafvollzugssystem der Russischen Föderation Chronik: Covid-19-Chronik, 15. März – 11. April 2021 Chronik: 17. März – 09. April 2021 Übersterblichkeit (27.03.2021) Analyse: Die Übersterblichkeit macht den wahren Opferzoll deutlich Analyse: Russlands Geografie und die Ausbreitung von Covid-19 Analyse: Die Pandemie in Russlands Föderationssubjekten: Gründe für die unterschiedliche Mortalität dekoder: "Die russische Propaganda hat sich selbst besiegt" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. März 2021 Chronik: 1. – 10. März 2021 Stadtentwicklung/Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen (09.03.2021) Analyse: Ausdehnung des Moskauer Wohnraumsanierungsprogramms Analyse: Urbaner Aktivismus in Russland dekoder: Das Moskau-Experiment Dokumentation: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen" Dokumentation: Stellungnahme: "Entwicklung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsbeziehungen" Chronik: Covid-19-Chronik, 15. – 28. Februar 2021 Chronik: 16. – 27. Februar 2021 Digitale Diplomatie (19.02.2021) Analyse: Russlands digitale Diplomatie Analyse: Mittel und Zweck von Public Diplomacy Kommentar: Zusammenarbeit chinesischer und russischer Medien dekoder: "Schau mich gefälligst an!" Chronik: Covid-19-Chronik, 1. – 14. Februar 2021 Chronik: 1. – 14. Februar 2021 Söldner im Dienst von Russland / Elite-Ranking 2020 / Proteste nach Nawalnyjs Rückkehr (08.02.2021) Söldner im Dienst autoritärer Staaten Analyse: Russische PMCs im Nahen Osten und Afrika Kommentar: Die "Wagner-Affäre" in Belarus und ihre Folgen Kommentar: Geopolitik, Waffen, Erdöl: Was Russlands Präsenz in Venezuela bedingt Karte: Söldner im Dienst von Russland Ranking: Das Elite-Ranking der "Nesawisimaja gaseta" Ranking: Die politische Elite im Jahre 2020: Regierungswechsel, Covid-19-Pandemie und Verfassungsreform dekoder: Russlandweite Proteste – wie nervös macht Nawalny den Kreml? dekoder: Nawalnys Schlusswort: "Einen einsperren, um Millionen einzuschüchtern" Notizen aus Moskau: Von 2011 zu 2021. Zehn Jahre danach. Chronik: Covid-19-Chronik, 11. – 31. Januar 2021 Chronik: 11. – 31. Januar 2021 Visadialog zwischen der EU und Russland (21.01.2021) Analyse: Die Visumpflicht in den EU-Russland Beziehungen Analyse: Perspektiven des Visa-Dialogs zwischen der EU und Russland Kommentar: Visafreiheit für russische Jugendliche Kommentar: Illegale Passportisierungspolitik im Donbas Kommentar: Mit Visafreiheit Brücken in Krisenzeiten schlagen dekoder: Arbeitsmigration in Russland Chronik: Covid-19-Chronik, 30. November 2020 – 10. Januar 2021 Chronik: 3. Dezember 2020 – 9. Januar 2021 Die deutsch-russischen Beziehungen nach den Wahlen (15.10.2021) Analyse: Die Bundestagswahl und die deutsch-russischen Beziehungen Analyse: Chancen für eine neue Russlandpolitik nach der Bundestagswahl Kommentar: Die deutsche Russlandpolitik und das russische Gesetz über "ausländische Agenten" Dokumentation: Ausgewählte Publikationen über die deutsch-russischen Beziehungen Dokumentation: Vorschläge und Empfehlungen zu den EU-Russland-Beziehungen dekoder: Novaya Gazeta dekoder: Muratows Krawatte und der Friedensnobelpreis Chronik: Covid-19-Chronik, 27. September – 09. Oktober 2021 Chronik: 28. September – 08. Oktober 2021 30 Jahre Zerfall der Sowjetunion – Generationen (20.09.2021) Kommentar: Nur ein Menschenleben lang Kommentar: Staatenlosigkeit nach dem Zusammenbruch der UdSSR Kommentar: Der Generationenaspekt beim Zusammenbruch der Sowjetunion Kommentar: Dreißig Jahre Transformation des russischen Hochschulwesens Kommentar: Die Jugend und die Generationen im postsowjetischen Russland: Kommentar: Unternehmerinnen in Russland Notizen aus Moskau: 30 Jahre umsonst? dekoder: Das Licht einer enttäuschten Hoffnung dekoder: Misstrauen auf allen Ebenen Chronik: Covid-19-Chronik, 02. August – 12. September 2021 Chronik: 05. – 12. September 2021 Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Von der Redaktion: Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Kommentar: Die Minsker Vereinbarungen als Chance? Kommentar: (Keine neuen) Erkenntnisse gewonnen Kommentar: Alles auf Status. Russlands riskantes Kriegsspiel mit (in) Europa Kommentar: Russlands Motive Kommentar: Die Gründe für Russlands Vorschläge Kommentar: Würde Putin vom eigenen Volk für eine Invasion in die Ukraine abgestraft werden? Kommentar: Kriegsoptimismus im Russland-Ukraine-Konflikt: Grund zum Pessimismus? Kommentar: Desinformation: ein hoch aktuelles Konzept aus dem letzten Jahrhundert Kommentar: Die Russland-Ukraine Krise: Wo steht Deutschland? Kommentar: Russlands Passportisierung des Donbas: Von einer eingeschränkten zu einer vollwertigen Staatsbürgerschaft? Kommentar: Die OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine: Wunsch und Wirklichkeit Umfragen: Meinungsumfragen zu den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Chronik: 01. – 20. Februar 2022 Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Editorial: Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Die sozialen Sorgen der Bevölkerung in der politischen Rhetorik Kommentar: Das Verhältnis zwischen dem Zentrum und den Regionen in der Rhetorik des russischen Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Nationalitätenpolitik: Russländische Nation versus russisches Volk? Kommentar: Russland entdeckt die Energiewende: Ein Sonderweg zur Dekarbonisierung? Kommentar: Die Ukraine in der Rhetorik russischer Präsidenten und der Staatsduma Chronik: 17. Januar 2022 – 29. Januar 2022 Wirtschaftsbeziehungen im Fernen Osten Analyse: Die Bedeutung des russischen Fernen Ostens für die Asien- und Pazifik-Politik Russlands Chronik: Covid-19-Chronik, 06. – 24. Dezember 2021 Chronik: 06. Dezember 2021 – 15. Januar 2022

Dokumentation: Die "Verwarnung" an das Lewada-Zentrum

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Die "Verwarnung" an das Lewada-Zentrum

Das Lewada-Zentrum, eines der führenden russischen Meinungsforschungsinstitute, auf dessen Materialien auch die Russland-Analysen immer wieder zurückgegriffen haben, ist von der Staatsanwaltschaft Moskau-Sawelowskaja aufgefordert worden, sich gemäß des Gesetzes über nichtkommerzielle Organisationen als "Ausländischer Agent" registrieren zu lassen. Dieser Schritt hat in Russland und im Ausland massive Kritik hervorgerufen. Im folgenden dokumentieren wir den Aufruf der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde sowie die Erklärung russischer Wirtschaftswissenschaftler und der Vereinigung der Markt- und Meinungsforscher. Eine Übersetzung des Textes der "Ermahnung" der Staatsanwaltschaft und der Erklärung des Direktors des Levada-Zentrums Lev Gudkovs finden Sie auf der Website der Zeitschrift "Osteuropa" Externer Link: http://www.zeitschrift-osteuropa.de/support-levada/de

Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft

Aufruf zur Solidarität mit dem Levada-Zentrum

Berlin, 25.5.2013

Die russischen Behörden greifen die Freiheit der Wissenschaft an. Ins Visier geraten ist das unabhängige Levada-Zentrum für Meinungsforschung. Die Bezirksstaatsanwaltschaft Savelovskaja in Moskau hat das Institut am 15.5.2013 wegen Verstößen gegen das Gesetz über nichtkommerzielle Organisationen verwarnt. Das Levada-Zentrum erhalte "Finanzierung aus dem Ausland" und übe durch die Publikation seiner Untersuchungen eine "politische Tätigkeit" aus. Damit erfülle es die "Funktion eines ausländischen Agenten". Wir verurteilen entschieden diesen Versuch der russischen Behörden, das Levada-Zentrum unter seinem Direktor Prof. Dr. Lev Gudkov als "ausländische Agenten" zu diffamieren. Das Vorgehen läuft auf den Versuch hinaus, die Arbeit des Zentrums zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft diffamiert wissenschaftliche Kooperation und die Standards der Wissenschaftsgemeinde, zu der internationaler Austausch selbstverständlich gehört. Damit konterkariert sie Russlands Anspruch, gleichberechtigter Partner einer offenen weltweiten Forschung zu sein. In ihr gilt das Levada-Zentrum als eine Institution von hohem Rang. Wer ein detailliertes Bild über Gesellschaft, Politik und Öffentliche Meinung in Russland gewinnen will, ist auf die transparente Arbeit des Zentrums angewiesen. Bedroht ist nicht nur das Levada-Zentrum, sondern jede unabhängige empirische Sozialforschung in Russland. Das Vorgehen der Behörden ist ein Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft und die Meinungsfreiheit. Dies stellt eine Verletzung der russischen Verfassung und der Europäischen Konvention für Menschenrechte dar. Der Angriff auf das Levada-Zentrum leitet eine neue Stufe in der Politik ein, jene Kräfte der russischen Zivilgesellschaft einzuschüchtern und zu zerstören, die der Staatsmacht nicht genehm sind. Seit März 2013 sind rund 600 NGOs staatsanwaltschaftlich überprüft worden. Ihre Stigmatisierung als "ausländische Agenten" ist eine Propaganda-Methode, deren Wurzeln im Stalinismus liegen und die der sowjetische Geheimdienst gegen Menschenrechtler und Dissidenten anwandte. Dies können und dürfen wir nicht akzeptieren.

  • Wir fordern die russischen Behörden auf, ihr verfassungswidriges und internationales Recht verletzendes Verhalten zu beenden und die Stigmatisierung des Levada-Zentrums als "ausländischer Agent" einzustellen.

  • Wir fordern die Parlamentarische Versammlung des Europarats auf, eine Entschließung zu verabschieden, in der die staatsanwaltschaftlichen Massenüberprüfungen russischer nichtkommerzieller Organisationen und ihre Stigmatisierung als "ausländische Agenten" verurteilt werden.

  • Wir fordern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit, Angehörige der Medien und alle, denen die Freiheit der Wissenschaft, die Meinungsfreiheit und die Zivilgesellschaft wichtig sind, dazu auf, sich durch ihre Unterschrift unter diesen Aufruf mit dem Levada-Zentrum solidarisch zu zeigen.

Was tun? Verbreiten Sie den Solidaritätsaufruf (dt., engl., russ., franz., ital.) sowie das Material. Unterschreiben Sie den Aufruf [Externer Link: https://www.change.org/de/Petitionen/keine-stigmatisierung-des-levada-zentrums-als-ausl%C3%A4ndischer-agent] oder senden Sie Ihre Zustimmung an osteuropa@dgo-online.org Senden Sie Solidaritätserklärungen an das Levada-Zentrum: gudkov@levada.ru und direct@levada.ru

Erstunterzeichner
Prof. Dr. Jörg Baberowski, Historiker, Humboldt Universität Berlin Marie-Luise Beck, MdB, Sprecherin für Osteuropapolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Dr. Klaus Bednarz, Fernsehjournalist, Köln Prof. Dr. Timm Beichelt, Politikwissenschaftler, Universität Viadrina Frankfurt Prof. em. Dietrich Beyrau, Historiker, Universität Tübingen Prof. Dr. Thomas Bremer, Religionswissenschaftler, Universität Münster Dr. Heike Dörrenbächer, Geschäftsführerin, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Berlin Prof. em. Wolfgang Eichwede, Gründungsdirektor der Forschungsstelle Osteuropa, Bremen Prof. Dr. Maria Ferretti, Historikerin, Roma Dr. Mischa Gabowitsch, Soziologe, Zeithistoriker, Einstein Forum, Potsdam JProf Caroline von Gall, Juristin, Institut für Ostrecht, Universität Köln Dr. Gerd Koenen, Historiker und Publizist Frankfurt/Main Dr. Petr Kratochvíl, Direktor Institut für Internationale Beziehungen, Prag Prof. Dr. Jan Kusber, Vorsitzender des Verbands der Osteuropahistoriker, Universität Mainz Prof. Dr. Andreas Langenohl, Soziologe, Universität Gießen, Prof. Dr. Sebastian Lentz, Geograph, Direktor des Leibniz Instituts für Länderkunde, Leipzig Prof. Dr. Rainer Lindner, Historiker, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Berlin Markus Löning, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Berlin Sonja Margolina, Publizistin, Berlin Prof. Dr. Birgit Menzel, Slavistin, Universität Mainz-Germersheim Dr. Grigorij Mesežnikov, Präsident des slowakischen sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts IVO, Bratislava Prof. em. Margareta Mommsen, Politikwissenschaftlerin, Feldafing Prof. em. Dr. Hans Mommsen, Historiker, Feldafing Dr. Stefan Meister, Politikwissenschaftler, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Berlin Prof. Dr. Sighard Neckel, Soziologe, Universität Frankfurt/Main Prof. em. Dr. Claus Offe, Soziologe und Politikwissenschaftler, Berlin Ruprecht Polenz, MdB, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, Berlin Prof. em. Dr. Ulrich K. Preuß, Jurist, Hertie School of Governance, Berlin Katharina Raabe, Lektorin für osteuropäische Literaturen, Suhrkamp-Verlag, Berlin Dirk Sager, Fernsehjournalist, Potsdam Dr. Manfred Sapper, Chefredakteur Osteuropa, Berlin Prof. em. Dr. Karl Schlögel, Historiker, Publizist, Berlin Prof. Dr. Ulrich Schmid, Slavist, Kulturwissenschaftler, Universität St. Gallen Dr. Andreas Schockenhoff, MdB, Koordinator für die deutsch-russische zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit Prof. Dr. Hans-Henning Schröder, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin Dr. Susanne Schüssler, Verlegerin, Wagenbach-Verlag Berlin Prof. em. Dr. Dr. h.c. Dieter Senghaas, Friedensforscher, Bremen Prof. Dr. Eva Senghaas, Sozialwissenschaftlerin, Bremen Prof. Silvia von Steinsdorff, Politikwissenschaftlerin Humboldt Universität Berlin Prof. em. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., Berlin Prof. Dr. Stefan Troebst, Slavist, Zeithistoriker, Universität Leipzig Prof. Klaus Wagenbach, Verleger, Wagenbach-Verlag, Berlin Dr. Volker Weichsel, Redakteur Osteuropa, Berlin Prof. Dr. Michael Zürn, Politikwissenschaftler, Direktor, Wissenschaftszentrum Berlin

Quellle: Externer Link: http://www.zeitschrift-osteuropa.de/support-levada/de

Erklärung von Wirtschaftswissenschaftlern zu den Überprüfungen von Nichtkommerziellen Organisationen zur Beachtung der Gesetzgebung über "ausländische Agenten"

Die Ereignisse der vergangenen Jahre, unter anderem die Entwicklung der "Strategie 2020", die Tätigkeit von "Open Government" und die Einrichtung des Wirtschaftsrates beim Präsidenten der Russischen Föderation, haben das Interesse der Regierung an unabhängiger Wirtschaftsanalyse anschaulich verdeutlicht. Wir sind bemüht, die Anfragen der Regierung nach Kräften und unseren Fähigkeiten gemäß zu erfüllen, und wir sind offen für eine inhaltliche Zusammenarbeit. Allerdings hat jetzt eine Kampagne eingesetzt, die eine solche Zusammenarbeit zu zerstören droht. Die Welle staatsanwaltschaftlicher Überprüfungen über die Beachtung der Gesetzgebung über ausländische Agenten, von der viele Analysezentren und der Verband unabhängiger Zentren für Wirtschaftsanalysen betroffen sind, hat gezeigt, dass diesem Schlag jedwede nichtkommerzielle Organisation ausgesetzt sein kann, die in ihrem Haushalt Mittel aus ausländischen Quellen aufweist, und die eine Tätigkeit ausüben, die zumindest irgendeinen politischen Bezug hat. Die Praxis der Überprüfungen hat gezeigt, dass bereits das Vorhandensein der Worte "Politik" oder "Organe der Staatsmacht" in den Satzungsunterlagen ausreicht, dass eine Organisation als "ausländischer Agent" eingestuft wird. Wirtschaftswissenschaftler sind Kraft ihrer Profession und unabhängig von eigenen Wünschen mit der Entwicklung und Umsetzung von Wirtschaftspolitik befasst. Das gilt sowohl für die Umsetzung von Regierungsinitiativen als auch für die Beteiligung an Forschungsarbeiten im Interesse verschiedener Behörden sowie die öffentliche Diskussion zu Sozial- und Wirtschaftsreformen. Die Analysezentren sind dabei wegen des globalen Charakters der modernen Wirtschaftswissenschaft, als auch wegen des unzureichenden Entwicklungsstandes der Sozial- und Wirtschaftsforschung in Russland bestrebt, mit ausländischen Partnern zusammenzuarbeiten und die Quellen ihrer Finanzierung zu diversifizieren, wobei zu diesen Quellen auch ausländische gehören können. In der Logik von Polizei und Justiz belegten all diese Umstände, dass die Experten- und Analytikergemeinschaft nahezu vollständig aus "ausländischen Agenten" besteht, die sich als solche zu registrieren hätten. Das Wort "Agent" bezeichnet im Russischen jedoch einen Menschen, der im Interesse anderer handelt oder aber ein Spion ist. Wir waren und sind stets im Interesse unseres Landes tätig (und keineswegs Spione), weswegen eine Registrierung als "ausländischer Agent" eine Selbstbezichtigung wäre, zu der wir nicht bereit sein können. Wofür werden die finanziellen Mittel aus ausländischen Quellen bei der Wirtschaftsforschung eingesetzt? Sie fließen in die Förderung der Bildung im Bereich Wirtschaft. In die Vermittlung praktischer Erfahrungen für junge Wissenschaftler. In die Etablierung hoher Standards bei der Wirtschaftsforschung. In die institutionelle Stärkung der Forschungszentren und in die theoretische Forschung. In die Publikation von Forschungsergebnissen. In all diesen Fällen dient eine ausländische Finanzierung (wie auch die aus Russland) der Entwicklung der Expertengemeinschaft. Angesichts des Umstandes, dass der wichtigste Inhalt unserer Tätigkeit in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes besteht, sind die Regierung und die Gesellschaft als Ganzes die letztendlichen Nutznießer der ausländischen Gelder. Die Unabhängigkeit der Wirtschaftsanalyse-Zentren sowie die Objektivität ihrer Einschätzungen und Prognosen werden durch Wettbewerb im Bereich der Wirtschaftsforschung gewährleistet, durch die Publizität der Ergebnisse, die Möglichkeit, dass diese Ergebnisse geprüft und bestritten werden können, und durch eine Diversifizierung der Finanzierungsquellen. Wir gehen davon aus, dass die grundlegenden Begriffe des Föderalen Gesetzes Nr. 121 [über "ausländische Agenten", d. Red.] in Einklang mit dem gesunden Menschenverstand gebracht werden müssen, und dass die Praxis seiner Anwendung geändert werden muss. Es ist offensichtlich, dass als "ausländischer Agent" nur eine juristische Person eingestuft werden sollte, die nicht einfach nur eine ausländische Finanzierung erhält, sondern im Interesse eines ausländischen Staates oder einer ausländischen Firma tätig ist. Genau dieser Ansatz wird in anderen Ländern verfolgt, die den Begriff "ausländischer Agent" verwenden. Die Regierung zeigt ein großes Interesse an den Arbeitsergebnissen der Wirtschaftswissenschaftler und –analytiker. Diese Arbeit gründet sich auf zwei Jahrzehnte Anstrengungen, die unsere Community zum Aufbau der russländischen "Think Tanks", zur Vermittlung von praktischen analytischen Fertigkeiten an unsere Studenten, zur Schaffung von Zeitschriften und anderer Infrastruktur unternommen hat, ohne die eine Arbeit an einem Wirtschaftsentwicklungsprogramm für unser Land nicht möglich wäre. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass eine weitere harte und rechtswidrige Anwendung des Gesetzes über "ausländische Agenten" und eine willkürliche Auslegung seiner Bestimmungen zur Schließung analytischer Zentren, zu einer qualitativen Schwächung der Wirtschaftsanalyse und -expertise, zu einem Zusammenbrechen der Mechanismen zur Weitergabe und Aufrechterhaltung der Standards in unserem Beruf führen wird. Es gab bereits eine Phase in der Geschichte unseres Landes, in der die Wirtschaftswissenschaften und die Wirtschaftsanalyse vollständig unter der Kontrolle des Staates standen. Folge dieser Kontrolle und der "ideologischen Scheuklappen" waren inkompetente Entscheidungen in der Wirtschaftspolitik. Womit das für die sowjetische Wirtschaft geendet hat, ist bekannt. Wir hoffen, dass die Vertreter des Staates an einer kompetenten und objektiven Analyse sowohl im Bereich der Wirtschaftspolitik als auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens interessiert sind. Und das kann nur von freien Experten erwartet werden, auf die kein politischer Druck ausgeübt wird.

Gurwitsch, Je. T. , Präsident der Assoziation unabhängiger Zentren für Wirtschaftsanalyse (ANZEA), Mitglied des Wirtschaftsrates beim Präsidenten der Russischen Föderation, Leiter der Expertengruppe Nr. 2 zur Entwicklung der "Strategie 2020"; Abramowa, Je. A., Vizepräsidentin der ANZEA, Mitglied des Wirtschaftsrates beim Präsidenten der Russischen Föderation; Jakowlew, A. A. , Vizepräsident der ANZEA, Mitglied des Wirtschaftsrates beim Präsidenten der Russischen Föderation, Leiter der Expertengruppe Nr. 4 zur Entwicklung der "Strategie 2020"; Abramow, A. L. , Vorstandsmitglied der ANZEA, verantwortlicher Sekretär des Gesellschaftlichen Expertenrates die Gewinnung von Investitionen in die Region Primorskij bei der Administration der Region; Akindinowa, N. W. , Vorstandsmitglied der ANZEA, Mitglied des Wirtschaftsrates beim Präsidenten der Russischen Föderation für den Bereich Makroökonomische und Finanzpolitik, beteiligt an der Entwicklung der "Strategie 2020"; Owtscharowa, L. N., Vorstandsmitglied der ANZEA, Mitglied des Rates für Pflegschaftsfragen im sozialen Bereich bei der Regierung Russlands, beteiligt an der Entwicklung der "Strategie 2020"; Simatschow, Ju. W., Vorstandsmitglied der ANZEA, Mitglied der Expertengruppe Nr. 15 zur Entwicklung der "Strategie 2020".

Übersetzung: Hartmut Schröder

Erklärung der Vereinigung der Markt- und Meinungsforscher (OIROM)

Wir, die Vertreter der Mitgliedsunternehmen der Nichtkommerziellen Partnerschaft "Vereinigung der Markt- und Meinungsforscher" (OIROM) erklären unsere Unterstützung für die Autonome Nichtkommerzielle Organisation "Lewada-Zentrum", die ein Mitglied unserer Partnerschaft ist, und erachten es für notwendig, unsere Position angesichts der aktuellen Situation um das Zentrum zum Ausdruck zu bringen. Das Lewada-Zentrum hat sich sein Ansehen als anerkannte und unabhängige Informationsquelle über viele Jahre hinweg erarbeitet. Dieses Ansehen belegt hinreichend die Bedeutung des Zentrums für die Wissenschaft und den gewichtigen Beitrag, den das Zentrum für die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit zwischen soziologischen Einrichtungen sowie die Förderung des Informationsaustauschs in den Bereichen Soziologie und Meinungsforschung geleistet hat. Unserer Ansicht nach stellt die freie Verbreitung von Ergebnissen unabhängiger Meinungsforschung, auch zu politischen und gesellschaftlichen Fragen und unabhängig von den Finanzierungsquellen, eine der unabdingbaren demokratischen Werte des modernen Russland dar. Diese Arbeit verfolgt vor allem wissenschaftliche Ziele, und die offene Publikation der Forschungsergebnisse dient der Informierung von Gesellschaft und Öffentlichkeit. Wir verwahren uns dagegen, dass soziologische Umfragen, unter anderem zu gesellschaftlichen und politischen Themen, und die Interpretation der Ergebnisse durch das durchführende Forschungszentrum mit "politischer Betätigung" gleichgesetzt werden. Wir gehen davon aus, dass eine solche Auslegung der Tätigkeit des Lewada-Zentrums wie auch einer Reihe anderer Forschungsorganisationen durch Polizei und Justiz in vielerlei Hinsicht bereits durch die ungenaue Definition des Begriffs "politische Betätigung" in den derzeit geltenden Gesetzen der Russischen Föderation bedingt ist. Die Vereinigung der Markt- und Meinungsforscher (OIROM) ist als ein führender Verband der Forschungsindustrie Russlands bereit, den staatlichen Stellen bei der Korrektur jener Gesetze, die die Arbeit unsere Branche berühren, die notwendige Unterstützung zu gewähren. Wir bekräftigen unsere Bereitschaft, unsere Kollegen auch weiterhin aktiv in der Wahrung ihres unabdingbaren Rechts auf die Ausübung ihres Berufes zu unterstützen. Baschkirowa, Je., OOO "Baschkirowa und Partner" Wolkenschtejn, M., SAO "Soziologischer Dienst ›WALIDEJTA‹" Grodskij, W., SAO "TNS Gallup Media" Dembo, O., OOO "O plus K" Demidow, A., OOO "Internationales Institut für soziologische und Marketingforschung ›GFK-Rus‹" Konewa, Je., OOO "Synovate Comcon" Malychina, M., OOO "Magram Market Research" Mintusow, I., OOO "Agentur für strategische Kommunikation ›Niccolo M‹" Mositschewa, Je., OOO "MarketSense" Nowikow, A., SAO "MASMI" Nowikow, A., OOO "Freude des Verstehens" Oslon, A., OOF "Öffentliche Meinung" [FOM] Pisarskij, D., OOO "Kompanija ›ARMI-Marketing‹" Ponomarjow, D., SAO "Analytisches Zentrum LIN-kor" Walker, P., SAO "A. C. Nielsen" Sterlin, A., SAO "Business Analytik – Market Kontur" Fjodorow, W., OAO "Allrussisches Zentrum zur Erforschung der öffentlichen Meinung" [VCIOM]

Übersetzung: Hartmut Schröder Quelle: Externer Link: http://www.oirom.ru/publications.php?id=31

Fussnoten